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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 584 mal aufgerufen
 griechische Geschichte
Tribunus Laticlavius Offline




Beiträge: 7.376

09.09.2009 23:30
RE: Tyrannis antworten

Tyrannis

Der Begriff der Tyrannis (gr. τυραννίς ) umschreibt eine Herrschaftsform der griechischen Antike, die besonders im Zeitraum zwischen 600 v. Chr. und 200 v. Chr. vorkam. Es handelte sich um eine Art Alleinherrschaft, wobei man in der Regel zwei Phasen unterscheidet: die Ältere (oder Archaische) Tyrannis, die im 7. Jahrhundert aufkam und spätestens 461 endete, sowie die Jüngere Tyrannis, die gegen Ende des 5. Jahrhunderts aufkam und vor allem außerhalb des griechischen Mutterlandes (vor allem auf Sizilien) verbreitet war.

Die Bewertung der Tyrannis im 5. und 4. Jahrhundert v.Chr.

Herodot bietet viele wichtige (aber zum Teil auch sagenhafte und verzerrte) Informationen über die frühen Tyrannen. Thukydides führt dann als erster wirtschaftliche Gründe an, die eine Tyrannis entstehen lassen: Demnach sei sie die Folge der höheren Einkünfte von Handel und Handwerk. Diese führen dazu, dass eine reiche, politisch benachteiligte Adelsschicht sich gegen den führenden Adel aufzulehnen beginnt. Unklar ist, in welchem Umfang dies eine spätere Konstruktion ist.

Die negative Bewertung der Tyrannis wird bis heute aber vor allem von Platon, Aristoteles und Polybios bestimmt. Aristoteles legt den Maßstab der politischen Theorie und persönlicher Erlebnisse im 4. Jahrhundert v. Chr. an das Herrschaftsphänomen an. Aus seiner Perspektive ist die Tyrannis eine absolute Herrschaft, die die überkommene Ordnung und die überkommenen Gesetze sprengt und allein dem persönlichen Willen des Herrschers gehorcht. Als schlechtestmögliche Regierungsform wird sie vom Königtum (Basileia) abgegrenzt, das auf der Grundlage der überkommenen Gesetze und Ordnung aufbaut und dem Gemeinwohl dient. Gründe für die Entstehung sieht er im Auftreten der Hopliten, die die Umwandlung der alten aristokratischen in eine neue, von den Hopliten bestimmte Verfassung vorangetrieben haben.

Diese einerseits kritische – Tyrannis –, andererseits idealisierende – Basileia – Sichtweise hat als Hintergrund die Krise der Poliswelt im 4. Jahrhundert v. Chr. und die Erfahrungen mit der Jüngeren Tyrannis, auf die die Beschreibung zugeschnitten ist. Diese Herrscher stützten sich meist nach inneren, gewaltsamen Unruhen eines aufgestachelten Volkes auf ihre materielle Basis, auf Söldnertruppen und die Macht von Verbündeten – in der späten Ausformung dann etwa auf die hellenistischen Könige. Die Machtübernahme ging zudem mit der Vertreibung politischer Gegner aus der Polis in ein Exil einher. Sehr viel stärker als bei der Älteren Tyrannis sind hier maßlose Machtgier und das Streben nach einer absoluten Alleinherrschaft feststellbar.

Der idealtypisch gedachte Ablauf der Entstehung einer Tyrannis

Das wichtigste Merkmal einer Tyrannis ist, dass der Tyrann (Alleinherrscher) durch Gewalt an die Macht gekommen ist. Er regiert durch Gewalt und wird meist auch durch Gewalt gestürzt.

Die klassische, heute aber nicht mehr unumstrittene Rekonstruktion der Errichtung einer „typischen“ Tyrannis sieht aus wie folgt: Ausgangspunkt ist demnach eine innere Krise in einer Polis, die es einzelnen Adeligen ermöglicht, sich zum Fürsprecher des (sozial benachteiligten) Volkes zu machen. Während der volksverbundenen Regierung werden die Interessen breiterer Volksgruppen aufgegriffen, Zugeständnisse gemacht und Wohltaten vollbracht. Gerichtet ist die Herrschaft vor allem gegen die adligen Konkurrenten innerhalb der Polis. Verliert der Alleinherrscher dann aber bei dem (in seiner Bedeutung) erstarkenden Volk die Basis, weil er sich außerhalb des Rahmens und der Normen der Polis stellt, und geht das Volk mit anderen Aristokraten zusammen, entwickelt sich aus dem Kampf um den Machterhalt der Tyrann: Er greift zu Willkürakten und Brutalität. Ein Angriff von außen oder eine Revolution innerhalb der Polis führen schließlich zum Tyrannensturz.

Betrachtet man Auftreten und Häufigkeit der Älteren Tyrannis im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr., wird – im Gegensatz zur Jüngeren Tyrannis in Sizilien und Süditalien – allerdings kein gemeingriechisches Phänomen erkennbar. In den insgesamt etwa 700 Poleis lassen sich lediglich 27 Tyrannenherrschaften sicher nachweisen, die zudem über 150 Jahre verteilt sind. Die Tyrannenherrschaften sind dabei eher ein Phänomen der größeren und reicheren Poleis mit einer größeren Bürgerschaft und einer breiteren Oberschicht. Aus dieser Perspektive kann die Ältere Tyrannis vielleicht als Kampf von Adelsfraktionen in ihrer Konkurrenz um die begrenzten Führungspositionen in der Polis bewertet werden, bei dem es einzelnen herausragenden Persönlichkeiten im Verlauf einer Stasis gelang, sich längerfristig an die Spitze ihrer Bürgerschaft zu bringen.

Repräsentanten der Älteren Tyrannis

Phalaris von Akragas,
Theron von Akragas,
Gelon von Syrakus,
Hipparchos von Athen,
Hippias von Athen,
Hieron I. von Syrakus,
Kleisthenes von Sikyon,
Kleobulos von Lindos,
Kypselos von Korinth,
Periander von Korinth,
Peisistratos von Athen,
Lygdamis von Naxos,
Polykrates von Samos,
Theagenes von Megara und
Thrasybulos von Milet.
Aristagoras von Milet.
Kylon von Athen.

Repräsentanten der Jüngeren Tyrannis

Dionysios I. von Syrakus,
Dionysios II. von Syrakus,
Hieron II. von Syrakus,
Agathokles von Syrakus,
Euphron von Sikyon und
Jason von Pherai.

Quelle:
Wikipedia

Tribunus Laticlavius Offline




Beiträge: 7.376

09.09.2009 23:36
#2 RE: Tyrannis antworten

Phalaris von Akragas

Phalaris, Tyrann von Akragas, herrschte etwa 570–555 v. Chr. in Akragas (Agrigent) in Sizilien.

Phalaris stammte ursprünglich aus Kreta. In der damals von Griechen beherrschten Stadt Akragas mit dem Bau des Tempels des Zeus Polieus beauftragt, benutzte er dieses Unternehmen, welches ihm Geld und Leute sowie einen Punkt der Stadt sicherte. Er mietete Söldner, bewaffnete Gefangene, und nutzte im Jahre 560 oder 550 v. Chr. das Ceresfest, um einen Staatsstreich zu begehen. Während man in der Stadt das Fest feierte, überfiel Phalaris mit seiner Truppe die Bürger und machte sich zum Tyrannen.

Phalaris, willensstark und verhasst, förderte Künstler und Philosophen. Seine Grausamkeit war sprichwörtlich. Allen voran ist die Sage vom bronzenen (ehernen) Stier bekannt, den der Künstler Perilles für jenen Tyrannen hergestellt haben soll, um Fremdlinge und ihm verhasste Personen darin auf einem langsamen Feuer zu rösten, wobei ihre Schmerzensschreie wie das Brüllen eines Stieres klangen. Die Stierfigur deutet auf die Heimatstadt von Phalaris, Kreta, und das Stiergebilde des Dädalus hin, ebenso wie eine Verbindung zu dem nahen Karthago, mit dem Gott Moloch geschlagen werden kann, dem ebenfalls in glühender Stiergestalt Menschen geopfert wurden. Als erstes Opfer sperrte Phalaris den Künstler selbst in den Leib des Stieres.

Dass der Stier des Phalaris wirklich vorhanden war, sagt Diodor. Er erzählt, Himilkon habe ihn nach der Eroberung von Agrigent nach Karthago geschickt, Scipio aber 260 Jahre nach der Zerstörung von Karthago den Agrigentinern zurückgegeben. Der Stier des Phalaris hat noch dem Lukianos von Samosata zu zwei satirischen Dialogen gedient, worin er Abgeordnete des Tyrannen in Delphi auftreten lässt, welche dem Gott jene Höllenmaschine zum Geschenk antragen und den grausamen Tyrannen als einen gerechten Mann darstellen; er lässt hierauf durch Priestermund die Gabe des Wüterichs als gottseliges Opfer erklären.

Die Fabel sagt, dass Phalaris durch ein Gleichnis des Pythagoras sein Leben verlor. Einst redete der große Philosoph in seiner und der Bürger Gegenwart von der Furcht der Menschen vor den Tyrannen und bewies, wie grundlos sie sei, durch das Beispiel der Tauben, welche furchtsam vor dem Sperber fliehen und ihn doch in die Flucht treiben würden, wenn sie kühn sich gegen ihn wendeten. Diese Rede erhitzte einen Bürger dergestalt, dass er einen Stein aufnahm und ihn nach dem Tyrannen warf; andere folgten dem Beispiel, so dass Phalaris zu Tode gesteinigt wurde.

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