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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 211 mal aufgerufen
 römische Geschichte
Centurio Classicus Offline




Beiträge: 6.850

17.07.2009 23:50
RE: die römische Marine antworten

für den Anfang mal was ganz ausgefallenes

wie kamen diese Landratten (Römer) eigentlich zu ihrer Flotte?

Bis 311 v.Chr. hatten die Römer gar keine Flotte, da es zu Lande genug Gegner zum verprügeln gab.
Dann leisteten sie sich 2 jeweils 10 Galeeren starke Flottenverbände ( deren Herkunft ich nicht erforschen konnte, vermutlich griechisch). Diese Schiffe waren nötig, um ihre Städte an den Küsten vor den wirklich lästigen Piraten zu schützen.
Aber wie das mit Anfängern nunmal so ist, endete die erste Schlacht unrühmlich.
310 v.Chr. wollte eine der Flotten eine Rebellion in der Nähe von Pompeji niederschlagen, aber diese Feiglinge von Seesoldaten flüchteten zurück auf die Schiffe.(Die gute alte Landarmee hat den Fall dann 2 Jahre später bereinigt)
282 v.Chr. segelte die Flotte zum Angriff auf die griechische Stadt Tarent und wurde prompt vernichtet (diese Blindgänger)
(hat natürlich die Landarmee danach wieder in Ordnung gebracht)
Nach diesen Pleiten, haben die Römer einfach 20 Jahre lang die Schiffe in ihren Schuppen verrotten lassen:nichtzufassen:
Und was kommt dabei raus? 264 v.Chr. hatte das Römische Reich kein einsatzfähiges Kriegsschiff mehr.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass Karthago zu diesem Zeitpunkt ein Seeimperium war, dürfte allgemein bekannt sein.
260 v.Chr. wurde der Senat endlich gescheit und erliess ein Dekret, in dem er die Nation aufforderte 100 Quinqueremen und 20 Triremen innerhalb von 60 Tagen zu bauen. In dieser Zeit waren Quinqueremen das Rückgrad der karthagischen Flotte.
Die Sache hatte nur einen (unbedeutenden) Haken. Es gab weder Schiffbauer, noch erfahrene Ruderleute und Matrosen schon gar nicht.
In weiser Vorraussicht haben sich die Römer aber zu diesem Zeitpunkt schon einige griechische Städte einverleibt, die zwar auch noch nie eine Quinquemere gebaut haben, aber seit alters her mit dem Meer vertraut waren.
Und da das Glück mit dem Tüchtigen ist, kommt nun der Zufall ins Spiel. Kurz zuvor haben die Karthager einige römische Truppentransporter in der Strasse von Messina angegriffen.
Eine der Quinqueremen griff wie Polybios schrieb "so tollkühn an, daß sie sich selber in den Grund bohrte und den Römern als willkommenes Modell der gesamten späteren römischen Flotte diente"
Die Römer waren natürlich nicht so dumm, das Vorbild zu kopieren, sondern entwarfen eine plumpe, langsamere, aber robustere Variante des Schiffes, sozusagen schwimmfähige Behälter für eine Landtruppe, hergestellt aus nicht abgelagertem Holz.
Nun hatten die Römer das Problem, wer die Kisten rudern soll, denn Motore gab es ja noch nicht und der Job war unvereinbar mit der Würde römischer Bürger.
Die römischen Galeeren wurden aber stets von Freien gerudert ("Galeerensklave" ist Legende).
Hier kommen die zähen Hirtenbauern des Hinterlandes ins Spiel.
Also trainierte die Landjugend scharenweise auf provisorisch zusammengezimmerten Bänken zum Takt des Zeitgebers das Rudern, während die Schiffbauer innerhalb von 2Monaten eine Armada von 120 Schiffen fertigstellten.

Und was man mit so einer Flotte anstellen kann, erklär ich Euch im zweiten Teil.

Die historischen Fakten stammen aus dem Buch "Die Seefahrer des Altertums"
von mir so niedergeschrieben, dass beim Lesen (hoffentlich) niemand einschläft

"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.
(Ingeborg Bachmann)

Centurio Classicus Offline




Beiträge: 6.850

17.07.2009 23:52
#2 RE: die römische Marine antworten

Fortsetzung wie kamen diese Landratten (Römer) eigentlich zu ihrer Flotte?

Wir befinden uns im Juni 260 v.Chr..
Die neue römische Flotte schlingerte mehr schlecht als recht vom Tiber in das sizilianische Syrakus. Dort war es einem anonymen römischen Erfinder wohl etwas langweilig (naja Juni, die Sonne hat sein Gehirn schon ein bischen..., aber sonst gings ihm noch ganz gut).Jedenfalls hielt eine Neuerung in der römischen Flotte Einzug. Der "corvus" war eine ca. 11 m lange Enterbrücke, die an einem Mast am Bug (vorne(für die Landratten))mittels Flaschenzug seitlich ausschwenkbar angebracht wurde. Am Ende war ein eiserner Sporn, der sich dann in das feindliche Deck rammte, wenn die Haltevorrichtung gelöst wurde.(und wenn da einer drunter stand, hat er eben Pech gehabt
Jetzt brauchte man nur noch genug Soldaten, die zu Zweit neben einander über den festgenagelten Steg stürmen konnten um die Gegner niederzumetzeln. Deshalb waren auf jeder römischen Galeere zusätzlich zu den 40 Seesoldaten weitere 80 Elitelegionäre an Bord.Kommen wir nun zur Praxis:
In der Strasse von Messina dümpelte eine Flotte von 130 Kriegsschiffen der Karthager unter ihrem Oberbefehlshaber Hannibal (nicht zu verwechseln mit DEM Hannibal! Hannibal war damals der Lieblingsname karthagischer Muttis für ihre Kids)rum. Durch ihre vielen Quinqueremen und erfahrenen Manschaften fühleten sie sich den Römern, die da am Horizont angepaddelt kamen und ein Bild tölpelhaftiger Rückständigkeit boten, haushoch überlegen.
Die 120 römischen Schiffe unter Konsul Gaius Duilius waren noch durch 25 im Eiltempo zusammengezimmerte Kriegsschiffe verstärkt worden.
Die Karthager waren also so mit Lachen beschäftigt (was ihnen schnell vergehen sollte), dass sie nicht einmal eine Gefechtsordnung einhielten. Wie die Piraten wollten sie schnell rammen und wieder verschwinden, aber Pustekuchen.
kaum rammten die Karthager die römischen Schiffe, sauste der corvus runter.Nix mit abhauen.Erst wurde mit Pfeilen und Wurfspeeren aussortiert und den Rest erledigten die Legionäre mit dem Kurzschwert. Also sozusagen wie zu Lande, nur der Boden hat ein wenig mehr gewackelt.
Innerhalb kürzester Zeit hatten die Karthager schon 30 Galeeren verloren. Darunter auch Hannibals Flaggschiff.(der Feigling ist in einem kleinen Boot getürmt)
Die übrigen karthagischen Schiffe versammelten sich und versuchten nun, die Römer von achtern (hinten) anzugreifen um nich geentert zu werden. (zur Erinnerung, der corvus war am Bug(vorne))
Wieder dumm gelaufen, Duilius hat am Anfang nicht gleich mit allen Schiffen angegriffen. Da war noch etwas im Reserve. Also, die Karthager sind hinter den römischen Schiffen und wollen sie in die Tiefe schicken, kommt von hinten die Reserve, corvus runter, Pfeile, Wurfspiesse, trapp trapp der Legionär. Wieder nix mit versenken.
Das Ende vom Lied, die Karthager verloren 44 Schiffe und 10000 Mann (die Römer haben Verluste nicht angegeben, aber vermutlich weit geringer) und die Römer hatten ihren 1. Seesieg!!!
Nasse Füsse ist eben nix für Römer! wird eben schnell feucht in den Sandalen.

Die historischen Fakten stammen aus dem Buch "Die Seefahrer des Altertums"
von mir so niedergeschrieben, dass beim Lesen (hoffentlich) niemand einschläft

"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
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Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.
(Ingeborg Bachmann)

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