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Albrecht von Wallenstein Offline




Beiträge: 350

27.08.2009 15:18
RE: Truppen der Landgrafschaft Hessen-Kassel antworten

Truppen der Landgrafschaft Hessen-Kassel

Die vorliegende Liste der Regimenter der Frühen Neuzeit endet mit der Auflösung des Kurfürstentums Hessen-Kassel durch Napoleon und seine Eingliederung im Jahre 1807 in das Königreich Westphalen.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde eine Vielzahl von nur zeitweise bestehenden Regimentern aufgestellt, meist aus Anlass von Feldzügen. Sie sind noch nicht Bestandteil dieser Übersicht. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die Regimenter Hessen-Kassels durch ihre Vermietung an König Georg III. von England zum Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Über 12.000 Mann kämpften in der Neuen Welt. Vor allem aber kämpften hessen-kasselsche Regimenter im Siebenjährigen Krieg an der Seite der englischen Truppen in Westdeutschland.

Eine Stammliste und eine Nummerierung der Infanterieregimenter der hessen-kasselschen Armee wurde nicht eingeführt. Die Bezeichnung erfolgte nach dem Namen des Regimentsinhabers. Die Liste nimmt die nachhaltig existierenden Regimenter in der Reihenfolge ihrer Entstehung auf und wird nach Bleckwenn (Militärhistoriker) bezeichnet. Zusätzlich wurde der Liste das Gründungsjahr hinzugefügt. So soll eine Vergleichbarkeit erleichtert werden. Diese Nummerierung folgt konsequent den Aufstellungen von Tessin. Wurden in einem Jahr mehrere Regimenter gegründet, fügte Tessin eine zweite Ziffer hinzu (z.B. "1683/5" = fünftes hessen-kasselsches Regiment, das im Jahre 1683 aufgestellt wurde). Es folgen die Namen der Regimentschefs bzw. der Name des Kommandeurs sowie die Sollstärke.

Bedeutung der verwendeten Zeichen: "*" = Gründung, "†" = Auflösung, ">" = Verbleib, "<" = Herkunft, "=" = Doppelfunktion als stehendes Regiment eines Reichsstandes.



Infanterieregimenter

Die hessische Infanterie incl. ihrer Regimentsartillerie hat eine Sollstärke von 18.452 Mann. Die Gefechtsstärke betrug allerdings nur 13.568 Mann. Die Gründe für diese Differenz von knapp 5000 Mann allein bei der Infanterie werden für diese und damit beispielhaft auch für andere Waffengattungen im Abschnitt über die Regimenter behandelt.


- Regiment 13 Erste Garde (1760/2)
* 1760 gegründet als Garde zu Fuß - 1785 1. Garde - 1788 Garde - † 1806

- Regiment 6 Zweite Garde (1697) 985 Mann
*1697 gegründet als Grenadiere - 1702 Grenadier-Regiment (1727-1751 Regimentschef Prinz Wilhelm) - 1760 2. Garde - 1763 Regiment Garde - 1784 2. Garde (Garde-Grenadier-Regiment) - 1785 Garde-Grenadier-Regiment - † 1806

- Regiment 1 Dritte Garde (1683/4) 985 Mann
*1683 gegründet als Lippe zu Fuß - 1684 Leibregiment - 1699 Leibgarde - 1731 Leibgarde - 1751 Garde - 1760 3. Garde (1763-1784 im Regiment Garde) - †1788 > II. Bat. Infanterieregiment No. 13 von 1760/2

Die 10 Linien- Infanterieregimenter, gleichmäßig eingeteilt in 1. Bataillon mit Regimentsstab zu 501 Mann, und 2. Bataillon zu 484 Mann, zusammen 985 Mann.

- Regiment 2 (1683/5) von Bartheld
*1683 gegründet als Prinz Philipp zu Fuß - 1685 Wartensleben - 1690 Rotarius - 1692 Goerz - 1696 Löwenstein - 1703 Stückrath - 1709 Motz - 1713 Rancke - 1723 Oeppen - 1731 Korff - 1734 Clement - 1744 Baumbach - 1751 Hauding - 1757 Capellan - 1758 Toll - 1760 Bartheld (Füsiliere) - 1770 Lossberg - 1780 Alt-Lössberg - 1789 Jungkenn - 1789 Lossberg - 1799 Linsingen - 1805 Biesenrodt - †1806

- Regiment 3 (1684/2) von Gilsa
*1684 gegründet als Hanstein - 1690 Wilhelm von Hessen-Kassel - 1701 Karl von Hessen-Kassel - 1703 Leopold von Hessen-Kassel - 1704 Ludwig von Hessen-Kassel - 1708 Maximilian von Hessen-Kassel - 1717-1720 als Hessen-Kassel in kaiserlich-habsburgischem Sold - 1753 Fürstenberg - 1759 Gilsa - 1765 Knyphausen - 1784 Donop - † 1789 > II. Bat. Infanterieregiment No. 4 von 1687/2

- Regiment 4 (1687/2) von Wilcke
*1687 gegründet als Prinz Karl zu Fuß - 1701 Prinz Wilhelm - 1705 Wilcke - 1709 Dönhoff - 1723 Löwenstein - 1733 Donop - 1748 Isenburg - 1759 Bischhausen - 1762 Wilcke - 1764 Donop - 1784 Knyphausen - 1788 Hanstein - 1789 Kospoth - 1801 Biesenrodt - 1705 Kurprinz - †1806

- Regiment 5 (1688/5) von Wutginau
*1688 gegründet als Erbprinz Friedrich - 1721 König - 1751 Leibregiment - 1760 Heinrich Wilhelm von Wutginau - 1776 Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel - 1783 Leibregiment-Füsiliere - 1785 Landgraf-Infanterie - † 1789 > II. Bat. Infanterieregiment No. 7 von 1700

- Regiment 7 (1700) Leibinfanterieregiment
*1700 gegründet als Anhalt zu Fuß - 1703 Prinz Ludwig - 1705 Prinz Wilhelm - 1727 Prinz Friedrich - 1751 Erbprinz - 1760 4. Garde - 1760 Leibregiment - 1783 Erbprinz - 1785 Leibregiment - 1803 Kurfürst - † 1806

- Regiment 8 (1702/2) von Mansbach
* 1702 gegründet als Schöpping zu Fuß - 1704 Exterde - 1718 Rau - 1736 Waldenheim - 1744 Mannsbach - 1763 Gröffendorff - 1767 Sachsen-Gotha - 1775 Trümbach - 1778 Bose - † 1789 > II. Bat. Infanterieregiment No. 9 von 1702/1

- Regiment 9 (1702/1) Prinz Carl
* 1702 gegründet als Wartensleben zu Fuß - 1709 Prinz Georg - 1755 Prinz Karl - 1805 Landgraf Karl - † 1806

- Regiment 10 (1702/4) von Malsburg
* 1702 gegründet als Schenck zu Fuß - 1703 Wartensleben - 1706 Spiegel - 1709 Rahding - 1719 Wutginau - 1727 Wilcke - 1734 Mauermann - 1744 Hessenstein - 1747 Hessenstein - 1748 Hessenstein - 1753 Canitz - 1759 Malsberg - 1766 Ditfurth - 1789 Hanstein - † 1794

- Regiment 11 (1745) Prinz von Anhalt
* 1745 gegründet als Anhalt zu Fuß - 1770 Mirbach - 1780 Jung-Lossberg - † 1789 > II. Bat. Infanterieregiment No. 12 von 1750

- Regiment 12 (1750) Erbprinz
* 1750 gegründet als Hanau zu Fuß - 1759 Prinz Wilhelm - 1760 Erbprinz - 1783 Prinz Friedrich - 1785 Erbprinz - 1803 Kurprinz - 1805 Wurmb - † 1806

- Regiment 14 (1760/3) von Blome
* 1760 gegründet als Blome-Grenadiere - 1762 Wülckenitz - 1763 Müller - 1770 Mannsbach - 1771 Johann Gottlieb Rall - 1777 Wolfgang Friedrich von Wöllwarth - 1778 Carl Levon von Trümbach - 1779 Louis d'Angelelly - 1784 Bischhausen Land-Grenadiere - 1787 Schreiber - † 1789 > II. Bat. Infanterieregiment No. 2 von 1683/5 (Lossberg)


Gesamtstärke der 10 Linienregimenter 9.850 Mann

Die 6 Grenadier-Bataillone aus Garde- und Linien- Infanterie (Kriegsformationen), jeweils 484 Mann stark

- Garde Regimenter 1 und 6 von Biesenroth

- Regimenter 2 und 4 von Knoblauch

- Regimenter 7 und 11 von Bose

- Regimenter 5 und 8 von Wurmb

- Regimenter 3 und 9 von Lossberg

- Regimenter 10 und 12 von Goosen


Die Garnisons-Infanterie

- Grenadier Bataillon von Butlar, als Kriegsformation aus den Grenadier Kompanien der Regimenter I bis IV zusammengezogen 400 Mann

- Garnisons Regiment I Grenadier Regiment von Blome 744 Mann

- Garnisons Regiment II von Wurmb 744 Mann

- Garnisons Regiment III von Müller kommandiert zum Pionierdienst in der Armee 744 Mann

- Garnisons Regiment IV von Kutzleben 330 Mann

- Zwei einzelne Garnisons Kompanien 260 Mann



Kürassierregimenter

- Kürassierregiment K 1
* 1683 gegründet als Rau zu Pferde - 1685 Spiegel - 1714 Prinz Maximilian - 1753 Prinz Wilhelm - 1760 Erbprinz - † 1765

- Kürassierregiment K 2
* 1684 gegründet als Leibregiment zu Pferde - 1730 Leibregiment - 1760 Gens d'Armes - † 1806

- Kürassierregiment K 3
* 1704 gegründet als Erbach zu Pferde - 1705 Boyneburg - 1738 Gräffendorff - 1749 Miltitz - 1759 Oheimb - 1760 Einsiedel - 1763 Meister - 1764 Schlotheim - 1765 Dragoner (Schlotheim) - 1783 Buttlar - 1787 - 1787 Hyn - † 1788 > Dragonerregiment D II von 1688/2

- Kürassierregiment K 4
* 1704 gegründet als Hanstein zu Pferde - 1705 Weißenfels - 1713 Diemar - 1735 Gräffendorff - 1738 Diemar - 1740 Isenburg - 1757 Prüschenck - 1761 Wolff - 1775 Heister - 1777 Diemar - 1786 Dalwigk - † 1788 > Dragonerregiment D I von 1688/1

- Kürassierregiment K 5
* 1760 gegründet als Garde du Corps (2 Kompanien) - 1787 Regiment † 1806

Dragonerregimenter

- Dragonerregiment D I
* 1688 gegründet als Nassau-Weilburg-Dragoner - 1689 Lippe - 1694 Tettau - 1696 Hessen-Homburg - 1704 Auerochs - 1731 Blohm - 1742 Sachsen-Gotha - 1757 Prinz Friedrich - † 1806

- Dragonerregiment D II
* 1688 gegründet als Wartensleben-Dragoner - 1690 Graeffendorff - 1695 Erbprinz Friedrich - 1721 König - 1751 Leibregiment Dragoner - † 1806

Husarenregimenter

- Husarenregiment H
* 1760 gegründet als Husarenkorps - 1787 Husarenregiment - † 1806

Quelle:
- Wapedia
- Rudolf Witzel: Hessen Kassels Armee in der Alliierten Armee 1762

Albrecht von Wallenstein Offline




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27.08.2009 18:07
#2 RE: Truppen der Landgrafschaft Hessen-Kassel antworten

- Regiment 9 (1702/1) Prinz Carl
* 1702 gegründet als Wartensleben zu Fuß - 1709 Prinz Georg - 1755 Prinz Karl - 1805 Landgraf Karl - † 1806

Alexander Hermann Graf von Wartensleben

Alexander Hermann Graf v. W., königlich preußischer Generalfeldmarschall, war am 16. December 1650 zu Lippspringe, wo seine Mutter, die Gemahlin eines Herrn v. W. auf Exten bei Rinteln, bei ihrem Bruder, einem Herrn v. Haxthausen, zum Besuche war, geboren, kam jung als Page an den landgräflichen Hof zu Kassel, wo er mit den hessischen Prinzen erzogen und in den Kriegswissenschaften unterrichtet ward, wurde 1668 durch eine Krankheit, welche ihn auf dem Marsche überfiel, verhindert, mit den Truppen – des Herzogs von Celle, denen er sich angeschlossen hatte, an dem Feldzuge auf der Insel Candia theil zu nehmen und trat nun in französische Kriegsdienste. In diesen focht er in den nächsten Jahren in den Niederlanden, nahm aber 1673, um nicht gegen seine Landsleute kämpfen zu müssen, den Abschied. Machte 1674 unter Kurfürst Friedrich von Brandenburg als Freiwilliger bei dessen Garde zu Pferde den Feldzug am Oberrhein mit und trat 1675 als Capitän bei einem Infanterieregimente in hessen-kasselsche Dienste. Mit Hülfsvölkern, welche der Landgraf dem Könige von Dänemark gegen Schweden gestellt hatte, wohnte er 1677 und 1678 als Oberstwachtmeister im Regimente Auffenkeller den Feldzügen in Schonen und in letzterem Jahre auch dem auf Rügen bei. König Christian V. wollte ihn in seine Dienste ziehen, der Landgraf verweigerte ihm indessen die Entlassung und beförderte ihn 1680 zum Oberstlieutenant, 1683 gab er ihm ein eigenes Regiment, welches seit Mai 1684 den Namen Leibregiment zu Fuß führte, 1684 ernannte er ihn zum Oberst.
Inzwischen hatte W. als Freiwilliger dem Entsatze von Wien und den sich daran schließenden kriegerischen Ereignissen in Ungarn beigewohnt. 1687 vermittelte er einen Vertrag mit der Republik Venedig, zufolge deren der Landgraf dieser ein Infanterieregiment zum Kriege gegen die Türken überließ. Als 1688 Frankreich mit Feindseligkeiten drohte, errichtete er auf Grund einer mit seinem Kriegsherrn abgeschlossenen Capitulation ein Regiment Dragoner; während des bald nachher ausbrechenden Krieges war er, auf den Wunsch der Stadt, Commandant von Frankfurt, wohnte mit seinen beiden hessischen Regimentern der Belagerung und der Einnahme von Mainz (11. September 1689) und 1690, nachdem er Generalmajor geworden war, an der Spitze der gesammten hessischen Infanterie dem thatenlosen Feldzuge an der Mosel bei, führte im Winter 1690 & 1691 den Oberbefehl über alle zwischen Bonn und Heidelberg befindlichen Truppen und vereitelte durch ein geschicktes Unternehmen einen Versuch der über den gefrorenen Rhein gegangenen Franzosen nach Deutschland vorzudringen.

Dann verließ er den hessischen Dienst, um in den des Herzogs Friedrich von Sachsen-Gotha zu treten und den Oberbefehl der Truppen der sächsischen Herzöge von Gotha, Weimar und Eisenach zu übernehmen (17.Juni1691). Er begann nun sofort mit der Errichtung von sechs neuen Regimentern und befand sich mit neun ihm unterstellten Regimentern, welche die Herzöge dem Kaiser überlassen hatten, bereits auf dem Wege nach dem Kriegsschauplatze am Rhein, als Herzog Friedrich am 2. August 1691 plötzlich starb, worauf Wartensleben zur Mitvormundschaft über die hinterlassenen Söhne berufen wurde und mit seinen Truppen vorläufig in die Heimath zurückkehrte, 1692 aber marschirte er, nachdem der Kaiser ihn am 27. December 1691 zum Feldmarschalllieutenant befördert hatte, an den Oberrhein, wo Markgraf Ludwig von Baden den Oberbefehl führte. Zu eigentlich kriegerischer Thätigkeit kam er hier zunächst ebenso wenig wie in den Niederlanden, wohin er entsandt war um mit den dort befindlichen Heerführern gemeinsame Maßregeln zu verabreden und wo ihm als besondere Auszeichnung ein Commando bei einem zum Entsatze des belagerten Namur gebildeten Entsatzheeres zugedacht war. Die Festung capitulirte am 5. Juni, bevor das letztere zur Stelle war, Wartensleben kehrte an den Oberrhein zurück, war im Herbst bei einem mißglückten Zuge in die Pfalz betheiligt und schützte dann durch einen geschickten Marsch Heilbronn vor einem Besuche der Franzosen. Während der späteren Jahre des thatenarmen Krieges am Oberrhein stand er dort ebenfalls im Felde und auch jetzt, wie in den früheren Kriegsjahren, ward er mannichfach zu militärisch-politischen Sendungen gebraucht. „

Nachdem schon zwei Mal Unterhandlungen mit Venedig wegen seines Eintrittes in die Dienste der Republik sich zerschlagen hatten und der Kaiser ihn für den Oberbefehl seines Heeres auf dem italienischen Kriegsschauplatze im Jahre 1702 in Aussicht genommen hatte, trat König August III. von Polen, welcher ihn im Kriege gegen Schweden verwenden wollte, mit Wartensleben in Verbindung. Ohne daß ein Abkommen getroffen ward, reiste dieser von Warschau nach Berlin zurück. Hier gelangte ein Antrag König Friedrich’s I. an ihn, welcher dahin führte, daß Wartensleben am 18. August 1702 zum preußischen Generalfeldmarschall und Geheimen Kriegsrath deelarirt wurde. Er wurde ferner zum Gouverneur von Berlin ernannt, es ward ihm der Schwarze Adlerorden verliehen und nacheinander graften ihn der preußische König und der deutsche Kaiser. Die Veranlassung zu seiner Berufung war gewesen, daß der Graf Kolbe von Wartenberg, des König allmächtiger Minister, den ihm unbequemen Feldmarschall Grafen Barfuß beseitigen und durch Wartensleben ersetzen wollte. Barfuß ging in der That ab. Wartensleben’s Anstellung aber machte böses Blut, die Generale du Hamel und Friedrich von Heyden nahmen ihre Entlassung, Sigismund von Heyden und Graf Lottum ließen sich nur mit Mühe halten. Im Felde hat der König seinen Feldmarschall, obgleich der Spanische Erbfolgekrieg Gelegenheit genug dazu geboten hätte, nicht verwendet.
Als im Jahre 1710 Wartenberg nebst seinem Genossen, dem Grafen Wittgenstein, gestürzt wurde, schwebte auch Wartensleben, der dritte von den drei Wehgrafen, wie man diese Männer nannte, in Gefahr. Er blieb aber unangefochten in seiner Stellung, nur die Leitung der Kriegsverwaltung, die zu seinen Dienstobliegenheiten gehört hatte, wurde ihm abgenommen. Es muß also keine Veranlassung zu dem Argwohne vorgelegen haben, daß er wie Jene sich unerlaubte Vortheile verschafft hätte, doch dachte er damals daran, die Fahne nochmals zu wechseln, denn Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel schreibt, daß er „den in Berlin disgoustirten Wartensleben in gewisser Weise engagirt habe; er nennt ihn bei dieser Gelegenheit angenehm im Umgange, einen tapfern Kriegshelden, erfahrenen Cavalleristen und gottesfürchtigen Mann“. Aber Wartensleben blieb in Preußen und auch König Ftiedrich’s Nachfolger, der am 25. Februar 1718 auf den Thron gelangte König Friedrich Wilhelm I., entzog ihm seine Gnade nicht, im Jahre 1715 begleitete Wartensleben diesen in den pommerschen Feldzug, doch konnte er nicht verhindern, daß der König seinen Enkelsohn, den Lieutenant v. Katte, welcher im Jahre 1730 des Kronprinzen Friedrich Flucht gefördert hatte, hinrichten ließ. Er selbst starb am 26. Januar 1734 zu Berlin. Seinen Kindern zweiter Ehe hinterließ er, nachdem er die der ersten mit 44 000 Thalern abgefunden hatte, ein meist in Grundbesitz angelegtes Vermögen von 90 000 Thalern. Wartensleben gehörte während seiner preußischen Dienstzeit zuerst zu den Adepten und später zu den Erweckten, den Anhängern von Spener und dessen Nachfolgern. Lebensbeschreibung von Friedrich v. Kreytzen (Berlin 1784). – J. Graf v. Wartensleben, Nachrichten von dem Geschlechte der Grafen v. Wartensleben. 2. Theil: Biographische Nachrichten, S. 47 (2. Ausg., Berlin1858).

Albrecht von Wallenstein Offline




Beiträge: 350

27.08.2009 20:01
#3 RE: Truppen der Landgrafschaft Hessen-Kassel antworten

Infanterie Regiment Nr. 9 (1762 Prinz Carl)

Die Daten des Regiments:

1702 Aufstellung des Regiments durch den Oberstleutnant von Wartensleben.
1709 Regiment der Prinzen der landgräflichen Familie.
1789 1. Bataillon des regiments Prinz Carl.
1821 1. Bataillon Infanterieregiment 3
1832 Auflösung und Verteilung auf das 2. und 3. Bataillon des Infanterieregiments 3 (die alten Reg. 8 & 11).

Ein normales Regiment, trotz der Prinzen als Chefs. Diese üben wohl auch keinen direkten Einfluss aus, da in diesem Fall die Chef Würde vermutlich nur ein reiner Ehrentitel ist. Unter den Kompanie- Offizieren überwiegen die Offiziere bürgerlicher Herkunft.

Entwicklung nach Organisation und Stärke:

1702 2 Bataillone mit zusammen 10 Kompanien. Sollstärke der Kompanien 87 Mann, die Iststärke ist geringer.
1704 10 Kompanien, Ausrückstärke 766 Mann.
1728 10 Kompanien.
1731 8 Kompanien.
1735 Sollstärke 820, Iststärke 813 Mann.
Die 1734 geltende Sollstärke umfasst 10 Kompanien mit je 80 Mann. Dazu kommt der Regimentsstab mit 20 Mann.
Die Kompanie hat 3 Offiziere, 7 Unteroffiziere, 1 Feldscher, 3 Spielleute, 60 Musketiere, 6 Grenadiere.
1747 Iststärke 774 Mann.
1762 2 Bataillone mit je 4 Musketierkompanien, 2 Grenadierkompanien im besonders formierten Grenadierbataillon.

Standort:

1728 Hersfeld, auch Kompanien in Vacha.
1746/1747 Ziegenhain und Treysa.
1752 Eschwege (6 Kompanien), Wanfried (2 Kompanien), Lichtenau und Waldkappel (je 1 Kompanie).

Chefs:

1702 Oberstleutnant von Wartensleben, Oberst, dann im Hofdienst.
1709 Prinz Georg von Hessen, 10. Sohn des Landgrafen Carl, 1734 Generalleutnant.
1755 - 1836 Prinz Carl von Hessen, geb. 1744, 2. Sohn des Landgrafen Friedrich II.

Kommandeure bzw. Kommandeure en chef:

1709 Oberstleutnant G.E. von Wutginau aus der Familie Wuttky. Die Familie stammt ursprünglich aus der Ukraine und wurde von Kaiser Leopold geadelt.
1717 Oberst I.G. von Munck, Kommandant von Ziegenhain.
1723 Oberst Etienne de Clermont, Generalleutnant, Chef von I.R. 2
1734 von Baumbach
1744 Oberst E.P. von Gilsa, Generalleutnant, Chef des I.R. 3.
1759 Oberst von Bartheld, Generalmajor, Chef des I.R. 2.
1760 Oberst H.A. von Lossberg, Generalmajor.
1770 Oberst M.C. Schmitt, Generalmajor.
1780 Oberst D.E. von Gosen, Generalmajor.
1785 Generalmajor von Borck, ab 1789 Kommandeur beider Bataillone des neu formierten Regiments Prinz Carl.

Regimentskommandeure:

1757 Oberst von der Malsburg, dann Chef von I.R. 10.
1759 Oberstleutnant C.L. von Löwenstein, zu I.R. 7 als Kommandeur.
1763 Oberst von Heeringen.

Gliederung:

Stabsoffiziere Anfang April 1760

Chef Prinz Carl von Hessen
Kommandeur Oberst von Bartheld
Oberstleutnant Balcke
Major F.W. von Lossberg
Major von Hachenberg

Oberstletnant von Hattenbach tauscht mit Oberstleutnant von Balcke.

Die Kompaniechefs am 05. Mai 1762

1. Leibkompanie Prinz Carl von Hessen
2. Kompanie Oberst von Lossberg
3. Kompanie Oberstletnant von Hattenbach
4. Kompanie Oberstleutnant F.W. von Lossberg
5. Kompanie Major von Hachenberg
6. Kompanie Major Schreiber
7. Kompanie Capitain von Trümbach
8. Kompanie Capitain Scheydt
9. Kompanie Capitain Murhardt (Grenadiere)
10. Kompanie Capitain von Löwenstein (Grenadiere)


Uniformen:

Das Regiment hatte bereits 1736 "rot" als Regimentsfarbe. Eine Besonderheit ist die weiße bzw. goldene Einfassung von Aufschlägen und Rabatten.

tbc.

Quelle:
Hessen Kassels Armee in der Alliierten Armee 1762 Von Rudolf Witzel

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