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Albrecht von Wallenstein Offline




Beiträge: 350

21.07.2009 01:40
RE: Hernán Cortés 1485 - 1547 (Konquistador) antworten

Hernán Cortés 1485 - 1547 (Konquistador)


Hernán Cortés

Quellenlage

Von Cortés selbst sind mehrere ausführliche Berichte in Briefform an Karl I. erhalten, in denen er seinen Feldzug gegen die Azteken beschreibt. Der Inhalt der Briefe kann jedoch nicht als gesicherte Tatsache angesehen werden. Cortés unterschlug und fälschte bewusst Fakten, um sich vor dem Kaiser zu rechtfertigen. So ist der von Cortés zwei Mal in unterschiedlichen Situation geschilderte Amtsverzicht des Moctezuma gegenüber Cortés zugunsten des spanischen Herrschers zweifellos eine geschickte Erfindung. Francisco López de Gómara war Augenzeuge des Algierfeldzuges und arbeitete bereits zu dieser Zeit an seinem Buch Historia general de las Indias. Er war niemals in Neuspanien und verließ sich auf die Aussagen von Cortés, dessen Hauskaplan er war, und anderen Konquistadoren. Das Buch wurde 1552 in Saragossa gedruckt und 1553 durch Philipp II. verboten, u. a. weil López de Gómara die Taten des Hernán Cortés zu sehr glorifizierte und er es mit der Wahrheit nicht sehr genau nahm. Um der Wahrheit aus seiner Sicht zu ihrem Recht zu verhelfen und als Antwort auf Francisco López de Gómara schrieb Bernal Díaz del Castillo: Historia verdadera de la conquista de la Nueva España (Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Neuspanien). Während López de Gómara sich nur auf die Erzählungen anderer stützte, war Bernal Díaz del Castillo als Soldat Augenzeuge der Eroberung des Aztekenreiches und hinterließ mit seinem Buch die genauesten und umfangreichsten Aufzeichnungen aus dieser Zeit. Sie sind durch seine Intention, eine Gegenposition zu Cortés aufzubauen, gefärbt. Die Akten zahlreicher Prozessen des Cortés gegen seine Widersacher und gegen die Krone sind vollständig erhalten geblieben. Ihre Aussagen sind weniger als die Berichte Einzelner von deren Interessenslagen und Absichten verfälscht, aber nicht immer notwendigerweise objektiv. Obwohl inzwischen zahlreiche Akten der Prozesse veröffentlicht wurden, ist vieles noch immer nur in Archiven zu finden. Bernardino de Sahagún traf erst nach der Eroberung des Aztekenreiches in Neuspanien ein und vollendete 1569 sein zwölfbändiges Werk mit dem Titel Historia general de las cosas de Nueva España, das sich im letzten Band auch mit Cortés und der Eroberung Neuspaniens aus der Sicht der Indianer beschäftigt.

Werdegang bis 1518

Cortés entstammte dem niederen spanischen Adel. Er war über seine Mutter mit Francisco Pizarro, dem Eroberer Perus, entfernt verwandt. Seine Familie war nicht wohlhabend. Cortés studierte bereits mit 14 Jahren an der Universität Salamanca Rechtswissenschaft. Nach zwei Jahren brach er sein Studium ab und kehrte nach Medellín zurück. Zwei Jahre in Salamanca und seine späteren Erfahrungen als Notar brachten ihm die kastilische Rechtsordnung nahe. Anschließend trat er in den Kriegsdienst und schiffte sich 1504 nach Westindien ein, wo er beim Statthalter von Hispaniola, Nicolás de Ovando, einem Verwandten, arbeitete. Im Jahre 1511 begleitete er den Statthalter Don Diego Velázquez nach Kuba und wurde auf Grund seiner Tüchtigkeit dessen Sekretär, als dieser Gouverneur von Kuba geworden war. Cortés ließ sich von seinem Gönner Velázquez auf Kuba ein Repartimiento in Cuavanacan am Río Duaba zuteilen. Dort ließ er die ansässigen Tainos nach Gold suchen und erwarb ein beträchtliches Vermögen. Er arbeitete auch als Notar, verdiente Geld mit der Viehzucht und berechnete den königlichen Anteil der kubanischen Goldproduktion. Andere Kolonisten nahmen ihn nicht ernst, da er sich noch durch keine Eroberung hervorgetan hatte und nannten ihn spöttisch Cortesillo, den kleinen Cortés. Als der Gouverneur Diego Velázquez 1515 die Hauptstadt Kubas von Baracoa nach Santiago verlegte, begleitete ihn Cortés und wurde als Alcalde Oberbefehlshaber und Friedensrichter der Stadt. Trotzdem hatte er immer wieder Differenzen mit dem Statthalter. Für kurze Zeit ließ Velázquez seinen Sekretär sogar ins Gefängnis werfen, weil dieser Catalina Suarez nicht heiraten wollte, der er die Ehe versprochen hatte. Cortés brach aus dem Gefängnis aus, wurde jedoch erneut gefangen genommen. Schließlich heiratete er unter dem Druck des Gouverneurs Catalina und versöhnte sich mit ihm und der Familie seiner Frau. Die Ehe blieb kinderlos.

Befehlshaber der Expedition

Zweimal versuchte Velázquez, seinen Machtbereich zu erweitern und schickte Expeditionen unter Francisco Hernández de Córdoba und Juan de Grijalva an die unbekannte Küste Mittelamerikas. Dadurch erfuhr er vom Goldreichtum des Landes. So rüstete er eine dritte Expedition aus und setzte Cortés als Kommandanten ein. Doch Freunde warnten Velázquez vor dem Ehrgeiz des Hernán Cortés. So nahm er seinen Auftrag zurück, doch Cortés hatte in anderen kubanischen Häfen bereits Männer angeworben und Schiffe gekauft. Mit der Flottille von 11 Schiffen, neben dem Flaggschiff des Konquistadors mit dem Namen Santa Maria de la Conception drei weiteren Karavellen und sieben kleineren Brigantinen sowie einer Mannschaft von 670 Mann, zumeist junge Männer aus Spanien, Genua, Neapel, Portugal und Frankreich segelte er am 18. Februar 1519 von Havanna zu der neu entdeckten Küste.

Auf der Insel Cozumel gelang es, den Spanier Gerónimo de Aguilar aus den Händen der Indianer zu befreien. Er war acht Jahre zuvor an der Küste gestrandet und hatte bei den Maya als Sklave gelebt und ihre Sprache erlernt. Cortés umfuhr die östliche Spitze von Yucatán, segelte in nördlicher Richtung an der Küste entlang und in den Fluss Tabasco. Als er in der Nähe der gleichnamigen Stadt an Land gehen wollte, um Trinkwasser aufzunehmen, ließen die Indianer die Landung nicht zu. So nahmen die Spanier die Stadt mit Gewalt. Darauf unterwarfen sich die Indianer Cortés und dem König von Spanien und erklärten sich bereit, Tribut zu zahlen und 20 Sklavinnen zu übergeben. Eine dieser Sklavinnen, Doña Marina (Malinche), wurde die Geliebte des Hernán Cortés. Gemeinsam mit Gerónimo de Aguilar diente sie ihm als Dolmetscherin und wurde zu seiner wichtigsten Beraterin.

Landung und Koloniegründung

Cortés setzte seine Fahrt in nordwestlicher Richtung fort und landete am 21. April 1519 bei San Juan de Ulúa. Die Azteken empfingen die Fremden freundlich und beschenkten sie mit Gold, Edelsteinen, Kleidung und prächtigem Federschmuck.



Vor der Ankunft von Cortés hatte Moctezuma niemanden so reich beschenkt. Einem Mann, der in seiner Vorstellung vielleicht sogar ein Gott war, konnte er sich nicht verschließen. Damit verstärkte der Aztekenherrscher die geheimnisvolle Aura, die den Konquistador umgab. Moctezuma lehnte Cortés Wunsch, ihn in Tenochtitlán zu besuchen, ab. Mit seinen großzügigen Goldgeschenken wollte er die Fremden besänftigen und sie dazu bewegen, das Land zu verlassen und bewirkte das Gegenteil. Die prachtvollen Geschenke verstärkten ihre Habgier.

Um die Unabhängigkeit vom Statthalter in Kuba zu erlangen, gründete Cortés im Namen des Königs und unter königlicher Autorität eine selbstständige Kolonie nach dem Vorbild der spanischen Korporationen. Er gab ihr den Namen Villa Rica de Vera Cruz (Veracruz) und sandte dem spanischen König Karl I. (spanisch: Carlos I.) (ab 1520 Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation) ein Rechtfertigungsschreiben mit den Geschenken der Azteken. Die Schiffe ließ er zerstören, nachdem Segel, Anker, Kompasse und alle weiteren beweglichen Teile an Land geschafft worden waren. So nahm er sich und seinen Leuten bewusst die Möglichkeit zur Rückkehr. Mit der Zerstörung seiner Schiffe setzte Cortés alles auf eine Karte. Er widersetzte sich den Befehlen von Velazquez und verschuldete sich für das Unternehmen hoch. Wenn er gescheitert wäre, hätte man ihn als Verräter in Ketten nach Spanien gebracht oder gleich auf Kuba abgeurteilt. Nur mit einem Erfolg konnte er sich gegen Velazquez wehren, seine Gläubiger befriedigen und vor dem König als Held erscheinen.

In Veracruz ließ Cortés eine kleine Truppe unter dem Kommando von Juan de Escalante zurück. Die meisten dieser Männer waren für den bevorstehenden Marsch nach Tenochtitlán zu alt, krank oder bei den ersten Gefechten in Tabasco verletzt worden und noch nicht genesen. Wichtige Informationen über Land und Leute sowie eine Einladung nach Cempoala erhielt Cortés von dem Dicken Kaziken der Totonaken. Wenige Jahre zuvor waren die Totonaken von den Azteken unterworfen worden. Die Indianer beklagten sich bei ihm über Moctezuma und die erdrückende Last der Tributzahlungen. Der Kazike gewährte dem Konquistador einen tiefen Einblick in die politischen Verhältnisse des Landes. Durch seine Dolmetscherin Doña Marina erfuhr Cortés, dass das Aztekenreich kein klar umrissenes Staatsgebiet besaß. Es gab keine einheitliche Sprache, obwohl Nahuatl fast überall verstanden wurde, keine einheitliche Verwaltung, kein einheitliches Rechtssystem und kein stehendes Heer. Nur die gewaltige militärische Macht der Azteken hielt den Vielvölkerstaat zusammen. Da das Heer nur für Kriegszüge aufgestellt wurde, fehlte eine militärische Sicherung des Reiches fast vollständig. Hatten die Azteken ein Volk unterworfen, mussten die Kaziken Tribut an die Herrscher in Tenochtitlán in Form von Edelmetallen, Kunsthandwerk, Nahrungsmitteln und auch Menschen zahlen. Diese wurden von den Azteken versklavt oder auf Altären den Göttern geopfert. Wurden die Tributforderungen nicht erfüllt, löste dies einen weiteren Kriegszug aus. So wuchs mit jedem Sieg der Azteken die Zahl ihrer Feinde.

Von Cortés erhofften sich die Totonaken ihre Freiheit und baten ihn um militärischen Beistand gegen die Azteken. Cortés versprach, sie vor den Azteken zu schützen und veranlasste den Kaziken, die zufällig anwesenden aztekischen Tributeintreiber gefangenzunehmen. Er drängte die Totonaken, ihr erzwungenes Bündnis mit den Azteken aufzukündigen. Den Tributeintreibern verhalf er heimlich zur Flucht, um sie als Boten für seine Nachrichten an Moctezuma zu benutzen. Sie berichteten ihrem Herrscher, dass Cortés sein Freund und Alliierter sein wollte. Den Totonaken hingegen versprach Cortés Schutz und Waffenhilfe bei einem Angriff der Azteken. Die Totonaken berichteten Cortés auch von der tiefen Feindschaft der Tlaxcalteken zu den Azteken. Sie hatten sich viele Jahre den Azteken widersetzt und keinen Tribut gezahlt. Obwohl die Tlaxcalteken nur noch eine kleine Enklave in dem riesigen aztekischen Reich besaßen und auf ein überschaubares Gebiet begrenzt waren, hatten sie in vielen Schlachten ihre Kampfkraft gezeigt. Cortés hatte die Absicht, mit diesem Volk ein Bündnis einzugehen.

Marsch nach Tenochtitlan

Am 16. August 1519 brach Cortés mit 500 Fußsoldaten, 16 Reitern, 30 Armbrustschützen und 12 Arkebusieren auf. Seine Artillerie bestand aus 6 Geschützen, 10 bronzenen Feldschlangen, 4 Falconieren und etlichen Bombarden. Begleitet wurden die Truppe von etwa 400 Kriegern des Kaziken von Cempoala.

Wahrscheinlich war die totonakische Begleitung der Grund, warum die Tlaxcalteken die Unterhändler, die Cortés ihnen schickte, nicht anhörten. Die Azteken hatten nicht nur Krieg gegen Tlaxcala geführt, sondern das Land mit einem umfassenden Handelsembargo belegt, das sogar Salz einschloss. Jetzt hatten die fremden Spanier gemeinsam mit den Totonaken ihr Land betreten. Die Totonaken waren Unterworfene und zwangsweise Verbündete der Azteken. Daraus schlussfolgerten die Tlaxcalteken, dass die Spanier mit den Azteken im Bunde waren. Sie nahmen die totonakischen Unterhändler gefangen und griffen Cortés mit einer großen Übermacht an. Da es die Tlaxcalteken jedoch auch nach mehreren Schlachten nicht schafften, die Spanier zu besiegen, nahmen sie schließlich Verhandlungen mit den Fremden auf. Sie verbündeten sich mit Cortés und bildeten eine Allianz. Der Hass auf die Azteken machte die Tlaxcalteken zu seinen wertvollsten und treuesten Verbündeten.

Durch 2000 Mann aus Tlaxcala verstärkt, gelangte Cortés nach Cholula, einer kurz vorher von den Azteken unterworfenen, reichen und als Götterheiligtum angesehenen Stadt. Während es in Tlaxcala nicht einmal Salz gab, herrschte dort Überfluss an Lebensmitteln und Waren aller Art.

Heute lässt es sich nicht mehr sagen, ob Cortés mit einem Präventivschlag gegen Cholula die Azteken einschüchtern wollte, ob die Tlaxcalteken die Spanier gegen ihre alten Feinde aufwiegelten, oder ob die Cholulteken die Spanier in einem Hinterhalt ermorden wollten. Angeblich erhielt Malinche von einer Einwohnerin Cholulas eine Nachricht von einem Hinterhalt. Cortés spricht in seinen Briefen an Karl von einer versteckten aztekischen Streitmacht von 50000 Mann. Gesehen hat diese Armee jedoch niemand. Wahrscheinlich ist, dass Cortés auf seinem Weg nach Tenochtitlan, eine so starke Stadt wie Cholula nicht in seinem Rücken haben wollte. Die Spanier verübten ein Massaker, bei dem viele Einwohner der Stadt starben; die Tlaxcalteken plünderten die reiche Stadt.

Mit seinem Bündnis mit den Tlaxcalteken und der Unterwerfung von Cholula hatte Cortés den Azteken gezeigt, dass er ein nicht zu unterschätzender neuer Machtfaktor in ihrem Reich war. Moctezuma versuchte ihn immer noch von seiner Hauptstadt fernzuhalten. Doch je mehr Cortés von Tenochtitlán erfuhr, desto mehr war er gewillt, diese Stadt zu besuchen.

Als die Spanier den letzten Pass in den Bergen überwunden hatten, sahen sie den Texcoco-See und die vielen dichtbesiedelten Städte an seinem Ufer. Tenochtitlán war die größte dieser Städte und lag mitten im See. Mehrere Dammstraßen verbanden sie mit dem Festland.

In der Hauptstadt der Azteken

Moctezuma empfing Cortés am 8. November 1519 vor den Toren der Hauptstadt und ließ den Spaniern den Palast seines verstorbenen Vaters Axayacatl als Wohnung anweisen. Dieser Palast war so groß, dass alle Spanier mit ihren Pferden und Kanonen darin Platz fanden. Zu Beginn ihres Aufenthaltes in Tenochtitlán wurden die Spanier sehr hofiert. Begleitet von hohen Würdenträgern bereisten und erkundeten sie das Land. Von besonderem Interesse für Cortés waren die Häfen des Landes und die Goldbergwerke. Auf Bitten von Cortés zeigte Moctezuma ihm und seinem Gefolge das Innere eines Tempels. In einem Raum, dessen Wände blutverkrustet waren, fanden die Spanier drei Herzen von Menschenopfern, die gerade in einem Kohlebecken verbrannt wurden. Für die Azteken war die Opferung von Menschen eine heilige Handlung und Akt der Götterverehrung. Die Spanier und besonders Hernán Cortés fühlten sich in ihrem religiösen Empfinden zutiefst beleidigt. Für sie bedeutete die Religion der Indianer Gotteslästerung. Als Cortés den Tlatoani darauf ansprach und die Götterstatuen der Azteken stürzen und durch das christliche Kreuz und Marienbilder ersetzen wollte, kam es zum Streit. Die Konquistadoren richteten in dem Palast eine kleine Kirche ein und entdeckten dabei hinter einer Mauer die Schatzkammer von Axayacatl. Durch die immer stärkeren Spannungen mit den Azteken wurde den Spaniern bewusst, wie angreifbar sie waren. Cortés erhielt die Nachricht, dass die Azteken die kleine Garnison in Veracruz unter Juan de Escalante angegriffen hatten. Sechs Männer waren tot und Escalante schwer verwundet, er starb drei Tage nach dem Gefecht. Der Soldat Arguello war lebend in Gefangenschaft geraten. Jetzt schwebten die Spanier in der aztekischen Hauptstadt in Lebensgefahr.

Moctezumas Gefangennahme

Nach der Schlacht bei Veracruz schickte der aztekische Befehlshaber den abgeschnittenen Kopf des gefangenen Spaniers Arguello seinem Tlatoani in Tenochtitlán. Cortés stellte Moctezuma zur Rede und die Spanier forderten ihn unter Drohungen auf, sie in ihr Quartier zu begleiten. Sie eröffneten ihm, dass er von nun an ihr Gefangener sei. Der gedemütigte Fürst regierte dem Namen nach zwar weiter, in Wirklichkeit aber war von da an Cortés sein Gebieter.

Er ließ die aztekischen Hauptleute, die gegen Juan de Escalante und seine Männer gekämpft hatten, vorführen und verhören. Nach ihrem Geständnis, dass sie auf Befehl Moctezumas gehandelt hatten, wurden sie verurteilt und öffentlich verbrannt. Cortés zwang Moctezuma, die Vollstreckung des Urteils anzuschauen. Die Nachricht vom Tod der aztekischen Hauptleute verbreitete sich schnell über das ganze Land. Damit war das Ansehen der Spanier bei den Totonaken in Cempoala wieder hergestellt.

Cortés sandte Spanier in die Provinzen, um diese nach Reichtümern zu untersuchen und ersetzte missliebige Beamte. Er brachte Moctezuma schließlich so weit, dass er die Oberherrschaft König Karls I. förmlich anerkannte und die Zahlung eines jährlichen Tributs versprach. Trotz aller Spannungen versuchte Moctezuma auch in der Gefangenschaft noch gütlich mit den Spaniern auszukommen. So gab er Cortés Tecuichpoch, seine Lieblingstochter, zur Frau. Obwohl Cortés bereits verheiratet war, wies er die Tochter des aztekischen Herrschers nicht zurück und versprach, sie gut zu behandeln. Eine weitere Tochter Moctezumas (Leonor Moctezuma) bekam einer seiner Offiziere.

Spanier gegen Spanier

Diego Velázquez de Cuéllar hatte unterdessen eine Flotte von 18 Schiffen mit 1200 Mann, 12 Kanonen und 60 Pferden unter dem Oberbefehl des Pánfilo de Narváez ausgesandt, um Cortés und seine Offiziere gefangen zu nehmen und die Eroberung von Neuspanien zu vollenden. Auf diese Nachricht ließ Cortés 150 Mann unter Pedro de Alvarado in Tenochtitlán zurück und marschierte am 20. Mai 1520 mit den übrigen 250 Mann dem Feind entgegen. Er überfiel Narváez, der sich bereits der Stadt Cempoala bemächtigt hatte und nahm ihn und den größten Teil seiner Leute gefangen.

Noch während sich Cortés und Narváez auf dem Schlachtfeld bekriegten, bemächtigten sich die Krieger aus Texcoco des ungeschützten Trosses von Pánfilo de Narváez und der Menschen, die mit ihm an Land gegangen waren. Sie brachten die 550 Gefangenen nach Zultepec, opferten sie ihren Göttern und verspeisten sie in den nächsten sieben Monaten.

Noche Triste

Mit Gold und Versprechungen überzeugte Cortés die meisten Männer des Narváez, sich ihm anzuschließen. So kehrte er mit einer Armee von über 1200 Mann nach Tenochtitlán zurück. Dort war inzwischen ein Aufstand gegen die Spanier ausgebrochen, weil Pedro de Alvarado die Teilnehmer des aztekischen Frühlingsfestes niedermetzeln ließ. Die Azteken hatten Cuitláuac als neuen Herrscher des Reiches erwählt und Moctezuma die Macht entrissen. Nach einem Angriff der aztekischen Krieger auf den spanischen Palast wurde Moctezuma von seinen eigenen Männern getötet. Dies ist jedoch nur durch spanische Quellen belegt. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass die Spanier sich des aztekischen Königs entledigten, als er ihnen nichts mehr nützte. Cortés versuchte, in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1520 aus Tenochtitlán zu fliehen. Von den mehr als 1200 Soldaten und knapp 100 Pferden überlebten nur 425 Soldaten und 24 Pferde. Cortés selbst verlor den Zeigefinger seiner linken Hand. In dieser Nacht, die als Noche Triste, die traurige Nacht, bekannt wurde, erlitt Cortés den größten Verlust an Männern, Waffen und vor allem an Gold.

Schlacht von Otumba

Hernán Cortés versuchte, sich mit seinen verbliebenen Truppen nach Tlaxcala abzusetzen. Doch am 14. Juli 1520 wurde er auf einer Ebene vor Otumba von einem aztekischen Heer eingeholt und gestellt. Die Azteken beabsichtigten, die Spanier endgültig zu vernichten. Allerdings unterschätzten sie die Kampfkraft der spanischen Kavallerie. Bisher hatten sie die Reiter mit ihren Pferden nur auf den gepflasterten Straßen in Tenochtitlán oder auf der Flucht über die aufgerissenen Dämme in der Noche Triste erlebt. Dieser Kavallerie in einer offen Schlacht auf einer grasbewachsenen Ebene gegenüberzustehen, war für sie neu. Dagegen hatten die Spanier bereits viele solcher Situationen siegreich bestanden. Cortés erkannte den aztekischen Befehlshaber an seinem aufwendigen Federschmuck und seiner Federstandarte. Er stürmte, begleitet von einigen Reitern, mitten unter die Azteken. Juan de Salamanca ritt den Befehlshaber der Azteken nieder, tötete ihn, hob die Federstandarte auf und überreichte sie Cortés. Obwohl die Spanier in dieser Schlacht schwere Verluste erlitten, zogen sich die Azteken nach dem Tod ihres Anführers zurück.

Als Cortés fünf Tage nach seiner Flucht aus Tenochtitlán endlich Tlaxcala erreichte, waren seine Verluste an Menschen und Material gewaltig. Auch einige spanische Frauen, die mit Pánfilo de Narváez ins Land gekommen waren, starben, während die Dolmetscherin Doña Marina und Doña Luisa, eine Tochter Xicoténcatls des Älteren ebenso überlebten, wie die beiden Töchter Moctezumas und María Estrada, die Frau eines Konquistadors.

Albrecht von Wallenstein Offline




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21.07.2009 01:43
#2 RE: Hernán Cortés 1485 - 1547 (Konquistador) antworten

Allianzen

Trotz seiner Niederlage in Tenochtitlán gab Cortés nicht auf. Er reorganisierte seine Truppen und startete einen Eroberungsfeldzug rund um den Texcoco-See und baute neue Allianzen auf. Seine wichtigsten Verbündeten, die Tlaxcalteken, hielten ihm auch nach der Niederlage in Tenochtitlán die Treue, obwohl die Azteken sie auf ihre Seite ziehen wollten und ihnen Frieden und Wohlstand versprachen. Gemeinsam schlugen die Spanier und die Tlaxcalteken die aztekische Besatzung in Tepaeca und lösten die Stadt aus dem Bündnis mit den Azteken. Währenddessen wütete eine Pocken-Epidemie in Tenochtitlán und griff schon bald auf das umliegende Land über. Ein spanischer Sklave, der mit den Truppen von Pánfilo de Narváez angekommen war, hatte die Krankheit eingeschleppt. Der Nachfolger Moctezumas, Cuitláhuac starb nach nur achtzig Tagen Regentschaft. Obwohl die Krankheit die Zahl der Kämpfer auf beiden Seiten drastisch verringerte, waren die Folgen für die Azteken verheerender als für die Spanier. Nach dem Tod ihres Herrschers wählten die Azteken im Februar 1521 Cuauhtémoc, den Sohn von König Ahuitzotl, auf den Thron. Cuauhtémoc, der neue Herrscher der Azteken, sandte Boten und Krieger zu den benachbarten Völkern und versuchte, sie mit Versprechungen, Drohungen und Strafexpeditionen an sich zu binden. Doch das Reich der Azteken war keine homogene Einheit. Viele Völker hatten genug von der aztekischen Vorherrschaft und beteiligten sich nicht am Kampf gegen die Spanier, ohne jedoch sogleich Partei gegen die Azteken zu ergreifen, aus Furcht vor einer Bestrafung durch die aztekische Armee.

Innerhalb weniger Monate besiegte Cortés mit seinen Truppen mehrere Stadtstaaten wie Chimalhuacán, Oaxtepec, Yautepec, Cuernavaca und Tlacopan rund um den Texcoco-See während andere sich ihm freiwillig anschlossen. Viele Völker, auf die Cortés bei seinem Eroberungsfeldzug traf, fühlten sich von den Azteken unterdrückt. Sie waren kein integrierter Teil des Reiches sondern wurden von den Azteken nach ihrer Unterwerfung ausgebeutet. Als neue Bundesgenossen schlossen sich ihm Tepeyacac, Cuernavaca und die Städte Huejotzingo, Atlixco, Metztitlán und Chalco an. War ihm ein Herrscher nicht zu Willen, ersetzte Cortés ihn kurzerhand durch einen Mann, den er als Marionette benutzen konnte. Als der Tlatoani von Chalco an den Pocken starb, empfahl er seinem Volk auf dem Totenbett, sich den Spaniern zu unterwerfen und schickte seine Söhne zu Cortés statt zu Cuauhtémoc, dem Aztekenherrscher. Er legte seine Nachfolge und die Herrschaft über die zugehörigen Ortschaften in die Hände von Cortés. Der nahm die Prinzen wohlwollend auf und bestätigte sie in ihrem Amt. Immer mehr Städte erkannten den Konquistador als obersten Herrscher an. Durch seine kluge Bündnispolitik und militärischen Erfolge über die Azteken nahm er die Stellung ein, die vorher Moctezuma eingenommen hatte. Auch Texcoco, eine der größten Städte des Reiches und Mitglied des Dreibundes, konnten die Spanier einnehmen und auf ihre Seite ziehen. Dabei nutzte Cortés die Streitigkeiten der Indianer um die Herrschaft über die Stadt aus und setzte Ixtlilxochitl, den Sohn von Nezahualpilli auf den Thron.

Albrecht von Wallenstein Offline




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21.07.2009 01:54
#3 RE: Hernán Cortés 1485 - 1547 (Konquistador) antworten

Belagerung


Codex Tlaxcala, Bei der Belagerung von Tenochtitlán trugen die verbündeten indianischen Völker die Hauptlast des Krieges

In Tlaxcala hatte Martin López, der Schiffbaumeister, dreizehn Brigantinen gebaut. Mehrere tausend Krieger der Tlaxcalteken trugen die Einzelteile der Schiffe unter dem Schutz von Gonzalo de Sandoval und seinen Männern an den Texcoco-See. In der Stadt Texcoco wurden die Schiffe zusammengebaut und zu Wasser gelassen, das letzte am 28. April 1521. Bereits nach wenigen Tagen wurde das kleinste Schiff wieder außer Dienst gestellt, weil es sich nicht gegen die aztekischen Kriegskanus behaupten konnte.

Die Schiffe bildeten den ersten Belagerungsring um die aztekische Hauptstadt. Am Anfang übernahm Cortés selbst das Kommando. Die Truppen unter Alvarado und Olid marschierten in Richtung Chapultepec und zerstörten dort ein Aquädukt. Damit unterbrachen sie die Wasserversorgung Tenochtitláns. Mit seinen Brigantinen verhinderte Cortés weitgehend die Versorgung der Hauptstadt über den Texcoco-See. Nur wenige Kanus kamen im Schutz der Nacht durch. Zu Beginn des Kampfes rammten die Azteken Pfähle in den Seegrund mit den Spitzen dicht unter der Wasseroberfläche. Damit wollten sie die Brigantinen aufhalten, um sie dann mit ihren Kanus anzugreifen. Doch die die Spanier fuhren mit vollen Segeln über diese Pfähle hinweg, ohne dass diese Schäden anrichteten.

Die Azteken versuchten, die Stadt bereits auf den Dämmen im See zu verteidigen. Sie rissen einige Stellen auf und bauten an anderen Stellen Schanzen. Tag für Tag griffen die Spanier an und wurden von den Azteken mit Kanus vom See aus attackiert. Mit Hilfe ihrer Schiffe kämpften sich die Spanier den Weg frei, erreichten die Stadt und gewannen an Boden. Da sie sich am Abend wieder in ihre Stellungen zurückzogen, besetzten die Azteken in der Nacht erneut ihre alten Stellungen in der Stadt. Cortés befahl deshalb, die eroberten Häuser niederzureißen. So rückten die Spanier langsam auf das Stadtzentrum vor. Cuauhtémoc organisierte einen groß angelegten Angriff auf Alvarado und die Truppen in Tlacopan. Doch die Azteken wurden zurückgeschlagen.

Schließlich fingen die Spanier alle Lebensmittel- und Wasserlieferungen in die Stadt ab. Selbst die Azteken, die versuchten, Fische im See zu fangen, wurden aufgegriffen. Viele tranken das Salzwasser aus dem See und wurden krank. An der Hungersnot starben viele der Eingeschlossenen. Während die Streitkräfte der Azteken weiter dezimiert wurden, trafen in Vera Cruz wieder frische spanische Truppen ein. Eine starke Truppe unter Francisco de Garay war eigentlich ausgezogen, um das Gebiet am Pánuco zu erobern. Sie war dort jedoch gescheitert und so schlossen sich die meisten Männer Cortés an. Immer mehr ehemals mit den Azteken verbündete Städte schlugen sich jetzt auf die Seite der Spanier, so Huichilibusco, Coyohuacan, Mizquic und alle übrigen Orte rund um den Texcoco-See.

Tenochtitláns Fall

Cortés fiel am 21. Juni 1521 einer Kriegslist zum Opfer. Er folgte den scheinbar endgültig geschlagenen Azteken in die Stadt. Dort bot Cuauhtémoc frische Kräfte gegen ihn auf. Sie töteten viele Spanier und nahmen ca. 60 gefangen. Cortés entging nur knapp der Gefangenschaft. Christobal de Olea rettete ihm das Leben und starb selbst im Kampf.

Die Azteken opferten die gefangenen Spanier ihren Göttern. Sie schickten Körperteile der Toten an die Völker, die auf der Seite der Spanier kämpften und drohten ihnen. Tatsächlich gelang es ihnen, einige Städte wieder auf ihre Seite zu ziehen. Doch Cortés schickte eine Strafexpedition und unterband Hilfen für Tenochtitlán.

Cuauhtémoc zog sich mit seinen verbliebenen Truppen nach Tlatelolco, einem Stadtteil mitten im See, zurück, gab sich jedoch nicht geschlagen. Als Cortés die Krieger der Azteken in einen Hinterhalt lockte, nahmen sie die Friedensangebote der Spanier zum Schein an, griffen sie aber noch einmal an. Doch ihre Kräfte waren bereits zu sehr geschwächt.

In einer Kampfpause flohen viele ausgehungerte Frauen und Kinder zu den Spaniern. Cortés sandte Gonzalo de Sandoval mit seinen Männern in das letzte von den Azteken besetzte Stadtviertel im See. Dort rissen sie die Häuser und Verschanzungen nieder. Als es keinen Ausweg mehr gab, floh Cuauhtémoc mit seiner Familie und den letzten Getreuen in Kanus über den See.

García Holguíns, einer der Männer von Gonzalo de Sandoval, konnte mit seiner Brigantine den letzten Herrscher der Azteken, Cuauhtémoc, bei seiner Flucht auf dem See von Texcoco festnehmen. Nach Schätzungen starben 24000 Azteken während der über mehrere Monate dauernden Belagerung.

Am 13. August 1521 war die fast völlig zerstörte Stadt endgültig erobert. In den Straßen lagen viele Leichen, die nicht begraben werden konnten. Cortés evakuierte die Bevölkerung. Der Zug der halb verhungerten Menschen auf das Festland dauerte drei Tage.

Als die Leichen aus der Stadt geschafft und begraben waren, begann Cortés mit dem Wiederaufbau Tenochtitláns. Karl I. ernannte ihn zum Gouverneur, Obersten Richter und Generalkapitän von Neuspanien. Damit war er der mächtigste Mann nach dem Kaiser. Mit der Eroberung des Aztekenreiches legte Hernán Cortés den Grundstein für das Vizekönigreich Neuspanien und das Imperio Español, das spanische Imperium. Cortés bestätigte Cuauhtémoc als König der Azteken. Doch nur kurze Zeit später ließ er ihn foltern, um zu erfahren, wo er die Goldschätze versteckt hatte. Bereits während der Eroberung des Landes hatte Cortés auf einen Wandel in der Religion der Indianer hingearbeitet. Jetzt holte er Missionare nach Neuspanien.

Mit militärischen Vorstößen in den Norden erweiterte er seinen Machtbereich weit über die Grenzen des ehemaligen Aztekenreiches hinaus.

Feldzug nach Honduras

Im Jahre 1523 sandte Cortés Cristóbal de Olid nach Honduras, um dieses Land zu erobern. Olid war ein Weggefährte der ersten Stunde und hatte Cortés nie Anlass zum Misstrauen gegeben. Doch er verbündete sich mit Diego Velázquez de Cuéllar, dem Erzfeind von Cortés. Er wollte mit der Hilfe des Statthalters von Kuba Honduras für sich selbst erobern und sich von Cortés unabhängig machen. Als Cortés davon hörte, entsandte Francisco de Las Casas mit zwei Schiffen nach Honduras um Cristóbal de Olid gefangen zu nehmen. Doch weil Cortés auch lange Zeit nichts von Las Casas hörte, machte er sich selbst im Herbst 1524 mit einer Armee von mehreren hundert Spaniern und dreitausend indianischen Hilfstruppen auf den Weg nach Süden. Aus Furcht, dass der letzte König der Azteken, Cuauhtémoc, während seiner Abwesenheit einen Aufstand in der Hauptstadt anzetteln könnte, nahm Cortés ihn auf den Feldzug mit. Unterwegs soll er sich angeblich eines Mordkomplotts schuldig gemacht haben und wurde von den Spaniern gehenkt.

Unterdessen war es Francisco de Las Casas gelungen, sich gegen Cristóbal de Olid durchzusetzen. Er war in Olids Gefangenschaft geraten, verletzte diesen jedoch bei einem gemeinsamen Essen mit einem Dolch und ließ ihn auf dem Marktplatz von Naco enthaupten. 1525 reiste Francisco de Las Casas mit dem Schiff nach Veracruz und über Land in die Hauptstadt Tenochtitlán. Dort wurde er von den Gegnern Cortés' festgenommen und wegen des Mordes an Olid zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde nicht vollstreckt, weil er den Kaiser um Gnade bitten wollte. Man brachte ihn in Ketten nach Spanien, wo er zwei Jahre später freigesprochen wurde.

Fast wäre der Feldzug nach Honduras an den Strapazen des Weges, dem schlechten Wetter und dem Hunger gescheitert. In den Kämpfen mit den feindlichen Indianervölkern starben viele Teilnehmer der Expedition. Weil man in Tenochtitlán lange Zeit keine Nachricht von Cortés hatte, kam das Gerücht auf, er sei nicht mehr am Leben. Seine Feinde trugen dieses Gerücht als Tatsache an den spanischen Königshof und teilten seinen Besitz. Als Cortés in Honduras feststellte, das Francisco de Las Casas seine Aufgabe erfüllt hatte, fuhr er mit dem Schiff über Havanna nach Vera Cruz. In Neuspanien wurde er begeistert empfangen und vor allem in Tlaxcala stürmisch begrüßt. Die absolute Macht hatte er jedoch durch seine lange Abwesenheit verloren.

Am 13. Dezember 1527 ernannte Karl I. eine Audiencia für Neuspanien. Sie sollte die Regierung der Kolonie übernehmen und bestand aus einem Präsidenten und vier Oidores (Richter). Ihr Präsident war Nuño Beltrán de Guzmán. Die Richter waren Juan Ortiz de Matienzo, Diego Delgadillo, Diego Maldonado und Alonso de Parada.

Am Hof des Kaisers

Der Bischof von Burgos, Juan Rodríguez de Fonseca, versuchte die Siege von Cortés am Hof des Kaisers zu bagatellisieren oder sie Diego Velázquez zuzuschreiben. Einen seiner Günstlinge, Christobal de Tapia, stattete er mit angeblich im Auftrag des Kaisers ausgestellten Urkunden und Blanko-Schriftstücken aus. Er wollte de Tapia an die Macht bringen und ihm die Stelle des Statthalters von Neuspanien zuschanzen. Francisco de Montejo und Diego de Ordas übergaben dem Statthalter des Königs von Spanien, Papst Hadrian VI., eine schriftliche Anklage. Laut dieser Anklage nutzte Bischof Fonseca seine Macht als Vorsitzender des Consejo de Indias aus und ließ die Boten, die Cortés nach Spanien an den Hof gesandt hatte, ins Gefängnis werfen. Er unterschlug Goldgeschenke und Berichte an den Kaiser. In Sevilla verhinderte er den dringend benötigten Nachschub von Männern und Waffen aus Spanien. Die Klagen des Bischofs zwangen Cortés, sich zu seiner Rechtfertigung nach Spanien an den Hof des Kaisers zu begeben.

Im Jahre 1528 fuhr er mit einem Schnellsegler nach Europa und bewältigte die Reise von Veracruz nach Palos in nur 41 Tagen. Neuspanien war seit Oktober 1523 eine Provinz Spaniens. Als der Eroberer dieser größten und reichsten Provinz sah sich Cortés in einer Reihe mit den mächtigsten europäischen Fürsten seiner Zeit. Deshalb umgab er sich auf der Reise mit einem großen Gefolge. Es begleiteten ihn Kampfgefährten aus Neuspanien und adelige Indianer aus Tenochtitlán, Tlaxcala und Cempoala. An seiner Seite war je ein Sohn von Moctezuma und von Maxixcatzin, einem der Fürsten aus Tlaxcala. Außerdem begleiteten ihn zwölf tlaxcaltekische Ballspieler sowie indianische Musiker, Sänger und Akrobaten. Er hatte Gold, Edelsteine, Kunstgegenstände und exotische Tiere im Gepäck. Unterwegs erkrankte Gonzalo de Sandoval und starb in La Rábida. Als Karl von der Ankunft des Hernán Cortés erfuhr, ließ er ihm durch den lokalen Adel alle Ehren erweisen.

Bei dem offiziellen Empfang des Konquistadors bei Hofe appellierte Cortés an die Gerechtigkeit seines Kaisers und berichtete ihm ausführlich von den Eroberungen und den Schlachten, die er in der neuen Welt geschlagen hatte. Er antwortete auf die Anklagen seiner Feinde und bestritt, dass er Gold der Krone zurückgehalten hatte, er wies vielmehr nach, dass er mehr als das geforderte Fünftel nach Spanien geschickt hatte. Außerdem hatte er viel Geld aus eigener Tasche für den Wiederaufbau von Tenochtitlán beigesteuert. Karl I. hatte Cortés viel zu verdanken; ohne die reichen Gold- und Silberlieferungen aus Neuspanien wäre es ihm nicht möglich gewesen, in Europa Kriege zu führen.

Cortés hatte sich ihm gegenüber immer loyal verhalten, von den indigenen Völkern in Neuspanien wurde er als absoluter Herrscher und oberster Tlatoani angesehen, auch wenn er sich selbst niemals so bezeichnete. Mit dem Bau eines Palastes auf den zerstörten Grundmauern des Palastes von Moctezuma hatte er seine Ansprüche zu erkennen gegeben.

Noch während der Eroberungskämpfe schaffte Cortés die Grundlagen für seine späteren Forderungen. Aus zahlreichen Erkundungsexpeditionen und Eroberungszügen hatte er eingehende Kenntnis des Landes erworben und beschlossen, die wirtschaftlich ertragreichsten Orte und die militärischen Schlüsselstellen für sich zu beanspruchen. Im Jahre 1526 hatte er in einem Schreiben an seinen Vater, der als sein Beauftragten bei Hof agierte, eine Liste seiner territorialen Forderungen an den König mitgeteilt, die er in einer Petition 1528 mit minimalen Änderungen nochmals vortrug. Die Liste enthält nur die Hauptorte, vermutlich dachte Cortés an die dazugehörigen Tributprovinzen. Hätte Karl I. diesen Forderungen stattgegeben, wären Cortés wesentliche Teile des aztekischen Reiches als persönlicher Besitz zugefallen.

Karl I. ernannte Cortés für seine Verdienste zum Ritter vom Heiligen Jacob und zum Generalkapitän von Neuspanien und der Südsee (Pazifischer Ozean). Zudem wurden ihm am 6. Juli 1529 der Titel und die Besitzungen des Marqués del Valle de Oaxaca, (Marquis des Tales von Oaxaca) gegeben. Mit dieser Verleihung war jedoch nur der Besitz eines Teils der von ihm geforderten Orte und Landgebiete verbunden, andere wichtige und attraktive Orte hatte sich Karl I. selbst vorbehalten, darunter alle Häfen. Die tatsächlich verliehenen Orte, das stellte sich bei der nachfolgenden Definition heraus, umfaßten nur deren unmittelbaren Einzugsbereich und nicht die entsprechenden Provinzen. Die Verleihung an Cortés ist ein Musterstück politischer Konstruktion. Es ging ja darum, Cortés hinreichend zu befriedigen – schließlich hatte er dem König ja unzweifelhaft große Dienste erwiesen – ohne die Frage der Rechtmäßigkeit seines Vorgehens überhaupt aufkommen zu lassen.

Mit der Standeserhebung gehörte Cortés zum Hochadel von Spanien. Der Titel wurde von seinen Nachkommen bis 1811 geführt. Das Tal von Oaxaca war eines der reichsten Gebiete Neuspaniens. Trotz aller Ehrungen wurde er jedoch nicht wieder als Gouverneur oder als Vizekönig in Neuspanien eingesetzt, blieb also ohne politische Macht. Es ist anzunehmen, dass Cortés dem Kaiser zu reich und mächtig geworden war. Außerdem hatte sich am Hof die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Konquistadoren nicht geeignet sind, die Regierung der neuen Länger auszuüben, wie der Fall des Cristóbal Colón gezeigt hatte. Die Führung des neuen Landes behielt deshalb der König sich selbst vor und vertraute sie Männern an, die keine so gewaltige Hausmacht besaßen.

Wenige Tage nach der Audienz erkrankte Cortés in Toledo so schwer, dass man annahm, er würde sterben. Auf Bitten des Herzog von Béjar besuchte Karl I. den anscheinend todkranken Cortés in Begleitung des Hochadels. Dieser Besuch wurde als großer Gunstbeweis aufgefasst.

Rückkehr nach Neuspanien, Entdeckung Kaliforniens

Im Jahre 1530 schiffte sich Cortés wieder nach Neuspanien ein, hatte allerdings nur noch militärische Befehlsgewalt. Bei seiner Rückkehr fand er das Land in Anarchie. Nach der Wiederherstellung der Ordnung konzentrierte er sich auf die Erforschung der Westküste von Neuspanien.

Die Leitung der Zivilangelegenheiten wurde einer Behörde, der Audiencia de Nueva España, übertragen. Antonio de Mendoza wurde als Vizekönig nach Neuspanien gesandt, traf jedoch erst im Jahre 1535 dort ein, wo er die Zivilverwaltung übernahm. Cortés behielt die militärische Macht und hatte die Erlaubnis, seine Eroberungen fortzusetzen. Diese Teilung der Macht führte zu dauernden Streitigkeiten mit dem Vizekönig. Tenochtitlán wurde in Ciudad de México (Mexiko-Stadt) umbenannt.

Cortés ließ an der Westküste Neuspaniens auf eigene Kosten Schiffe bauen. 1527 sandte er drei dieser Schiffe nach Westen über den Pazifik. Sie standen unter dem Kommando von Alvaro de Saavedra, der den Auftrag hatte, die Gewürzinseln (Molukken) zu finden. Doch die Expedition scheiterte bei der Rückfahrt im Pazifik.

Im Jahre 1536 entdeckte Cortés auf einer Expedition die Halbinsel Baja California. Im Jahre 1539 rüstete er auf eigene Rechnung eine weitere Expedition aus und sandte Francisco de Ulloa mit drei Schiffen von Acapulco aus in nördliche Richtung entlang der Westküste Neuspaniens. Sein Auftrag lautete, die Küste zu erforschen und einen Seeweg im Norden des amerikanischen Kontinents nach Europa zu finden. Wahrscheinlich um seinem Auftraggeber zu gefallen, nannte Francisco de Ulloa den Golf von Kalifornien Mar de Cortés (Cortés-See). Obwohl er das Ende des Golfes erreicht und anschließend die Halbinsel Baja California umfahren hatte, wurde Baja California nach seiner Rückkehr auf Karten als Insel dargestellt.

Feldzug nach Algier

Im Jahre 1541 reiste Cortés noch einmal nach Spanien, wurde dort jedoch mit Kälte aufgenommen. Seine Ansprüche fanden vor Gericht kein Gehör. Der Kaiser erlaubte ihm, sich der Flotte von Andrea Doria auf dem Feldzug an die Berberküste nach Algier anzuschließen und gegen die Osmanen zu kämpfen. Trotz der Bedenken erfahrener Seeleute befahl Karl I. den Angriff auf Algier. Vor der algerischen Küste geriet die Flotte in ein Unwetter. Zwei Tage lang konnten die Truppen nicht ausgeschifft werden. Als am 23.Oktober die Männer endlich an Land gingen, mussten sie mit ihrem schweren Gepäck durch tiefes Wasser waten. Nachdem nur ein Bruchteil der Truppe, der Pferde und des Proviants entladen war, setzte wiederum schlechtes Wetter ein und verhinderte die Entladung der anderen Schiffe. In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober wurde der Sturm zum Orkan. Mit über 150 anderen Schiffen sank auch die Esperanza, das Schiff von Cortés. Nur mit knapper Not konnte er sich mit seinen Söhnen retten. Trotz seiner Erfahrungen bei der Eroberung des Aztekenreiches lud Karl I. ihn nicht zum Kriegsrat ein. Cortés fasste dies als eine bewusste Kränkung seiner Person auf.

Der Chronist Francisco López de Gómara nahm im Gefolge von Cortés am Kriegszug teil und schrieb:

„Cortés erbot sich daraufhin, Algier mit den spanischen Soldaten und den deutschen und italienischen Kräften im Sturm zu nehmen, die bereits gelandet waren, falls dem Kaiser damit gedient sei. Die Kriegsleute liebten solche Reden und lobten ihn sehr, aber die Seeleute und andere hörten ihn nicht an. Und so ging er in der Annahme, dass Seine Majestät davon keine Kenntnis hatte“

– Francisco López de Gómara -

Letzte Jahre und Tod

Cortés hatte viel Geld eingesetzt, um seine Entdeckungsreisen zu finanzieren. Im Februar 1544 erhob Erstattungsansprüche beim königlichen Finanzministerium, wurde aber in den nächsten drei Jahren nur vertröstet und von einem Gericht an das nächste verwiesen. Angewidert entschied er sich 1547, nach Neuspanien zurückzukehren. Doch als er Sevilla erreichte, wurde er krank und starb am 2. Dezember 1547 auf seinem Landgut in Castilleja de la Cuesta im Alter von 62 Jahren. Er hinterließ sein Vermögen seinen Kindern und machte keinen Unterschied, ob sie Weiße oder Mestizen waren. Bevor er starb, ließ er seine drei unehelichen Kinder durch den Papst legitimieren. Dabei ging es ihm besonders um seinen Sohn Martin aus der Verbindung mit Doña Marina (La Malinche), dem er seine Titel und Besitzungen übertrug und Dona Leonor Cortés y Moctezuma, der Tochter von Tecuichpoch. Seine Gebeine wurden in Mexiko beigesetzt, verschwanden aber 1823. Sie gingen später an den neapolitanischen Herzog von Monteleone über.


Rezeption

Das Bild von Cortés hat sich im Laufe der Geschichte sehr gewandelt. Obwohl er Menschen tötete und sie foltern ließ und die kulturelle Identität der Indianer zerstörte, wurde er von vielen Völkern Mittelamerikas respektiert und sogar verehrt. Das ist verständlich, denn er hatte sie vom Joch der Azteken befreit. Heute ist der Konquistador in Mexiko sehr schlecht angesehen. Doch es gibt immer noch viele Straßen und Plätze, die seinen Namen tragen. Das aztekische Erbe steht heute bei den Mexikanern weit höher im Ansehen als Cortés. Mit der spanischen Eroberung verloren ca. 15 Millionen der Ureinwohner ihr Leben. Sie starben an den eingeschleppten Krankheiten und durch die Grausamkeiten der Europäer. So ist es nicht verwunderlich, dass die Verdienste von Cortés, (die Einigung Mexikos, das Ende der Blumenkriege und die anschließenden Menschenopfer) die Grausamkeiten im Bewusstsein der Mexikaner nicht aufwiegen.


Quelle:
Wikipedia

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