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Dieses Thema hat 6 Antworten
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Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

22.08.2009 22:58
RE: Piraten antworten

Piraten


Seit Waren auf Schiffen transportiert wurden, gibt es auch Piraten und das ist heute immer noch so. Nur kommen die heutigen Piraten nicht mehr mit Entermessern, sondern mit Maschinenpistolen.

In der Antike betrieben alle seefahrenden Völker Piraterie. Es überwog Küstenpiraterie, bei der mit Ruderbooten und ungedeckten Galeeren Küstenorte überfallen und küstennah fahrende oder rastende Schiffe bei günstigen Gelegenheiten überfallen wurden.
In einer Schwächephase der römischen Republik im letzten Jahrhundert v. Chr. wurde die Bedrohung der ägyptischen Kornlieferungen durch kilikische Piraten sogar für Rom zu einer nahezu existentiellen Bedrohung. Auch Cäsar machte Bekanntschaft mit ihnen. Bei einer Studienreise wurde sein Schiff hekapert und er gefangen genommen. Caesar lachte die Piraten aus, die anfnglich nur zwanzig Talente Lösegeld für ihn gefordert hatten, da er ihre Forderung für seine Person als lächerlich niedrig empfand. Er bot ihnen freiwillig an, fünfzig zu zahlen.
Auerdem trieb er auch Spässchen mit ihnen und sagte ihnen im Scherz, er werde sie alle hängen lassen, wenn er erst einmal wieder frei sei (den Piraten sollte wenig später das Lachen über diesen "Scherz" vergehen, er kehrte mit einer Flotte zurück und liess sie kreuzigen).

Vom Ende des 8. bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts suchten skandinavische Seeräuber (Wikinger) die Küsten Nordeuropas heim. Mit ihren typischen schnellen Wikingerschiffen drangen sie entlang der großen Flüsse bis tief ins Binnenland vor und plünderten nach verheerenden Überraschungsangriffen zahlreiche Klöster, Städte und Handelsplätze.

Im Spätmittelalter wurden Kapitäne mit Kaperbriefen ausgestattet. Das gab der Piraterie den Anschein der Legalität, da es den Kapitänen nur erlaubt war, Schiffe der gegnerischen Nation anzugreifen. Nach Beendigung der Konflikte verloren die Kaperbriefe aber ihre Gültigkeit und viele machten als Pirat weiter.
In der Nord- und Ostsee kam es kurt vor Ende des 14. Jhd, zu einem Anstieg der Piraterie. Likedeeler oder Vitalienbrüder und Klaus Störtebecker sind Namen, die für diese Zeit stehen.

Seit dem 16. Jhd. machten die Korsaren der Barbareskenstaaten in Nordafrika die Seefahrt im Mittelmeer unsicher und wurden erst Mitte des 19. Jhd. besiegt.

Etwa zur selben Zeit nahm die Piraterie in Ostasien eine ganz andere Entwicklungsrichtung. Im 13. und 14. Jahrhundert überfielen besonders japanische Soldaten und Händler (die sogenannten Wōkòu) auf eigene Faust die Küsten von Korea und Nord-China.
Seit den Wirren der Übergangszeit von der Ming- zur Qing-Dynastie im 17. Jahrhundert gelang es bestimmten chinesischen Kaufleuten bis ins 19. Jahrhundert hinein, mehrfach regelrechte „Piraten-Dynastien“ zu begründen, wie etwa die Familien Zheng, die nicht nur von konkurrierenden (auch europäischen) Händlern Schutzgelder erpressen konnten, sondern mit ihren riesigen Flotten auch selbst zu einem politischen Machtfaktor in China, der Mandschurei und Vietnam wurden.

In der Karibik war vom 16. bis 18. Jhd das "Goldene Zeitalter" der Piraterie.

("Golden Hind" - das Schiff von Drake, die englische Flagge, weil er einen Kaperbrief der englischen Königin hatte)
Während der Kriege zwischen den Nationen (hauptsächlich England, Frankreich, Spanien und die Niederlande) machten Freibeuter (mit Kaperbrief) die See unsicher und zwischen den Kriegen Piraten. Begehrtes Ziel war die spanische Silberflotte, die die Beute aus den Minen Süd- und Mittelamerikas nach Spanien brachte.

Auch heute ist die Pirateriee noch nicht ausgemerzt. Piratengefährdete Gebiete:

Das es eine ernstzunehmende Gefahr ist, habe ich auch gemerkt, als ich noch zur See gefahren bin. Auf der Fahrt nach Japan mussten wir auch durch die Strasse von Malkka. Die Straße von Malakka ist von großer Bedeutung für den Welthandel, da sie eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt ist. Zwischen 20 und 25% des Welthandels der Seeschifffahrt passieren diese Meerenge. Täglich wird sie von ungefähr 2.000 Schiffen befahren.
Auch entsprechend ihrer Bedeutung vor allem für den Ölhandel ist sie eine der auch heute noch am stärksten von Piraten heimgesuchten Wasserstraßen.
Rund um die Uhr - vor allem Nachts - Wache schieben an Deck. Die Feuerlöschleitungen ständig unter Druck, Schläuche überall an Deck. So ein Handelsschiff hat nunmal keine Kanonen, aber so ein Strahl aus dem C-Rohr hält "Kletteraffen" schon davon ab, nach oben zu kommen. Zum Glück kam ich nicht in den "Genuss" hier jetzt einen Tatsachenbericht von einem Überfall posten zu müssen.

So, das wär´s mal als Vorwort, um demnächst auf einzelne Piraten näher einzugehen.


"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

Cynredd ap Ifon Offline




Beiträge: 5.678

23.08.2009 00:01
#2 RE: Piraten antworten

Oh, ein sehr interessantes Thema!

The Cynnide Chronicles

Kommentare zu den Chronicles

Albrecht von Wallenstein Offline




Beiträge: 350

23.08.2009 09:44
#3 RE: Piraten antworten

Eine Auswahl bekannter Freibäuter und Piraten:

* Tarkondimotos I. († 31 v. Chr.), kilikischer Seeräuber, Verbündeter des Marcus Antonius.
* Margaritos von Brindisi (12. Jahrhundert), normannischer Seeräuber im Dienst Wilhelm II. von Sizilien.
* Roger de Flor (1266–1305), ehemaliger Tempelritter und Begründer der Katalanischen Kompanie.
* Khizir, genannt Khair ad-Din war ein osmanischer Korsar im Mittelmeer, Herrscher von Algier und Kaptan-ı Derya des Osmanischen Reiches.
* Marten Pechlin (1480–1526), Freibeuter im Dienst Christian II. in skandinavischen Gewässern.
* Lin Feng († 1575), chinesischer Pirat und Kriegsherr auf den Philippinen.
* Magnus Heinason (1545–1589), norwegisch-faröischer Kaperfahrer.
* Thomas Cavendish (* 1555 in Trimley St. Martin bei Ipswich, Suffolk, England; † Februar 1592 auf dem Atlantik) Sir Thomas Cavendish war ein englischer Freibeuter und der dritte Erdumsegler.
* Pierre le Grand (17. Jahrhundert), gilt als einer der ersten französischen Bukaniere in der Karibik.
* Michel de Granmont (verschollen 1686 vor Mexiko), französischer Bukanier.
* Richard Sievers (Indischer Ozean; 1660–1700), der weitgehend unbekannte deutsche Pirat.
* William Ambrosia Cowley oder William Ambrose Cowley war ein englischer Bukanier (Pirat) des 17. Jahrhunderts, der während seiner Weltumsegelung die Galápagosinseln erforschte und 1684 die erste Karte veröffentlichte.
* Jean Bart (1650–1702), flandrischer Freibeuter im Dienst Ludwig XIV..
* Robert Culliford (17. bis frühes 18. Jahrhundert), Zeitgenosse Captains Kidds in der Karibik und im Indischen Ozean.
* Jean Baptiste du Casse (1646–1714), französischer Freibeuter und Bukanier.
* William Dampier (* im August, getauft am 5. September 1651 in East Coker, Somerset, England; † März 1715 in London) war ein britischer Freibeuter, dreimaliger Weltumsegler, Entdecker und Geograph.
* Edward Teach oder Edward Thatch alias Blackbeard (* 1680 (?); † 22. November 1718) war ein englischer Pirat im karibischen Meer.
* Edward Davis war ein Bukanier, der mit seinem Schiff, der Batchelors Delight, in der Zeit von 1680 bis 1688 spanische Schiffe kaperte und spanische Häfen plünderte.
* Stede Bonnet (* 1688; † 10. Dezember 1718) der so genannte „Gentleman-Pirat“, war ein reicher und gebildeter Landbesitzer, bevor er sich der Piraterie zuwandte.
* Samuel Bellamy (Karibik, Cape Cod; 1690–1717) besaß mit seiner Crew den größten Piratenschatz aller Zeiten
* Benjamin Hornigold († 1719), Freibeuter, Pirat und später Piratenjäger in der Karibik.
* John Clipperton (* in Great Yarmouth, Norfolk; † 1722 in Galway) war ein englischer Pirat, der im 18. Jahrhundert für die Englische Krone kämpfte.
* Edward „Ned“ Low († vermutlich 1724), englischer Pirat im Atlantischen Ozean; gilt als einer der grausamsten Piraten des Goldenen Zeitalters der Piraterie
* Woodes Rogers (1679–1732). Ebenfalls zuerst Freibeuter und Pirat, später Piratenjäger. Sein Motto Expulsis Piratis Restituta Commercia (dt.: „Piraten vertrieben, Handel wiederhergestellt“) blieb bis zur Unabhängigkeit 1973 das Nationalmotto der Bahamas.
* William „Billy One-Hand“ Condon, (Anfang 18. Jahrhundert), Pirat in der Karibik, Atlantik und im Indischen Ozean.
* Jacques Cassard (1679–1740), französischer Freibeuter im Spanischen Erbfolgekrieg.
* Francois Thurot (1727–1760), französischer Freibeuter in den Gewässern der Britischen Inseln.
* Louis Michel Aury (1788–1821), Pirat und Freibeuter in der Zeit der Südamerikanischen Unabhängigkeitskriege.
* Jean Lafitte (1780–1826), französischer Freibeuter in der Karibik, Mississippi-Mündung und Galveston.
* Cui Apu († 1851), chinesischer Pirat im Südchinesischen Meer.
* Nikolaus Burggraf und Graf zu Dohna-Schlodien (* 5. April 1879 in Mallmitz; † 21. August 1956 in Baierbach) war ein deutscher Seeoffizier, Führer eines Freikorps und Schriftsteller.



Berühmte Piratinnen

* Jeanne de Belleville (Frankreich 14. Jahrhundert) – bretonische Edeldame, welche sich aus Rache für ihren am 2. Aug. 1343 im Auftrag Philipp IV. enthaupteten Mann, Olivier IV. de Clisson, der Piraterie zuwandte und Frankreich bekämpfte, sie ist die Mutter von Olivier V. de Clisson.
* Grace O’Malley (eigentlich: Gráinne Ní Mháille, * 1530 auf Clare Islands im Westen Irlands; † 1603, Todesort unbekannt)
* Mary Read (Karibik, 1690–1720)
* Anne Bonny (Karibik, * 1700)
* Zheng Yi-Sao auch Ching Shih oder Cheng I Sao, chinesische Piratin (17./18. Jahrhundert)

Centurio Classicus Offline




Beiträge: 6.850

23.08.2009 13:28
#4 RE: Piraten antworten

Sir Francis Drake - Pirat der Königin

Francis Drake wurde zwischen 1540 und 1543 in Crowndale bei Plymouth als Sohn eines Pächters in Devonshire geboren. Er verdingte sich zunächst als Werftarbeiter, dann als Matrose.


Drakes frühe Fahrten
Als erstes nahm er an einer Handelsexpedition zur afrikanischen Guineaküste teil. Weitere Fahrten nach Afrika und mit Sklaven nach Südamerika folgten.
Drake zeichnete sich als begabtester Schüler seines Vetters, des Kapitäns John Hawkins aus. Dieser unternahm mit ihm in den 1560ern drei Expeditionen, mit denen er in den Handel mit Sklaven aus Afrika in Mittelamerika einzusteigen versuchte.
Die 3. Expedition scheiterte jedoch, als Hawkins´ Flotte unter Bruch von Abmachungen mit dem Vizekönig im spanischen Kolonialhafen San Juan de Ulea angegriffen wurde. Der Vizekönig betrachtete die Engländer wegen ihres reformierten Glaubens wohl nur als Barbaren, denen gegenüber er nicht Wort zu halten brauchte. Nur wenige Seeleute, unter ihnen Drake und Hawkins, entkamen mit zwei schwer beschädigten Schiffen, mit denen sie die Britischen Inseln 1569 erreichten. Seitdem verschrieben sie sich der Seeräuberei. Auch viele andere englische Seefahrer jener Zeit beteiligten sich künftig an Kaperfahrten gegen Spanien und führten den Schlachtruf Rache für San Juan ein. Ein inoffizieller Kaperkrieg zwischen britischen und iberischen Schiffen begann.
Drake erhielt ein eigenes Kommando und fuhr als Freibeuter gegen Spanien. Er erkundete seit 1571 die Landenge von Panama. Mit der Hilfe französischer Korsaren und Marons(Abkömmlinge entflohener Sklaven und indianischer Frauen) überfiel er 1572/73 einen spanischen Schatztransport über den Isthmus. Die Beute hatte einen Wert von 40.000 Pfund.
Die Weltumsegelung
Am 13.12.1577 brach Drake mit fünf Schiffen und 160 Mann Besatzung von Plymouth auf. Er sollte vermutlich den sagenumwobenen und in der Vorstellung damaliger Zeit gigantischen Südkontinent Terra Australis erforschen, der auf der pazifischen Seite der Magellan-Straße vermutet wurde. Eine weitere Aufgabe soll die Suche nach der Straße von Anian(Die heutige Beringstraße), die man für den Ausgang der Nord-West-Passage hielt, gewesen sein. Auch ein Geschäftsbesuch auf den Molukken gehörte angeblich zu den Reisezielen. Außerdem wollte man Drake wohl weitab von den Spaniern wissen, zu denen sich die Beziehungen mehr und mehr verschlechterten, um keine Provokationen durch Drake zu riskieren. Alles in allem kann man jedoch vielleicht für keines der Ziele mit Sicherheit behaupten, dass es von Anfang an geplant war.
Drake segelte die afrikanische Küste entlang, passierte die Kapverdischen Inseln und ging für zwei Monate in Port San Julián vor Anker. Hier gelang es ihm, eine Meuterei im Keime zu ersticken. Mit nur drei Schiffen setzte er seine Reise fort.
Zum Abfahren der Magellan-Straße benötigten Drakes Schiffe 16 Tage, was für damalige Verhältnisse als ungewöhnlich schnell gewertet werden kann. Am Ausgang der Straße wurde die kleine Flotte 1578 von einem Sturm verstreut. Eins der Schiffe sank. Ein zweites kehrte um, nachdem es einen Monat lang nach den anderen gesucht hatte. Das dritte, die Pelican(Die Pelican wurde bald darauf von Drake in Golden Hind umbenannt) mit Drake an Bord, wurde nach Süden verschlagen. Dort kreuzte sie eine Weile, ohne Kap Hoorn allzu nahe zu kommen. Als Drake feststellte, dass die Magellan-Straße Südamerika nicht von einem weiteren Kontinent trennte, sondern nur von Feuerland und einigen anderen Inseln, und sich im Süden offene See anschloß, segelte er die chilenische Küste nach Norden.
Dort überfiel er spanische Städte und begann, unter den ungeschützten spanischen Galeonen, die nicht mit feindlichen Schiffen aus Europa rechneten, zu wildern. Dabei erbeutete er Edelmetalle im Werte von 600.000 Pfund.
In der Gegend des heutigen San Francisco, die Drake New Albion nannte, ließ er ein Fort bauen und sein Schiff ausbessern. Mit diesem Fort beanspruchte er alle von Spaniern und Franzosen unbesetzten Teile Nordamerikas für England.
Den Auftrag, die Straße von Anian zu suchen, vernachlässigte Drake - möglicherweise, weil er ihn nicht ernst nahm - als er Ende Juli 1579 weiter nach Westen segelte, wo er nach zwei Monaten die Marianen erreichte. Er besuchte den Sultan von Ternate, mit dem er einen Handelsvertrag abschloss. Anschließend passierte Drake die Philippinen und steuerte die Molukken an, wo er Gewürznelken lud. Ein Teil der Ladung ging jedoch verloren, als die Golden Hind später auf ein Riff auflief. Die nächste Station war die Insel Jawa, von der er 1580 abfuhr. Im Juni des Jahres umsegelte Drake das Kap der Guten Hoffnung.
Am 26. September 1580 erreichte er den Heimathafen Plymouth und hatte somit - vermutlich ungeplant - die erste britische, und nach Magellan die zweite Weltumsegelung überhaupt vollbracht. Außerdem brachte er reiche Beute von den spanischen Handelsschiffen mit, was seinen eher heimlichen Förderern und Geldgebern, unter ihnen Königin Elisabeth I:, einen 4.000-prozentigen Gewinn auf ihre Auslagen einbrachte.
Für seine Verdienste wurde er von Elisabeth I. zum Ritter geschlagen und durfte sich fortan Sir Francis Drake nennen.

Kriegsfahrten Drakes gegen die Spanier
In den Jahren 1585/86 führte Drake englische Kaperfahrten nach West-Indien.
1587 fügte Drake der spanischen Flotte bei einem Überfall auf Cadiz schwere Verluste in Gestalt von dreißig Schiffen zu. Auf diese Weise störte er den Aufbau der Armada, der, länger als von Spanien geplant, zwei Jahre benötigte. In Spanien erkannte man nun zum ersten Mal die Schwächen des Schiffstyps Galeere, unter anderem die Langsamkeit auf langen Strecken und vergleichsweise geringe Seetüchtigkeit.
Die legendäre spanische Flotte, die Armada wurde zu ihren Zeiten allgemein als unbesiegbar angesehen. Allerdings gab es schon damals Gegenstimmen, die die Chancen der englischen Flotte als gar nicht einmal so schlecht abwägten.
Es bedurfte - wie gesagt - zweier Jahre, die Flotte aufzubauen. Die Taktik der englischen Königin beschränkte sich dabei wie so oft weitgehend auf das Abwarten und das Finanzieren von Kaperunternehmen, die den Aufbau der Flotte verhindern sollten.
Als die Armada schließlich im Mai 1588 Lissabon verließ, umfaßte sie 130 Schiffe. Jedoch waren darunter nur 24 größere Kriegsschiffe, während der Rest aus bewaffneten Handelsschiffen, Versorgungsschiffen, Truppentransportern, Vorposten und kleinen Depeschenschiffen bestand.16 Man plante eine Invasion Englands, da ein Seesieg ohne sonderliche Bedeutung gewesen wäre. Die erforderlichen Truppen hierfür wurden nur zum geringeren Teil von der Halbinsel aus verschifft. Der Großteil unter General Parma sollte in den Niederlanden aufgenommen werden.
Die Flotte Englands hingegen baute sich zwar ähnlich auf, bestand aber aus 197 Schiffen, war wendiger und an Tonnage und Feuerkraft überlegen, wenn auch schwächer bemannt.
Am 20. Juli kam die Armada vor Plymouth in Sicht. Zu dieser Zeit hatte sie bereits nur noch einen Umfang von 124 Schiffen. Flottenkommandant Herzog von Medina Sidonia - ein Administrator ohne Marineerfahrung - ließ die Flotte einen nach hinten offenen Halbmond formen, an dessen Flanken und Spitzen die stärksten Schiffe Segeln sollten, um die anderen schützen zu können. Obwohl man nur sehr langsam im Ärmelkanal vorankam und die Engländer immer wieder Angriffe unternahmen, hielt man die Formation aufrecht und erreichte fast vollständig nach sieben Tagen Calais, wo die Einschiffung der Landtruppen abgewartet werden sollte. Die Armada hatte jedoch einen Großteil des Vorrats an Kanonenkugeln verschossen.
Um die Flotte effektiv anzugreifen, hatten die Engländer in Dover sogenannte Brander vorbereitet - mit Pech gefüllte Boote, die man entzündet und auf feindliche Schiffe zutreiben läßt, damit sie Feuer fangen. Da Dover aber zu weit entfernt lag und man sich die Chance nicht entgehen lassen wollte, opferten Vizeadmiral Drake und sieben weitere Commodores je ein Kriegsschiff. Diese wurden in der Nacht zum 29. Juli in Brand gesetzt und auf die Armada zugesteuert. Die Pinassen, die in solchen Fällen die Brander ablenken sollten, waren mit den großen Schiffen überfordert. Sechs erreichten die Armada und stifteten Panik. Man flüchtete kopflos aufs offenes Meer.
Da die Rückfahrt nach Süden für die Flotte wegen Gegenwinds unmöglich schien, umsegelte man die Britischen Inseln, wobei man mehr Verluste hinnehmen mußte, als insgesamt zuvor durch die Engländer. Nur die Hälfte der Schiffe und ein Drittel der Besatzungen erreichten ihr Heimatland.

Drakes letzte Fahrten
Philipp II. hatte aus Drakes frühen Überfällen auf spanische Städte in Amerika gelernt und sie erheblich in ihren Festungsanlagen verstärken lassen. So wurden Drake und Hawkins nach erfolglosen Angriffen auf Panama, Puerto Rico, Cartagena und Porto Bello immer wieder vertrieben. Drake erkrankte und strarb am 28.1.1596 als Admiral in der Bucht von Porto Bello, sein Vetter und viele weitere Expeditionsteilnehmer folgten ihm.
Die Reste der Flotte erreichten England nur unter Mühen und zwei Monate später, als geplant.
Fazit
Sir Francis Drake war der wohl berühmteste Seefahrer des elisabethanischen Zeitalters. Sicher nicht zu unrecht, wenn man seine nautischen Leistungen betrachtet und verfolgt, wo er überall gewesen ist. So wurde die Meerenge zwischen Kap Hoorn und der Antarktis nach ihm benannt, da er sie als erster durchfuhr.
Drake wurde zu einem der gefährlichsten und erbittertsten Gegner Spaniens. Grund hierfür mag vor allem der Verrat von San Juan gewesen sein.
Obwohl sein Schiff, die Golden Hind kein eigentliches Kriegsschiff war - zu ihrer Bestückung zählten lediglich 18 Kanonen - konnte er anfangs doch erhebliche Erfolge gegen seinen Erzfeind Spanien erringen. Er sah ein Schiff als eine Kampfeinheit an, nicht bloß als einen Transporter von Landtruppen. Schon das brachte ihm einen taktischen Vorteil gegenüber den Spaniern.
Allerdings fiel es ihm - ebenso wie den meisten anderen englischen Kapitänen auch - schwer, eine größere Flotte zu befehligen. Er war dazu zu sehr ein Eigenbrötler und Abenteurer. Wer seine Pläne störte, hatte keinen leichten Stand. So ließ er an der Küste Patagoniens einen freiwillig mitgefahrenen Adligen aufhängen, der wohl für Unruhe an Bord gesorgt hatte.

Jetzt könnte man darüber streiten, ob er ein Pirat war, da er einen Kaperbrief der englischen Königin hatte. Für die Spanier war er sicher einer.

auszugsweise aus http://user.cs.tu-berlin.de/~ohherde/historie.html

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Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.
(Ingeborg Bachmann)

Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

23.08.2009 16:48
#5 RE: Piraten antworten

Sir Henry Morgan


Bedingt durch die Natur ihrer Tätigkeit überrascht es nicht, dass Piraten, Bukaniere und Freibeuter selten die Ehre erlangten, den Titel "Sir" vor ihrem Namen zu tragen. Doch Henry Morgan erhielt diesen Titel. Er wurde 1674 von König Charles II. zum Ritter geschlagen. Henry Morgan wurde 1635 in Glamorgan, Wales geboren. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Er trat der englischen Marine bei und beteiligte sich 1655 an der Eroberung Jamaikas und der Vertreibung der Spanier.

Im Kampf um die Vorherrschaft in der Neuen Welt, bediente sich England der Bukanier, den Freibeutern der Karibik. Henry Morgan schloss sich ihnen an und befehligte 1666 sein eigenes Schiff unter der Schirmherrschaft des Gouverneurs von Jamaika. Dank seiner Unverfrorenheit und seines taktischen Geschicks, gelangte er schnell zu Ruhm und Reichtum und wurde zum Schrecken der spanischen Kolonien. So plünderte er 1668 die Stadt Portobello, eine wichtige Hafenstadt, in der wertvolle Waren auf den Transport nach Europa warteten.
Morgans Piratencodex
Bald führte er die Bukanier an und war Urheber des sogenannten Piratencodex, den jeder Pirat unterschrieb. Darin war ein demokratisches Mitspracherecht bei der Kapitänswahl, der Anteil der Beute, sowie eine Entschädigung für etwaige Verwundungen festgelegt.
Sieg über Panama-Stadt

Seine erste große Eroberung war die Einnahme von Puerto Principe auf Kuba. Unzufrieden mit der Beute segelte er gleich weiter nach Panama:
1671 erlangte Morgan seinen größten Sieg. Er segelte mit 36 Schiffen, und 1200 Männern gegen Panama-Stadt. Zu dieser Zeit war Panama die wohl reichste Stadt der Welt. Zusammen mit Cartagena war sie das Sprungbrett für die spanischen Goldschiffe auf ihrem Weg nach Europa. Morgan segelte in den Hafen und dezimierte eine wesentlich größere Streitmacht, die vom örtlichen Gouverneur angeführt wurde. Morgan brannte die Stadt vollständig nieder und machte sich mit einer immensen Beute davon; dabei stahl er seiner Mannschaft einen großen Teil der Beute.
Der Angriff hatte nur ein paar Tage stattgefunden, nachdem Spanien und England einen Vertrag geschlossen hatten; Morgan wurde festgenommen und nach England gebracht.
Henry Morgan wird Judge of the High Court of the Admiralty
1674 brach zwischen Holland und England Krieg um die Kolonien aus. Morgans umfangreichen Kenntnissen und Fähigkeiten zu verdanken, dass er nicht nur begnadigt, sondern geadelt wurde und als Vizegouverneur nach Jamaika zurückkehrte.

Er sollte dort die Kontrolle über die Bukanier erringen. Als Judge of the High Court of the Admiralty machte er unerbittlich Jagd auf ehemals verbündete Piraten.
Trunksucht & Tod
Er war ein angesehener Mann und besaß große Reichtümer, denn er hatte seine Mannschaft um einen Großteil der Beute von Panama betrogen. Allerdings verfiel Sir Henry Morgan der Trunksucht. Er starb am 25. August 1688 wahrscheinlich an den Folgen des Alkoholkonsums oder einer Tuberkulose. Von Reue und schlechtem Gewissen geplagt, vermachte er einen großen Teil seines Vermögens der Kirche, da er zwar verheiratet war, aber keine Kinder hatte. Seines genialen Geistes und seines politischen Geschicks wegen geschätzt, erhielt er ein Staatsbegräbnis in Port Royal. Sein Grab sowie die Stadt wurden 1696 bei einem Erdbeben zerstört.

Während seiner Karriere plünderte und brandschatzte Morgan die Bahamas und vergrub dort angeblich viele Schätze (was ja fälschlicherweise von vielen Piraten behauptet wird). "Morgan´s Bluff", der höchste Punkt der Insel Andros, wurde nach ihm benannt. Dort hatte er, so wird erzählt, eine Laterne aufgehängt, um ein ahnungsloses Schiff auf das nahegelegene Riff zu locken, wo er es dann ausplünderte, nachdem es gestrandet war.


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Centurio Classicus Offline




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30.08.2009 01:05
#6 RE: Piraten antworten

Anne Bonny

Anne Bonney und Mary Read

Einige bezeichnen sie als Feministin, die das Piratenleben als Möglichkeit der Rebellion gegen eine von Männern dominierte Welt wählte; andere porträtieren sie als Wildfang, der nie erwachsen wurde.

Was auch immer ihre Motive waren, tatsächlich war Anne Bonny die verrufenste weibliche Piratin der Geschichte, eine Plünderin, Halsabschneiderin, Lösegelderpresserin, Räuberin und damit die Hauptbedrohung des Seehandels in der Karibik. Kurz gesagt, die meisten Piraten hätten sie wahrscheinlich als ein Aktivposten für ihr Gewerbe angesehen.

Anne Bonny wurde in den späten 1690er Jahren in Kinsale, Irland geboren. Sie war die Tochter eines mittellosen Dienstmädchens und ihres Arbeitgebers, eines wohlhabenden Juristen. Nachdem ihre Liebschaft entdeckt worden war, flüchteten die beiden nach Amerika und etablierten sich dort als angesehene Plantagenbesitzer in South Carolina. Für die junge Anne war das ländliche Plantagenleben viel weniger verlockend als die Geschichten, die sich um den nahegelegenen Hafen von Charleston rankten, einem sehr bekannten Piratenschlupfwinkel. Dort traf sie einen unbedeutenden Piraten namens James Bonny, den sie heiratete und mit dem sie nach New Providence (heute bekannt als Nassau) ging.

War Charleston eine Piratenhöhle, so konnte New Providence als Hauptstadt des Unheils angesehen werden. Piraten beherrschten praktisch zu dieser Zeit die Stadt. Umgeben von legendären Personen wie Charles Vane und Calico Jack Rackham (der angeblich das Piratensymbol aus einem Totenschädel und gekreuzten Knochen erfand), hatte James Bonny große Schwierigkeiten damit, die Aufmerksamkeit seiner Frau auf sich zu lenken. Anne verließ ihren Mann bald und wendete sich Rackham zu und heuerte auf seinem Schiff an. Da die Piratengesetze keine Frauen an Bord erlaubten, verkleidete sie sich als Mann und kämpfte geschickt Seite an Seite mit dem Rest der Mannschaft. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt wurde, und gemäß einer Legende bezahlte der erste Schiffskamerad, der seinen Ärger darüber ausdrückte, eine Frau an Bord zu haben, mit dem Leben für seine Meinung: Anne tötete ihn mit einem Stich ins Herz.

Wie fürchterlich die Anwesenheit einer Frau für Rackhams Crew auch gewesen sein mochte, verblüffenderweise war Anne Bonny nicht das einzige weibliche Besatzungsmitglied. Ebenso als Mann verkleidet war eine Frau namens Mary Read an Bord des Schiffes, und die beiden wurden schnell zu Freundinnen. Die beiden teilten ihr Geheimnis mit Rackham, und das Trio verwüstete fröhlich fast ein Jahr lang die Karibik bis Bonny schwanger wurde. Nachdem sie auf Kuba ein Kind zur Welt gebracht hatte, kehrte sie, dieses zurücklassend, auf das Schiff zurück. Ironischerweise sollte es eine andere ungewollte Schwangerschaft sein, die später ihr Leben rettete.

1720 wurde Rackhams Schiff von einem vom Gouverneur der Bahamas (Woodes Rogers) angeheuerten Piratenjäger aufgebracht. Während des Kampfes kauerte Rackham anscheinend mit den meisten Crewmitgliedern im Frachtraum, während die beiden Frauen an Deck blieben und versuchten, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Nach ihrer Gefangennahme wurden Rackham und seine Männer gehängt. Bonny und Read waren zu diesem Zeitpunkt beide schwanger und sie entkamen der Exekution durch "Plädieren mit ihren Bäuchen" ("pleading their bellies.") Read wurde dazu verurteilt, nach ihrer Geburt hingerichtet zu werden, aber bevor dieses Urteil vollstreckt werden konnte, starb sie im Gefängnis an einem Fieber. Irgendwie wurde Bonny ein Aufschub gewährt, und was danach mit ihr geschah, ist völlig unbekannt. Einige behaupten, sie sei zu ihrem Vater oder zu ihrem Mann zurückgekehrt, andere behaupten, sie habe ihr Leben als Piratin weitergeführt. Was immer sie auch tat, ihre legendärsten Worte waren wohl die, die sie Calico Jack am Abend seiner Hinrichtung sagte: "I'm sorry to see you here, Jack, but if you'd have fought like a man you needn't hang like a dog." ("Es tut mir leid, dich hier zu sehen, Jack, aber wenn du wie ein Mann gekämpft hättest, müßtest du jetzt nicht wie ein Hund hängen.")

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Centurio Classicus Offline




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30.08.2009 01:07
#7 RE: Piraten antworten

Mary Read

Mary Read wurde 1690 in London als Tochter eines Matrosen geboren, der nach einer Fahrt nicht mehr zurückkehrte. Die alleinstehende und mittellose Mutter erzog das Mädchen wie einen Jungen, damit es sich in der damaligen Männergesellschaft besser zurechtfände. Im Alter von 13 Jahren arbeitete Mary als Laufbursche für eine reiche Französin. Diesen Job hängte sie aber schnell an den Nagel und heuerte als Mann verkleidet auf einem Kriegsschiff an. Einige Jahre später gab sie die Seefahrt auf, aber nur, um beim Heer in Flandern zu kämpfen. Im Gefecht fiel sie durch ihre Tapferkeit auf. Als sie sich später den berittenen Truppen anschloß, verliebte sie sich in den jungen Corporal Max Studevand. Ihm vertraute sie ihr Geheimnis an und heiratete ihn. Gemeinsam eröffneten sie das Gasthaus 'Three Horseshoes' in der Nähe von Castle Breda.
Im Jahre 1716, sechs Jahre nach der Heirat, verstarb ihr Ehemann. Wieder einmal zog sich Mary Männerkleider an und heuerte auf einem holländischem Sklavenhändler mit Kurs auf die Karibik an. Auf den Weg dorthin wurde ihr Schiff von dem berühmten Piraten Calico Jack Rackham überfallen. Da Mary Read dem Sklavenhandel keine positive Seite abgewinnen konnte, schloß sie sich den Piraten an.
Das Schicksal wollte es, das sich unter Calico's Crew eine andere bekannte Piratin, Anne Bonny, befand. Diese fand Gefallen an dem vermeintlichen jungen Mann. Mary vertraute Anne ihr Geheimnis an und die beiden wurden Freundinnen.
Später verliebte sich Mary in einen Seemann, welcher nach einem Überfall bei der Piratencrew blieb. Sie heirateten. Die Flitterwochen währten aber nur kurz, da Rackham's Schiff 'Revenge' 1720 von einem Kriegsschiff angegriffen wurde, als sie vor Jamaika ankerten. Die angeheiterte Mannschaft verkroch sich feige unter Deck, nur die beiden Frauen leisteten erbitterten Widerstand. In ihrer Wut schoß Mary auf ihre eigenen Piratenkameraden und tötete einen.
Schließlich wurden Mary, Anne, Calico Jack und die Crew gefangengenommen und am 28. November 1720 in St. Jago de la Vega zum Tode durch den Strang verurteilt. Mary's Hinrichtung wurde jedoch aufgeschoben, da sie zum Zeitpunkt ihrer Verurteilung schwanger war. Während ihres Gefängnisaufenthaltes starb sie an einem Fieber und entkam so dem Tode durch Erhängen.

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(Ingeborg Bachmann)

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