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 römische Geschichte
Carolus Marxus Offline




Beiträge: 52

04.11.2009 22:02
RE: Die Katastrophe antworten



Ein schrecklicher Tag für Rom - ein “dies ater”! Die Legionen vernichtet oder auf der Flucht. Die Stadt mit viel zuwenig Verteidigern schutzlos den Invasoren preisgegeben.

Was war geschehen? Cannae?
Nein, wir befinden uns nicht im Jahre 216 v.Chr.
Nicht Hannibal hat das römische Heer vernichtet. Die Feinde sind Barbaren aus dem Norden.

Etwa ab 400 v.Chr. überqueren immer mehr Keltenstämme die Alpen und fallen in Norditalien ein. In der Poebene wird die recht lockere Herrschaft der Etrusker einfach hinweggefegt. Die Eindringlinge - es sind Boier, Lingonen und Senonen, die Römer nennen sie Gallier (Kelten - galli) - haben dabei leichtes Spiel. Die Etruskerstädte stehen viel zu sehr in Konkurrenz miteinander, gegenseitige Hilfe wird meist verweigert. Und sie haben schon genügend Schwierigkeiten weiter südlich. Die noch junge Republik Rom beginnt Gefallen an kriegerischer Expansion zu gewinnen. Im Jahr 396 v.Chr. fällt die Etruskerstadt Veii nach zehnjähriger Belagerung an die Römer, deren Staatsgebiet wird damit nahezu verdoppelt.

Mittlerweile sind die Kelten vor den Mauern von Clusium erschienen (ca. 130 km nördlich von Rom), die Bewohner wenden sich mit einem Hilfegesuch an die Römer. Doch diese schicken keinen militärischen Beistand, sondern lediglich Tribunen. Man möchte verhandeln und lässt sich dabei zu einer Bluttat hinreißen: Die Römer erschlagen einen der gallischen Anführer.

Zunächst erfolgt Erstaunliches: Die Kelten verlangen die Auslieferung der Täter und der Senat in Rom will der Forderung auch zustimmen. Doch das Volk, aufgewiegelt und ohne wirkliche Kenntnis der Lage, vereitelt den Senatsbeschluss. Der Pöpel setzt letztlich sogar durch, die Schuldigen zu belohnen. Die kommenden Ereignisse sollten die Dummheit dieser Entscheidung recht schnell deutlich machen.

Im Lager der Gallier ist man sauer, fühlt sich verspottet und provoziert. Clusium wird uninteressant, Aufbruch zur Strafexpedition gegen Rom!

Dort werden in Eile Truppen mobilisiert und zwei Legionen aufgestellt. Die antiken Quellen sprechen von recht großen Zahlen beiderseits: 40 000 Legionäre gegen 70 000 Kelten. Doch das scheinen die allgemein üblichen “Aufrundungen” zu sein. Heute setzt man die Heeresgrößen deutlich niedriger an. Etwa 30 000 Galliern unter Führung von “Chef” Brennus stehen 10 000 Römer gegenüber.
Am 16. Juli 387 v.Chr. (oder auch 18. Juli ??) treffen die beiden Heere aufeinander, am Zusammenfluss von Tiber und Allia, 15 km nordöstlich von Rom. Die römische Armeeführung ist siegessicher und - unfähig!
Wie so oft in der späteren Geschichte werden die Truppen von Politikern kommandiert, die erst noch ihre “Erfahrungen” machen müssen. Noch öfters werden die Legionen dafür bluten müssen. Große Feldherren bleiben in Rom Mangelware. Der Sieger von Veii wäre einer: Marcus Furius Camillus, doch der wurde soeben erst verbannt: Unterschlagung von Kriegsbeute!?

Das römische Heer stellt sich in sehr breiter Formation auf, man möchte eine Umgehung
durch die zahlenmäßig deutlich überlegenen Gallier vermeiden. Die Linien sind deshalb stark ausgedünnt. Bislang haben die Legionen eigentlich nur gegen “Verwandte” gekämpft, Etrusker, Latiner, Äquer. Man stand sich üblicherweise als Phalanx gegenüber, die Manipel-Legion war noch nicht “erfunden”. Jetzt aber tauchen wilde Horden auf, lautstark, grell bemalt und im Durchschnitt einen Kopf größer. Wichtiger aber noch: Die Legionäre sind nicht Caesars Berufssoldaten! Bis dorthin ist noch ein weiter Weg. Römische Legionen des Jahres 387 v.Chr. sind Bauernmilizen!

Die Schlacht beginnt - völlig anders als erwartet. Der gallische Heerführer Brennus ist ein erfahrener Mann. Und hält sich nicht an die Regeln! Etwas abseits stehen auf einem Hügel die römischen Reserven. Und genau hier erfolgt der Sturmangriff der Kelten. Die völlig überrumpelten Römer fliehen in Richtung der Hauptarmee und jetzt bricht auch dort Panik aus. Bevor es überhaupt zur richtigen Schlacht kommt, wenden sich die Legionen zur Flucht.
Die nachsetzenden Gallier fügen den Römern erhebliche Verluste zu.

Überlebende fliehen nach Rom. Dort waren nicht mehr genug kampfkräftige Männer vorhanden, um die lange Servianische Mauer zu verteidigen. Soldaten und der Großteil der Einwohner verschanzen sich auf dem römischen Burgberg - dem Kapitol. Da sich die Gallier nach ihrem Sieg Zeit lassen, gelingt es Nahrungsvorräte und Tempelschätze auf die Burg zu bringen.

Der Rest ist schnell erzählt. Die Kelten marschieren in Rom ein, plündern und zerstören ausgiebig. Ganze sieben Monate halten sie die Stadt in ihrer Kontrolle und belagern das Kapitol. Dann zahlen die Römer ein stattliches Lösegeld und Brennus zieht mit seiner Horde nach Norden ab.
In Rom bleiben frustrierte und gedemütigte Verlierer zurück. Fast wäre das “Römische Reich” schon am Endpunkt angelangt: Man erwägt ernsthaft einen Umzug in das besser zu verteidigende Veii. Doch letztlich bleibt Rom Hauptstadt und wird in den folgenden Jahren mit einer neuen, acht Meter hohen Steinmauer umgeben. Erfahrene griechische Baumeister leiten die Aktion. So wandelt sich die Stadt allmählich zur stattlichen Festung.

Zurück bleibt ein Trauma. Noch lange wird der Name “Gallier” in Rom für Schrecken sorgen.
Bis dann Caesar dieser Furcht ein Ende bereitet.

Proletarier aller Länder vereinigt euch!

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