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 Nordamerika
Albrecht von Wallenstein Offline




Beiträge: 350

29.07.2009 12:29
RE: Franzosen- und Indianerkriege Antworten

Franzosen- und Indianerkriege

Franzosen- und Indianerkriege ist in den USA der Name für eine Serie von Konflikten in Nordamerika, die Teil europäischer Erbfolgekriege waren. Während in einige Konflikte spanische und niederländische Streitkräfte verwickelt waren, fanden die meisten zwischen Allianzen aus dem Königreich Großbritannien, seinen Kolonien und Indianern auf der einen Seite und Frankreich, seinen Kolonien und Indianer auf der anderen Seite statt. Die expandierenden französischen und englischen Kolonien fochten um die Kontrolle der westlichen Hinterlandterritorien. Wann immer europäische Länder in den Krieg zogen, fanden auch Aktionen in und durch ihre Kolonien statt. Die nordamerikanischen Kriege und die dazu gehörigen europäischen Kriege sind, in zeitlicher Reihenfolge:

* 1689–1697 - King William's War / Pfälzischer Erbfolgekrieg
* 1702–1713 - Queen Anne's War / Spanischer Erbfolgekrieg
* 1744–1748 - King George's War / Österreichischer Erbfolgekrieg
* 1754–1763 - Franzosen- und Indianerkrieg / Siebenjähriger Krieg

Im Verlauf der Kriege verschob sich der Vorteil unaufhaltsam zu Gunsten der britischen Seite. Das lag zum größten Teil an der größeren Einwohnerzahl und der höheren Produktionskapazität der britischen Kolonien im Vergleich zu denen Frankreichs. Die Franzosen konnten das durch eine erfolgreichere Mobilisierung von Indianerallianzen ausgleichen, wurden aber letztendlich überrannt. Ironischer Weise führte der überwältigende Sieg der Briten zum Verlust ihrer amerikanischen Kolonien. Ohne den Druck der Franzosen sahen die amerikanischen Kolonien nur wenig Grund für britischen Militärschutz und waren über die britische Beschränkungen bei der Besiedlung der neuen französischen Territorien verärgert, die in der Königlichen Proklamation von 1763 festgelegt wurden. Diese Unterdrückung führte zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

King William’s War

King William’s War (1689–1697), der erste der Franzosen- und Indianerkriege, war der nordamerikanische Schauplatz im Pfälzer Erbfolgekrieg (1688–1697), der vor allem in Europa zwischen den Armeen Frankreichs unter Ludwig XIV. und einer Allianz europäischer Mächte einschließlich Englands ausgetragen wurde.

King William’s War begann, als sich König Wilhelm III. von England der Liga von Augsburg gegen Frankreich anschloss. Frankreich und seine indianischen Verbündeten (Abenaki) griffen britische Grenzsiedlungen an. Die Briten konnten Québec nicht erobern und der französische Kommandeur griff die britisch besetzte Küste an. Der Frieden von Rijswijk beendete 1697 den Krieg, aber der Frieden hielt nicht lange. Schon kurz darauf waren die Kolonien in den nächsten der Franzosen- und Indianerkriege verwickelt, Queen Anne’s War (1702–1713).

Queen Anne’s War

Queen Anne’s War (1702–1713) war der zweite der vier Franzosen- und Indianerkriege, in denen Frankreich und das Königreich Großbritannien in Nordamerika um die Kontrolle des Kontinents fochten. Hier fand ein europäischer Krieg, der Spanische Erbfolgekrieg, der zur gleichen Zeit in Europa tobte, das erste Mal in der Geschichte, einen Parallelkriegsschauplatz.

Vorgeschichte

Spannungen zwischen den beiden Kolonialmächten Frankreich und England traten schon vor 1700 auf. Der Krieg in Europa schien ein günstiger Anlass zu sein, diese Streitigkeiten in Nordamerika durch einen weiteren Krieg zu beenden. Die französische Kolonie Neufrankreich basierte wirtschaftlich seit je her auf dem Pelzhandel in Nordamerika. Die Jagdgründe waren jedoch alsbald leergefegt und es mussten neue Jagdgebiete erschlossen werden. Das Einzugsgebiet wurde über die Großen Seen und den Mississippi River nach Süden, sowie nach Norden zur Hudson Bay ausgedehnt. Die Interessen der englischen Kolonien, deren Wirtschaft auf Ackerbau (auch Plantagen), Fischerei, Manufakturen und auch auf dem Pelzhandel basierte, richteten sich ebenfalls auf die Hudson Bay und auf die Gegend des Mississippi. Ein weiterer Grund für Streitigkeiten waren das französische Acadia und Neufundland mit den reichen Fischgründen. Die französischen Fangflotten waren außer Stande, diese abzufischen, weshalb englische Fischer oftmals bis hierher vordrangen.

Die 13 englischen Kolonien wurden von etwa 300.000 Menschen bevölkert, wohingegen in Neufrankreich nur knapp 12.000 Siedler lebten. Der Expansionsdrang der 13 Kolonien stand den französischen Interessen bezüglich des Pelzhandels konträr gegenüber.

Die Kriegsführung im kolonialen Nordamerika kann nicht mit der den europäischen Allianzkriegen wie dem Pfälzischen Krieg oder auch dem Spanischen Erbfolgekrieg verglichen werden. Die „Offensiven“ erfolgten oftmals in kleinstem Ausmaße, nicht selten wurde eine Gruppe von 100 Milizionären als Armee tituliert. Die Armeen in den Kolonien, hier vor allem die englischen, rekrutierten sich zu einem Großteil aus Milizionären, da die regulären Soldaten auf den europäischen Schlachtfeldern vonnöten waren. Auf französischer Seite, auf Grund des Mangels an freistellbaren Bauern oder Handwerkern, wurden diese Kriegsteilnehmer hauptsächlich aus alliierten Indianern und regulären Einheiten zusammengestellt.

Durch das Zusammenwirken der indigenen Bevölkerung und der Franzosen war die Stoßrichtung der Angriffe vorgegeben. Mit den Siedlern New Yorks unterhielten die Caughnawaga eine Art Neutralitätsvertrag; diesen zu unterminieren musste das Ziel der Franzosen sein. Die Abenaki, durch die günstigeren und besseren Waren der englischen Kolonien angezogen, mussten verlässlich als Alliierte gewonnen werden, damit Frankreich diesen wichtigen Bündnispartner nicht verlor. Wegen dieser Zwänge wurden die Grenzen Massachusetts' und New Yorks zum Hauptziel der französisch-indigenen Angriffe. Ebenso musste der 1701 mit den Irokesen vereinbarte Frieden (Irokesenfrieden von 1701) gewahrt bleiben, weshalb ein Ausgreifen in Richtung ihrer Jagdgründe unmöglich gemacht wurde, um nicht ein Bündnis zwischen Engländern und Irokesen zu ermöglichen, zu schwer wogen noch die Erinnerungen an die Irokesenkriege. Diese war parties zogen wie Guerilla-Kämpfer im Dickicht an ein englisches Dorf und überfielen es in einem günstigen Moment, sie waren so schnell verschwunden, wie sie gekommen waren.

Die Franzosen setzten sich zum Ziel, die zahlenmäßig überlegenen Engländer niemals in französische Territorien vordringen zu lassen und deren Kräfte in den Grenzgebieten Neu Englands zu binden. Lange Zeit begnügten sich die englischen Siedler mit der Aushebung von Milizen zur Überwachung der Grenzen, sowie zu deren Schutz. Die Länge sorgte für Probleme. Dadurch gelangten die Gouverneure zu der Auffassung, dass die beste Verteidigung die Offensive gegen Neufrankreich sei. Mehrmals wurden Milizen rekrutiert, die die 1000 Mann Stärke bei weitem überstieg. Doch durch nur sehr verhaltene oder sogar ausbleibende Unterstützung durch das Mutterland mussten großangelegte Angriffspläne verworfen werden. Das Ausbleiben von Transportschiffen machte es unmöglich, die Milizionäre schnellstmöglich nach Neufrankreich zu bewegen.

Der Krieg in Nordamerika blieb somit auf sehr kleine Räume beschränkt, es wurden keine offenen Feldschlachten geführt, da dies die Vegetation nicht zuließ und die Verluste an Menschenleben erreichte nie die Zahl des europäischen Kriegsschauplatzes.

Kriegsverlauf

1702, zu Anfang des Krieges, eroberten die Engländer das spanisch besetzte St. Augustine. Die englische militärische Unterstützung der Kolonisten war weitgehend ineffektiv oder durch die Verteidigung der Gebiete um Charleston (South Carolina), der New York-Neuengland-Front und der kanadischen Territorien abgelenkt. Französische Streitkräfte und indianische Stämme attackierten Neuengland von Kanada aus und zerstörten 1704 Deerfield (Massachusetts). In den folgenden Jahren führten die Franzosen den Guerillakampf weiter, der Höhepunkt blieb jedoch das Deerfield Massaker. Die Briten bereiteten einen Gegenschlag vor, der die Franzosen endgültig aus Nordamerika verdrängen sollte. Man wollte Neufrankreich erobern und zu einer englischen Kronkolonie umwandeln. Die Pläne scheiterten 1709, nachdem zugesicherte Verstärkungen aus dem Mutterland auf den europäischen Schlachtfeldern benötigt wurden. Die Offensive sollte sich nun gegen das französische Akadien mit der Hauptstadt Port Royal richten. Port Royal wurde fast 2 Wochen belagert, bis die Franzosen kapitulierten. Mit der Einnahme von Port Royal 1710 hatten sich die Briten die Kontrolle des Zugangs zu Neufrankreich gesichert. 1712 wurde ein Waffenstillstand erklärt. Der Frieden von Utrecht 1713 beendete die Kriegshandlungen in Nordamerika.

Der Frieden von Utrecht

Nach den Bedingungen des Friedens von Utrecht erhielt Britannien Akadien in den alten Grenzen, Neufundland, die Hudson Bay-Region und die karibische Insel St. Kitts. Die Regelungen für Akadien sollten mit Anlass für den nächsten der Franzosen- und Indianerkriege, King George’s War 1744 sein. Der Verkehr in und aus Neufrankreich konnte nun von den Briten überwacht werden. Frankreich hatte den Zugang zu fast allen Fischgründen verloren, einzig vor Neufundland erhielten sie Fischereirechte zu erkannt. Die kürzlich erschlossenen Pelzgründe der Hudson Bay waren für immer an die Engländer übergegangen. Wahrscheinlich stellte dieser Frieden den Anfang des Endes der französischen Kolonien in Nordamerika dar.

Die britische Eroberung Akadiens brachte den französischen Einwohnern harte Konsequenzen. 1755, während des Franzosen- und Indianerkrieges, wurden viele aus der Kolonie deportiert. Denjenigen, welche ansässig bleiben wollten, wurden Freiheiten wie Religionsfreiheit abgesprochen. Einige zogen bis Louisiana.

Anmerkungen

1707 wurden England und Schottland nach dem Act of Union 1707 als das Königreich Großbritannien mit einem gemeinsamen Parlament in Westminster vereinigt. Seit diesem Zeitpunkt wird von Briten und nicht von Engländern gesprochen. Danach schlossen sich die schottischen Truppen ihren englischen Gegenstücken in diesem Krieg an.


King George’s War

King George’s War (1744–1748) nennt man vor allem in den USA die militärischen Operationen in Nordamerika, die Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) waren. Er gehört zu den Franzosen- und Indianerkriegen. Im Laufe des Krieges eroberten britische koloniale Truppen die französische Festung von Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel. Sie fiel aber durch den Zweiten Aachener Frieden wieder zurück an Frankreich. König Georgs Krieg konnte die Kraftprobe zwischen Großbritannien und Frankreich nicht stoppen. Österreich verlagerte seine Loyalität von Großbritannien zu Frankreich, als Großbritannien sich mit Preußen verbündete und der Konflikt sich fortsetzte. Das sollte zum Siebenjährigen Krieg in Europa und zum vierten und letzten Franzosen- und Indianerkrieg in Nordamerika führen.


Franzosen- und Indianerkrieg

Als Franzosen- und Indianerkrieg (French and Indian War) (1754–1763) werden die Auseinandersetzungen in Nordamerika vor und vor allem während des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763) in Europa zwischen Briten und Franzosen sowie den mit der jeweiligen Seite verbündeten Indianern bezeichnet. Er gilt als Teil des Siebenjährigen Krieges, da insbesondere der Kriegsschauplatz in Westdeutschland Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit Frankreichs in den Kolonien hatte. Er ist von großer Bedeutung für die Geschichte der USA und Kanadas, da er die französische Herrschaft in Nordamerika endgültig beendete. Dieser Konflikt ist der letzte und namensgebende Teil von vier aufeinander folgenden Franzosen- und Indianerkriegen. Voraus gegangen war der King George’s War (1744–1748) in den heutigen USA als militärischen Operationen in Nordamerika, die Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) waren.

Der Konflikt um das Ohiotal

Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts war die Region jenseits der Appalachen in Nordamerika von europäischen Siedlern weitgehend unberührt geblieben. Dies änderte sich nun, denn die wachsende Bevölkerung der britischen Kolonien begann, Interesse an den fruchtbaren Gebieten jenseits des Gebirgszugs zu entwickeln. Damit kollidierten die Interessen der britischen Kolonisten mit denen Frankreichs, das die gesamte Region der Großen Seen sowie die vom Mississippi und vom Sankt-Lorenz-Strom durchflossenen Gebiete für sich beanspruchte. Hierzu gehörte auch das Tal des Ohio River, der als Verbindung zwischen dem im Norden gelegenen Kanada (Neufrankreich) und den südlichen Besitzungen in Louisiana von großer strategischer Bedeutung war. Die Franzosen legten deshalb eine Kette von Forts vom Lake Champlain entlang des Wabash River, Ohio River, Mississippi und Missouri an, während die Briten ihrerseits Befestigungen in Halifax und Fort Oswego am Ontariosee bauten und Land im Ohiotal an die Ohio Company und abenteuerlustige Händler vergaben, die dort Niederlassungen errichteten.

Der Konflikt um Akadien

Ein weiterer Konfliktherd war die kanadische Provinz Akadien, die ganz oder teilweise die heutigen Provinzen Neuschottland, Neubraunschweig und Québec umfasste. Dieses Gebiet war 1710 während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714) von britischen Truppen erobert und im Frieden von Utrecht 1713 an Großbritannien übertragen worden. Die französischstämmige, katholische Bevölkerung genoss weitgehende Autonomie und Religionsfreiheit; britische Garnisonen lagen lediglich in Annapolis Royal und im 1749 gegründeten Halifax, um das herum ein britischer Siedlungskern entstand.

Frankreich hatte sich mit diesem Verlust jedoch nicht abgefunden. Französische Priester, Missionare und Offiziere versuchten offen oder verdeckt, die Akadier zur Revolte gegen die Briten anzustacheln, sie für das französische Militär zu rekrutieren oder zur Auswanderung in französisch beherrschte Gebiete zu veranlassen. Eine Schlüsselrolle hierbei spielte Abbé Louis Joseph Le Loutre, katholischer Generalvikar von Akadien und Missionar der Micmacs, eines dort lebenden Indianerstamms. Er übte massiven Druck auf die Akadier aus, den Treueid auf den britischen König zu verweigern und auszuwandern. Seinen Einfluss auf die Indianer nutzte er, um mit deren Hilfe Druck auf die Akadier auszuüben und einen Kleinkrieg gegen die Briten zu beginnen.

Auf seine Veranlassung hin kam es zu Angriffen auf britische Händler, Soldaten und Siedlungen; französische Dokumente belegen, dass der Geistliche den Indianern 100 Livres für jeden Skalp eines Briten bezahlte. Schon ab 1750 kam es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen, an denen neben Indianern auch Akadier beteiligt waren. Nachdem die Franzosen 1751 das Fort Beauséjour auf von Großbritannien beanspruchtem Gebiet errichteten und die Akadier aufforderten, einen Treueid auf den König von Frankreich abzulegen, Dienst in der französischen Miliz zu tun oder als Rebellen behandelt zu werden, war auch hier der offene Ausbruch von Feindseligkeiten nur noch eine Frage der Zeit. 1754 antwortete der britische Gouverneur von Akadien mit einer Proklamation, der zufolge alle Akadier, die den Treueid abgelegt hatten, aber Waffen gegen die Briten ergriffen, als Kriminelle behandelt würden. Die Akadier wurden so zu den Leidtragenden eines auf ihrem Rücken ausgetragenen Machtkampfs.

Der Weg zum Krieg

1750 versuchten britische und französische Gesandte bei einem Treffen in Paris vergeblich, die Probleme im Ohiotal und in Akadien zu lösen. 1752 wurde Ange de Menneville, Marquis de Duquesne, zum Generalgouverneur von Neufrankreich (Kanada) gemacht und erhielt die ausdrückliche Aufgabe, das Tal des Ohio für Frankreich zu sichern und die Briten aus diesem Gebiet zu vertreiben. Im folgenden Jahr schickte er Truppen, die Befestigungen auf Presque Island (bei Erie, Pennsylvania) und bei Rivière aux Boeufs (bei Waterford) anlegten. Französische Offiziere und Missionare begannen systematische Bemühungen, den Einfluss britischer Händler auf die Indianer zurückzudrängen und diese auf ihre Seite zu bringen. Nicht zuletzt aufgrund der Untätigkeit der Briten konnten die Franzosen die meisten Stämme für sich gewinnen. Gleichzeitig drangen britische Siedler und Händler aus Virginia, ermuntert von ihrem Gouverneur Robert Dinwiddie, verstärkt in das Ohiotal vor, das Dinwiddie als Teil seiner Kolonie beanspruchte.

Die Franzosen waren durch die zahlenmäßig geringere Bevölkerung ihrer Kolonie (etwa 60.000 gegen mehr als 2 Millionen in Britisch Nordamerika) eindeutig im Nachteil. Insofern standen ihre Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang des Krieges von Beginn an sehr schlecht. Zwar wurde die Kriegführung der Briten von dem Fehlen einer koordinierenden Instanz oberhalb der einzelnen Kolonien behindert, hierbei vor allem von den inneren Konflikten zwischen den Gouverneuren und den Parlamenten der Kolonien, die dazu führten, dass die dringend notwendigen Gelder für den Bau von Forts, für Geschenke an die Indianer und für die Besoldung von Truppen nicht bewilligt wurden. In gleicher Weise wurde allerdings die Verteidigung von Neufrankreich durch den Konflikt zwischen Gouverneur Vaudreuil und General Montcalm sowie die endemische Korruption in den Kolonien belastet.

Der Ausbruch des Kriegs

Nachdem Dinwiddie von neuen Forts der Franzosen am oberen Allegheny River erfahren hatte, schickte er einen jungen Offizier aus Virginia, George Washington, mit der schriftlichen Aufforderung an die Franzosen, die Region zu verlassen, was keinen Erfolg hatte. Auf dem Rückweg stellte Washington fest, dass die Stelle, an der der Allegheny und der Monongahela River zusammenfließen und den Ohio bilden, eine hervorragende Stelle für ein Fort sei. Anfang 1754 begannen die Briten deshalb mit dem Bau des Fort Prince George. Die Franzosen erfuhren jedoch davon, schickten Militär, zwangen die Briten am 17. April zum kampflosen Abzug, zerstörten die Befestigung und errichteten an ihrer Stelle eine größere, die sie nach ihrem Gouverneur Fort Duquesne nannten.

Washington war mittlerweile mit einigen Soldaten nach Westen geschickt worden, um die britischen Positionen dort abzusichern, und hielt sich im nahe dem Fort Duquesne gelegenen Great Meadows (nahe dem heutigen Uniontown, Pennsylvania) auf. Als er erfuhr, dass sich in der Nähe seines Lagers französische Soldaten befanden, griff er diese am 29. Mai an, da er einem Überfall zuvorkommen wollte.

Mit diesem für die Briten erfolgreichen Scharmützel, dem sogenannten Jumonville-Zwischenfall (nach einem hierbei getöteten französischen Offizier), brach der Krieg offen aus. Auf die Nachricht von dem Überfall hin schickte der Kommandeur von Fort Duquesne zahlenmäßig weit überlegene Verstärkungen, die Washington und seine Männer in dem hastig errichteten Fort Necessity einschlossen und nach einem kurzen Gefecht am 3. Juli zur Kapitulation gegen freien Abzug zwangen. Mit diesem Zwischenfall war ein Krieg unvermeidlich geworden.

Im folgenden Jahr wurde Generalmajor Edward Braddock nach Amerika geschickt und zum britischen Oberkommandierenden ernannt. Daraufhin segelte eine französische Flotte mit Truppen unter dem deutschstämmigen General Ludwig August von Dieskau nach Kanada. Ein britisches Geschwader unter Vizeadmiral Edward Boscawen versuchte vergeblich, die Franzosen abzufangen, konnte aber am 6. Juni drei französische Linienschiffe stellen und nach einem kurzen Gefecht zwei davon, die Alcide und die als Truppentransporter dienende Lys zur Kapitulation zwingen.

Mittlerweile hatten die Briten die Ausführung von vier simultanen Angriffen auf die Franzosen beschlossen. Eine überwiegend aus regulären Truppen gebildete Expedition unter Braddock sollte Fort Duquesne angreifen, eine zweite aus Miliztruppen unter Sir William Johnson richtete sich gegen das Fort bei Crown Point, und eine dritte Armee, ebenfalls aus Miliztruppen gebildet, sollte die Franzosen aus Akadien vertreiben. In einem vierten Vorhaben sollten Truppen unter William Shirley, dem Gouverneur von Massachusetts, Fort Niagara angreifen.

Im April 1755 begann Braddock mit etwa 2.200 Mann seinen Marsch auf Fort Duquesne, wurde aber von den Franzosen und ihren indianischen Verbündeten am 9. Juli in der Schlacht am Monongahela vernichtend geschlagen und tödlich verwundet. Der britische Angriff auf das Ohiotal war damit abgewehrt, doch im Norden waren sie erfolgreicher. Die Milizionäre unter Johnson konnte die strategisch wichtige Befestigung Fort Edward (Fort Lyman) am Hudson River anlegen und die von Dieskau geführten Franzosen am 8. September 1755 in der Schlacht am Lake George besiegen. Johnson legte zwar das ebenfalls strategisch wichtige Fort William Henry am Lake George an, ließ aber die Gelegenheit zum Angriff auf Crown Point verstreichen.

Erfolglos blieb auch der Vorstoß Shirleys auf Fort Niagara. Die Briten marschierten bis zum Ontariosee, beschränkten sich aber darauf, Fort Oswego zu verstärken. Grund hierfür waren Nachschubschwierigkeiten und französische Truppen in Fort Frontenac, die bei einem Angriff auf Fort Niagara die Verbindungslinien abgeschnitten hätten.

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Akadien (1754)

Erfolgreich war hingegen eine Expedition aus neuenglischen Milizen und regulären Soldaten der Garnison von Halifax unter Brigadegeneral Robert Monckton. Dieser Truppenverband landete Anfang Juni bei dem britischen Fort Lawrence und begannen kurz danach mit der Belagerung des nahe gelegenen französischen Forts Beauséjour. Nach einer zweiwöchigen Belagerung kapitulierten die französischen Verteidiger am 16. Juni. Damit war den britischen Truppen ein entscheidender Einbruch in das französische Verteidigungssystem gelungen und die strategisch so überaus wichtige französische Seefestung Louisbourg war seit dieser Niederlage von jedwedem Hinterland isoliert. Zugleich waren damit auch die französischstämmigen Siedler Akadiens von jeglicher Unterstützung aus dem kanadischen Kerngebiet abgeschnitten worden.

Nachdem die Akadier weitere Aufforderungen zur Ablegung des Treueids auf die britische Krone verweigert hatten, begannen die Briten am 5. September mit der Festnahme und Deportation der kompletten französischstämmigen Bevölkerung Akadiens, soweit sie sich dem nicht durch Flucht entzog. Ab dem 8. Oktober wurden über 6.000 Männer, Frauen und Kinder in die britischen Kolonien in Neuengland verschifft. Mit dieser harten – und selbst für die damalige Zeit außergewöhnlich grausamen – Maßnahme war die britische Position in Akadien abgesichert. Ein kleiner Verband französischer Truppen leistete den Briten danach zwar noch einen mehrjährigen Kleinkrieg in den Wäldern, doch einen ernsthaften Versuch zur Rückeroberung vermochten die Franzosen nicht mehr zu unternehmen.

Neben diesen größeren militärischen Operationen begann 1755 auch ein grausamer Kleinkrieg an den Grenzen der britischen Kolonien, dessen Hauptleidtragende die weitgehend schutzlosen Siedler waren. Von französischen Soldaten unterstützte Indianer unternahmen – nicht zuletzt auf der von Braddocks Soldaten gebauten Straße – zahlreiche Vorstöße insbesondere nach Pennsylvania, Maryland und Virginia, zerstörten Siedlungen und Höfe und töteten oder verschleppten deren Bewohner. Erleichtert wurden diese Angriffe dadurch, dass sich das von pazifistischen Quäkern dominierte Parlament von Pennsylvania aufgrund von Verfassungsstreitigkeiten mit dem Gouverneur über längere Zeit weigerte, Verteidigungsmaßnahmen zu billigen und Gelder bereit zu stellen. So sollen allein die Abenaki aus der heutigen kanadischen Provinz Quebéc mehr als 600 Briten getötet haben. Diese rächten sich ihrerseits mit brutalen Rachefeldzügen gegen Indianer und – soweit greifbar – französische Ansiedlungen. So überfielen Soldaten unter dem Kommando von Major Robert Rogers im September 1759 die Hauptsiedlung der Abenakis und verübten dort ein Massaker, dem angeblich etwa 200 Indianer zum Opfer fielen. Diese Zahlen halten einer genauen Überprüfung allerdings nicht stand, in Wirklichkeit lag die Zahl der Opfer wohl weitaus niedriger. In internen französischen Mitteilungen ist z. B. von 30 Toten die Rede. Aus propagandistischen Gründen – und um Rogers hohe eigene Verluste zu rechtfertigen – wurde jedoch eine höhere Zahl kolportiert.

Kriegsverlauf ab 1756

Trotz dieser massiven Auseinandersetzungen erfolgte eine Kriegserklärung Großbritanniens an Frankreich erst am 18. Mai 1756, nachdem der französische Angriff auf das damals britische Menorca bekannt wurde. John Campbell, 4. Earl of Loudoun, wurde 1756 zum Nachfolger Braddocks ernannt, war aber seinem im selben Jahr berufenen französischen Gegenspieler Louis-Joseph de Montcalm nicht gewachsen.

Die Franzosen eroberten am 15. August 1756 Fort Oswego am Ontariosee, während die Briten unter Loudon zwar 12.000 Mann in Halifax für einen Angriff auf Fort Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel konzentrierten, diesen jedoch aufgrund von Verzögerungen im Aufmarsch und der Stärke der Verteidiger nicht durchführten. Stattdessen griffen die Franzosen wieder an und eroberten am 9. August 1757 Fort William Henry am Lake George. Der Überfall der mit Montcalm verbündeten Indianer auf die britische Garnison, die gegen freien Abzug kapituliert hatte, ist unter weit übertriebenen Opferzahlen als Fort William Henry-Massaker in die Geschichte und die Literatur (James Fenimore Coopers Der letzte Mohikaner) eingegangen.

Trotz ihrer Erfolge litten die Franzosen jedoch massiv unter der Blockade ihrer Häfen durch die britische Royal Navy, die Nachschub aus Frankreich und auch die Kommunikation weitgehend unterband, während die Seeherrschaft den Briten gestattete, Verstärkungen zu verlegen und an beliebigen Punkten zu landen.

Im Sommer 1758 spielten die Briten ihre zahlenmäßige Überlegenheit und die Unterstützung durch ihre Marine aus und griffen gleichzeitig Louisbourg, Fort Ticonderoga am Lake Champlain und Fort Frontenac am Ostende des Ontariosees an. Zwar erlitten die Angreifer bei Ticonderoga am 8. Juli aufgrund eines inkompetenten Kommandeurs eine schwere Niederlage, das mit Unterstützung der britischen Flotte belagerte Louisbourg musste hingegen am 26. Juli vor General Jeffrey Amherst und Admiral Edward Boscawen kapitulieren, womit die Briten die Kontrolle über die Sankt-Lorenz-Bucht und den Zugang in den Sankt-Lorenz-Strom gewannen.

Eine Expedition unter Oberstleutnant John Bradstreet eroberte im August Fort Frontenac und gewann damit die Kontrolle über den Ontariosee. Im Juli begann Brigadegeneral John Forbes einen Vorstoß gegen Fort Duquesne. Zwar rieben die Franzosen eine zur Aufklärung vorausgeschickte Vorhut auf, trotzdem gelang Forbes ein entscheidender Erfolg, als er mit den Indianerstämmen der Region in Fort Bedford einen Friedensvertrag abschloss. Da die schwache Garnison von Fort Duquesne nun ihre Verbündeten verloren hatte und durch den Fall von Fort Frontenac von ihrer Verbindung nach Montreal abgeschnitten war, räumten sie das Fort am 24. November und zerstörten es. Die Briten begannen sofort mit dem Wiederaufbau und nannten ihren neuen Stützpunkt Fort Pitt (heute Pittsburgh). Damit hatten sie sich erstmals die Kontrolle über das Tal des Ohio gesichert.

1759 griffen die Briten erneut von zwei Seiten an. Amherst, der dem wegen des Debakels bei Ticonderoga abgelösten James Abercrombie als Oberbefehlshaber in Nordamerika nachfolgte, stieß entlang des Lake George und des Lake Champlain nach Norden vor und nahm die Forts Ticonderoga (25. Juni 1759) und Fort Crown Point ein. Eine Abteilung seiner Armee unter Brigadier John Prideaux belagerte das strategisch wichtige Fort Niagara an der Mündung des Niagara in den Ontariosee, fügte einer französische Entsatzarmee am 24. Juli in der Schlacht bei La Belle Famille eine vernichtende Niederlage zu und zwang die Besatzung des Forts am folgenden Tag zur Kapitulation.

Währenddessen drang eine britische Invasionsstreitmacht aus etwa 9.000 Soldaten, 13.500 Matrosen und 49 Schiffen unter General James Wolfe und Admiral Charles Saunders im Juni in den Sankt-Lorenz-Strom ein, belagerte Quebec und besiegte die Verteidiger unter Montcalm am 13. September in der Schlacht auf der Abraham-Ebene, in der sowohl Montcalm als auch Wolfe fielen.

Am 18. September folgte die Kapitulation Quebecs und damit eine kriegsentscheidende Niederlage der Franzosen. Zwar gelang es Montcalms Nachfolger François-Gaston de Lévis, die britische Garnison von Quebec unter General James Murray am 28. April 1760 in der Schlacht bei Sainte-Foy zu schlagen, die folgende Belagerung Quebecs musste aber nach dem Eintreffen von Verstärkungen für die Briten abgebrochen werden. Nachdem ein letzter französischer Versuch, Verstärkungen nach Montréal zu bringen, mit der Vernichtung der hierfür vorgesehenen Schiffe im Gefecht auf dem Restigouche-Fluss am 8. Juli 1760 endete, konnten die Briten in diesem Jahr die Eroberung der französischen Besitzungen in Nordamerika abschließen. Am 8. September kapitulierten die Verteidiger von Montréal vor General Amherst, am 29. September übernahm Major Robert Rogers Fort Detroit.

Einen letzten vergeblichen Versuch, in Kanada wieder Fuß zu fassen, unternahmen die Franzosen 1762, als starke britische Truppenkontingente aus Kanada in die Karibik verlegt worden waren. Ein französisches Flottengeschwader unter Kommodore du Ternay mit 1.500 Soldaten unter dem Comte d'Haussonville brach aus Brest aus, entkam der britischen Blockadeflotte und landete am 24. Juni in St. John’s auf Neufundland. Zwar kapitulierte die schwache britische Garnison, die Nachricht von der Landung der Franzosen erreichte jedoch Halifax, von wo aus Truppen und Kriegsschiffe zum Gegenangriff geschickt wurden. Du Ternay entkam der britischen Flotte und kehrte nach Frankreich zurück, doch den in einer hoffnungslosen Lage zurückgelassenen französischen Truppen blieb nichts anderes als die Kapitulation am 18. September.

Kriegsende, Pontiac-Aufstand und Folgen

Die solcherart geschaffenen Tatsachen erkannten die Franzosen im Frieden von Paris vom 10. Februar 1763 an, und gaben sämtliche Besitzungen in Nordamerika bis auf das historische Louisiana – nicht zu verwechseln mit dem heutigen US-Bundesstaat Louisiana – auf. Zu einem dauerhaften Ende der Feindseligkeiten kam es jedoch nicht, da sich die Indianerstämme im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Ohio im Mai 1763 im Pontiac-Aufstand (nach dem Ottawa-Häuptling Pontiac) gegen die britische Herrschaft erhoben. Sie hofften dabei auf Unterstützung durch die Franzosen. Die Indianer eroberten zahlreiche Forts und Siedlungen im Ohiotal und im westlichen Pennsylvania und scheiterten lediglich an Fort Pitt und Fort Detroit, die teilweise längere Zeit belagert wurden. Mit ihrer geschickt angewendeten Guerillataktik waren Pontiacs Indianer auch regulären britischen Armeeeinheiten gewachsen. Erst im Herbst 1764 gelang es den Briten mit Hilfe zweier Expeditionen unter den Obersten John Bradstreet und Henry Bouquet, die Indianer wieder zu unterwerfen. Eine wesentliche Rolle spielte dabei, dass den Indianern die Munition ausging und eine Unterstützung durch Frankreich ausblieb. Pontiac selbst kapitulierte erst im Juli 1766.

Eine Folge des Pontiac-Aufstands war die königliche Proklamation von 1763, der zufolge britische Siedler östlich der Appalachen bleiben, das Gebiet westlich davon den Indianern vorbehalten bleiben sollte. Dieses Verbot wurde von den Siedlern ignoriert und trug zur Entfremdung zwischen den Kolonisten und der britischen Regierung bei. Eine weitere Folge der Kriege war eine hohe Schuldenlast, die die Regierung durch verschärfte Besteuerung aufzubringen versuchte. Diese Bemühungen wiederum waren ein wesentlicher Auslöser der Amerikanischen Revolution.




Quelle:
Wikipedia

Tribunus Laticlavius Offline




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30.07.2009 06:50
#2 RE: Franzosen- und Indianerkriege Antworten

Fort William Henry

Das britische Fort William Henry, benannt nach dem Prinzen William Henry, einem Enkel König Georgs II., lag am Ufer des Lake George im heutigen US-Bundesstaat New York. Während des 1754–1763 ausgetragenen Franzosen- und Indianerkrieges (French and Indian War) wurde es als Ausgangsbasis für Angriffe gegen das französische Fort Carillon (Fort Ticonderoga) gebaut und war Teil einer Kette von britischen und französischen Befestigungen entlang des wichtigen Wasserwegs von New York nach Québec.

Geschichte

Im August 1757 begann eine Belagerung des von 2.200 britischen Soldaten und amerikanischen Milizionären, darunter Rogers' Rangers, verteidigten Forts durch eine französische Armee unter dem Kommando von Louis-Joseph de Montcalm. Die Angreifer zählten 8.000 Mann, darunter 3.000 Mann Linientruppen, 3.000 Milizionäre und etwa 2.000 Indianer. Die von Oberstleutnant George Munro kommandierte Fortbesatzung musste nach schwerem Beschuss durch die Franzosen und dem Scheitern eines von Süden her erfolgten Entsatzversuchs kapitulieren.

Die Verteidiger und die Zivilisten, die zuvor ins Fort geflüchtet waren, zogen nach der zu großzügigen Bedingungen erfolgten Kapitulation ab. Auf dem Marsch wurden sie jedoch von den indianischen Verbündeten der Franzosen angegriffen. Diese waren mit den Kapitulationsvereinbarungen nicht einverstanden, da sie sich dadurch um ihre Kriegsbeute gebracht sahen. Viele der abziehenden Soldaten und Zivilisten wurden getötet, gefangen genommen oder ausgeraubt. Aus propagandistischen Gründen wurde dieser Vorfall später aufgebauscht und sollte als das Fort William Henry-Massaker in die Geschichte eingehen. Zeitgenössische Berichte sprechen von bis zu 1.500 Toten, die tatsächliche Zahl dürfte jedoch zwischen 70 und 180 Getötete betragen haben. Von den Indianern wurden sogar die Leichen der während der Belagerung getöteten Fortbesatzung ausgegraben, ausgeplündert und dadurch eine Seuche ausgelöst. Die Franzosen brannten das Fort schließlich nieder und zogen sich nach Ticonderoga zurück.

Am einstigen Standort von Fort William Henry in der Gemeinde Lake George wurde ein Nachbau errichtet, der heute eine beliebte Touristenattraktion ist. Bekanntheit erlangte die Belagerung des Forts vor allem durch die literarische Verarbeitung in James Fenimore Coopers Roman Der letzte Mohikaner, der bereits mehrfach verfilmt wurde.

Quelle:
Wikipedia

Tribunus Laticlavius Offline




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30.07.2009 06:54
#3 RE: Franzosen- und Indianerkriege Antworten

Rogers’ Rangers

Rogers’ Rangers war die nach ihrem Kommandeur umgangssprachliche Bezeichnung der Ranger Company of Blanchard's New Hampshire Regiment, einer im modernen Sinn Aufklärungskompanie eines Milizregiments. Diese Verbände gehörten den kolonialen Milizen der englischen Dreizehn Kolonien in Nordamerika, die während des Franzosen- und Indianerkrieges für das Königreich Großbritannien kämpften. Diese Rangerkompanie ging später als eine von bis zu sieben Kompanien in die His Majesty's Independent Companies of American Rangers auf. Diese Kompanien waren weder Teil der Regulars also der britischen Armee in Nordamerika noch der Provincials also der Milizregimenter, wurden jedoch durch den König besoldet. Aus diesem Umstand resultieren die am Lebensende nicht unerheblichen Schulden die Rogers in London verarmt in den Schuldturm brachten. Andere namentlich bekannte Kompaniechefs von Rangerkompanien waren Hauptmann Hezekiah Dunn und Major Gorham.

Zwar wurden die Milizen wie die französischen Streitkräfte in Kanada und deren indianischen Verbündeten von den britischen Offizieren der regulären Linienregimenter mit einer gewissen Herablassung betrachtet, da sie Berufssoldaten waren. Jedoch waren die Ranger die einzige nicht-indianische Streitmacht, die mit den Geländebedingungen und den rauen Winterbedingungen durch das bergige Terrain vertraut waren und sich bewegen konnten. Diese Gefechtsführung widersprach den damaligen Auffassungen von Kriegführung. Neu allerdings war diese Gefechtsführung durch leichte Infanterie nicht, da man aus Europa bereits Jägerkompanien kannte.

Die Rangerkompanien operierten bis auf die selbständigen Aufklärungsunternehmen und Winteroperationen immer als Bestandteil der Operationen der amerikanischen Milizregimenter und der englischen Linienregimenter, um diese gegen die unkonventionell das Gefecht führenden Indianer oder die französische leichte Infanterie abzusichern.

Kommandiert von Robert Rogers, operierte seine Kompanie vorwiegend in den Regionen des Lake George und des Lake Champlain in den nördlichen Teilen des heutigen States New York und den fünf Neuengland Staaten. Die Ranger wurden während des Winters 1755 aus Kräften aus der Umgebung von Fort William Henry gebildet. Rogers entwickelte mit seiner Kompanie einige der frühesten Formen der Guerilla-Kriegsführung, die je von europäischen Armeen eingesetzt wurden und die während der Winterfeldzüge gegen die französischen Städte und Siedlungen angewandt wurden, wobei die Ranger sich auf Schneeschuhen und zugefrorenen Flüssen fortbewegten. Diese Winterkriegführung waren sowohl für die regulären Truppen der französischen und englischen Armee sowie die Indianer ungewöhnlich. Nachdem die britischen Streitkräfte Fort William Henry aufgeben mussten, wurden die Ranger auf Rogers’ Island nahe Fort Edward stationiert. Das erlaubte den Rangern ungehinderter von den regulären Kräften zu operieren.

Eine der größeren Gefechte des French and Indian War war im September 1755 die Schlacht am Lake George gegen französische Truppen die unter dem Kommando des deutschen General Ludwig August von Dieskau standen.

1759 waren die Ranger an einer ihrer berühmtesten Operationen beteiligt. Den Rangern war befohlen worden, das indianische Dorf Odanak in Québec zerstören, von dem aus häufig Angriffe auf britische Siedlungen in Neuengland erfolgten. Mit 200 Rangern zog Robert Rogers tief in französisches Gebiet. Nach der erfolgreichen Zerstörung des Dorfes gingen den Rangern während ihres Rückzuges die Vorräte aus. Nachdem sie ein sicheres Lager erreicht hatten, verließ sie Rogers und kehrte wenige Tage später mit Nahrung und Entsatztruppen zurück. Am Ende des Krieges wurde den Rangern die Aufgabe übertragen, im Namen der britischen Krone Detroit von den Franzosen zu übernehmen.

Während des Unabhängigkeitskrieg stellte Rogers als Loyalist der Krone auf britischer Seite wieder Rangerkompanien auf, konnte jedoch nicht an seine Erfolge im Französisch-Indianischen-Krieg anschließen. Gleichzeitig kämpften auf Washingtons Seite Rangerkompanien der Milizen für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

Quelle:
Wikipedia

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17.08.2009 12:11
#4 RE: Franzosen- und Indianerkriege Antworten

Crawford-Feldzug

Mit Crawford-Feldzug, Sandusky-Feldzug oder Crawfords Niederlage wird eine militärische Operation bezeichnet, die 1782 an der westlichen Front des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs stattfand. Sie war eine der letzten Aktionen in diesem Konflikt. Das militärische Ziel dieser von Colonel William Crawford geführten Kampagne war die Zerstörung feindlicher Indianer-Dörfer am Sandusky River im Ohiogebiet, um damit die Indianer-Überfälle auf amerikanische Siedler zu beenden. Dieser Feldzug gehörte zu einer Serie von Angriffen auf feindliche Siedlungen, die in diesem Krieg von beiden Seiten mit äusserster Härte geführt wurden.

Crawford führte 500 freiwillige, zumeist aus Pennsylvania stammende, Milizionäre tief in feindiches Indianergebiet, um deren Dörfer am Sandusky River überraschend zu überfallen. Die Indianer und ihre britischen Verbündeten aus Detroit hatten jedoch die nahende Gefahr entdeckt und sammelten sich zur Verteidigung. In der Nähe der Dörfer kam es zu einem Gefecht, in dessen Verlauf die Amerikaner eingekesselt wurden. Crawfords Truppe trat den Rückzug an, der alsbald in eine wilde Flucht überging. Die meisten von ihnen kamen nach Pennsylvania zurück, aber etwa 70 Amerikaner fanden den Tod oder wurden gefangen.

Während der Flucht gerieten Colonel Crawford und eine unbekannte Anzahl seiner Männer in Gefangenschaft. Die Indianer, unter ihnen viele Lenni Lenape, töteten die meisten Gefangenen als Vergeltung für das kürzlich verübte Gnadenhütten-Massaker an ihren Stammesangehörigen. Im März des Jahres waren fast hundert christliche Indianer im Dorf Gnadenhütten von Pennsylvania-Miliz ermordet worden. Crawford, der nichts mit dem Massaker zu tun hatte, wurde besonders brutal umgebracht. Er wurde fast zwei Stunden lang am Marterpfahl gequält, bevor man ihn lebendig verbrannte. Sein Tod fand ein grosses Echo in der amerikanischen Presse, das die ohnehin schon schlechten Beziehungen zwischen Indianern und Weissen noch mehr belastete.

Geschichtlicher Hintergrund

Als der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1775 begann, markierte der Ohio River die Grenze zwischen den bisher britischen Kolonien und den dort im Ohiogebiet lebenden Indianern, den Shawnee, Mingo, Lenni Lenape und Wyandot. Diese waren sich nicht einig, ob sie sich am Krieg beteiligen sollten oder nicht. Während einige indianische Führer die Neutralität bevorzugten, sahen andere in diesem Krieg eine Gelegenheit, die Expansion der amerikanischen Siedler zu stoppen und Land zurück zu erobern, das sie kürzlich an die Kolonien verloren hatten.

Der Krieg an der Grenze eskalierte 1777, als die britische Armee mit der Anwerbung und Bewaffnung von Indianern begann, die daraufhin amerikanische Siedlungen überfielen. Eine unbekannte Zahl an Siedlern in den heutigen Bundesstaaten Kentucky, West Virginia und Pennsylvania fiel diesen Überfällen zum Opfer. Die Intensität des Konflikts wurde noch gesteigert, als aufgebrachte amerikanische Milizionäre im November 1777 den Shawnee-Häuptling Cornstalk ermordeten, den hauptsächlichen Befürworter der Neutralität seines Stammes. Trotz der vorherrschenden Gewalt hofften viele Indianer in Ohio, sich aus dem Krieg herauszuhalten, was aber zunehmend schwieriger wurde, weil sie genau zwischen den Briten in Detroit und den Amerikanern am Ohio River lebten.

Im Februar 1778 begann der erste Feldzug der Amerikaner in das Ohiogebiet, um die britischen Aktivitäten in der Region zu unterbinden. General Edward Hand führte 500 Milizionäre aus Pennsylvania in einem Marsch von Fort Pitt aus an den Cuyahoga River, um britische Vorratslager für die Indianerüberfälle zu vernichten. Aufgrund des schlechten Wetters verfehlte die Expedition ihr Ziel und auf dem Rückmarsch überfielen einige von Hands Leuten friedliche Lenni Lenape, töteten einen Mann und mehrere Frauen und Kinder, darunter Familienangehörige des Häuptlings Captain Pipe. Hands Feldzug erhielt später den Spottnamen Squaw Kampagne.

Trotz der Attacke auf seine Familie wollte Captain Pipe keine Vergeltung üben, sondern er gehörte sogar zu den Unterzeichnern der Vertrages von Fort Pitt zwischen den Lenni Lenape und den Vereinigten Staaten vom September 1778. Die Amerikaner erhofften sich durch diesen Vertrag den freien Durchzug ihrer Truppen durch das Land der Lenape, um Detroit anzugreifen, doch der gewaltsame Tod ihres Häuptlings White Eyes, einem Unterzeichner des Vertrages änderte die Situation. Schliesslich änderte auch Captain Pipe seine Haltung und wandte sich gegen die Amerikaner. Seine Anhänger zogen zum Sandusky River, wo sie britische Unterstützung aus Detroit erhielten.

In den nächsten Kriegsjahren trugen Indianer wie auch Amerikaner Angriffe vor, die vorwiegend Siedlungen der jeweilig anreren Seite trafen. Im Jahr 1780 wurden Hunderte von Siedlern in Kentucky getötet oder gefangen genommen, als ein britisch-indianischer Feldzug nach Kentucky hinein geführt wurde. Der Virginier George Rogers Clark beantwortete diese Attacke mit der Zerstörung von zwei Shawnee-Dörfern am Mad River, was aber keine Auswirkung auf den indianischen Kampfeswillen hatte. Anschliessend rekrutierte Clark Männer für einen Feldzug nach Detroit, doch die Indianer brachten ihm eine Niederlage am Ohio River bei und beendeten damit die Operation. Zu dieser Zeit standen die meisten Lenni Lenape auf britischer Seite und veranlassten im April 1781 den amerikanischen Colonel Daniel Brodhead, die Lenape-Stadt Coshocton im Ohiogebiet zu zerstören. Die Überlebenden flohen in die militanten Indianer-Dörfer am Sandusky River.

Zwischen diesen Dörfern am Sandusky und den Amerikanern in Fort Pitt lagen mehrere Dörfer der christlichen Lenape, der Mährischen Indianer, die unter den Herrnhuter Missionaren David Zeisberger und John Heckewelder zum christlichen Glauben konvertiert waren. Obwohl sie offiziell neutral waren, waren die Missionare auf der Seite der Amerikaner und informierten die Militärs in Fort Pitt über britische und indianische Aktivitäten. Das blieb auch den Briten nicht verborgen und sie veranlassten, dass die Missionare und ihre Konvertierten in ein neues Dorf am Sandusky River namens Captive Town gebracht wurden.

Anfang März 1782 kamen 160 Pennsylvania-Milizionäre unter Oberstleutnant David Williamson nach Ohio. Sie waren auf der Suche nach Indianern, die zuvor Siedler in Pennsylvania überfallen hatten und verantwortlich für den grauenvollen Mord an einer weissen Frau und ihrem Baby waren. Williamsons Leute nahmen eine Gruppe von etwa 100 christlichen Lenape im Dorf Gnadenhütten gefangen, die der Hunger aus Captive Town nach Gnadenhütten zurück getrieben hatte. Sie wollten die Maisernte vom vergangenen Herbst einbringen. Williamson verdächtigte die Lenape, zumeist Frauen und Kinder, dass sie die feindlichen Krieger unterstützt hätten und liess sie mit einem Böttchersclägel umbringen. Das Gnadenhütten-Massaker hatte schlimme Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Indianern und Weissen an der Siedlungsgrenze. Das sollten auch Crawford und seine Truppen zu spüren bekommen.

Im September 1761 wurde General William Irvine zum Oberkommandierenden des westlichen Frontabschnitts der Kontinentalarmee ernannt, dessen Hauptquartier in Fort Pitt lag. Obwohl im Oktober 1781 die britische Armee unter Lord Charles Cornwallis in Yorktown kapituliert hatte, wurde der Krieg an der Westfront fortgesetzt. Die an der Siedlungsgrenze lebenden Amerikaner forderten von der Regierung, dass die Armee einen Feldzug gegen die Briten in Detroit führte, um die Versorgung der Indianer mit Waffen zu beenden. Irvine liess die Sachlage prüfen und schrieb am 2. Dezember 1781 an General George Washington, den Oberbefehlhaber:

Der einzige Weg, so glaube ich, um die indianischen Überfälle in diesem Land zu beenden, besteht darin, sie in ihren Wohngebiet aufzusuchen. Aus Erfahrung wissen wir, dass das Niederbrennen der verlassenen Dörfer nicht den gewünschten Erfolg hat, denn sie können alsbald neue errichten. Man muss sie verfolgen und vernichten oder die Briten, von denen sie versorgt werden, müssen aus ihrem Land gejagt werden. Wenn Detroit zerstört würde, glaube ich, wäre das ein erster Schritt und es würde zumindest eine Zeitlang die Lage beruhigen.

Washington stimmte mit Irvines Beurteilung überein, dass Detroit besetzt oder zerstört werden musste, um den Krieg im Westen zu beenden. Im Februar 1782 unterbreitete Irvine seinem Vorgesetzten eine detaillierten Angriffsplan. Irvine schätzte, dass zur Eroberung Detroits etwa 2.000 Soldaten, fünf Kanonen und eine Nachschub-Kolonne notwendig wären. Washington war allerdings der Meinung, eine deartige Kampagne könne der bankrotte Kongress der Vereinigten Staaten nicht finanzieren und schrieb zurück: Zur Zeit können wir keine grossangelegten Offensiven in Erwägung ziehen, es sei denn, es handelt sich um kleinere Operationen.

Da weder vom Kongress noch von der Kontinentalarmee Unterstützung zu erwarten war, erlaubte Irvine den aus Freiwilligen bestehenden Milizen, eine eigene Offensive zu organisieren. Detroit war zu weit weg und zu mächtig für eine kleinere Operation. David Williamson, ein langjähriger Freund Washingtons, glaubte jedoch, dass ein Feldzug gegen die Indianer-Dörfer am Sandusky River durchführbar wäre. Die Ausrüstung eines freiwilligen Milizionärs war nicht allzu kostspielig, denn er benötigte nur ein Pferd, ein Gewehr und ausreichend Munition, Verpflegung und einige weitere Ausrüstungsgegenstände. Als einzige Vergütung bekamen sie eine zweimonatige Freistellung vom Wehrdienst und die Erlaubnis, die Indianerdörfer zu plündern. Bei einem Indianerüberfall am 12. Mai 1782 im westlichen Pennsylvania waren Frau und Kinder eines Baptisten-Pfarrers getötet und skalpiert worden und so gab es keinen Mangel an Freiwilligen, die Vergeltung üben wollten.

Irvine glaubte aufgrund der Vorbehalte Washingtons, er sei nicht autorisiert, den Feldzug zu führen, doch er beeinflusste die Planung der Kampagne. Er arbeitete detaillierte Instruktionen für den noch nicht ernannten Kommandeur aus:

Das Ziel Ihres Kommandos ist die Zerstörung des Indianerdorfes am Sandusky mit Feuer und Schwert (soweit möglich), wodurch hoffentlich den Bewohnern dieses Landes mehr Sicherheit gegeben wird. Wenn das nicht möglich sein sollte, werden Sie zweifellos andere in Ihrer Macht stehende Massnahmen ergreifen, die ähnliche Auswirkungen haben.

Organisation des Feldzugs

Am 20. Mai 1782 begannen sich die Freiwilligen am Treffpunkt bei Mingo Bottom, dem heutigen Mingo Junction, auf der indianischen Seite am Ohio River zu versammeln. Die jungen Männer waren zumeist irischer oder schottischer Abstammung und kamen überwiegend aus den Countys Washington und Westmoreland in Pennsylvania. Viele von ihnen hatten zuvor in der Kontinentalarmee der Vereinigten Staaten gedient. Die genaue Zahl der Teilnehmer an diesem Feldzug ist unbekannt. Aus einem Brief eines Offiziers an General Irvine am 24. Mai geht hervor, dass es derzeit 480 Freiwillige waren, weitere Männer sind jedoch später noch dazu gekommen und erhöhten die Gesamtzahl schliesslich auf über 500. Die Gefährlichkeit des Unternehmens war allen bekannt und viele Freiwillige machten vor dem Abmarsch ihr Testament.

Die Teilnehmer des Feldzugs waren Freiwillige, deshalb konnten sie ihre Offiziere im Gegensatz zur regulären Armee selbst auswählen. Die beiden Kandidaten für den Oberbefehl waren David Williamson, der Kommandant beim Gnadenhütten-Massaker, und William Crawford, ein Oberst der Kontinental-Armee im Ruhestand. Er war ausserdem ein Freund George Washingtons und erfahrener Soldat und Grenzkämpfer. Derartige Operationen waren ihm wohlbekannt, denn er hatte zwei Mingo-Dörfer im Lord Dunmores Krieg 1774 zerstört und war Teilnehmer der fehlgeschlagenen Squaw Kampagne.

Der fünfzig Jahre alte Crawford schloss sich nur zögernd der Miliz an, doch er folgte dem Ruf von General Irvine. Williamson war hatte zwar schon Erfahrung bei der Miliz gesammelt, doch er war bei den Armee-Offizieren nach dem Gnadenhütten-Massaker in Ungnade gefallen. Irvine wollte auf keinen Fall ein zweites Massaker erleben und favorisierte deshalb die Wahl Crawfords zum Kommandeur. Die Wahl brachte ein sehr knappes Ergebnis: Crawford erhielt 235 gegenüber 230 Stimmen für Williamson. Crawford übernahm das Kommando und Williamson wurde sein Stellvertreter im Rang eines Majors.

Auf Crawfords Anfrage erlaubte Irvine dem regulären Armee-Offizier Dr. John Knight die Truppe als Arzt zu begleiten. Ein weiterer Teilnehmer aus Irvines Stab war ein junger Mann, der sich John Rose nannte. Rose war ein Fremder aristrokatischer Herkunft und diente als Adjutant. Selbst Irvine war es nicht bekannt, dass er in Wirklichkeit Baron Gustave Rosenthal' hiess. Er stammte aus dem russischen Reich und musste nach Amerika fliehen, weil er im Duell seinen Gegner getötet hatte. Rosenthal war vermutlich der einzige Russe, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf amerikanischer Seite gekämpft hat.

Marsch zum Sandusky River

Am 26. Mai 1782 verliessen die Milizionäre das Camp bei Mingo Bottom mit Proviant für dreissig Tage. General Irvine hatte den Zeitbedarf für die 280 km (175 Meilen) bis zum Sandusky auf sieben Tage geschätzt. Die Marsch begann mit hohen Erwartungen und einige Teilnehmer prahlten damit, den ganzen Wyandot-Stamm ausrotten zu wollen.


Route des Crawford-Feldzugs

Bei den Freiwilligen, die nicht bei der Armee gedient hatten, war häufig militärische Disziplin unbekannt. Die Männer verschwendeten ihre Rationen und schossen trotz Verbots mit ihren Musketen auf wilde Tiere. Des Morgens gab es Verzögerungen beim Abbruch des Lagers und die Bewachung wurde vernachlässigt. Die Führungsqualitäten Crawfords liessen auch zu Wünschen übrig. So schrieb Rose später, dass Crawford bei Beratungen zusammenhanglos redete, Tatsachen verwechselte und Leute auf inakzeptable Art in seinem Sinn überreden wollte .... Der Marsch wurde ein paar Mal unterbrochen, weil die Kommandeure Meinungsverschiedenheiten über die weitere Vorgehenweise hatten. Mehrere Freiwillige desertierten auf dem Marsch.

Der Weg durch das Ohiogebiet führte überwiegend durch dichte Wälder. Zunächst wurde in Viererreihen marschiert, das dichte Unterholz jedoch zwang die Truppe bald, Zweierreihen zu bilden. Am 3. Juni erreichten die Milizionäre offenes Gelände südlich des Sandusky Rivers, eine Prärie-Region namens Sandusky Plains. Am nächsten Tag kamen sie nach Upper Sandusky, doch das feindliche Wyandot-Dorf war verlassen. Unbemerkt von den Amerikanern hatten die Wyandot erst kürzlich ihr Dorf etwa 12 km weiter nach Norden verlegt. Der neue Ort namens Half King's Town (dt.: Halbkönigs-Stadt) lag in der Nähe von Captain Pipes Lenape-Dorf beim heutigen Cary in Ohio, von dem die Amerikaner ebenfalls keine Kenntnis hatten.

Die Offiziere hielten einen Kriegsrat. Einige vermuteten, die Indianer hätten die nahende Milizionäre entdeckt und sammelten sich zum Angriff, während andere den gesamten Feldzug abbrechen wollten. Williamson forderte 50 Mann an, um die leeren Hütten niederzubrennen, doch Irvine lehnte ab, da er seine Truppe nicht aufteilen wollte. Die Kommandeure entschieden sich für die Fortsetung des Marsches um einen Tag. Mittags wurde eine Pause eingelegt und man schickte John Rose mit einem Erkundungstrupp nach Norden. Schon nach kurzer Zeit kehrten zwei der Scouts mit der Nachricht zurück, dass sie auf eine grössere Anzahl indianischer Krieger gestossen seien, die sich den Amerikanern näherten.

Briten und Indianer

Bei den Vorbereitungen des Feldzugs hatte General Irvine Crawford empfohlen: Die grössten Erfolgschancen haben Sie, wenn Ihnen ein überraschender Angriff gelingt. Die Briten und Indianer hatten allerdings schon von dem Feldzug erfahren, noch bevor Crawfords Truppe Mingo Bottom verlassen hatte. Diese Information stammte von einem am 8. April gefangenen amerikanischen Soldaten, über den der britische Agent Simon Girty die Nachricht von Crawfords Mission erfuhr und an seine Vorgesetzten in Detroit meldete.

Durch diese Vorwarnung war das britische Indianerministerium (engl.: British Indian Department) in Detroit in der Lage, sich auf den amerikanischen Angriff entsprechend vorzubereiten. Der Kommandant in Detroit war Major Arent Schuyler DePeyster, der dem General-Gouverneur von Britisch Nordamerika, Sir Frederick Haldimand, direkt unterstellt war. DePeyster arbeitete mit Agenten wie Simon Girty, Alexander McKee und Matthew Elliott zusammen, die allesamt gute Beziehungen zu den Indianern hatten und die militärischen Aktionen der Briten und Indianer im Ohiogebiet koordinierten. Am 15. Mai fand eine Versammlung in Detroit statt, in der DePeyster und McKee die Indianer über den Sandusky Feldzug informierten und ihnen empfahlen, die Amerikaner mit zahlreichen Kriegern zu empfangen und zurückzuschlagen. McKee wurde zu den Shawnee-Dörfern am Great Miami River geschickt, um Krieger gegen den amerikanischen Angriff zu rekrutieren. Ausserdem setzte man eine Kompanie der berittenen Butlers Ranger unter Captain William Caldwell und eine Anzahl Indianer aus der Detroit Region unter Matthew Elliot in Marsch.

Von Beginn an wurde die amerikanischen Truppen von indianischen Scouts überwacht. Als Crawfords Einheit in das Ohiogebiet einmarschierte, wurden die Indianer am Sandusky River alarmiert. Bevor die Amerikaner den Sandusky erreichten, wurden die Frauen und Kinder aus den Wyandot- und Lenape-Dörfern in nahegelegenen Schluchten versteckt, die britischen Händler packten ihre Waren ein und verschwanden nach Norden. Am 4. Juni sammelten sich die Lenape unter Captain Pipe, die Wyandot unter Dunquat, dem Halbkönig, und einige Mingo, um sich den Amerikanern zum Kampf zu stellen. Die Anzahl der Indianer wurde auf 200 bis 500 Krieger geschätzt. Die britischen Truppen waren in der Nähe, doch die Ankunft der Shawnee aus dem Süden wurde nicht vor dem nächsten Tag erwartet. Als die amerikanischen Scouts erschienen, wurden sie von den Lenape verfolgt, während sich die Wyandot zunächst zurückhielten.

Albrecht von Wallenstein Offline




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17.08.2009 12:18
#5 RE: Franzosen- und Indianerkriege Antworten

Schlacht am Sandusky

4. Juni: Battle Island

Das erste Gefecht, in das Crawfords Truppen verwickelt wurden, begann am 4. Juni 1782 gegen 14 Uhr. Der Erkundungstrupp unter John Rose traf auf Captain Pipes Lenape und zog sich kämpfend in ein Gehölz zurück, wo sie ihre Ausrüstung gelagert hatten. Die amerikanischen Scouts waren in grosser Gefahr, überwältigt zu werden, als Crawfords Hauptstreitmacht eintraf. Crawford liess die Männer absitzen, um die Indianer aus dem Wäldchen zu vertreiben. Das gelang nach kurzer Zeit und die Baumgruppe wurde später unter dem Namen Battle Island (dt.: Schlachtinsel) bekannt.

Gegen 16 Uhr entwickelte sich das Geplänkel zu einer richtigen Schlacht. Nach dem Rückzug der Lenape aus dem Wäldchen bekamen sie Verstärkung von den Wyandot. Matthew Elliot koordinierte die Aktionen der Lenape und Wyandot. Captain Pipes Lenape umgingen die amerikanische Flanke und fielen ihnen in den Rücken. Einige Indianer krochen im hohen Gras der Prärie unbemerkt heran, während die Amerikaner auf die Bäume kletterten, um sie von oben unter Feuer zu nehmen. Pulverqualm verschlechterte die Sicht, so dass man den Gegner kaum noch erkennen konnte. Nach dreieinhalb Stunden intensiven Schusswechsels beendeten die Indianer schliesslich den Angriff, weil die Dunkelheit hereinbrach. In der Nacht schliefen die Kämpfer mit schussbereiten Gewehren und umgaben ihre Stellungen mit grossen Feuern, um einen nächtlichen Angriff zu verhindern.

Nach dem ersten Tag hatten die Amerikaner fünf Tote und elf Verwundete, während die britische und indianische Seite ebenfalls fünf Tote und neunzehn Verwundete beklagte. Die Amerikaner skalpierten einige der toten Indianer. Die Indianer ihrerseits erbeuteten die Kleidung der toten Amerikaner und skalpierten mindestens einen toten Gegner. Fünfzehn Mann aus Crawfords Truppe desertierten in dieser Nacht und erzählten später in Pennsylvania, ihre Einheit sei in Stücke gehauen worden.

5. Juni: Verstärkung


Schauplatz des Geschehens am Sandusky River

Früh am Morgen begannen beide Seiten erneut zu feuern. Die Indianer blieben auf Distanz und schossen aus etwa 200 bis 300 Meter Entfernung, so dass es kaum Verluste gab. Die Amerikaner glaubten, die Indianer hielten sich aufgrund der Verluste des vergangenen Tages zurück, diese wollten jedoch nur Zeit gewinnen, bis Verstärkung eintraf. Crawfords plante, die Stellung im Wäldchen tagsüber zu halten, um die Indianer in der Nacht überraschend anzugreifen. Zu dieser Zeit waren viele Amerikaner noch zuversichtlich, das Gefecht zu gewinnen, obwohl Munition und Wasser langsam knapp wurden. Simon Girty, der britische Agent und Dolmetscher, ritt mit einer weissen Fahne auf das Wäldchen zu und forderte die Amerikaner erfolglos zur Kapitulation auf.

Nachmittags stellten die Amerikaner fest, dass etwa 100 britische Ranger auf der Seite der Indianer kämpften. Crawford war überrascht über das kurzfristige Erscheinen der Briten aus Detroit am Ort des Geschehens, nicht ahnend, dass die Expedition von Beginn an verraten worden war. Während die Amerikaner die neue Entwicklung diskutierten, bekamen die Indianer Verstärkung. Alexander McKee erschien mit etwa 140 Shawnee unter Häuptling Blacksnake, die im Süden der Amerikaner Stellung bezogen. Damit war Crawfords Truppe ringsum eingeschlossen. Die Shawnee schossen wiederholt mit ihren Musketen in die Luft, eine Zeremonie der Stärke, die als feu de joie (dt.: Freudenfeuer) bekannt war, die Moral der Amerikaner allerdings erschütterte. Von derartig vielen Feinden umringt, entschied Crawford, nicht weiter zu kämpfen, sondern im Schutz der Nacht auszubrechen und den Rückzug anzutreten. Die Toten wurden beerdigt und danach brannte man über den Gräbern Feuer an, damit sie nicht entdeckt und entweiht würden. Die Schwerverwundeten legte man auf Tragen für den Abtransport bereit.

In der Nacht begann der heimliche Abzug der Amerikaner, doch idianische Wachtposten entdeckten die Truppenbewegung und griffen an. Es kam zu grossem Chaos unter den Milizionären. In der Dunkelheit verirrten sich viele Männer und teilten sich in kleine Gruppen auf. In dem Durcheinander machte sich Crawford Sorgen um seine Familienangehörigen, seinen Sohn John, Schwiegersohn William Harrison und seinen Neffen, der ebenfalls William Crawford hiess. Gemeinsam mit Dr. Knight blieb Crawford in der Nähe des Schlachtfeldes, während seine Leute an ihm vorbeiliefen und suchte er vergeblich seine Verwandten. Crawford wurde wütend, als er bemerkte, dass man entgegen seines ausdrücklichen Befehls einige Verwundete zurückliess. Schliesslich bestiegen sie zusammen mit zwei Nachzüglern ihre Pferde, konnten jedoch die Hauptgruppe im Dunkeln nicht wiederfinden.

6. Juni: Gefecht am Olentangy River

Als die Sonne am 6. Juni aufging, sammelten sich etwa 300 Amerikaner beim verlassenen Wyandot-Dorf. Man vermutete, dass Crawford gefangen oder tot war und übergab Williamson das Kommando. Zum Glück für die Amerikaner war die Verfolgung der flüchtenden Truppen schlecht organisiert, weil der Oberkommandierende der Briten und Indianer, Captain William Caldwell, im Kampf schwer verletzt wurde. An der östlichen Grenze der Sandusky-Ebene am Oberlauf des Olentangy Rivers wurde die Hauptgruppe der Amerikaner von den Indianern gestellt. Als das Gefecht begann, flüchteten einige Milizionäre, während die meisten führungslos herumirrten. Schliesslich gelang es Williamson, den angreifenden Indianern mit einer kleinen Gruppe erfahrener Kämpfer standzuhalten und sie nach einer Stunde abzuwehren. In der Schlacht am Olentangy wurden drei Amerikaner getötet und acht verwundet; die Verluste der Indianer sind nicht bekannt.

Williamson liess die Toten bestatten und den Rückzug unter dem Feuer der verfolgenden Indianer und britischen Ranger fortsetzen. Williamson und Rose gelang es nun, die Truppe zusammenzuhalten, nachdem er ihnen eingeschärft hatte, dass ein geordneter Rückzug ihre einzige Chance sei, lebend nach Hause zu kommen. Sie marschierten noch fast 50 Kilometer, bevor sie ihr Lager aufschlugen. Am nächsten Tag wurden noch zwei Amerikaner gefangen genommen und wahrscheinlich getötet, bevor die Verfolger ihre Aktion abbrachen. Die Hauptgruppe der Milizionäre erreichte Mingo Bottom am 13. Juni, einige Nachzügler in kleinen Gruppen erst in den folgenden Tagen. Insgesamt hatten die Amerikaner etwa 70 Tote und Vermisste zu beklagen.

Die Gefangenen

Crawford, Knight und vier weitere Nachzügler ritten den Sandusky River entlang und trafen am 7. Juni, etwa 45 Kilometer östlich des Schlachfelds am Sandusky, auf eine Gruppe Lenape-Krieger. Knight wollte nach seinem Gewehr greifen, doch Crawford befahl ihm, nicht zu schiessen. Crawford erkannte einige der Lenape, die zu einer von Häuptling Wingenund geführten Gruppe gehörten. Als die Indianer Crawford und Knight gefangen nahmen, flüchteten die vier anderen Amerikaner, von denen später zwei tot und skalpiert gefunden wurden.

Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von Indianern gefangene Amerikaner wurden entweder von den Briten in Detroit freigekauft, vom jeweiligen Stamm adoptiert oder getötet. Nach dem Gnadenhütten-Massaker entschlossen sich die Indianer in Ohio, alle Amerikaner hinzurichten, die in ihre Hände fielen. Wieviel Männer aus dem Crawford Feldzug dieses Schicksal traf, ist nicht genau bekannt, weil die Details nur von einem einzigen Überlebenden aus indianischer Gefangenschaft stammen.

Einige der Gefangenen wurden sofort getötet, während man andere vorher folterte. Die öffentliche Folter von gefangenen Feinden am Marterpfahl war ein traditionelles Ritual der Indianerstämme im amerikanischen Nordosten und Gefangene wurden für Stunden, manchmal sogar für Tage, unerträglichen Schmerzen ausgesetzt. Je grösser der Respekt war, den die Indianer ihrem Feind entgegenbrachten, desto umbarmherziger war die Tortur. Das Opfer hingegen verhöhnte seine Peiniger und zeigte sich möglichst unbeeindruckt von den Qualen. Das britische Indianerministerium in Detroit nutzte seinen Einfluss auf die Indianer, um das Töten und Quälen von gefangenen Gegner zunächst erfolgreich zu unterbinden, doch nach dem Gnadenhütten-Massaker wurde die traditionelle Praxis als Vergeltungsmassnahme wieder eingeführt.

Crawfords Hinrichtung

Am 7. Juni brachte man Crawford und Knight gemeinsam mit neun weiteren Gefangenen zu Häuptling Wingenunds Lager. Am 11. Juni wurden die Gesichter der Gefangenen schwarz gefärbt, das traditionelle Merkmal ihrer baldigen Exekution, und brachte sie zum Lenape-Dorf am Tymochtee Creek, das in der Nähe des heutigen Orts Crawford in Ohio lag. Vier der Gefangenen wurden unterwegs mit dem Tomahawk getötet und anschliessend skalpiert. Dann hielt die Gruppe an und die sieben übrigen Gefangenen mussten sich setzen, Crawford und Knight mit einigen Abstand von den anderen, die jetzt von einer Schar Lenape-Frauen und Knaben mit Tomahawks getötet wurden. Einem Opfer wurde sogar der Kopf abgeschlagen. Danach skalpierten die Lenape-Jungen die Leichen und warfen Crawford und Knight die blutigen Skalps ins Gesicht.


Crawford am Marterpfahl, von James Boroff (Ausschnitt)

Inzwischen hatten sich etw 100 Männer, Frauen und Kinder im Lenape-Dorf eingefunden, um das Hinrichtungs-Spektakel des amerikanischen Kommandeurs zu erleben. Zeugen der Hinrichtung waren auch Häuptling Dunquat, einige seiner Wyandot und die Briten Simon Gity und Matthew Elliot. Captain Pipe, der Crawford seit 1778 von Vertragsverhandlungen her in Fort Pitt kannte, hielt vor der Menge eine Rede. Er betonte, dass viele von Crawfords Männern am Gnadenhütte-Massaker beteiligt waren und man ihn als Führer zur Verantwortung ziehen würde. Captain Pipe erwähnte auch, dass Crawford zwar nicht am Gnadenhütten-Massaker teilgenommen hätte, jedoch an der Sqaw-Kampagne, als Pipes Familienmitglieder den Tod fanden.

Nach Pipes Rede zog man Crawford aus, schlug ihn und band seine Hände auf dem Rücken zusammen, von denen ein kurzes Seil zu einem dicken Pfahl führte. Dann wurde ein grosses Feuer etwa fünf bis sechs Meter im Umkreis des Pfostens angefacht. Indianer schossen mit Pulver ohne Kugeln auf Crawfords Körper und schnitten ihm die Ohren ab. Man stiess ihm mit brennende Holzstöcke in den Leib, bewarf ihn mit glühenden Kohlen und zwang ihn, um den Pfahl zu laufen. Crawford flehte Simon Girty an, ihn zu erschiessen, doch dieser drehte sich um und lehnte ab. Nach zwei Stunden voll schrecklicher Qualen fiel Crawford bewusstlos zu Boden. Er wurde skalpiert und eine Frau häufte glühende Kohlen über seinen Kopf, worauf er aus der Bewusstlosigkeit erwachte. Die Tortur wurde fortgesetzt, bis der Tod ihn schliesslich erlöste und man seinen Leichnam verbrannte.

Am nächsten Tag brachte man Knight zu den Shawnee-Dörfern, wo er hingerichtet werden sollte. Unterwegs schlug er seinen Bewacher mit einem Stück Holz nieder und es gelang ihm zu fliehen. Am 4. Juli fanden ihn weisse Jäger entkräftet auf dem Weg nach Pennsylvania und brachten ihn nach Fort McIntosh.

Wapatomica

Am Tag von Crawfords Hinrichtung wurden mindestens sechs amerikanische Gefangene in zwei getrennten Gruppen zum Shawnee-Dorf Wapatomica am Mad River gebracht, das im heutigen Logan County lag. Bei diesen Gefangenen befanden sich auch Crawfords Schwiegersohn William Harrison und sein Neffe, der jüngere William Crawford. Diesen beiden und zwei weiteren Gefangenen färbte man ebenfalls die Gesichter schwarz. Die Dorfbewohner bildeten zwei Reihen von etwa 250 Metern Länge bis zum Beratungshaus, durch die die Gefangenen Spiessruten laufen mussten. Die Amerikaner wurden mit Keulen geschlagen, besonders diejenigen mit den geschwärzten Gesichtern, die man anschliessend mit dem Tomahawk in Stücke schlug. Ihre Köpfe und Gliedmassen wurden ausserhalb des Dorfes auf Pfähle gespiesst. Einem der gefangenen Amerikaner, ein Scout namens John Slover, gelang die Flucht aus dem Shawnee-Dorf Mac-a-chak beim heutigen West Liberty in Ohio. Nackt nahm er sich ein Pferd, ritt soweit es laufen konnte und ging dann zu Fuss weiter, bis er am 10. Juli als der letzte der Überlebenden Fort Pitt erreichte.

Das letzte Kriegsjahr

Crawfords fehlgeschlagener Feldzug alarmierte das Grenzgebiet, denn viele Amerikaner befürchteten nun eine Flut neuer indianischer Überfälle. Es gab im gleichen Jahr noch weitere amerikanische Niederlagen westlich der Appalachen und so ging 1782 als das blutige Jahr (engl.: Bloody year) in die amerikanische Geschichte ein. Am 13. Juli 1782 führte der Mingo-Führer Guyasuta eine Truppe von 100 Indianern und mehreren britischen Freiwilligen nach Pennsylvania, zerstörte den Ort Hannastown, tötete neun und nahm zwölf Siedler gefangen. Es war der blutigste indianische Überfall im westlichen Pennsylvania während des Krieges.

In Kentucky wurden die Amerikaner in die Defensive gedrängt, weil der britische Captain William Caldwell und seine indianischen Verbündeteten eine grössere Offensive starteten. Im Juli 1782 sammelten sich mehr als 1.000 Indianer in Wapatomica, doch der Angriffsplan wurde gestoppt, als Scouts vom drohenden Einmarsch von George Rogers Clark ins Ohiogebiet berichteten. Die meisten Indianer zogen wieder ab, auch als sich herausstellte, dass die Nachricht von Clarks Invasion falsch war. Danach führte Caldwell 300 Indianer nach Kentucky und brachte der amerikanischen Miliz am 19. August in der Schlacht an den Blue Licks eine bittere Niederlage bei. Caldwell musste nun weitere Aktionen einstellen, da die Vereinigten Staaten und Grossbritannien Frieden schliessen wollten. General Irvine erhielt jetzt die Erlaubnis, einen eigenen Feldzug in das Ohiogebiet zu starten, doch Gerüchte über einen baldigen Friedensschluss beendeten die Vorbereitungen. Im Oktober 1782 führte George Rogers Clark den letzten Angriff ins Ohiogebiet und zerstörte mehrere verlassene Shawnee-Dörfer am Scioto River, konnte die Einwohner jedoch nicht finden.

Details des geplanten Friedensvertrags wurden Ende des Jahres im Ohiogebiet erregt diskutiert. Im endgültigen Vertrag von Paris im Jahr 1783 wurde das gesamte Land, das die Indianer und Briten erfolgreich verteidigt hatten, von Grossbritannien an die Vereinigten Staaten abgetreten. Grossbritannien hatte die Indianer am Friedensprozess in keiner Weise beteiligt und in den Vertragsbedingungen wurden sie nirgendwo erwähnt. Der Konflikt mit den amerikanischen Siedlern ging also weiter und mündete bald im Nordwest-Indianerkrieg (engl.: Northwest Indian War), doch dieses Mal ohne die Hilfe der britischen Verbündeten.

Folgen von Crawfords Tod

Im Sommer 1782 empfahl General George Washington den Angehörigen seiner Armee, es solle keiner sich einfallen lassen, in diesen Zeiten lebend den Indianern in die Hände zu fallen. Die Nachricht vom grauenhaften Schicksal Colonel William Crawfords lag dieser dringenden Empfehlung zugrunde. Crawfords Tod fand in der Presse der Vereinigten Staaten ein starkes Echo. Eine Crawford's Defeat (dt.: Crawfords Niederlage) benannte Ballade wurde sehr populär und blieb lange aktuell. 1783 wurde John Knights Augenzeugenbericht von Crawford am Marterpfahl erstmals publiziert. Der Herausgeber von Knights Bericht, Hugh Henry Brackenridge, unterschlug alle Gründe für Crawfords Hinrichtung und die Tatsache, dass er als Vergeltung für das Gnadenhütten-Massaker getötet worden war. Der Historiker Parker Brown bemerkte, es sei ihm gelungen, ein Stück bösartiger antiindianischer und antibritischer Propaganda gezielt zu verbreiten, um Aufmerksamkeit und Patriotismus zu erzeugen. In einer Einführung stellte Brackenridges Verleger klar, warum dieser Erlebnisbericht veröffentlicht worden sei:

Aber weil sie (die Indianer) weiterhin an unserer Siedlungsgrenze morden, so mag dieser Bericht unsere Regierung bewegen, wirksame Schritte zu ihrer Bestrafung und Unterwerfung einzuleiten. Sie sollte daraus erkennen, dass das Wesen der Indianer wild und grausam und ihre Ausrottung für die Welt von Nutzen und ehrenhaft für diejenigen ist, die es in die Tat umsetzen.

Wie geplant verursachte Knights Bericht eine wachsende rassistische Stimmung gegenüber den Indianern und er wurde in den nächsten 80 Jahren mehrfach neu aufgelegt, besonders dann, wenn in den Zeitungen über Gewalt zwischen Weissen und Indianern berichtet wurde. Obwohl amerikanische Grenzkämpfer oftmals indianische Gefangene getötet haben, sahen viele Amerikaner die indianische Kultur aufgrund der Anwendung von Folter als barbarisch an und Crawfords Tod erneuerte die Wahrnehmung der Indianer als "Wilde". In der nationalen Erinnerung der Amerikaner überschatteten die grausigen Details von Crawfords Tod am Marterpfahl gewöhnlich amerikanische Gräueltaten, wie das Gnadenhütten-Massaker. So sprach man bald nur von den wilden Indianern und die Leistungen friedliebender indianischer Führer wie Cornstalk und White Eyes gerieten in Vergessenheit.

Quelle:
Indianerwiki

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