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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 amerikanischer Bürgerkrieg
Philipp II Offline




Beiträge: 26

19.07.2009 20:43
RE: Nord und Süd antworten

Die Union hatte eine Bevölkerung von 23 Millionen Menschen, die konföderierten Staaten 9 Millionen. Der Norden verfügte auch über den größten Teil der amerikanischen Eisenbahnnetzes und der Industrie. Während dort im Laufe des Krieges fast 1,5 Millionen Springfieldgewehre hergestellt wurden, war im Süden alles knapp, vom Schuhwerk bis zum Schießpulver und das trotz heroischer Anstrengungen, eine Kriegsindustrie aufzubauen und aus Europa Waffen zu beschaffen. Da das reguläre Heer der Vereinigten Staaten nur 16000 Mann umfasst hatte, mussten beide Seiten aus den Milizen der Bundesstaaten und Freiwilligen neue Armeen aufstellen. Der Süden hob schließlich 1,1 Millionen Soldaten aus, der Norden 2,8 Millionen. Die Union war auch zur See erdrückend überlegen. Angesichts des Ungleichgewichts der Kräfte setzte der Süden auf äußeren Beistand und hoffte, dass Großbritannien oder Frankreich zu Hilfe kommen würden. Dem stand aber die Sklaverei entgegen, die dem Süden keine Sympathien entgegenbrachte.


Quelle
z. T. frei geschrieben nach dem Buch "Kriege und Schlachten" von R. G. Grant

Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

23.07.2009 18:35
#2 RE: Nord und Süd antworten

Gewissensfrage: Nord oder Süd ?



Treibende Kraft der Sezession war South-Carolina. Die Nachrichten von der Wahl Lincolns am 7. November 1860 brachte die Massen in die Straßen an der alten Hafenstadt Charleston. Der Ruf nach Austritt aus der Union wurde laut. Am 20. Dezember trat die gesetzgebende Versammlung des Staates zusammen und erklärte den Bund mit der Union für aufgelöst. Die Besatzung der Hafenfestung Fort Sumter, Regierungstruppen unter dem Befehl Major Robert Anderson,befanden sich —wie andere loyale Festungstruppen im Süden — in einem Zustand der de–facto Belagerung. Anfang Januar entschied das Kriegsministerium, Fort Sumter durch die Entsendung von 250 Rekruten, Nahrung und Munition zu verstärken. Aber die »Star of the West«, die von New York aus in See stach,wurde von den Charlestoner Küstenbatterien unter Feuer genommen und mußte unverrichteter Sache zurückfahren. Diese ersten Kanonenschüsse in der Nacht vom 8. Januar 1861 kamen einer Kriegserklärung gleich. Der Weg in den Bürgerkrieg war eingeschlagen.

Am 9.1.1861 folgte Mississippi dem Beispiel South-Carolina und trat aus der Union aus. Am nächsten Tag unternahm Alabama diesen Schritt, am 19. Georgia. Eine Woche später schloß sich der fünfte Staat des »tiefen Südens« an, Louisiana, Teil jenes geographischen Streifens von Sklavenhalterstaaten, die man in der zeitgenössischen Sprache auch als »blackbelt«, als schwarzer Gürtel, bezeichnet hatte. Im Februar schloß sich der flächenmäßig größte Staat, Texas, an. Bis zum 8. Mai hatten Virginia, Arkansas, Nort Carolina und Tennessee ihre Loyalität zur Bundesregierung in Washington aufgekündigt. Anfang Februar kamen die Delegierten dieser Staaten zur Bildung einer provisorischen Regierung zusammen, erließen eine vorläufige Verfassung und wählten am 9. des Monats Jefferson Davis zum Präsidenten der »Konföderierten Staaten von Amerika«.

Der Bruch quer durch die amerikanische Nation war vollzogen.
Kentucky, Maryland, Delaware und Missouri, die als Staaten mit Sklaverei-Gesetzen als potentielle Verbündete der Konförderation galten, blieben in der Union oder wurden mit Gewalt vom Übertritt abgehalten. Lincoln erklärte den Ausnahmezustand und erließ am 11. April die Order zur Aufstellung von 75.000 Freiwilligen, um den »Aufstand« im Süden niederzuschlagen. Die Freiwilligenkontingente sollten aus den Bundesstaaten für drei Monate zur Fahne einrücken, um der Rebellion ein Ende zu machen. Der Aufruf selbst stellte den Schlußstrich um die letzten Bemühungen dar, einen offenen Konflikt zu vermeiden. Die Beschießung von Fort Sumter wurde wenige Stunden später eröffnet, um 4.30 Uhr gab General Beauregard den Feuerbefehl, am 13. April ergab sich das Fort.

Bei der Entscheidung zur Sezession oder zum Verbleib in der Union waren weniger ideologische oder politische Überzeugungen ausschlaggebend, als das Heimatgefühl. Aus Tagebüchern, Briefen und zeitgenössischen Berichten sind diese Gewissensentscheidungen auch heute noch nachvollziehbar: Männer meldeten sich freiwillig, weil sie ihren Heimatstaat angegriffen sahen, weil ihr Begriff von Freiheit, Demokratie oder Zivilisation vor allem im Bezug zur Unantastbarkeit staatlicher Rechte auf Selbstbestimmung und Selbstverwaltung lag. Man ging zum Rekrutierungsbüro, weil Freunde, Verwandte und Bekannte des Dorfes, der Kleinstadt oder des Bezirks es gleichfalls für ihre Pflicht hielten, weil Vermont zum Norden gehörte, oder der Angriff auf Fort Sumter nicht nur einen Angriff auf die Zentralregierung, sondern auch einen Angriff auf die Ehre des eigenen Staates darstellte.

Besonders problematisch war die Entscheidung für jene Berufsoffiziere und Mannschaften der regulären Armee, die zwischen der Loyalität zu Fahne und Eid und der Verpflichtung zu ihrem Heimatstaat zu wählen hatten.

Hauptmann Pierre G.T. Beauregard, ein Pionieroffizier und Veteran des Mexikanischen Krieges, war kurz vor Kriegsausbruch aufsichtsführender Kommandeur der Militärakademie West Point, New York. Eine Woche nach Amtsantritt hatte er die Akademie verlassen, um seiner Heimat Süd-Carolina zur Verfügung zu stehen. Am 3. März 1861 traf er in Charleston als Brigadegeneral der provisorischen Armee der Konföderation ein, um wenige Wochen später das Feuer auf Fort Sumter zu leiten. Sein Gegner, Major Anderson, war Beauregards früherer Artillerielehrer während seiner Kadettenzeit in West Point gewesen.

Robert E. Lee, ein anderer Offizier des Pioniercorps, diente als Oberstleutnant in Texas und wurde im März nach Washington zurückgerufen. Lee war gegen eine Sezession eingestellt und hoffte noch im April, daß es nichtzu einem Krieg zwischen den Staaten kommrn würde. Virginia, sein Heimatstaat, war noch nichtaus der Union ausgetreten. Mitte März wurde Lee zum Oberst und Kommandeur des 1. U.S. Kavallerieregiments ernannt, am 18. April wurde ihm das Oberkommando über die gesamte U.S.-Armee angetragen. Der Angriff auf Harpers Ferry und der Austritt Virginias aus der Union veranlaßten Lee, sein Offizierspatent niederzulegen, weil er sich nicht in der Lage sah, »seine Hand gegen seine Verwandten, seine Kinder und seine Heimat zu erheben«, wie er es in einem Brief an seine Schwester ausdrückte. Robert E. Lee stellte sich der Regierung in Richmond zur Verfügung, wurde General der Armee von Virginia und der militärische Führer der Konföderation.

Jefferson Davis, der Präsident der Konföderierten Staaten, gehörte zum West Point–Jahrgang von 1828 und diente als Infanterieoffizier bis 1835, wurde 1845 Kongressabgeordneter und nahm als Oberst am Mexikanischen Krieg teil. Nach einer Verwundung wurde er U.S.-Senator des Staates Mississippi und war von 1853 bis 1857 Kriegsminister unter Präsident Franklin Pierce.

Andere Südstaatler blieben in der Union, wie David G. Farragut, Erster Admiral der U.S.-Marine. Mehr als ein Viertel der Offiziere von Armee und Marine aber verließen ihre Posten, um wenige Wochen später ihren früheren Kameraden als Feinde gegenüberzustehen.

Der Riß, der die Vereinigten Staaten trennte, ging auch durch Familien:


Vier Schwäger Präsident Lincolns gehörten der Konföderierten Armee an; einer von ihnen, Ben Hardin Helm, als General. Kentuckys Senator Crittenden hatte zwei Söhne, die zum Rang eines Generalmajors aufstiegen — je einer in der Konföderation und Union. Der berühmte Südstaaten–Kavalleriegeneral J.E.B. »Jeb« Stuart war der Schwiegersohn des Nordstaatengenerals St. Georg Cook. Sein Stabschef Major McClellan hatte vier Brüder in blauer Uniform und einen Cousin, der als Kommandeur der Potomac-Armee fungierte. General Pemperton, der die Verteidigung von Vicksburg leitete, hatte zwei Brüder in der U.S.-Kavallerie, C.S.A.-General Patrick Cleburne je einen Bruder auf jeder Seite. Nicht nur in den höheren Dienstgraden waren die Loyalitäten gespalten, der Bürgerkrieg war ein echter Bruderkrieg und nicht wenige Familien hatten Söhne auf beiden Seiten.

Das bemerkenswerteste Beispiel dieser Art gehört zur Geschichte der Schlacht von Gettysburg: Die Brüder Culp standen sich in verschiedenen Armeen bei dieser wichtigen Konfrontation des Krieges gegenüber. Einer der geographischen Angelpunkte des dreitägigen Kampfes war ein kleiner Hügel, an dessen Eroberung und Verteidigung beide Brüder teilnahmen: »Culp’s Hill»« — er gehörte ihrem Vater, einem Einwohner der pennsylvanischen Kleinstadt.

Besonders die Einwohner der Grenzstaaten entlang der Mason-Dixon-Linie wurden Opfer der tiefen Spaltung. Missouri verblieb in der Union, aber Tausende seiner Söhne kämpften im Süden — im Feldzug gegen Vicksburg nahmen 22 Unionsregimenter aus diesem Staat teil, denen 17 Konföderierte Missouri-Regimenter gegenüberstanden. Aus Kentucky gingen 35.000 Freiwillige in die Südstaaten-Armeee, während über 75.000 die blaue Uniform trugen. Vier Enkel des republikanischen Politikers Henry Clay gehörten der konföderierten, drei der Unionsarmee an.

Bodenständigkeit

Der Regionalismus, das Heimatgefühl, das die Kriegsfreiwilligen von 1861 bewegte, rührte im wesentlichen aus der Lebensweise jener Zeit her. In einer Zeit ohne Fernsehen, Rundfunk oder andere Medien war der politische Horizont der meisten Zeitgenossen notgedrungen begrenzt. Bis auf eine geringe Schicht Privilegierter oder berufsmäßig Reisender war die damalige Bevölkerung der U.S.A. bodenständig. Bezugspunkte des täglichen Lebens waren der Landkreis (Country), der Marktflecken, die nächstgelegene Kleinstadtund vielleicht noch die Hauptstadt des Staates oder die nächstgelegene Hafenstadt. Aber ein Mann konnte sehr gut die Spanne seines Lebens verbringen, ohne je über die Grenzen seiner näheren Umgebung hinausgekommen zu sein. Der emotionale Bezugspunkt war Country und Staat, an den er seine Steuern zahlte, dessen gesetzgebende Versammlung er wählte und dessen Gesetze und Verordnungen ihn direkt betrafen.Männer fühlten sich nicht so sehr als Bürger der Vereinigten Staaten denn als New Yorker, ....als Angehörige der Staaten von Wisconsin, Texas oder Virginia.


Warum manche Schlachten Doppelnamen haben

Viele Schlachtfelder des Bürgerkriegs haben bei den Nord- und den Südstaaten unterschiedliche Namen.
Dies ist nicht zufällig, denn die Namensgebung erfolgte nach den persönlichen Eindrücken der Kriegführenden. In Europa war und ist es der Brauch, daß der Sieger den Namen der Schlacht bestimmt, doch in den USA werden häufig (besonders auf den Fahnen der Regimenter) die verschiedenen Namen verwendet. Der Grund für die unterschiedliche Namensgebung liegt in der Herkunft der Soldaten.

Die Truppen des Nordens kamen hauptsächlich aus einer städtischen Umgebung. Sie waren deshalb vom Gelände des Schlachtfeldes beeindruckt und benannten so die Schlacht entsprechend. Die Soldaten aus dem Süden kamen hauptsächlich aus ländlichen Gebieten und benannten deshalb die Schlachten nach künstlichen Bauwerken oder Ortschaften. So wurde von den Nordstaaten die Schlacht am Bull Run nach einem kleinen Fluß benannt, während die Südstaaten von der Schlacht von Manassas, einer Eisenbahnstation, sprechen.

Stones Niederlage in der Schlacht von Ball's Bluff, einem Steilufer, wird im Süden als die Schlacht von Leesburg, einem Ort, bezeichnet. Die von General Grant Pittsburg Landing (Geländename) benannte Schlacht wird im Süden als Schlacht von Shiloh, einer Kirche, benannt. Der Nordstaatengeneral Rosecrans benannte sein erstes, größeres Treffen mit dem Südstaatengeneral Bragg die Schlacht am Stone River, während General Bragg diese nach Murfreesboro, einem Dorf, benannte. McClellans Gefecht am Chickahominy, einem Bach, war bei Lee das Gefecht von Cold Harbor, der Name einer Kneipe. Nach einem anderen Gasthaus, Elk Horn, nannten die Konföderierten ein Gefecht, das im Norden als das Gefecht von Pea Ridge, einer Hügelkette des Ozark-Gebirges, in die Geschichte einging. So hat auch die blutige Schlacht am Antietam, ein kleiner Fluß, im Süden die Bezeichnung nach einem Dorf, nämlich Sharpsburg.

Neben den angeführten Schlachten haben auch kleinere Treffen und Gefechte Doppelnamen, die zu Verwechselungen führen können. Man sollte deshalb die Gefechtsberichte beider Armeen zu Rate ziehen.

übernommen von http://www.bigcountry.de/


"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

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