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 amerikanischer Bürgerkrieg
Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

18.07.2009 23:13
RE: Fort Sumter und der Beginn des Krieges antworten

Fort Sumter

Als die «Konföderierten Staaten von Amerika» proklamiert wurden, war Abraham Lincoln noch nicht ins Präsidentenamt eingeführt worden. Damals regierte die alte Administration noch bis Anfang März des Jahres nach der Präsidentenwahl. So konnte Lincoln praktisch keinen Einfluß auf die Bedingungen für die Führung des Bürgerkrieges nehmen.
Die Buchanan-Regierung war gelähmt und schaute der Spaltung der einstigen Vereinigten Staaten tatenlos zu. Eine Ausnahme machte der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der alte Generalleutnant Winfield Scott, Oberkommandierender der amerikanischen Streitkräfte, hegte keinerlei Illusionen über die Stimmung im Lande und die Gefahren, die sich für die regierungstreuen Streitkräfte ergeben könnten.
Bereits am 26. Oktober 1860 schrieb Scott an Präsident Buchanan, die Bevölkerung des Südens sei für den Austritt aus dem Bund und könnte sich im Vorgriff mit Milizen der wichtigen Küsten- und Hafenbefestigungen in den Südstaaten bemächtigen.
Bei diesen Festungen handelte es sich um Fort Jackson und Fort St. Philip am Mississippi südlich von New Orleans (Louisiana), Fort Morgan vor Mobile (Alabama), Fort Pickens und Fort McKee bei Pensacola (Florida), Fort Pulaski südlich von Savannah (Georgia), Fort Monroe in den Hampton Roads (Virginia) sowie Fort Moultrie und Fort Sumter am Ausgang des Hafens von Charleston (South Carolina).
All diese Festungen hatten entweder eine sehr schwache oder überhaupt keine Besatzung.
Fort Sumter befand sich noch im Bau. Scott bat den Präsidenten um Verstärkung für die Garnisonen: «Meiner Meinung nach sollen all diese Festungen mit solchen Garnisonen besetzt werden, daß wir jeglichen Versuch, eine von ihnen durch Überraschung oder im Handstreich zu nehmen, lächerlich machen können.»
Weder Buchanan noch sein Kriegsministerium reagierten auf Scotts Warnungen. Die Festungen wurden weiterhin vernachlässigt.
Am 15. November 1860 ernannte das Kriegsministerium einen neuen Kommandanten für die gesamten Festungsanlagen vor Charleston: Major Robert Anderson
Auch Anderson machte sich keinerlei Illusionen über die Lage im Süden. Er richtete sein Hauptquartier in Fort Moultrie ein und sah sich in der breiten Bucht von Charleston um.
Der Hafen von Charleston war einer der wichtigsten an der Ostküste und mit entsprechenden Verteidigungsanlagen versehen. Am Ufer vor der Stadt war eine Reihe von Batterien aufgestellt, in Charleston selbst befand sich ein großes Arsenal.
Befestigungsanlagen befanden sich auf der Spitze von Morris Island. Auf James Island stand Fort Johnson, auf Sullivan Island (eigentlich eine Halbinsel) befand sich Fort Moultrie. Auf dem Mount Pleasant stand eine Mörserbatterie.
In der Mitte der Bucht erhob sich auf einer künstlichen Insel das noch unvollendete Fort Sumter ohne Besatzung.
Der Gouverneur von South Carolina erklärte alle Militäranlagen zum Eigentum des (vorläufig) unabhängigen Staates South Carolina und ließ das Arsenal in Charleston von Miliz besetzen. Da jedoch der Krieg noch nicht erklärt war und South Carolina einstweilen allein dastand, wagte er keinen direkten Angriff auf die Truppen in Fort Moultrie. Statt dessen ließ er ein mit Miliz besetztes Boot zwischen Sumter und Moultrie kreuzen, um ein Übersetzen der Unionstruppen zu verhindern.
Fort Moultrie war veraltet, hatte keine Kasematten und konnte von Norden leicht angegriffen werden, denn es war ein reines Seefort und zur Landseite hin ungeschützt. Seine Gebäude waren aus Holz und so dem Feuer des Gegners preisgegeben. Major Anderson entschied sich für den Umzug von Fort Moultrie nach Fort Sumter, das fast fertiggestellt war und viel leichter verteidigt werden konnte. Er ersuchte das Kriegsministerium um entsprechende Genehmigung, Washington jedoch zögerte bis zum Austritt South Carolinas aus der Union am 20. Dezember 1860.
Major Anderson entwarf einen kühnen Plan. Er tarnte einige seiner Soldaten und sich selbst als Bauarbeiter und lief mit ihnen am 26. Dezember 1860 in einem kleinen Boot in Richtung Fort Sumter aus.
Seine Männer verbargen ihre Gewehre unter Mänteln. Das Boot erregte zwar die Aufmerksamkeit der Miliz, konnte aber nach kurzem Wortwechsel weiterfahren.
Hinter den Rücken der solcherart beschäftigten Milizangehörigen eilte ein zweites, größeres Boot mit dem Großteil von Andersons Truppen unbemerkt nach Fort Sumter.
Erst später erkannten die Militärs in Charleston die List des Unionskommandeurs, doch es war bereits zu spät.
Als General Winfield Scott vom Umzug des Majors Anderson nach Fort Sumter hörte, befahl er die sofortige Verstärkung und Verproviantierung der Festung.
Am 8. Januar 1861 erreichte das vom Kriegsministerium geschickte Schiff «Star of the West» den Hafen von Charleston, wurde allerdings durch Artilleriefeuer aus dem von der Miliz übernommenen Fort Moultrie daran gehindert, Fort Sumter anzulaufen. Der Gouverneur von South Carolina stimmte jedoch einer Lebensmittellieferung von den Märkten Charlestons an die Garnison von Fort Sumter zu.
Im Laufe des Januar 1861 schieden Mississippi, Florida, Alabama, Georgia und Louisiana aus der Union aus. Die Festungen und Arsenale in diesen Bundesstaaten fielen - mit Ausnahme von Fort Pickens bei Pensacola - der konföderierten Miliz in die Hände.
Der Präsident der Konföderierten Staaten, Jefferson Davis, hielt den Krieg für unvermeidbar. Er konnte seinen neuen Kongreß bald davon überzeugen und die nötigen Schritte zur Aufrüstung einleiten.
In Washington traf die Buchanan-Regierung keine Gegenmaßnahmen. Einer der ersten Schritte Davis' war die Ernennung eines konföderierten Befehlshabers sämtlicher in Rebellenhand befindlicher Festungen in Charleston.
Seine Wahl fiel auf einen kleinen, eleganten, korrekten und talentierten Kreolen aus Louisiana -
Brigadegeneral Pierre Beauregard, der den Befehl bekam, Lincolns Vereidigung am 4. März abzuwarten in der Hoffnung, daß die Unionstruppen Fort Sumter freiwillig räumen würden.
In seiner Rede zur Amtseinführung an besagtem 4. März wies Abraham Lincoln die Konföderierten Staaten darauf hin, daß der erste Schuß von ihrer Seite fallen müßte, um den Bürgerkrieg auszulösen. Jetzt lag die Entscheidung über Krieg oder Frieden scheinbar auf seiten der Konföderierten.
Bald nach seiner Vereidigung ergriff Lincoln jedoch Maßnahmen, die die Konföderierten früher oder später zum Handeln zwingen würden: Nach Beratungen mit General Winfield Scott befahl er die Besetzung von Fort Pickens bei Pensacola mit 1100 Mann und die Entsendung einer Flotte nach Charleston mit Verstärkungen für Fort Sumter. Er ließ diese Maßnahmen geheimhalten und diskutierte sie auch nur wenig mit seinem Kabinett.
Das hatte gute Gründe: Lincoln war durch politischen Druck und den alten Brauch der «Belohnung» prominenter Politiker für Unterstützung im Wahlkampf gezwungen gewesen, mehrere inkompetente oder zu Kompromissen neigende Männer in sein Kabinett aufzunehmen.
Schon am ersten Tag seiner Präsidentschaft bekam Lincoln die beunruhigende Meldung von Major Anderson in Fort Sumter, er sei mit seinen 80 Soldaten von «Hunderten» Kanonen rings um den Charlestoner Hafen bedroht. Lincoln entschloß sich, die Festung verteidigen zu lassen. Die Lage war in der Tat sehr ernst, wenngleich Anderson übertrieben hatte. Gegen Fort Sumter hatten die Konföderierten etwa 30 Kanonen (von 8-Zoll-Columbiaden bis zu 42-Pfündern) und 17 10-Zoll-Mörser in Stellung gebracht.
Das Fort Sumter, benannt nach Thomas Sumter, einem General im Unabhängigkeitskrieg, war von 1829 – 1860 auf einem künstlich erweiterten, kleinen Felsen in der Hafeneinfahrt erbaut worden. Für das Fundament waren etwa 70.000 Tonnen Gestein notwendig. Die Mauern aus Ziegelsteinen waren gut 1,5 Meter stark und ragten bis 15 Meter über dem Wasser auf. Das bei Ausbruch der Krieges noch nicht ganz fertiggestellte Festungswerk bestand auf vier Seiten aus 2 übereinander angelegten Geschützgalerien und einer offenen Plattform, doch nur von der untersten Galerie und der Plattform konnte Feuer geführt werden, weil die Schießscharten der mittleren Galerie vermauert worden waren. In der Kehlkaserne (Rückseite) befanden sich der Eingang mit einer kleinen Schiffsanlegestelle und die Quartiere der Offiziere. Das Fort sollte im Verteidigungsfall 650 Mann und 135 Geschütze aufnehmen können.
Anderson verfügte über etwa 50 Geschütze (manche Quellen geben 48, andere 54 an), unter ihnen mehrere 8-Zoll-Haubitzen und -Columbiaden. Zusätzlich zu den 80 Soldaten (zwei Kompanien des 1. US-Artillerieregiments) hielten sich 43 Zivilisten - hauptsächlich Bauarbeiter - im Fort auf. Um Mitternacht vom 11. zum 12. April erreichte die von Lincoln entsandte Flotte die Mündung der Bucht von Charleston.
Nun gab General Beauregard die Hoffnung auf eine friedliche, freiwillige Übergabe von Fort Sumter auf und ließ Major Anderson eine Aufforderung zur Kapitulation überbringen, die in höflichste Worte gefaßt war. Major Anderson antwortete ebenfalls mit gesetzten Worten, indem er General Beauregard für seine ritterlichen und korrekten Bedingungen dankte.
Seine Ehre sowie seine Pflichten vor der Union würden ihn jedoch zur Ablehnung der Übergabeforderung bestimmen.
Mündlich fügte er den Parlamentären gegenüber hinzu: «Wenn Sie uns nicht in Stücke bombardieren, werden wir sowieso in wenigen Tagen verhungern.» Denn die Lebensmittellieferungen aus Charleston waren längst eingestellt. Beauregard gab Andersons Bemerkungen an Präsident Davis weiter, der daraufhin von Anderson genaue Angaben über die Lage in Fort Sumter verlangte. Major Anderson versicherte, er könne etwa 5 Tage lang aushalten, würde dann die Festung räumen, wenn die Konföderierten nichts gegen sie unternähmen.
Die konföderierten Führer mißtrauten dem Angebot. Am 12. April 1861, 3.20 Uhr schickte Beauregard eine Botschaft an Anderson, daß er um 4.00 Uhr das Feuer eröffnen werde. Anderson weckte seine Artilleristen, ließ die Flagge hissen, gab aber Befehl, erst bei Tagesanbruch zurückzuschießen, um Munition zu sparen.

Die ersten Schüsse des Krieges
Zehn Minuten nach Ablauf des Ultimatums feuerte Hauptmann George S. James, der Batteriechef der östlichen Mörserbatterie von Fort Johnson, einen Signalschuß ab.
Bei Tagesanbruch schossen alle Geschütze der Forts Johnson und Moultrie, die Batterien von Cummings Point und weitere nahegelegene Batterien auf das Fort Sumter.
Die Artilleristen waren über die Bauart und die Verteilung der Kanonen in Fort Sumter genauestens im Bilde. So ließen sie kontinuierlich Splittergranaten über der Festung detonieren, um Andersons Artilleristen am Einsatz der auf der ungeschützten Plattform stehenden schweren Haubitzen und Columbiaden zu hindern.
Auf Morris Island hatten die Konföderierten ein englisches Wentworth-Geschütz in Stellung gebracht - einen Hinterlader, der Munition mit für die damaligen Verhältnisse sehr großer Sprengkraft verschoß. Die Geschosse durchschlugen die Festungsmauern auf der Südseite von Fort Sumter.
Zum Glück für die Unionstruppen gab es nur wenig Munition für das Wentworth-Geschütz, so daß es nach einiger Zeit schwieg. Alle Holzbauten in Fort Sumter fingen Feuer. Das Wetter begünstigte die Konföderierten: Ein Sturm hinderte die ankommende Unionsflotte daran, in den Hafen einzulaufen.
Um keine Munition zu vergeuden, gab Major Anderson im Fort Sumter erst bei Tagesanbruch den Feuerbefehl.

Sowohl im Norden als auch im Süden gab es Männer, die Hemmungen hatten, den ersten Schuß abzufeuern.
Hauptmann Abner Doubleday des 1. US-Artillerieregiments gehörte nicht zu ihnen.
Nachdem die Konföderierten am 12. April 1861 das Feuer eröffnet hatten, ließ er es sich nicht nehmen,
für die Union um 7.00 Uhr den ersten Schuß auf die Batterie bei Cummings Point abzufeuern.
Er stieg zum General auf, machte aber keine außergewöhnliche Karriere.
Obwohl etwa 50 Geschütze im Fort einsatzbereit waren, feuerten nur etwa zehn Geschütze aus den Kasematten, denn die schweren Geschütze auf der Plattform konnten nicht besetzt werden, da die Plattform unter schwerem Beschuß lag und Anderson seine Männer schonen wollte.
Als ein feindlicher Schuß gegen Mittag das Tor zum Munitionslager verzogen hatte und nicht mehr geöffnet werden konnte, waren wegen Munitionsknappheit nur noch sechs Geschütze einsatzbereit, die die konföderierten Stellungen unter Feuer nahmen. Sie richteten aber keinen größeren Schaden an.
Die Kanonade dauerte die ganze Nacht. Trotz des heftigen Beschusses, bei dem insgesamt über 4000 Geschosse abgefeuert worden waren, und der im Fort ausgebrochenen Brände wurden nur fünf Soldaten verwundet, da die Kasematten guten Schutz boten.
Am 13. April wurde gegen 13.00 Uhr der Flaggenmast im Fort getroffen, und die Flagge fiel zu Boden.
Als dies dem Kommandierenden General der konföderierten Streitkräfte, General Beauregard, gemeldet wurde, entsandte er sofort drei seiner Adjutanten, die sich mit einem Ruderboot der Festung näherten, um Hilfe bei der Bekämpfung der Brände anzubieten.
Mittlerweile hatte aber Leutnant Norman J. Hall die Flagge geborgen und sie mit Hilfe von zwei Kameraden an einem Ersatzmast wieder gehißt.
Die „Stars and Stripes“ wehten wieder über dem Fort.
In der Zwischenzeit war auch Oberst Louis T. Wigfall mit Zustimmung von General Simons von Morris Island aus zum Fort Sumter gerudert, um herauszufinden, ob Anderson das Fort übergeben wollte. Als die Garnisonsflagge wieder wehte, kletterte er, obwohl nun die Beschießung wieder weiterging, mit einem weißen Handtuch an seinem Degen über eine Bresche in das Fort und bot Anderson die Kapitulation an. Dieser erklärte sich nun dazu bereit, unter den von General Beauregard einige Tage zuvor genannten Bedingungen das Fort zu übergeben. So wurde 33 Stunden nach dem ersten Schuß die weiße Flagge gehißt und der Kampf eingestellt.
Die großzügigen Kapitulationsbedingungen erlaubten Major Anderson einen ehrenvollen Abzug seiner Truppen. So wurde am 14. April um 14.00 Uhr in einem feierlichen Appell noch einmal die Unionsflagge gehißt. Sie sollte nach 100 Salutschüssen endgültig eingeholt werden. Da es aber noch überall kleinere Brände gab, gerieten Funken in ein Kanonenrohr und entzündeten ein Geschoß, das sofort explodiert, einen Kanonier tötete und einen Stapel Munition entzündete, der ebenfalls explodierte und einige Soldaten verwundete. Ein Soldat starb später an seiner Verwundung, und 4 weitere wurden verletzt.
Nach 50 Salutschüssen wurde deshalb der Appell abgebrochen und die Flagge eingeholt. Unter den Klängen des „Yankee Doodle“ marschierten die Soldaten, denen man die Waffen gelassen hatte, aus dem Fort und wurden mit dem Dampfer Isabel auf die vor der Hafeneinfahrt liegende USS Baltic gebracht. Als dieses Dampfschiff in New York einlief, wurden die Soldaten als Helden gefeiert.
Nach der Übergabe wurde das Fort von den Konföderierten instandgesetzt und mit etwa 95 Geschützen bestückt.
Nachdem Fort Sumter am 7. April 1863 von neun gepanzerten Schiffen der Union vergebens angegriffen worden war, hielt es noch 22 Monate lang Belagerungen und Beschießungen durch die Union aus. Insgesamt fielen etwa 3200 Tonnen Bomben auf das Fort, dabei wurden 52 konföderierte Soldaten getötet und 267 verwundet.

Besten Dank an www.bigcountry.de


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