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Dieses Thema hat 34 Antworten
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 Nordamerika
Seiten 1 | 2 | 3
Tribunus Laticlavius Offline




Beiträge: 7.376

16.08.2009 22:16
RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Indianer Nordamerikas

Zu den Indianern Nordamerikas werden üblicherweise sämtliche Indianer nördlich von Mexiko gezählt. Dies beinhaltet das Staatsgebiet Kanadas, wo sie First Nations genannt werden und die USA, wo sie als Native Americans oder American Indians bezeichnet werden. Heute sind in den USA 562 Stämme anerkannt (davon allein 225 in Alaska), in Kanada 615, wobei das Department of Indian Affairs and Northern Development insgesamt 632 aufführt. Ausgenommen sind dabei die Ureinwohner Hawaiis, die Inuit, Unangan und Dorset, die sich genetisch und kulturell stark von den nordamerikanischen Indianern unterscheiden. Ebenfalls nicht zu den Indianern gezählt werden Ethnien wie die Métis.

Eine Eigenart der nordamerikanischen Indianer ist, dass sich Völker derselben Sprachgruppe weder kulturell ähnlich, noch räumlich nah sein müssen. Die nordamerikanischen Indianergesellschaften unterschieden sich kulturell erheblich. Es gibt demokratisch organisierte Stämme mit Ältestenrat, Stammesrat und Ratsfeuer wie die Irokesen, zum anderen monarchisch organisierte Stämme wie Wampanoag oder Powhatan. Kulturen wie die der Nuu-chah-nulth basieren auf der Jagd, andere auf Reiternomadentum oder Ackerbauern.

Das Oberhaupt eines Stammes wird in den verschiedenen europäischen Sprachen, die mit den Indianern in Berührung kamen, unterschiedlich tituliert: Chief (englisch), Sachem (französisch) oder Kazike (spanisch: cacique). Im Deutschen übersetzt man diese Titel als Häuptling. Die Bezeichnung wurde später auch auf Stämme übertragen, die keine herausgehobenen Führer hatten. Bei Prärieindianern wie den Absarokee waren alle erfahrenen Krieger als Chief anerkannt.


Indianerstämme in den USA beim ersten Kontakt mit Europäern

Kolonialgeschichte

Nach der ersten Reise von Christoph Kolumbus im Jahre 1492 nach Amerika wanderten immer mehr Europäer nach Amerika ein. Allein zwischen 1620 und 1770, also bis knapp vor der amerikanischen Unabhängigkeit, stieg die weiße Bevölkerung in den USA von 2.000 auf über 2,2 Millionen an. Dies führte zu Landstreitigkeiten zwischen Weißen und Indianern und zu einer starken Wandlung der indianischen Kulturen.

Die europäischen Kolonialmächte verhielten sich den indianischen Völkern gegenüber unterschiedlich. Dies wird am Beispiel der französischen und englischen Kolonialpolitik deutlich. Die Franzosen begegneten den befreundeten Indianern mit Geschenken und mit Handel, die Engländer versuchten ihren Einfluss in Nordamerika dank Verträgen mit indianischen Völkern auszuweiten. Beide Mächte zögerten nicht, gegen feindliche Indianer in den Krieg zu ziehen, wenn sie ihre Ausdehnung von indianischen Völkern behindert sahen.

Mit den ersten europäischen Kolonisten zogen christliche Missionare unterschiedlicher Glaubensrichtungen nach Amerika. Sie setzten ihren Glauben oft mit Gewalt durch. Indianer mussten ihren traditionellen Glauben zu Gunsten des Christentums aufgeben. Da Religion und Kultur untrennbar miteinander verbunden sind, hatte dies tiefe Eingriffe in die indianischen Kulturen zur Folge und trug zur Zerstörung dieser Kulturen bei.

Pelzhandel

Der Pelzhandel zwischen Euro-Amerikanern und Indianern nimmt eine wichtige Rolle in der amerikanischen Kolonialgeschichte ein. Die europäischen Einwanderer hatten großen Bedarf an Pelzen für den heimischen Markt. Besonders Otter- und Biberpelze waren für Kopfbedeckungen sehr begehrt. Die weißen Händler tauschten die Pelze bei den Indianern ein oder kauften sie weißen Fallenstellern (Trapper) ab. Oft stießen die Fallensteller in bisher für die Einwanderer unbekanntes Gebiet vor und trugen so erheblich zur Erkundung Amerikas bei. Die Weißen waren an Handelskoalitionen mit indianischen Stämmen nicht nur aus ökonomischen sondern auch aus politischen Gründen interessiert, brauchten sie doch diese Allianzen im Kampf um die koloniale Vormachtstellung in Amerika. Für die Indianer brachte der Pelzhandel erhebliche Änderungen der Machtverteilung mit sich. Wer sich eine gute Position im Pelzhandel sichern, und damit europäische Güter wie zum Beispiel Feuerwaffen einhandeln konnte, war klar im Vorteil. Der Pelzhandel brach im 19. Jahrhundert zusammen. Gründe waren die Ausrottung der Pelztiere an vielen Orten Nordamerikas und die Änderung der Hutmode in Europa.

Neue Waffen

Die europäischen Einwanderer brachten nach 1492 verschiedene Kulturgüter mit sich, die das Leben der Indianer nachhaltig veränderten. Die Anwendung von Metallspitzen auf Speeren und Pfeilen führte zu ersten Kräfteverschiebungen unter den indianischen Nationen. Früher hatten sie Steinspitzen aus Granit oder anderen harten Steinen gebaut. Regelrechte Völkerwanderungen wurden jedoch durch die ungleichmäßige Einführung von Feuerwaffen entlang der nordamerikanischen Ostküste und von der Hudson Bay aus ausgelöst. Stämme, die zuerst Feuerwaffen erhielten, konnten benachbarte Stämme oft völlig aus ihren angestammten Gebieten vertreiben, was zu regelrechten Domino-Effekten führte. Später berühmt gewordene Stämme wie die Lakota oder die Cheyenne waren ursprünglich sesshafte Bewohner des östlichen Waldlandes, bevor mit Feuerwaffen ausgestattete Nachbarn sie verdrängten. Solange Vorderlader verwendet wurden, hatten Feuerwaffen vor allem einen psychologischen Vorteil und eine größere Reichweite als Pfeil und Bogen, waren jedoch Pfeil und Bogen in puncto Feuergeschwindigkeit stark unterlegen.


Tauschhandel mit Indianern, Kupferstich, 17. Jahrhundert

Noch 1866 erlangten größtenteils mit Pfeil und Bogen bewaffnete Lakota und Cheyenne entscheidende Siege gegen US-Truppen. Bereits im Folgejahr, als die US-Armee mit Repetiergewehren ausgestattet war, änderte sich dies schlagartig. Dem rücksichtslosen Einsatz von industriellen Tötungsmitteln gegen Männer, Frauen und Kinder wie Gebirgshaubitzen, Hotchkiss-Schnellfeuerkanonen, die 100 Schuss pro Minute abfeuerten, sowie Gatling-Kanonen, einer frühen Form des Maschinengewehrs, hatten die Indianer nichts entgegenzusetzen.

Pferde

Die frühen spanischen Einwanderer führten Pferde mit sich, die sich rasch in Nordamerika verbreiteten und von vielen Indianervölkern in ihre Kultur integriert wurden. Besonders für die nomadischen Völker der Great Plains wurden die Pferde zu einem zentralen Gut (Sacred Dogs). Sie konnten die Travois und damit auch die Tipis der Prärieindianer erheblich vergrößern, waren mobiler und konnten sich in Gegenden ausbreiten, die früher unbewohnbar waren. So wurde ein großer Teil der Plains, das karge Grasland, erst nach Einführung des Pferdes besiedelt. Diese machten auch die vorher sehr mühsame Jagd auf die dort lebenden Bisons wesentlich einfacher. Ehemals kleine und schwache Stämme wie die Comanche, Lakota oder Cheyenne wurden zu erheblichen Machtfaktoren in den Plains.


Travois der Cheyenne

Massensterben durch Infektionskrankheiten

Sehr viele Menschen der indianischen Bevölkerung verstarben auch an von Einwanderern eingeschleppten neuen Infektionskrankheiten, gegen die das Immunsystem der Indianer noch nicht gerüstet war.

Man geht davon aus, dass etwa 90% der Indianer aufgrund dieser Krankheiten starben.

Indianerpolitik

Die Indianerpolitik der Vereinigten Staaten und Kanadas war gezeichnet vom Wunsch der weißen Siedler nach Land und der folglichen Unterwerfung der Indianer. Im Jahre 1763, noch vor der Gründung der USA, entstand durch den Proclamation Act erstmals ein separates Indianer-Territorium, das die Indianer im Wesentlichen von den europäischen Auswanderern trennte. Das Gesetz trennte das Land entlang der Wasserscheide der Appalachen: Der westliche Teil wurde den Indianern zugeschrieben, der östliche den Weißen. Der Indian Removal Act von 1830 autorisierte den amerikanischen Präsidenten, die östlich des Mississippi lebenden Indianer nach Westen umzusiedeln, notfalls mit Gewalt. 1834 wurde Oklahoma offiziell zum Indianer-Territorium deklariert. In den Jahren 1838-39 kamen bei der Umsiedlung der Cherokee vom Gebiet des Ohio Rivers nach Oklahoma von 10.000 Cherokee rund 4.000 ums Leben. Insgesamt wurden rund 50.000 Indianer unterschiedlichster Stämme des Ostens nach Oklahoma umgesiedelt. Dies führte zu Konflikten mit den traditionell dort ansässigen Indianerstämmen.

Ende des 19. Jahrhunderts hatten die europäischen Einwanderer sämtliche Indianer unterworfen. Hierbei spielten verschiedene Faktoren eine Rolle und wurden unterschiedliche Mittel eingesetzt: Indianerkriege, Umsiedlung, übermäßig viele weiße Siedler, eingeschleppte Krankheiten, gebrochene Verträge und gezielte Ausrottung der Bisons als Lebensgrundlage vieler Indianer. Das Massaker von Wounded Knee im Jahre 1890 markiert den endgültigen Sieg über die Indianer; seitdem lebten sie in Reservaten und waren von den Lebensmittelrationen der Weißen abhängig.

Tribunus Laticlavius Offline




Beiträge: 7.376

16.08.2009 22:28
#2 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Traditionelle Kultur

Als Christoph Columbus Amerika bereiste, lebten im Gebiet der heutigen USA etwa 500 indianische Ethnien mit rund 175 verschiedenen Sprachen. Einige davon lebten als sehr kleine Jäger- und Sammler-Gruppen, andere als hoch entwickelte landwirtschaftliche Nationen, die sich aber nicht mit der Größe von europäischen Staaten vergleichen lassen. Zu Zeiten ihres Zenits übertraf ihre Größe selten 60.000 Personen. Die meisten Gruppen umfassten nur einige hundert. Im 16. Jahrhundert war die Tendenz zu größeren politischen Einheiten erkennbar. Trotzdem kam es immer wieder zu Aufteilungen. Die jeweilige autoritäre Führungskraft war abhängig vom ihr entgegengebrachten Respekt. Die Mitglieder eines Stammes konnten nicht gezwungen werden zu bleiben. Bei Unstimmigkeiten verließen sie ihre Gruppe, um sich entweder einer anderen Gruppe anzuschließen oder um eine eigene Gruppe zu bilden. Dieses System stärkte das Verantwortungsbewusstsein des Führers gegenüber seinem Volk.


Wickiup der Apachen

Die meisten nordamerikanischen Indianerstämme hatten ihre klar voneinander abgegrenzten Geschlechterrollen. Die Landwirtschaft und das Sammeln von Beeren und Wurzeln war meist Aufgabe der Frau, während das Jagen und der Krieg zur Rolle des Mannes zählten. Einige Stämme waren matrilinear organisiert, andere patrilinear. Bei vielen Stämmen bekannt und akzeptiert waren die „Two-Spirit-People“, meist homosexuelle Personen, welche in die Rolle des anderen Geschlechtes schlüpften, deren Kleidung trugen und deren Aufgaben erledigten. Zwei-Seelen-Menschen wurden oft überdurchschnittliche geistige Kräfte nachgesagt, waren hoch geachtet und nicht selten als Schamanen tätig.

Einige kulturelle Elemente waren im ganzen Kontinent verbreitet: So glaubten viele Indianer an Tiergeister, an das visionäre Fasten und an den Mythos, dass Amerika auf dem Rücken einer Wasserschildkröte errichtet worden war.

Bedeutender als die Gemeinsamkeiten sind die kulturellen Unterschiede. Nordamerika wird im Allgemeinen in zehn Kulturareale eingeteilt. Die in der Arktis (Alaska und Grönland) wohnhaften Inuit und Aleuten lebten in Hütten aus Stein und Holz. Nur auf Reisen bauten sie Iglus. Beinahe das ganze heutige Kanada, bis zum Sankt-Lorenz-Strom, nahm die Subarktis ein. Die dort lebenden Athapasken und Algonkin ernährten sich im Gegensatz zu den Inuit und Aleuten nicht von Meerestieren sondern vor allem von Großwild. Die Völker der Nordwestküste sind bekannt für ihre geschnitzten Wappenpfähle und für die Potlatche, Feste, an denen großzügige Geschenke gemacht wurden. Darüber hinaus entwickelten sie eine Kultur auf der Basis der Jagd auf Meeressäuger, wie Robben und Wale. Zudem stellten sie als einzige Kleidung und sonstige Stoffe aus Holzfasern her, und trieben einen weiträumigen Handel. Weiter südlich an der Pazifikküste, im Kulturareal Kalifornien, aßen die Indianer nebst Wild und Meerestieren auch Wildfrüchte, besonders Eicheln. Sie stellten allerlei Flechtware her. Das Plateau liegt in den Rocky Mountains östlich der südlichen Nordwestküste, auf der heutigen Grenze zwischen den USA und Kanada. Bei den dortigen Indianern stand der Lachsfang und der Handel mit benachbarten Völkern im Zentrum. Südlich davon, im Großen Becken mussten die Bewohnter mit sehr kargen Bedingungen zurechtkommen. Sie waren Wildbeuter, lebten in kleinen Gruppen und kannten nur wenige Rituale. Noch weiter südlich, im Südwesten, gab es sowohl halbnomadische Sammler und Jäger als auch sesshafte Ackerbauern. Die sesshaften Pueblo-Völker wohnten ihn Pueblos aus Adobe und konnten dank ausgeklügelter Bewässerungssysteme Mais, Bohnen, Kürbisse und Baumwolle anpflanzen. Außerdem stellten sie Töpferwaren her. Andere Völker wie die Diné wohnten in Hogans oder hinter einfachen Windschirmen. Die Prärien und Plains nahmen das Zentrum der heutigen USA ein und reichten bis ins südliche Kanada. Große Teile dieses Grasland-Gebietes waren erst bewohnbar, nachdem die früheren spanischen Kolonisten das Pferd hinterlassen hatten. Die nomadischen Prärieindianer zogen den großen Bisonherden nach und lebten in mobilen Tipis. Der östliche Teil der heutigen USA teilte sich in das Nordöstliche und Südöstliche Waldland. Hier herrschten teilweise mächtige Nationen. Der Nordosten wurde von weiten Wäldern bestimmt. Nebst dem Anbau von Mais, Bohnen und Kürbissen ernteten einige Völker Wildreis. Im Südosten lebten besonders die fünf zivilisierten Nationen in matrilinearen Sippen, die in totemistische Klane organisiert waren. Im Gegensatz zu vielen anderen indianischen Gruppen glaubten sie nicht an Naturgeister sondern waren Monotheisten.


Medizinmann Little Big Mouth vor seinem Tipi in Oklahoma

Die Einteilung in Kulturareale deckt sich nicht mit den Sprachgruppen. So lebten beispielsweise athapaskische Gruppen in der Subarktis wie auch im Südwesten.

Außer den Chroniken einiger Prärievölker, welche das jeweils wichtigste Ereignis eines Jahres mit Symbolen festhielten, und Walam Olum, der mit Bilderschrift auf Baumrinde geschriebenen Stammes-Chronik der Lenni Lenape, kannten die präkolumbischen nordamerikanischen Indianer weder Alphabet noch Schriften. Indianische Überlieferung erfolgte daher hauptsächlich mündlich. Diese mündlichen Berichte sind einerseits von erstaunlicher Genauigkeit und reichen oftmals mehrere Generationen zurück, andererseits ist bei ihrer Deutung der kulturelle Kontext, insbesondere die Vermischung mit mythologischen Vorstellungen, in Rechnung zu stellen.

Sprachgruppen

Die nordamerikanischen Ureinwohner sprechen eine Vielzahl von indigenen Sprachen, zu deren wissenschaftlicher Einteilung und Abgrenzung bislang keine Einigkeit besteht.

Eine Sonderrolle spielen die Métis, Nachfahren vorwiegend französischer Einwanderer und indigener Frauen, die in Kanada als indigenes Volk anerkannt sind. Sie sprechen zum Teil Französisch, zum Teil Michif, eine dem Cree verwandte Sprache.


Verbreitung der indianischen Sprachen Nordamerikas beim ersten Kontakt mit Europäern

Quelle:
Wikipedia

Tribunus Laticlavius Offline




Beiträge: 7.376

18.08.2009 15:33
#3 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Nordöstliches Waldland

* Abenaki, Abnaki, Aberginier, Wabanaki
- Östliche Abenaki
-- Arosaguntacook
-- Kennebec, Norridgewock
-- Penobscot
-- Pigwacket
- Westliche Abenaki
-- Arsigantegok
-- Cowasuck
-- Missisquoi
-- Penacook
-- Sokoki
* Aberginier (s. Abenaki)
* Accomac (s. Powhatan-Konföderation)
* Algonkin
* Andaste (s. Susquehannock)
* Anishinabe, Ojibwa, Chippewa
* Arosaguntacook (s. Abenaki)
* Arsigantegok (s. Abenaki)
* Beothuk
* Canawese (s. Conoy)
* Canarsee (s. Metoac)
* Cayuga (s. Irokesen)
* Chesapeake (s. Powhatan-Konföderation)
* Chickahominy
* Chicora (s. Shakori)
* Chippewa (s. Anishinabe)
* Christliche Munsee (s. Lenni Lenape)
* Conestoga, (s. Susquehannock)
* Conoy, Canawese, Piscataway
* Corchaug (s. Metoac)
* Coree
* Cowasuck (s. Abenaki)
* Delaware (s. Lenni Lenape)
* Erie
* Etchemin (s. Maliseet)
* Fox
* Ho-Chunk, Winnebago
* Housatonic (s. Mohikaner)
* Huronen (s. Wyandot)
* Illinois
* Irokesen
- Cayuga
- Mohawk
- Oneida
- Onondaga
- Seneca
- Tuscarora
--Meherrin
--Nottoway
* Kennebec (s. Abenaki)
* Khionontateronon, Petun, Tabak, Tionontati, Tobacco
* Kickapoo
* Kitchawank (s. Wappinger-Konföderation)
* Lenape (s. Lenni Lenape)
* Lenni Lenape, Lenape, Delaware, Delawaren
- Munsee
-- Christliche Munsee, Mährische Indianer
- Unalachtigo
- Unami
* Mahican (s. Mohikaner)
* Mährische Indianer (s. Lenni Lenape)
* Malecite (s. Maliseet)
* Maliseet, Malecite, Etchemin
* Manhanset (s. Metoac)
* Manhattan (s. Wappinger-Konföderation)
* Mascouten
* Massapequa (s. Metoac)
* Matinecock (s. Metoac)
* Mattaponi (s. Powhatan-Konföderation)
* Merrick (s. Metoac)
* Mascouten
* Massachusett
* Mattabesic (s. Wappinger-Konföderation)
* Meherrin (s. Irokesen]
* Menominee, Mönnetarier
* Metoac
- Canarsee
- Corchaug
- Manhanset
- Massapequa
- Matinecock
- Merrick
- Montaukett
- Nesquake
- Patchogue
- Rockaway
- Shinnecock
- Unquachog
* Miami
- Piankashaw
- Wea
* Micmac (s. Mi'kmaq)
* Mi'kmaq, Micmac, Tarrantiner
* Mingo
* Minqua (s. Susquehannock)
* Missisquoi (s. Abenaki)
* Mohawk (s. Irokesen)
* Mohegan (s. Mohikaner)
* Mohikaner
- Mahican
- Housatonic
-- Stockbridge
- Mohegan
- Pequot
* Mönnetarier (s. Menominee)
* Monacan
* Montauk (s. Montaukett)
* Munsee (s. Lenni Lenape)
* Nanticoke
* Narraganset
* Nansemond (s. Powhatan-Konföderation)
* Nauset (s. Wampanoag)
* Nesquake (s. Metoac)
* Neutral
* Nipissing
* Nipmuck
* Nochpeem (s. Wappinger-Konföderation)
* Norridgewock (s. Abenaki)
* North-Carolina-Algonkin
* Nottoway (s. Irokesen)
* Östliche Abenaki (s. Abenaki)
* Ojibwa (s. Anishinabe)
* Oneida (s. Irokesen)
* Onondaga (s. Irokesen)
* Ottawa
* Pamunkey (s. Powhatan-Konföderation)
* Passamaquoddy, Etchemin
* Patchogue (s. Metoac)
* Paugussett (s. Wappinger-Konföderation)
* Pawtucket
* Penacook (s. Abenaki)
* Penobscot (s. Abenaki)
* Pequot (s. Mohikaner)
* Petun (s. Khionontateronon)
* Piankashaw (s. Miami)
* Pigwacket (s. Abenaki)
* Piscataway (s. Conoy)
* Pocumtuc
* Pokanoket (s. Wampanoag)
* Potawatomi
* Powhatan-Konföderation
- Accomac
- Chesapeake
- Mattaponi
- Nansemond
- Pamunkey
- Powhatan
- Werowocomoco
* Quinnipiac (s. Wappinger-Konföderation)
* Rappahannock
* Rockaway (s. Metoac)
* Sac (s. Sauk)
* Sauk, Sac
* Seneca (s. Irokesen)
* Shakori
* Shawnee
* Shinnecock (s. Metoac)
* Shoccoree (s. Shakori)
* Sintsink (s. Wappinger-Konföderation)
* Siwanoy (s. Wappinger-Kondöderation)
* Sokoki (s. Abenaki)
* Stockbridge (s. Mahican)
* Susquehannock, Andaste, Conestoga, Minqua
* Tabak (s. Khionontateronon)
* Taniteke (s. Wappinger-Konföderation)
* Tarrantiner (s. Mi'kmaq)
* Tionontati (s. Khionontateronon)
* Tobacco (s. Khionontateronon)
* Tunxis (s. Wappinger-Konföderation)
* Tuscarora (s. Irokesen)
* Unalachtigo (s. Lenni Lenape)
* Unami (s. Lenni Lenape)
* Unquachog (s. Metoac)
* Virginia-Algonkin
* Virginia-Konföderation (s. Powhatan-Konföderation)
* Wabanaki (s. Abenaki)
* Wampanoag
- Nauset
* Wappinger, (s. Wappinger-Konföderation)
* Wappinger-Konföderation
- Kitchawank
- Manhattan
- Mattabesic
-- Paugussett
-- Quinnipiac
-- Tunxis
- Nochpeem
- Sintsink
- Siwanoy
- Taniteke
- Wappinger
- Wecquaesgeek
* Wea (s. Miami)
* Wecquaesgeek (s. Wappinger-Konföderation)
* Wenro
* Werowocomoco (s. Powhatan-Konföderation)
* Westliche Abenaki (s. Abenaki)
* Winnebago (s. Ho-Chunk)
* Wyandot, Huronen

Tribunus Laticlavius Offline




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18.08.2009 15:38
#4 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Abenaki

Die Abenaki (auch Aberginier, Abnaki, Wabanaki oder Wippanap) waren eine Konföderation indianischer Völker gegen den militärisch starken Irokesenbund im Nordosten der USA und dem angrenzenden Kanada. Zu dieser Konföderation gehörten eine große Anzahl einzelner Stämme; die bekanntesten waren:

* Arosaguntacook (Androscoggin)
* Kennebec (Norridgewock)
* Maliseet (Malecite, Etchemin)
* Micmac
* Passamaquoddy
* Penacook
* Penobscot
* Pigwacket
* Sokoki

Die Zuordnung zur eigentlichen Abenaki-Stammesgruppe wird, unter der Berücksichtigung einer gemeinsamen Sprache und Kultur, allerdings enger gefasst. Das Handbook of North American Indians ordnet den eigentlichen Abenaki die folgenden Stämme zu:

* Östliche Abenaki
o Arosaguntacook
o Kennebec
o Penobscot
o Pigwacket

* Westliche Abenaki
o Arsigantegok
o Cowasuck
o Missisquoi
o Penacook
o Sokoki


Abenaki-Wigwam


Abenaki in historischer Tracht


Östliche Abenaki

Arosaguntacook

Die Arosaguntacook waren ein Algonkin sprechender Indianerstamm im nordöstlichen Nordamerika und gehörten der Abenaki-Konföderation an. Sie haben schon im 18. Jahrhundert ihre Identität verloren, weil die letzten Überlebenden zu benachbarten Stämmen zogen und sich mit ihnen vermischten.


Ehemaliges Siedlungsgebiet der Arosaguntacook

Name

Arosaguntacook oder Arossagunticook bedeutet in der Sprache der Östlichen Abenaki Fluss der Felsenwohnungen oder Fluss der Felsenzuflucht. Die Form Androscoggin ist wahrscheinlich eine veränderte Form des Namens eines ehemaligen Gouverneurs von Massachusetts, Edmund Andros. Der heutige Penobscot-Name für die Saint-Francis-Abenaki ist Alessikantek-eyak, denn die Arossaguntacook gehörten zu den Vorfahren der Bevölkerung von Saint Francis.

Siedlungsgebiet

Die Arosaguntacook lebten einst am Androscoggin River und seinen Nebenflüssen; das Wohngebiet erstreckte sich über den Süden des heutigen US-Bundesstaates Maine und reichte bis in das nordöstliche New Hampshire. Ihr Hauptdorf lag in der Nähe des heutigen Lewiston. Die Arosaguntacook gehörten gemeinsam mit den Pigwacket zu den südlichsten Stämmen der Abenaki und waren demzufolge die ersten, die Kontakt mit englischen Kolonisten in Neuengland hatten.

Geschichte

Sie hatten unter zahlreichen Kolonial- und Indianerkriegen, an denen sie ab 1675 teilnahmen, stark zu leiden, bis sie nach Kanada flüchten mussten. Ihr Dorf wurde 1690 von den Engländern niedergebrannt. Als die englischen Siedlungen den Fluss hinauf wucherten, wurden die an der Mündung lebenden Wawenoc nach Norden vertrieben und von den Arosaguntacook aufgenommen. Später mussten auch die beiden vereinigten Stämme weiter flussaufwärts ziehen und wurden von den dort lebenden Rocameca aufgenommen. Diese Wanderungen führten zu Verwirrung in den Aufzeichnungen verschiedener Autoren, so dass man die vereinigten drei Stämme allgemein nur noch mit dem Namen Arosaguntacook bezeichnete. Diese Stämme zogen gemeinsam mit den Pigwacket im Jahre 1725 nach Saint Francis in Kanada, nachdem sie im gleichen Jahr von John Lovewell vernichtend geschlagen worden waren. In Saint Francis waren sie bald der führende Stamm, ihr Abenaki-Dialekt wurde von den anderen Einwohnern übernommen und schließlich bezeichnete man die gesamten Einwohner als Arosaguntacook.

Eine englische Kommandotruppe, die Rogers' Rangers, unter Major Robert Rogers griff im Herbst 1759 im Franzosen- und Indianerkrieg das von 700 Indianern bewohnte Saint Francis an und tötete 200 Einwohner, während die übrigen flüchten konnten. Saint Francis wurde niedergebrannt, aber später kamen die Arosaguntacook zurück und bauten das Dorf neu auf.

Auch am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1784) und am Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812 beteiligte sich ein Teil der Arosaguntacook aus Saint Francis, dieses Mal aber auf der britischen Seite.

Tribunus Laticlavius Offline




Beiträge: 7.376

18.08.2009 15:39
#5 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Östliche Abenaki

Kennebec (Volk)

Die Kennebec, später auch Norridgewock genannt, waren ein Algonkin sprechender Indianerstamm im nordöstlichen Nordamerika, der sprachlich und kulturell zu den Östliche Abenaki gehörte. Sie waren Mitglied der Abenaki-Konföderation, haben aber schon im 18. Jahrhundert ihre Identität verloren, indem sie sich mit anderen Gruppen vermischten. Ihre Nachfahren findet man heute in den Indianer-Reservaten Wôlinak und Odanak in der kanadischen Provinz Québec.


Ehemaliges Wohngebiet der Kennebec

Name

Kennebec erscheint sowohl in der Veröffentlichung von Samuel Purchas 1617 als Kennebeke und bezeichnet ein Dorf, als auch in den frühesten französischen Quellen. Es bedeutet in Abenaki Kinipek und heißt Großes ruhiges Wasser oder Große Bucht. Wahrscheinlich bezieht es sich in erster Linie auf die Merrymeeting Bay. Der Name hat sich seitdem auf den ganzen Fluss und seine Bewohner ausgedehnt. Die Kennebec des 18. Jahrhunderts wurden gewöhnlich Norridgewock nach ihrem letzten verbliebenen Dorf genannt. Die Amaseconti waren eine Unterabteilung vom Sandy River, von denen die meisten 1704 nach Wôlinak in der kanadischen Provinz Québec umzogen. Die Wawenock waren die Bewohner von Bécancour, in Penobscot Wawinak genannt, das zweifellos Runde oder ovale Insel bedeutet, vielleicht nach einer naheliegenden Insel im Sankt-Lorenz-Strom; es jedoch ist ein Dorfname, keine Stammes- oder sprachliche Abteilung.

Lebensweise

Die Kultur der Kennebec ähnelte der Lebensweise der Algonkin im südlichen Neuengland. Weil sie zum großen Teil von Feldfrüchten, wie Mais, Bohnen und Kürbissen, lebten, lagen ihre Dörfer gewöhnlich an den fruchtbaren Flussufern. Das Anbaugebiet war in der Ausdehnung von der Größe und der Lage der Dörfer abhängig. Die Nahrung wurde durch Wild, Fisch und Wildpflanzen ergänzt. Der Anteil an Fisch und Meeresfrüchten wechselte mit der Ortslage der Dörfer. In unfruchtbaren Gegenden nutzte man oft Fisch als Dünger, um bessere Erträge an Mais zu bekommen.

Den größten Teil des Jahres lebten die Kennebec in Gruppen, die aus mehreren Großfamilien bestanden, verteilt über Jagdgebiete, die in der männlichen Linie vererbt wurden. Im Gegensatz zu den Irokesen waren die Abenaki und die meisten Neuengland-Algonkin patrilinear. Im Frühling und Sommer sammelten sich die Gruppen zum Pflanzen oder Fischen an bestimmten Orten an den Flussufern oder an der Küste. Diese Sommerdörfer waren manchmal befestigt, wenn es Krieg in der Region gab. Verglichen mit den Irokesen-Siedlungen waren die meisten Kennebec-Dörfer eher klein und wurden von durchschnittlich 100 Personen bewohnt. Manche Kennebec bauten ovale Langhäuser, doch die meisten wohnten während der Sommermonate in einem kuppelförmigen, mit Rinde oder gewebten Matten bedeckten, Wigwam. Zu Beginn des Winters teilten sich die Kennebec in kleinere Gruppen auf und zogen weiter ins Binnenland, wo sie in rindenbedeckten, kegelförmigen Wigwams lebten, die den Tipis der Plainsindianer ähnelten.

Die Abenaki sind eher eine geographische und linguistische, als eine politische Gruppierung. Vor dem Kontakt mit Europäern waren die einzelnen Stämme die Basis für eine politische Organisation. In Kriegszeiten sammelten sich gelegentlich mehrere Stämme unter einem starken Sachem, doch die Abenaki waren bekannt für das allgemeine Fehlen einer zentralen Führung. Sogar auf Stammesebene war die Autorität des Sachems begrenzt und bei wichtigen Entscheidungen, wie zum Beispiel über Krieg und Frieden, war normalerweise eine Versammlung aller Erwachsenen erforderlich. Die Abenaki-Konföderation wurde nicht vor 1670 gegründet, und das nur als Antwort auf die permanenten Kriege gegen Irokesen und englischen Kolonisten. Sogar diese Tatsache veränderte nicht viel, denn aus Beschwerden in Berichten französischer Offiziere geht hervor, dass die Abenaki-Führer oft Probleme mit der Kontrolle über ihre Krieger hatten.

In vielen Fällen erwies sich das Fehlen einer zentralen Autorität als vorteilhaft für die Kennebec. Im Falle eines Krieges konnten die Einwohner ihre Dörfer schnell verlassen und sich in kleinere Gruppen aufteilen, um sich später in sicherer Entfernung zu den Feinden wieder zu vereinigen. Es war eine Strategie, die sowohl die Irokesen als auch die Engländer bei wiederholten Eroberungsversuchen verwirrte. Diese Strategie führte aber auch zur der Annahme, dass die Abenaki Nomaden seien. Weil die Abenaki in Kriegszeiten gewöhnlich nach Kanada flüchteten, vermutete die Regierung in Neuengland, dass es sich um kanadische Indianer handelte. Diese Annahme führte dazu, dass ein großer Teil ihres Landes in Maine, New Hampshire und Vermont ohne Gegenleistung besiedelt wurde. Nur die Penobscot und Passamaquoddy unterzeichneten Verträge und behielten etwas von ihrem traditionellen Land. Die anderen Abenaki wurden enteignet, blieben unbeachtet und lebten in kleinen Gruppen in ihrer traditionellen Heimat. Neuengland besitzt zahlreiche romantische Denkmäler, die an den Untergang der Ureinwohner erinnern sollen - ein Irrtum, weil sie nicht wirklich alle verschwunden sind.

Geschichte

Als Weiße das Tal des Kennebec Rivers erstmals betraten, begegneten sie Angehörigen des gleichnamigen Stammes. Der Sagamore der Kennebec lebte auf Little Swan Island, einer kleinen Insel im Kennebec River zwischen den heutigen Orten Richmond und Dresden in Maine, USA. Er trug den Titel Bashabes und von ihm oder seinen Vorfahren erhielt der Fluss und der Stamm seinen Namen. Vermutlich war der Wohnsitz des Sagamore stark befestigt. Die Überreste dieser Festung kann man noch heute sehen. Sie war aus Holzstämmen kreisförmig gebaut und hatte auf der Nordseite einen wahrscheinlich unterirdischen Eingang.

Die Kennebec waren in vier Stämme unterteilt und jeder wurde wiederum von einem Häuptling geführt. Bashabes aber wurde als das Oberhaupt angesehen. Das Gebiet des Kennebec-Tales war unter den vier Stämmen aufgeteilt.

Die Sagadahoc bewohnten das Land zwischen Merrymeeting Bay und dem Atlantischen Ozean. Die Cussenock siedelten in der Gegend der heutigen Stadt Augusta. Die Tacconet besaßen die fruchtbare Region am Sebasticook River, einem Nebenfluss des Kennebec Rivers und die mächtigen Norridgewock bewohnten das heilige Tal des Norrigdewock Rivers.

Die Familien gaben den durch ihre Wohngebiete fließenden Gewässer besondere Namen. Der Kennebec River zwischen Merrymeeting Bay und dem Ozean wurde Sagadahoc genannt, zu Ehren des Stammes, der an seinen Ufern siedelte. Zwischen Merrymeeting und Skowhegan Falls trug der Fluss den Namen des Häuptlings Bashabes. Zwischen Skowhegan und Solon hieß der Fluss Aruntsook und von den Fällen bei Solon bis zum Moosehead Lake nannte man ihn Carratunk. Moosehead, die Quelle des Flusses, wurde Cerbon genannt, was großes Gewässer bedeutet.

Als die Weißen mit der Besiedlung der fruchtbaren Ufer des Kennebec Rivers begannen, mussten die Indianer weichen. Bashabes war gezwungen, seinen Sitz auf Little Swan Island zu verlassen und das indianische Dorf Cushnuc bei Augusta wurde verwüstet. Die Überreste der vier Stämme richteten eine Petition an den britischen Gouverneur von Maine. Doch die Bitte, am Oberlauf des Flusses friedlich leben zu dürfen, wurde schließlich abgelehnt und im August 1724 vertrieb man die letzten Kennebec nach Kanada.

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18.08.2009 15:39
#6 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Maliseet

Die Maliseet (frz.Étchemin) sind ein nordamerikanischer Indianer-Stamm. Sie sprechen eine Sprache, die zur Algonkin-Sprachfamilie gehört. Ihre Heimat liegt im heutigen US-Bundesstaat Maine und den angrenzenden kanadischen Provinzen Québec und New Brunswick.


Ehemalige Wohngebiete der Maliseet und heutige Wohnorte (rot)

Name

Der Ausdruck Étchemin ist unbekannten Ursprungs, vermutlich kommt er aus der Sprache der Algonkin oder Montagnais. Alle mit Étchemin bezeichneten Gruppen sprachen im 17. Jahrhundert untereinander verständliche Dialekte und wurden deshalb von den frühen Forschungsreisenden als ein Volk angesehen.

Der Begriff Amalecites war bis in das 20. Jahrhundert hinein eine übliche französische Bezeichnung für die Maliseet in Québec, während in Neubraunschweig die Namen Milicite und Melicite gebräuchlich waren. Frühe Ethnographen des 20. Jahrhunderts wählten Malecite, aber die heutigen Indianer bevorzugen Maliseet. Das Wort kommt aus der Mi'kmaq-Sprache und bedeutet Langsame Sprecher oder Gebrochen sprechende Leute. Die Maliseet aus Neubraunschweig nennen sich selbst Welastekwíyek, das Saint John River Volk oder einfach Saint John River Indianer bedeutet. Welàstekw ist der Maliseet-Name für den Saint John River und kann mit schöner Fluss übersetzt werden. Der Saint John River darf nicht mit dem St. Johns River in Florida verwechselt werden.

Wohngebiet und Umwelt

Samuel de Champlain traf im Jahr 1603 in der französischen Handelsstation in Tadoussac auf einige Maliseet-Krieger. Die ersten Kontakte der Maliseet zu Europäern hatte es jedoch schon mehr als 100 Jahre früher durch baskische, bretonische, normannische und portugiesische Fischer gegeben. Von Champlain stammt die Bezeichnung Étchemin. Ein Jahr später gebrauchte er den gleichen Namen für die Bewohner an den Mündungen des Saint John und St. Croix Rivers und behauptete, dass die Étchemin sich vom Saint John bis zum Kennebec River ausdehnten.


Samuel de Champlain, gemalt von Théophile Hamel (1870)

Die Grenze zwischen Kanada und USA behindert seit 1842 die Einheit der Maliseet- und Passamaquoddy-Gruppen, die kulturell nur geringe Unterschiede aufweisen. Die Maliseet waren Jäger des Binnenlandes und bewohnten das Einzugsgebiet des St. John Rivers in Neubraunschweig und Maine, während die Passamaquoddy Jäger der Meeressäugetiere waren und an den Küsten von Neubraunschweig und Maine lebten.

Landschaftlich besteht das frühere Wohngebiet der Maliseet überwiegend aus bewaldeten flachen Hügeln. Das Klima der von den Passamaquoddy bewohnten Küstengebiete wird durch die Fundybucht gemäßigt. Das von den Maliseet bewohnte Landesinnere besitzt diesen mäßigenden Einfluss nicht und hat mehr kontinentalen Charakter. Fisch und Wild gab es manchmal nicht ausreichend genug, um den Bedarf des eher spärlich bevölkerten Landes zu decken. So gab es Ende des 17. Jahrhunderts eine echte Hungersnot bei einigen Maliseet-Gruppen.

Kultur und Lebensweise

Der jährliche Zyklus und damit die Sorge für den Lebensunterhalt richtete sich nach den erreichbaren Nahrungsquellen. Im Frühling kehrten die Maliseet aus den Winterlagern in das zentrale Dorf zurück, um als erstes Mais zu pflanzen. Im Juni zogen sie auf eine der Inseln im Saint John River und schlugen dort ihr Lager auf, um Barsche und später Störe zu speeren. Im Sommer aßen die Maliseet Fisch, wilde Trauben und genießbare Wurzeln bestimmter Pflanzen. Im Herbst war der Mais reif; er wurde geerntet, getrocknet und in unterirdischen Gruben gelagert, die man mit Rinde abdeckte. Im Winter gingen Gruppen von jeweils etwa 8 bis 10 Männern auf die Elch- und Bärenjagd und durchquerten dabei ein Gebiet, das einen großen Teil von Maine, Neubraunschweig und die Gaspé-Halbinsel umfasste.

Die Maliseet hatten einen genauen, saisonbedingten Jagd- und Sammelplan:
Januar Jagd auf Robben
Februar/März Jagd auf Biber, Fischotter, Elch, Karibu und Bär
Ende März Fischfang (Fische, die zum Laichen die Flüsse hinaufkamen)
Ende April Fischfang auf Hering, Barsch, Stör, Lachs und das Sammeln der Eier der Kanadagans
Mai bis September Kabeljaufischen und Muscheln sammeln entlang der Küste und Einbringen der reifenden Sommerfrüchte
Ende September Aalfang
Oktober/November Jagd auf Biber, Bären und Elche
mitten im Winter Harpunenjagd in eisbedeckten Gewässern auf den laichenden Frostfisch (Microgradus tomcodus)

Mit der Ankunft der Europäer wurden die Maliseet zunehmend vom Pelzhandel abhängig. Otter, Biber und Bisamratte waren die Hauptpelzlieferanten, aber auch Elchfelle wurden gehandelt. Im späten Frühling kamen die Indianer zu den Handelsposten, in späteren Jahren zu vereinbarten Sammelstellen am Fluss, an denen die Pelzhändler den Fang kauften.

Auf Verlangen der Behörden bauten die Maliseet vermehrt Kartoffeln und Mais an, doch der Erfolg blieb aus. Sie suchten sich Jobs als Landarbeiter, Holzflößer, Korbmacher, Führer für Jäger und Angler oder als Stauer auf den Flussbooten aus. Viele setzten allerdings das Nomadenleben fort, sie lagerten in der Nähe von weißen Siedlungen, gingen von Haus zu Haus und verkauften ihre Waren. Landungsstellen von Fähren und Dampfern erwiesen sich als beliebte Handelsplätze. Ein guter Führer garantierte seinem Kunden die Jagdbeute und den Fang und machte so die traditionelle unbehinderte Winterjagd und das Fallenstellen unmöglich. Viele Maliseet wohnen heute in der Nähe weißer Siedlungen, stellen Spankörbe her und vertrauen auf die Mildtätigkeit der weißen Nachbarn. Im Frühling sammeln sie Geigenköpfe, das sind junge Farnwedel, die reißenden Absatz finden. Im späten Sommer werden Blaubeeren gepflückt und von September bis Oktober ist die arbeitsreiche Zeit der Kartoffelernte, in der viele Indianer aus der Region als Erntehelfer nach Nord-Maine und das angrenzende Neubraunschweig gehen.

Technologie

Die Maliseet waren äußerst geschickte Bootsbauer und stellten ein Birkenrinden-Kanu her, das ausgezeichnet an die Bedingungen in den zahlreichen Flüssen des Wohngebiets angepasst war. Es war leicht und konnte mühelos über die Portagen getragen werden, von denen die Wasserwege unterbrochen waren. Birkenrinde war bei den Maliseet ein vielfach angewendetes Material. Man gebrauchte sie für Behälter wie Kisten, Körbe, Eimer und Geschirr, und für die Außenabdeckung des Wigwams. Der Birkenrinden-Elchlockruf war ein unentbehrlicher Bestandteil der Jagdausrüstung. Birkenrinde diente als Regenbekleidung, auf Birkenrinde geschriebene Nachrichten zeigten dem Reisenden den Weg und Tote wurden in Birkenrinde bestattet.

Aus der schwarzen Esche werden Spankörbe gefertigt und an Touristen verkauft. Der kunstvolle Korb aus gefärbten Eschenspänen, häufig mit geflochtenem Süßgras dazwischen, und einem runden Boden wurde schon in früherer Zeit hergestellt. Das Herstellen eines kunstvollen Korbes ist Frauenarbeit, während die Männer den einfacheren Kartoffelkorb flechten. Früher wurden auch Axtstiele, Milchkannen und andere Haushaltsgegenstände aus dem Holz der weißen Esche geschnitzt. Der Verkauf dieser Holzartikel sicherte vielen Maliseetfamilien besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Lebensunterhalt. Außerdem fertigte man Schneeschuhe mit Rahmen aus weißer Esche und Bespannung aus Karibu-Leder. Die Herstellung von Schneeschuhen und Toboggans war früher eine wichtige Heimarbeit. Eine Verdienstmöglichkeit stellt noch heute das Anfertigen und Reparieren von Kartoffelfässern und Kartoffelkörben dar.

Lebenszyklus

Geburt und Erziehung

Die Geburt fand unter der Mithilfe einiger Frauen außerhalb des Wigwams statt. Das Neugeborene wurde in Biberfelle gewickelt und auf ein Wiegenbrett gebunden. Das männliche Baby wurde häufig, sogar im Winter, beim Urinieren zur Schau gestellt, möglicherweise die Ursache für die hohe Sterblichkeit dieser Säuglinge. Die Mutter stillte ihr Kind zwei bis drei Jahre lang. Solange das Kind gestillt wurde, verhinderte oder beendete die Mutter eine weitere Schwangerschaft.

Die Freiheit, die Indianer ihren Kindern gestatteten, verblüffte die zeitgenössischen französischen Schriftsteller. Die Kinder lernten durch Beispiele und Nachahmen, bei Fehlern wurden sie ermahnt aber niemals geschlagen, sondern bekamen viel Zuneigung und Liebe. Schon in frühem Alter forderte man sie auf, ihren Eltern zu helfen. Die Väter machten kleine Paddel für ihre Söhne und Töchter, die bereits im Alter von zehn Jahren geschickt im Umgang mit dem Kanu waren. Sie gingen sehr gewandt mit Pfeil und Kinderbogen um. Noch im Jahr 1835 waren kleine Kinder bemerkenswert gute Bogenschützen, obwohl Erwachsene zu dieser Zeit Pfeil und Bogen nicht mehr benutzten.

Mädchen erlernten frühzeitig diejenigen Aufgaben, die wichtig für ihre Rolle im späteren Leben waren. Sie halfen ihrer Mutter beim Sammeln von Feuerholze, beim Kochen, Anfertigen der Kleidung, Wasserholen, Auf- und Abbau des Wigwams und Lasten tragen, denn für den Umzug eines Lagers waren weitgehend die Frauen verantwortlich. Mit etwa 12 Jahren begleitete der Sohn seinen Vater erstmals auf die Jagd und bekam einen großen Bogen. Nach dem Erlegen seines ersten Elches erlaubte man dem Jungen, in der Ratsversammlung bei den älteren Männern zu sitzen und an öffentlichen Festen teilzunehmen.

Brautdienst und Heirat

Wenn ein junger Mann Heiratsabsichten hatte, fragte er seine Verwandten und in historischen Zeiten auch den Jesuiten nach einem geeigneten Mädchen. Oft folgte er der Empfehlung und ging zu ihrem Wigwam. Wenn sie ihm gefiel, warf er einen Span oder ein Stöckchen in ihren Schoß, das sie ergriff und den Absender mit einem zweifelnden Seitenblick ansah. Wenn sie den jungen Mann mochte, warf sie den Span mit einem zaghaften Lächeln zurück.

Danach zog der junge Mann in den Wigwam seines Schwiegervaters und hatte mindestens ein Jahr lang Brautdienst abzuleisten. Vom zukünftigen Schwiegersohn wurde erwartet, dass er seinem Schwiegervater zur Hand ging. Er musste seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem er seine Geschicklichkeit als Jäger demonstrierte. Außer Pfeilen und Bogen fertigte er ein Kanu und Schneeschuhe an. Seine Verlobte stellte unterdessen für ihn Kleidung und Schuhwerk her und bespannte seine Schneeschuhe. In dieser Zeit waren sexuelle Beziehungen zur Verlobten streng verboten. Beim Hochzeitsmahl wurden Reden und Gegenreden gehalten, in denen man die Abstammung des Bräutigams pries und der junge Mann versprach, seine Ahnen zu übertreffen. Anschließend gab es ein Festmahl und der Hochzeitstag endete mit Tänzen.

Das verlobte Mädchen unterlag einem strengen Moralkodex, der sich nach der Heirat durch Treue der verheirateten Frau fortsetzte und es gab selten eine Ehescheidung. Ehebruch war sehr ungewöhnlich und wurde früher hart bestraft. Diese Moralvorstellungen werden auch in der Mythologie zum Ausdruck gebracht.

Lebensende und Begräbnis

Besondere Hinweise auf spezielle Beerdigungsbräuche der Maliseet sind spärlich in der frühen Literatur. Man holte Schamanen, wenn jemand ernstlich erkrankte, aber sie unternahmen keine Heilungsversuche mehr, wenn sie den Fall als hoffnungslos ansahen. Die sterbende Person ergab sich ihrem Schicksal und wurde von diesem Zeitpunkt an als tot angesehen. Der Kranke bekam nichts mehr zu essen und man goß kaltes Wasser über seinen Körper, um sein Ableben zu beschleunigen.

Bei den Maliseet des 20. Jahrhunderts ist der Brauch zu beobachten, die Beerdigung im Hause des Toten abzuhalten. Wenn das nicht geschieht, so glaubt man, würde in dem Haus ein weiterer Mensch sterben, in dem die Beerdigung stattgefunden hatte. Die meisten Maliseet sind gläubige Katholiken. Die vorbereitenden Riten dauern zwei bis drei Nächte, in denen sich das Haus des Verblichenen mit Gästen füllt, die singen und den Rosenkranz beten.

Soziale Organisation

Führung

Die frühen Häuptlinge hießen Sakémak und waren zumeist im fortgeschrittenen Alter. Sie hatten vorher wenig Macht und Einfluss und gewannen erst durch die Wabanaki-Konföderation an Bedeutung. Das Häuptlingstum war in der männlichen Linie erblich. Wenn der Häuptling keinen Sohn hatte oder der Sohn für das Amt ungeeignet war, wurde gewöhnlich ein Neffe ausgewählt. Im 17. Jahrhundert hatten die Maliseet offenbar einen Oberhäuptling, der im Hauptdorf residierte.

Neben sechs Friedenshäuptlingen gab es auch Kriegshäuptlinge oder Kriegsanführer, die Kinapíyek (Einzahl: Kinap) genannt wurden. Der Kínap war jemand, der sein Können und seine Tapferkeit im Krieg bewiesen hatte und eine Truppe bei einem Angriff erfolgreich führen konnte. Der Status des Kinap war ausschließlich leistungsorientiert und konnte weder durch Vererbung noch durch Wahl erreicht werden. Es gab auch keine festgelegte Zahl an Kinapíyek, aber gewöhnlich nur einen Häuptling im Stamm. Unter dem Druck des Bureau of Indian Affairs ging man 1896 dazu über, einen Maliseet-Häuptling für eine drei Jahres-Periode zu wählen.

Wabanaki-Konföderation

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde zwischen den Micmac, Maliseet, Passamaquoddy, Penobscot und Östlichen und Westlichen Abenaki eine Allianz geschlossen. Diese Konföderation umfasste später noch weitere mit den Franzosen verbündete Stämme und ihr Großes Feuer genannter zentraler Versammlungsplatz lag in Caughnawaga in Québec. Delegationen von jeder beteiligten Gruppe besuchten dreimal im Jahr stattfindende Treffen in Caughnawaga und nahmen an diversen Zeremonien teil. Der Gebrauch des Wampums als Gedächtnisstütze wurde zu dieser Zeit bei den Algonkin eingeführt. Die Wabanaki-Konföderation löste sich irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf.


Dieser Wampum-Gürtel wurde William Penn 1682 beim "Great Treaty" überreicht

Religion

Mythen

Es gibt umfangreiche Sammlungen, in denen die Mythen der Maliseet dokumentiert werden. Die traditionelle Zeit des Geschichtenerzählens begann im Herbst und endete zu Beginn des Frühlings. Die bekanntesten Geschichten waren im Kuloskap-Zyklus zusammengefasst und in Tobique wurde dieser Zyklus bis in die 1940er Jahre erzählt. Noch heute werden in einigen Maliseet-Familien Mythen erzählt, die von Hexen und übernatürliche Wesen handeln. Kuloskap, auch Kelòskap, der Held und Verwandler, war für die Schöpfung der Naturwunder am Saint John River und die Verwandlung der Tiere in ihre jetzige Form verantwortlich.

Die Mythen der Maliseet verdeutlichen die Torheiten der Menschheit und übersinnliche Wesen stellen die verschiedenen Charaktereigenschaften dar:

* Kuloskap, der Schöpfer und Verwandler war Sinnbild des Guten,
* Malsum, Kuloskaps jüngerer Zwillingsbruder, repräsentierte das Böse,
* Schildkröte war Witzbold und Spötter,
* Schneeschuh-Hase, Máhtekwehs genannt, war Gauner und Narr.

Andere Geschichten handeln von listenreichen Raubzügen gegen die Mohawk und dem Eindringen von menschenfressenden Riesen aus dem eisigen Norden, den Kiwáhkweyek, in das Land der Maliseet.

Schamanismus

Die Heilmethoden der Maliseet sind aus ausgezeichneten frühen französischen Quellen bekannt. Begleitet von Gesang blies der Schamane über den betroffenen Körperteil oder auch den gesamten Körper. Brachten seine Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg, wurde die kranke Stelle ausgesaugt oder aufgeschnitten.

Der traditionelle Glaube an Geister und übernatürliche Mächte besteht auch heute noch fort und ist weit vom Aussterben entfernt. Eine Person, die übersinnliche Kräfte besitzt, wird Metéwelen genannt. Wie ein Metéwelen zu seinen Fähigkeiten kommt, ist unbekannt. Er könnte sie von Geburt an besitzen, wenn er zum Beispiel der jüngere von Zwillingent oder der siebte Sohn ist. Obwohl dieser Glaube vermutlich europäischen Ursprungs ist, hält man den siebten Sohn des siebten Sohnes für besonders mächtig. Der helfende Geist in Tiergestalt heißt Pohíkan und wird in Form eines Traums vom Schamanen geschickt, um die entsprechende Botschaft zu überbringen. Jede körperliche Verletzung des Pohíkan wird auf den Metéwelen übertragen und nur die Person, die den Pohíkan verletzt hat, kann den Metéwelen heilen.

Der Metéwelen kann seinen Pohíkan weder töten noch ihn zur Verantwortung ziehen. Der von einem Feind getötete Metéwelen kann nicht verwesen. Doch es kommt vor, dass er jemanden auffrisst, der zu nahe vorbeikommt. Wenn der Leichnam drei Leute verzehrt hat, wird er zu einem Kíwahkw, einem menschenfressender Eisriesen. Die Stärke des Kíwahkw wird durch die Größe seines Herzens aus Eis bestimmt. Weibliche Eisriesen haben mehr Kraft als ihre männlichen Gegenspieler. Die Maliseet glauben, dass manche Dinge übernatürliche Kräfte oder Mana enthalten. Derartige, wegen ihres bizarren Aussehens ausgewählte, Objekte sollen Glück bringen.

Übernatürliche Wesen

Die Geisterwelt der Maliseet bestand aus übernatürlichen Wesen der verschiedensten Art, die man in drei verschiedene Kategorien einteilen kann:

* Soziale Kontrolleure
* Vorboten von Ereignissen
* Quellen besonderer Fähigkeiten

Der Apotámkin ist ein gutes Beispiel für die erste Kategorie. Er schützt kleine Kinder im Herbst vor zu dünnem Eis und im Sommer vor dem Ertrinken. Es gibt zahllose Vorboten und sie haben die verschiedensten Namen. Kisekepísit kann als Vorahnung des Todes auftreten. Eine Kreatur mit Kopf und Gliedmaßen ist Kçipélahkw und warnt vor bevorstehendem Unglück. Ein Maliseet aus Woodstock wurde zum Kéhtakws, dessen Rufen man immer hören konnte, wenn ein Sturm aufkam. Der Feuerball Eskwetéwit ist ein unsteter Vorbote von baldigem Tod oder Tragödien. Auch Zwerge kommen in der Geisterwelt der Maliseet vor. Die Kiwelatemohsísek sind die Schöpfer von Gebilden aus Sand und Lehm auf den Uferbänken der Flüsse, durch die man die Zukunft weissagen kann, zum Beispiel kündigt ein kleines sargförmiges Objekt den Tod an. Späne von den Hörnern des Meeresmonsters Wiwílemekw halten die Maliseet für eine Quelle besonderer Macht.

Musik und Tanz

Zur Begleitung ritueller Tänze schlugen die Maliseet auf ein Brett oder benutzten eine Trommel und mit Schrotkugeln gefüllte Rasseln aus Hirschhorn forderten zum Beginn des Tanzes auf. Andere Musikinstrumente waren das Flageolett und die Flöte. Bevor man in den Krieg zog, gab es einen Tanz mit präparierten Hundeköpfen. Bis etwa 1920 führten erwachsene Maliseet Schautänze für weiße Besucher auf.

Spiele

Beim Glücksspiel Altestáken benutzte man runde Knochenscheiben als Würfel und eine hölzerne Schüssel. Es wurde noch in den 1970er Jahren in Kingsclear gespielt. Außer Lacrosse kannte man noch zwei andere Ballspiele, eins ähnelte dem Baseball, das andere dem Fußball. Wenn der Stamm im Frühling nach der Winterjagd wieder zusammenkam, spielte man diese etwas abgewandelte Form des Baseballs. Seit den 1920er Jahren wurde der normale Baseball das beliebteste Spiel der Maliseet. Im Frühling gab es außerdem eine Reihe sportlicher Wettkämpfe, wie Bogenschießen mit Wetten auf das Ergebnis und Wettrennen. Im Winter vergnügte man sich mit dem Handelstanz, bei dem Objekte von Person zu Person weitergereicht wurden. Ziel des Spiels war es, einen wertlosen Gegenstand zu einer nichtsahnenden Spielerschar zu schaffen. Dazu wurde ein bestimmtes Lied gesungen.

Volkstümliche Medizin

Heutige Maliseet unterscheiden nicht zwischen einem Metéwelen und einem Homöopathen, sondern meinen, jedermann mit umfassenden Kenntnissen über Krankheiten und Heilpflanzen habe auch übernatürliche Kräfte. Der Pflanzen-Doktor kann ein Mann oder eine Frau sein und drei oder vier Personen in einer Gemeinde hatten früher den Ruf, Kräuterheilkundige zu sein. Das Wissen über Heilpflanzen wurde von Älteren an Jüngere mit entsprechender Befähigung weitergegeben. Kräuterheilkundige sprachen nur sehr ungern über ihre Arzneien, denn sie verloren dann an Wirksamkeit, wenn man mit anderen darüber diskutierte. Es gibt heute umfassende Listen über Kräuterheilmittel der Maliseet.

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18.08.2009 15:48
#7 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Geschichte

17. Jahrhundert

Obwohl französische und englische Forscher ihnen wahrscheinlich schon vorher begegneten, stammt die erste Aufzeichnung eines derartigen Kontaktes aus Samuel de Champlains Reise von 1604. Fort La Tour, das im frühen 17. Jahrhundert am Saint John River errichtet wurde, entwickelte sich zum Zentrum des Stammes, in dem sie den Umgang mit Feuerwaffen und anderen europäischen Geräten erlernten. Die frühen französischen Siedler in dieser Gegend vermischten sich mit den Maliseet, festigten das Bündnis mit den Franzosen und ihre Feindschaft zu den Engländern.

Als Folge des zunehmenden Handels mit den Europäern gab es besonders in der Material-Kultur beträchtliche Veränderungen. Typisch für die Maliseet waren große, manchmal von Palisaden umgebene, Sommerdörfer und weit verstreute kleine Wintersiedlungen. Im Jahre 1604 beschrieb Champlain das Dorf Quigoudi an der Mündung des Saint John Rivers. Hier gab es zahllose kleine und große Hütten, die von einzelnen oder mehreren Familien bewohnt wurden. Ein großes Haus, das als Rathaus diente, bot sogar Platz für 80 bis 100 Personen. Der Begriff Hütten könnte sich sowohl auf kegelförmige Wigwams, als auch auf rechteckige Häuser beziehen, die Platz bei Festlichkeiten für mehrere Familien boten. Hierbei wurde wie bei einer Blockhütte eine Wand aus vier oder fünf Lagen Baumstämmen übereinander errichtet und darauf kam ein Dach aus Birkenrinde, das von Pfosten abgestützt wurde. Die Balken und Pfosten verband man mit dünnen Fichtenwurzeln oder Streifen aus Zedernrinde.

Das größte Maliseet-Dorf war Meductic und lag an einem strategisch wichtigen Punkt am Ende der Inlandrouten. Um 1767 gab man Meductic auf und die meisten Einwohner zogen nach Aukpaque, das zuerst 1733 erwähnt wurde und in der Nähe von Fredericton lag. Aukpaque war jetzt die wichtigste Maliseet-Siedlung, bis die Indianer sie im Jahre 1794 an Loyalisten verloren.

18. und 19. Jahrhundert

Als die Engländer die Kontrolle über das Land der Maliseet errungen hatten, schritt die englische Besiedlung schnell voran und es kam zu Spannungen mit den Ureinwohnern. Die Briten richteten ab 1776 Reservate ein und wollten die Maliseet zu Farmern umerziehen. Nach dem Verlust von Aukpaque zogen viele Familien in das Kingsclear-Reservat. Mit ursprünglich ca. 65 km² wurde Tobique das größte aller Maliseet-Reservate in Neubraunschweig. Die meisten Maliseet weigerten sich, Farmer zu werden, sondern bevorzugten das Nomadendasein, so lange sie ihren Lebensunterhalt mit Jagen und Fallenstellen bestreiten konnten und lebten an einer Anzahl von Lagerplätzen am oberen Saint John River.

Im Vertrag von 1794 wurde den Maliseet zugesichert, dass sie sich frei über die Grenze zwischen Kanada und den USA bewegen dürfen, da ihr Wohngebiet auf beiden Seiten der Grenze lag. Nach dem Krieg von 1812 und dem Vertrag von Gent wurde ein großes Stück des Maliseet-Wohngebiets von Britisch-Kanada an die Vereinigten Staaten abgetreten.

Das Woodstock-Reservat wurde 1851 durch die Regierung von Neubraunschweig erworben, um das Unrecht auszugleichen, das durch den Verlust von Meductic verursacht worden war. Im Gebiet um Fredericton richtete man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei zusätzliche Reservate ein. Die zunehmende Akkulturation bot den Maliseet bessere Verdienstmöglichkeiten in Gewerbszweigen wie Holzflößen, Bootsverladungen und Handwerksarbeit. Im Jahr 1867 kaufte die Regierung für sie ein Gebiet von 2,25 Acres (9.100 m) Größe in Devon. 1928 erwarb man in der Nähe zusätzliche 328,5 Acres (1,3 km²) in Saint Mary´s, um Platz für die wachsende Bevölkerung zu schaffen. Das Oromocto-Reservat wurde 1895 auf einem Stück Land eingerichtet, auf dem die Maliseet gerade lagerten. 1838 wurde ein Reservat auf den beiden kleinen Inseln The Brothers nahe der Mündung des Saint John Rivers bewilligt.

20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bemühte sich die die kanadische Regierung, die Maliseet auf wenige zentrale Reservate in wirtschaftlich günstigeren Gebieten zu konzentrieren. Die Maliseet vom Saint Croix River zogen in ein Reservat am Saint John River. Viele Siedlungen, wie Apohaqui, Saint John, The Brothers, Pokiok und Upper Woodstock wurden von indianischen Familien verlassen. Weitere Umzüge gab es bei den Maliseet vom oberen Saint John River in das Aroostook County, Maine, wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten in der Kartoffelindustrie. Viele Maliseet und auch Passamaquoddy sind in die Industriegebiete von Connecticut und Massachusetts gezogen, während sich die Maliseet in Québec in franko-kanadische Familien eingeheiratet und weitgehend der franko-kanadischen Gesellschaft angepasst haben. Es gibt heute keine reinblütigen Maliseet mehr, weil seit dem 17. Jahrhundert zunehmend Mischehen mit Europäern geschlossen wurden. Die meisten Maliseet wachsen heute in den Reservaten auf und sprechen ein wenig von ihrer ursprünglichen Sprache, aber nur wenige sind zweisprachig. Einige ältere Stammesangehörige beherrschen zwar noch die Maliseet-Sprache, aber bei jungen Leuten ist das immer weniger der Fall.

Die indianische Identität wurde durch die Gründung der Union of New Brunswick Indians im Jahre 1967 bestärkt. Mit dieser Aktion kam es zum Zusammenschluss der Maliseet mit den Mi'kmaq und die Zusammenarbeit beider Stämme brachte deutliche Fortschritte. Die Kooperation zwischen Maliseet, Mi'kmaq und Passamaquoddy führte 1969 zur gemeinnützigen Vereinigung T.R.I.B.E., Teaching and Research in Bicultural Education (dt. Lehren und Forschen in bikultureller Erziehung). Damit wurden die Bildungschancen der indianischen Jugend im östlichen Kanada und Maine erheblich verbessert.

In Neubraunschweig leben heute etwa 3.000 Maliseet und haben sich in den Madawaska, Tobique, Woodstock, Kingsclear, Saint Mary's und Oromocto First Nations zusammengeschlossen. 200 Maliseet gehören zur Viger First Nation in Québec und in Maine gibt es die Houlton Band mit 600 Stammesangehörigen.

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18.08.2009 16:04
#8 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Mi'kmaq

Die Mi'kmaq (auch Míkmaq, Micmac oder Mic-Mac) sind ein indianisches Volk, das im östlichen Nordamerika lebt. Im 17. Jahrhundert hießen sie zeitweilig auch Tarrantiner. Heute gibt es 28 separate Mi'kmaq-Gruppen in Kanada, aber nur eine Gruppe in den USA, die als Aroostock Band of Micmac bezeichnet wird. Das ehemalige Wohngebiet der Mi'kmaq umfasste die maritimen Provinzen Kanadas, nämlich Nova Scotia, Prince Edward Island, Teile von New Brunswick und die Gaspé-Halbinsel in Québec.


Ehemaliges Stammesgebiet der Mi'kmaq

Name

Aus einigen Quellen geht hervor, dass der Name Verbündete bedeuten soll, diese Behauptung ist jedoch umstritten. Weitere Varianten des Namens sind Migmagi, Mickmaki und Mikmakique. Zu den Mi'kmaq gehören eine große Anzahl Untergruppen mit besonderen Bezeichnungen, wie zum Beispiel die Gaspesians of Le Clercq und Souriquois of the Jesuit Relations, die im östlichen Quebec beziehungsweise im zentralen und südlichen Neuschottland lebten. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die englische Bezeichnung Tarrantine. Der bekannteste Name ist Micmac, obwohl Mi'kmaq die korrekte Schreibweise darstellt.

Sprache

Mi'kmaq-Algonkin wird neben Englisch oder Französisch noch von einigen Stammesangehörigen gesprochen, die heute auf ungefähr 15 größere und ein weiteres Dutzend kleinere Reservate verteilt sind. Es gibt Unterschiede in den einzelnen Mi'kmaq-Dialekten, so dass zum Beispiel die Mi'kmaq in Quebec Probleme haben, Stammesangehörige aus Neuschottland zu verstehen. Durch den Verlust der traditionellen Lebensweise spielt die Sprache der Mi'kmaq eine identitätsbildende Rolle. Die Mi'kmaq kannten keine eigentliche Schrift, sondern benutzten Symbole, die sie auf Birkenrinde oder Leder zeichneten.

Vor etwa 200 Jahren entwickelten die Mi'kmaq heimlich eine der Lautschrift ähnliche Orthografie mit Hilfe des lateinischen Alphabets. Nachdem diese eine weite Verbreitung gefunden hatte, wurde sie von Pater Pacifique etwas modifiziert für die Übersetzung der heiligen Schrift, für Lehrbücher und in der Zeitung The Micmac Messenger verwendet, die 17 Jahre lang in der Sprache der Ureinwohner erschien.

Wohngebiet

Im 16. Jahrhundert besiedelten die Mi'kmaq das gesamte Gebiet südlich und östlich der Bucht des Sankt-Lorenz-Stroms, das die maritimen Provinzen Kanadas und die Gaspé-Halbinsel umfasste. Dieser Landstrich war stark bewaldet, eben, mit zahlreichen Seen bedeckt und von vielen Wasserläufen durchzogen, die in natürlichen Häfen entlang der langen, zerklüfteten Küste mündeten. Die Winter waren streng und die kurze Jahreszeit des Wachstums ließ den Anbau von Getreide oder Feldfrüchten kaum zu. Das ausgedehnte Flusssystem machte einen raschen Transport mit dem Kanu möglich und trug so zur Bewahrung einer ethnischen Identität der etwa 10.000 Stammesangehörigen bei.

Das Volk nannte sich selbst Elnu, das bedeutet Menschen, und verteidigte sein Land gegen verschiedene andere Stämme. Sie kämpften gegen die Saint-Lawrence-Irokesen und später gegen die Mohawk um die Gaspé-Halbinsel, während sie sich an ihrer südlichen Grenze besonders im Tal des Saint John's River in Neubraunschweig mit den Maliseet und Penobscot auseinandersetzen mussten. Mi'kmaq-Jäger besuchten gelegentlich Anticosti Island und sie erreichten sogar die Küste von Labrador, wo sie die Eskimos angriffen. Mit der Inbesitznahme von Neufundland ging die frühzeitige Ausrottung der Beothuk einher, bei der sie eine entscheidende Rolle spielten.

Gruppen der Mi'kmaq

Es gab sieben Distrikte innerhalb des Mi'kmaq-Gebietes, die Jagdrevieren entsprachen, in denen die einzelnen Gruppen im Frühling und Sommer gemeinsam jagten und lagerten. Zumindest einige dieser Gruppen hatten charakteristische Symbole, zum Beispiel repräsentierte ein Lachs die Listuguj-Gruppe im Restigouchetal und um die Baie des Chaleurs, und die Figur eines Mannes mit Pfeil und Bogen stand für die Miramichi-Gruppe.

Die Kap-Breton-Insel wurde Onamag genannt und galt als Hauptdistrikt. Er war und ist noch immer der Sitz des Großen Häuptlings. Der Große Häuptling spielte einst eine wichtige Rolle bei Entscheidungen des Stammes über Krieg oder Frieden, aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind seine Funktionen nur noch zeremonieller Art. Die angrenzenden Distrikte Pigtogeoag und Esgigeoag waren Onamag unterstellt und hatten manchmal sogar keinen eigenen Häuptling.

Kultur

In den maritimen Provinzen Kanadas waren die Mi'kmaq der dominierende Stamm, und man vermutet, dass sie schon geraume Zeit vor dem 16. Jahrhundert von Norden her eingewandert sind. Das Klima ließ kaum Gartenbau zu, und so lebten sie von der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln von wildwachsenden Kräutern und Wurzeln.

Lebensunterhalt

Der traditionelle Zyklus begann mit dem Zufrieren der Flüsse. Typisch für die Winter waren Kälte, Eis und Schnee, sowie der Rückzug der Bären in hohle Bäume. In dieser Zeit verteilten sich die Mi'kmaq in kleine Jagdcamps über den gesamten Distrikt und die sozialen Beziehungen sanken auf ein Minimum. In den wärmeren Monaten sammelten sich die Gruppen und wohnten in Dörfern. Im Frühling erntete man Ahornsirup und im Sommer wurde gelegentlich etwas Gartenbau betrieben, doch die Hauptnahrung bestand in dieser Zeit aus Fisch und Meeresfrüchten. Die Jagd auf Elche und Hirsche begann im Herbst und beim ersten Schnee waren die Tiere leichter zu verfolgen, denn die Mi'kmaq benutzten Schneeschuhe, Schlitten und Toboggans. Das Wort Toboggan stammt aus der Mi'kmaq-Sprache.

Dem Missionar Pierre Briard zufolge wurde jeder der Monate durch eine überwiegend vorkommende Art von Fisch oder Wild charakterisiert:
* Im Januar war die Robbenjagd.
* Im Monat Februar bis Mitte März war die große Jagd auf Biber, Otter, Elch, Bären, Karibu.
* Mitte März begann der Fisch zu laichen.
* Ende April kam der Hering; zu derselben Zeit kamen Trappen (Kanada-Gänse), Stör und Lachs und dann folgte auf den kleinen Inseln die große Suche nach Eiern der Wasservögel.
* Von Monat Mai bis Mitte September waren sie von allen Nahrungssorgen befreit, denn der Kabeljau erschien an der Küste und außerdem alle möglichen Fische und Schalentiere.
* Im September laichten die Aale.
* Im Oktober und November begann die Jagd auf Wapitis und Biber.
* Im Dezember kam ein Fisch, den sie Ponamo nannten und der unter dem Eis laichte.

Heute kennt man noch die folgenden Monatsnamen:

Januar Frostfisch oder Tomcod
Februar Schneeblindheit oder schlimme Augen
März Frühling
April Eierlegen
Mai Junge Robben oder Heringsfang
Juni Sommer oder junges Laub
Juli Seevögel werfen Federn ab
August Junge Vögel werden flügge
September Elchbrunft
Oktober Fette zahme Tiere
November Allerheiligen Mond
Dezember Häuptlingsmond (Weihnachten)

Die einzelnen Haushalte waren oft größer als die Kernfamilien. Außerdem konnten die Haushalte durch Polygynie und den Brauch des Brautdienstes erweitert werden, bei dem ein junger Mann für zwei oder drei Jahre in die Familie kam, um für seinen zukünftigen Schwiegervater zu arbeiten. In den überlieferten Erzählungen werden häufig Winterjagdgruppen erwähnt, an denen zwei oder mehr erwachsene Männer teilnahmen, denn einige der Jagd- und Fischfangtechniken der Mi'kmaq erforderten die Zusammenarbeit von mehreren Männern. Frauen transportierten das Wild manchmal über große Strecken ins Lager. Sie konnten auch zum Paddeln der Fischerkanus verpflichtet werden. Zum Anpirschen an großes Wild auf Schneeschuhen mit Lanzen oder Pfeilen mit Steinspitzen waren ein oder mehrere Begleiter notwendig. Das galt auch für das Harpunieren von Robben oder das Aufspüren von Bibern in ihren Bauen.

Die Mi'kmaq waren geschickte Kanubauer. Das Kanu bestand aus Birkenrinde, war acht bis zehn Fuß lang (2,45 m - 3,05 m) und außerdem so geräumig, dass ein einzelnes Boot einen vollständigen Haushalt von fünf oder sechs Personen, mit allen ihren Hunden, Säcken, Fellen, Kesseln und anderem schweren Gepäck aufnehmen konnte. Mit einem Kanu, das mit einem Segel bestückt werden konnte, befuhren die Mi'kmaq sogar das offene Meer.

Wie bei den meisten Stämmen im nordöstlichen Waldland änderte sich auch die Mi'kmaq-Kultur nach Ankunft der Europäer mehr oder weniger stark durch europäische Einflüsse, insbesondere durch die Missionare, den Pelzhandel und den französisch-englischen Konflikt.

Ernährung

Außer Fisch und Fleisch aßen die Mi'kmaq verschiedene Arten wilder Wurzeln, Nüsse und eine Anzahl von Beeren, die zerstampft und zu runden Kuchen getrocknet wurden. Der größte Anteil ihrer Nahrung bestand allerdings aus tierischem Fleisch, das frisch oder geräuchert verzehrt wurde. Das Fett wurde vorsichtig von einer heißen Brühe abgeschöpft oder durch Erhitzen auf einem ausgehöhlten Stein gewonnen und danach in Birkenrinde-Behältern oder in tierischen Gallenblasen gelagert. Fische und Aale röstete man an Spießen. Fleisch wurde durch Braten oder durch Kochen in großen hölzernen Wannen zubereitet, die man aus ausgehöhlten Stämmen umgestürzter Bäume fertigte.

Brot kannten sie überhaupt nicht. Wenn sie es von den Franzosen annahmen, zogen sie es vor, das Brot im heißen Sand unterhalb einer Feuerstelle zu backen. Beliebte Tauschobjekte gegen Felle waren Werkzeuge aus Metall und getrocknete Erbsen, Bohnen und Pflaumen.

Waffen, Werkzeuge und Jagdmethoden

Die Mi'kmaq setzten bei der Jagd Speere, Pfeil und Bogen, sowie Fallen und Schlingen ein. Hunde halfen beim Aufspüren von Wild. Tarnkleidung diente zum Anpirschen an Elche, die man während der Brunftzeit durch den imitierten Ruf eines weiblichen Tiers anlockte.

Lachse erlegten die Mi'kmaq mit Speeren, die einen Widerhaken besaßen. Andere Fische, wie Kabeljau, Forelle und Stint fingen sie mit aus Knochen gefertigten Angelhaken oder Netzen. Eine andere Fangmethode waren Wehre, wobei der Fang gleichmäßig unter den Erbauern des Wehrs verteilt wurde.

Das Material für Werkzeuge bestand vor dem Kontakt mit den Europäern aus Holz, Stein, Knochen oder Muscheln, Materialien, die jedoch bald weitgehend durch Metall ersetzt wurden, wie man auch Pfeil und Bogen gegen die Muskete austauschte. Aus Leder und Birkenrinde stellten die Mi'kmaq-Frauen Kübel und Töpfe her, die kunstvoll genäht und mit Stachelschweinborsten verziert wurden. Sie waren auch sehr geschickt im Flechten von Körben aus Fichtenwurzeln.

Wohnkultur

Der konische Wigwam der Mi'kmaq bestand aus einem Holzgerüst, das mit Birkenrinde, Fellen, gewebten Matten und immergrünen Zweigen bedeckt wurde. Er konnte 10 bis 12 Personen Platz bieten und wurde vorwiegend im Winter bewohnt. Für den Sommer gab es einen noch größeren Wigwam für etwa 20 bis 24 Bewohner. In der Mitte befand sich jeweils die Feuerstelle mit einem darüber befindlichen Rauchabzug, und außen an den Wänden wurden Geräte und Zubehör gelagert. Den Boden bedeckte man mit Zweigen, über die zum Schlafen Felle gelegt wurden. Die Winterlager bestanden aus einem oder mehreren Wigwams, die im eigenen Jagdrevier, meist in der Nähe einer zuverlässigen Wasserquelle, errichtet wurden. Notfalls diente auch ein umgekipptes Kanu mit einem kleinen Feuer darunter als Unterschlupf für einige Jäger. Französische Missionare drängten die Mi'kmaq, Kapellen und Kirchen zu errichten und Häuser zu bauen, in denen sie das ganze Jahr über wohnen konnten. Trotzdem hielten viele bis weit ins 19. Jahrhundert an ihrem Nomadenleben fest.

Kleidung und Schmuck

Männer und Frauen der Mi'kmaq kleideten sich ähnlich in fransenverziertes Hirschleder. Männer trugen einen Lendenschurz unter ihrer Oberbekleidung, während die Frauen ihr Gewand mit zwei Gürteln zusammenhielten. Leggings und Mokassins wurden aus Elch- oder Hirschleder gefertigt und hatten Riemen zum Binden aus Leder oder Sehnen. Beide Geschlechter trugen ihr Haar lang. Es gab zwei verschiedene Arten von Schneeschuhen, die eine war groß und für den Gebrauch auf leichtem lockeren Schnee geeignet, während ein anderer kleinerer Typ auf festem, harten Schnee eingesetzt wurde. Zur Zeit des ersten Kontaktes mit Europäern gingen beide Geschlechter barhäuptig, aber schon wenig später übernahmen sie Mützen aus Fell und Rinde, an denen man Geschlecht und Rang erkennen konnte. Die traditionelle hohe und spitze Mütze der Frauen aus dunkelblauem, mit Perlen besetzten und bestickten Tuch kam erst viel später in Mode.

Lebenszyklus

Geburt

Die Mi'kmaq-Frau verließ bei der Geburt ihres Kindes den Wigwam und kniete sich nieder, wobei sie nur von einigen älteren Frauen unterstützt wurde. Das Neugeborene wurde in kaltem fließendem Wasser gewaschen, musste Bären- oder Robbenfett schlucken und wurde auf ein verziertes Wiegenbrett gebunden. Die Mutter stillte ihr Kind bis zum Alter von drei Jahren, und die erste feste Nahrung wurde von den Eltern vorgekaut. Solange das Kind gestillt wurde, verhinderte oder beendete die Mutter eine weitere Schwangerschaft.

Kindheit und Jugend

Kinder wurden frühzeitig dazu erzogen, ihren Eltern und alten Leute mit Respekt zu begegnen. Sie lernten durch Nachahmen, bei Fehlern wurden sie ermahnt aber niemals geschlagen, sondern bekamen viel Zuneigung und Liebe. Bei Jungen veranstaltete man zum Beispiel kleine Zeremonien, wenn der erste Zahn durchbrach, er seinen ersten Schritt machte oder sein erstes kleines Wild erlegte. Wenn er seinen ersten Elch getötet hatte, wurde er zum Mann. Kleine Mädchen halfen ihrer Mutter im Haushalt, beim Aufbau des Wigwams, Sammeln des Feuerholzes, beim Kochen und beim Anfertigen der Kleidung.

Brautdienst, Hochzeit und Ehe

Wenn ein junger Mann heiraten wollte, hatte er den sogenannten Brautdienst im Wigwam des zukünftigen Schwiegervaters abzuleisten. Der Brautdienst dauerte etwa zwei Jahre, in denen er unter Anleitung des älteren Mannes arbeiten, jagen und seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen musste. Während dieser Zeit waren sexuelle Beziehungen zur Verlobten streng verboten. War die Probezeit zu Ende, hatte er für genügend Wildbret für das Hochzeitsmahl zu sorgen. Am Hochzeitstag wurden vom Schamanen und älteren Familienmitgliedern lange Reden an das Brautpaar gehalten und mit Tänzen endete das Fest.

Arrangierte Ehen, also von ihren Familien bestimmte Ehepartner, waren noch im 19. Jahrhundert üblich. Die katholischen Missionare betonen die damalige Tugendhaftigkeit der Mi'kmaq-Frauen und beklagen aber die Korruption durch den Branntweinhandel und die eher gleichgültige Haltung der Indianer gegenüber der Ehescheidung. Die Geburt unehelicher Kinder wurde nicht als Makel, sondern vielmehr als Zeichen von Fruchtbarkeit angesehen. Zumeist übernahm die lokale Gruppe die Verantwortung für Vollwaisen. Der Häuptling brachte sie im Haushalt eines guten Jägers unter. Die zweite Heirat eines Mannes oder einer Frau wurde selten mit einem öffentlichen Fest gefeiert.

Lebensende und Begräbnis

Ältere wurden hoch geachtet, und man suchte ihren Rat bei Versammlungen. Einige Quellen berichten über fürsorgliche Pflege der alten Eltern, aus anderen allerdings ist zu entnehmen, dass alte Leute auch dem Tode preisgegeben wurden, wenn sie nicht die Wanderungen ihrer Familie mitmachen konnten. Bekannt ist auch, dass es beim Sterben einer Person wenig Anstrengungen gab, sie am Leben zu halten. Einige alte Männer hatten Spaß daran, ihr eigenes Begräbnisfest vorzubereiten. Wenn ein Schamane eine Krankheit diagnostizierte, die zum Tode führte, bekam der Kranke nichts mehr zu essen und es wurde kaltes Wasser auf seinen Nabel geschüttet, um sein Ableben zu beschleunigen.

Gab es einen Todesfall in der Familie, so schwärzten sich die Trauernden ihre Gesichter und die Totenklage dauerte drei Tage lang. Es wurden Boten ausgesandt, um Verwandte und Freunde in anderen Dörfern zu benachrichtigen. Am dritten Tag der Trauer wurde ein Festessen veranstaltet. Dann folgte die Beerdigung und jeder Gast beteiligte sich an den Grabbeigaben. Es gab bei den Mi'kmaq Begräbnisse auf unbewohnten Inseln, wo der Leichnam in Birkenrinde gehüllt und in sitzender Position mit allen Waffen, Hunden und persönlicher Habe beerdigt wurde. Ein Jahr lang trugen die Trauernden ihr Haar kurz geschnitten, und Witwen war es nicht gestattet, in dieser Zeit wieder zu heiraten. War jedoch die vorgeschriebene Zeit vorüber, wurden die Trauernden darin bestärkt, ihren Kummer zu vergessen.

Soziopolitische Organisation

Politisch waren die Mi'kmaq eine lockere Konföderation einzelner Stämme, die aus patrilinearen Klans und lokalen Gruppen bestanden. In der meisten Zeit waren die Angehörigen eines Stammes über den Distrikt verteilt und kamen nur während des Sommerlagers oder in Kriegszeiten zusammen.

Bis die jungen Männer verheiratet waren, durften sie keine eigenen Hunde halten und mussten dem Sagamore oder Häuptling alles übergeben, was sie gejagt hatten. Wenn sie seine Gruppe eine Zeit lang verließen, brachten sie ihm bei der Rückkehr Geschenke mit. Einzelne Angehörige oder ganze Familien konnten ohne Probleme, wenn auch mit schlechtem Gewissen, zu einer anderen lokalen Gruppe wechseln.

Die Sagamore mussten sich ihre Autorität durch besondere Fähigkeiten erwerben. Ende des 17. Jahrhunderts wurden von Franzosen beobachtet, dass Häuptlinge jeder Familie ihr Jagdgebiet zuwiesen und Anteile vom Erlös der Felle beanspruchten. Durch ihre Französisch-Kenntnisse fungierten manche Sagamore als Vermittler und verschafften sich damit Vorteile.

Religion

Tabus

Die Religion und auch die Wertvorstellungen der Mi'kmaq ähnelten denen der anderen nördlichen Stämme. Der oberste Gott war Gluskap, daneben gab es eine Anzahl weiterer Götter, von denen einige menschliche Gestalt hatten. Die Mi'kmaq kannten zwar keine absoluten Tabus, doch sie mieden das Fleisch von bestimmten Tieren, wie zum Beispiel Schlangen, Amphibien und Stinktieren. Es gab Menstrual-Tabus, so durften Frauen nicht über die Beine von Jägern oder deren Waffen schreiten. Erlegtes Wild wurde respektvoll behandelt, Biberknochen wurden zum Beispiel niemals den Hunden gegeben oder in den Fluss geworfen. Auch getötete Bären behandelte man mit besonderem Respekt. Die Mi'kmaq glaubten, dass sich bestimmte Tiere in andere Arten verwandeln konnten. Von alten Elchen wurde erzählt, sie zögen ins Meer und verwandelten sich in Wale.

Gluskap

Gluskap veränderte auf seinen Reisen die Landschaft. Er gab den Tieren ihre heutige Gestalt, zum Beispiel gab er dem Biber seinen Schwanz und dem Frosch seine Stimme. Gluskap war ein mächtiger Krieger, der die Mi'kmaq wichtige Fertigkeiten lehrte und die Zukunft vorhersagte. Er ist fortgegangen, aber er wird zurückkehren, um den Mi'kmaq in der Stunde der Not beizustehen. Obwohl er seine Hauptrolle in der Legende als Zauberer und Verwandler spielt, erscheint er in manchen Geschichten zusammen mit europäischen oder christlichen Erzähl-Elementen.

Kinap

Kinap hatte übernatürliche Kräfte und vollbrachte wunderbare mächtige Taten zur großen Überraschung von anderen Stämmen, die ihn verspottet hatten. Der Kinap nutzte seine Macht aber nur für gute Taten, schlimmstenfalls für Streiche.

Puwowin

Bedrohlicher war der Puwowin, ein Hexer, der mit magischen Sprüchen oder Zaubertränken arbeitete. Der Puwowin war der legendäre Nachkomme eines Schamanen aus dem 17. Jahrhundert namens Bohinne. Auch heute glauben manche Mi'kmaq an Puwowin. Wie sein altes Vorbild ist der moderne Puwowin fähig, die Zukunft vorherzusagen, auf dem Wasser zu gehen und einzelne Personen oder ganze Siedlungen vor bösen Ereignissen zu bewahren. Es gibt weiterhin eine Menge Aberglauben über die Kraft des Puwowin. Er kann einer Person aus der Ferne mit einem bösen Wunsch Schaden zufügen, zum Beispiel eine Krankheit, einen Unfall oder sogar einen größeren Schicksalsschlag. Man kann europäische Elemente in den meisten Puwowin-Erzählungen finden, aber diese sind immer an den indianischen Blickwinkel angepasst.

Sketekemuc und andere

Die Mi'kmaq fürchten den Sketekemuc, ein gespenstähnliches Wesen, das den nahenden Tod ankündigt. Zur gleichen Kategorie gehören außerdem die Mikemuwesu und die Pukeletemuc, zwergenähnliche Wesen, die sich kleiden und leben wie die Indianer in alten Zeiten, nur Fleisch von Wild essen und jemandem nützen oder ihn schädigen können. Neuerdings haben sie einige Züge der französisch-kanadischen Lutins angenommen, indem sie Streiche um das Haus oder die Scheune herum spielen und Pferde reiten, die sie mit eng geflochtener Mähne und Schwanz zurücklassen. In diesem Falle werden die Geister mit Weihwasser oder Palmwedeln vom Palmsonntag beschworen.

Wertesystem

Die Mi'kmaq glaubten an einen Großen Geist, einen Schöpfer, der dem Glauben vieler anderer Algonkin-Stämme entsprach. Die französischen Jesuiten-Missionare gebrauchten den Mi'kmaq-Namen Mentu, um den Teufel zu bezeichnen, und wählten für den christlichen Gott das Wort Niskam, was so viel wie Allergrößter, Herr bedeutet. Die Mi'kmaq unterschieden sich jedoch von den anderen Algonkin durch ihre Identifikation des Schöpfers mit der Sonne. Mehrere Quellen bestätigen diese zweimal-tägliche Sonnenverehrung, bei der man zum Beispiel eine große Menge gesammelter Pelze als Opfergabe für die Sonne verbrannte. Es ist heute kaum möglich, die Weltanschauung der Mi'kmaq in ihrer Gesamtheit aus historischen Quellen zu rekonstruieren, aber es gibt einige generelle Leitlinien, die im Gedankengut der Mi'kmaq fortbestehen.

Leitlinien der Mi'kmaq

1. Leben gibt es überall - sichtbar und unsichtbar, unter dem Erdboden und unter dem Meer. Unterschiedliche Lebensformen können sich in andere verwandeln. Einige Tierarten und einige Leute sind nicht das, was sie zu sein scheinen.
2. Die Vorfahren waren große Jäger - stark, würdevoll und gesund. Sie waren gerecht, großzügig und mutig. Ihr Verhalten sollte ein Vorbild für ihre Nachfahren sein.
3. Indianer haben Kräfte, die sich von denen der Nichtindianer unterscheiden. Sie können übernatürliche Helfer haben, die ihnen Botschaften oder Geschenke zukommen lassen. Einige besitzen Indianerglück oder Keskamizit, das sie in Lage versetzt, Dinge schnell und mit großer Zuverlässigkeit zu tun, zu finden oder auszuführen.
4. Menschen sind gleich - oder sollten es sein. Niemand sollte sich über den anderen stellen, obwohl die Häuptlinge mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, mit Großherzigkeit, Mut, Anständigkeit und mit Führungsaufgaben ausgestattet sein sollten.
5. Maßhalten ist zumeist besser als Unmäßigkeit. Zu viel von jedem kann schädlich sein; jeder aber sollte sich gelegentlich aus Zwängen befreien und ungewöhnliche Dinge tun.

Diese Leitlinien gelten sicher nicht nur für Angehörige der Mi'kmaq. Sie spielen aber bei den Mi'kmaq weiterhin eine wichtige Rolle, um sich den verändernden Bedingungen der Gegenwart anzupassen.

Geschichte

16. Jahrhundert

Die Mi'kmaq waren vermutlich neben den Beothuk die ersten Ureinwohner Nordamerikas, die Kontakt zu Europäern hatten. Der erste Bericht über sie stammt von John Cabot, der 1497 drei Mi'kmaq nach England brachte. Ab 1501 hatten die Mi'kmaq regelmäßigen Kontakt mit spanischen, französischen, britischen und irischen Fischern, die die kanadische Küste jeden Sommer aufsuchten. Ab 1519 begann der Pelzhandel und die Mi'kmaq zeigten großes Interesse für verschiedene europäische Handelsgüter, besonders für Metallwaren, wie Messer, Äxte und Kessel.

Als der französische Entdecker Jacques Cartier 1534 in Baie des Chaleurs ankerte, wurde sein Schiff von einer großen Anzahl Mi'kmaq-Kanus umringt, deren Insassen mit Biberpelzen winkten. Um 1578 zählte man jeden Sommer nahezu 400 Fischerboote an der kanadischen Ostküste. Obwohl es zu dieser Zeit noch keine Siedlungen der Europäer gab, wurden die Mi'kmaq in den Jahren 1564, 1570 und 1586 von ihnen bislang unbekannten Krankheiten heimgesucht. Die ersten Siedlungsversuche der Europäer scheiterten an Hungersnöten und bitterer Kälte. Inzwischen hatte der Handel mit Mi'kmaq-Pelzen in Frankreich eine neue Mode kreiert. Wer Geld hatte, leistete sich einen Biberhut und die neue Mode verbreitete sich rasch über ganz Europa. Der Preis für Biberfelle stieg und französische Händler erkannten ihre Chance für gute Geschäfte. Die Niederlage der spanischen Armada gegen die englische Flotte im Jahr 1588 war ein wichtiges Ereignis, weil die Spanier nun nicht mehr in der Lage waren, die anderen Europäer aus der Neuen Welt zu vertreiben.

17. und 18. Jahrhundert

Im Jahr 1604 errichtete Samuel de Champlain an der Mündung des St. Croix River die erste französische Siedlung. Damit begann die französische Periode in Nordamerika, die von etwa 1600 bis 1763 dauern sollte. Die Kultur der Mi'kmaq wurde in der französischen Periode stark beeinflusst. Die wesentlichsten Veränderungen entstanden durch den Pelzhandel und ihre Beteiligung am Konflikt zwischen Franzosen und Engländern.

Im Jahr 1607 kam es zum Krieg zwischen den Penobscot unter ihrem Sagamore Bashabes und den Mi'kmaq. Rivalität zwischen den Stämmen über die Vorherrschaft im Pelzhandel mit den Franzosen in Port Royal bestand schon seit längerer Zeit. Der bewaffnete Konflikt, der unter dem Begriff Tarrantiner-Krieg bekannt wurde, dauerte acht Jahre und endete 1615 mit dem Tod von Bashabes. In den folgenden Jahren wurden die Mi'kmaq von einer verheerenden Epidemie heimgesucht, so dass 1620 von ehemals geschätzten 10.000 Angehörigen nur noch 4.000 überlebten. 150 Jahre lang waren die Mi'kmaq nun in eine Serie von Kriegen zwischen Frankreich und England verwickelt, in denen sie stets auf der Seite Frankreichs kämpften.

Nach der Niederlage der Franzosen im Franzosen- und Indianerkrieg (1756-1763) hatten die Mi'kmaq nur eine kurze Atempause, bevor die britischen Kolonisten kamen. Nicht alle Mi'kmaq schlossen 1761 Frieden mit den Briten, und es kam wiederholt zu feindlichen Zusammenstößen bis zum Jahr 1779. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hielten die Mi'kmaq zu den Amerikanern, in der Hoffnung, diese würden siegen und die Franzosen wieder die Herrschaft in Kanada übernehmen. Nach Ende des Krieges wurde englischen Loyalisten, deren Leben in Neuengland unerträglich geworden war, Land in den maritimen kanadischen Provinzen bewilligt. 1783 verließen 14.000 britische Loyalisten die jungen Vereinigten Staaten, um in Neubraunschweig zu siedeln.

Die britischen Gouverneure errichteten Indianerreservate. Häuptlinge wurden weiterhin auf Lebensdauer gewählt, aber die Auswahl wurde von den Priestern beeinflusst und von nichtindianischen Offiziellen bestätigt. Das Land, das man zum Nutzen und Wohl einer Gruppe von Indianern reserviert hatte, wurde oft später zugunsten von Nicht-Indianern beschnitten, die Quellen oder Wasserrechte für kommerzielle Zwecke brauchten. In den Kolonial- und Provinzarchiven dieser Zeit bleibt eine Menge zu forschen. Die Bemühungen der englischen Kolonisten hatten nur das eine Ziel, den Pelzhandel zu kontrollieren, dessen Monopol die Franzosen für so lange Zeit besessen hatten.

Als das Land der Indianer immer kleiner wurde und die Zahl der pelztragenden Tiere abnahm, wurden die Mi'kmaq nach und nach halbsesshaft; die Frauen und Kinder blieben in den Siedlungen, während die Männer periodisch außerhalb arbeiteten oder im Reservat lebten, wo sie Körbe und handwerkliche Holzgegenstände herstellten und Sozialhilfe von der Kolonialregierung erhielten. Einige Männer arbeiteten weiterhin als Fallensteller, aber die meisten verdingten sich als Holzarbeiter, Jagdführer und kommerzielle Fischer, wo sie zumindest etwas von ihrer traditionellen Erfahrung und ihrem Geschick einsetzen konnten.

19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in den maritimen kanadischen Provinzen Segelschiffe, Straßen und Sägewerke gebaut. Auch viele Mi'kmaq-Männer fanden hier Arbeit, obwohl sie häufig von dauerhaften Jobs bei Sägewerken und im Straßenbau ausgeschlossen wurden. Als angelernte Arbeiter arbeiteten sie in saisonalen oder periodischen Jobs, die kein anderer für diesen Lohn annahm, und gerieten nach und nach in ein ländliches Proletariat. Über mehrere Generationen hinweg jagten die Mi'kmaq Delfine in der Street of Canso und der Fundybucht. Als aber Petroleum das Delfin-Öl beim industriellen Bedarf ersetzte, war die Jagd beendet. Die Indianer beteiligten sich als Wanderarbeiter beim kommerziellen Kartoffelanbau in Maine und Neubraunschweig. Einige arbeiteten in Neuengland als Arbeiter in Holzfällerlagern, beim Hausbau oder in der Industrie, doch die meisten kamen regelmäßig wegen Arbeitslosigkeit in die Reservate zurück.

Tribunus Laticlavius Offline




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18.08.2009 16:05
#9 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

20. Jahrhundert

Anfang des 20. Jahrhunderts waren die meisten Mi'kmaq auf etwa 60 Reservate verteilt. In einigen lebten mehrere Hundert und in anderen nicht mehr als ein Dutzend indianische Bewohner. Das größte Reservat war Restigouche, laut Volkszählung von 1910 mit 506 Indianern bevölkert. Hier gab es ein Kapuziner-Mönchskloster, in dem Pater Pacifique lebte und arbeitete, und in der Klosterschule der Schwestern vom Heiligen Rosenkranz konnte man die Mi'kmaq-Sprache lernen.

Um 1920 begannen in den Reservaten politische, erzieherische und wirtschaftliche Veränderungen. Allmählich führten die Behörden eine bessere medizinische Versorgung ein, die zu einem rapiden Bevölkerungswachstum bei den Mi'kmaq beitrug, so dass sich ihre Zahl bis 1970 nahezu verdoppelte. Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis 1942 war der Indianeragent in Restigouche ein Arzt. Der Einfluss der nach den Bestimmungen des Federal Indian Act für zwei bzw. drei Jahre gewählten Häuptlinge und Ratsmitglieder war gering, so dass die meiste Verantwortung für die Reservatsverwaltung beim Indianeragenten und dem Bureau of Indian Affairs (BIA) lag.

Die neu eröffneten Schulen in den Reservaten wurden nur unregelmäßig besucht, aber allmählich erlernten Jungen wie Mädchen die Grundzüge von Rechnen und Schreiben.

Den Ersten Weltkrieg erlebten viele junge Mi'kmaq in der kanadischen Armee und kamen so erstmalig in Kontakt mit Indianern aus anderen Provinzen Kanadas. Die Kriegswirtschaft sorgte für Jobs und auch der Sport war bei jungen Männern der Mi'kmaq populär. So wurden Eishockey und Baseball der Nationalsport des Stammes. Aber die Weltwirtschaftskrise brachte das Ende mancher Hoffnung und führte in den 1930er Jahren besonders bei den Mi'kmaq zu großer Arbeitslosigkeit. Es waren öffentliche Gelder notwendig, um eine Hungersnot abzuwenden.

Der Zweite Weltkrieg brachte einen kurzlebigen Wohlstand und man bot den heimkehrenden Mi'kmaq-Veteranen Hilfe beim Bau oder bei der Renovierung ihrer Häuser an. In den folgenden Jahren kamen außer der Elektrifizierung auch Rundfunk und Fernsehen in die Reservate. Dazu wurden öffentliche Programme aufgelegt, die das Erscheinungsbild der Reservate modernisieren sollten. Neue Schulen und Transportmöglichkeiten ermöglichten es den jungen Mi'kmaq, sich besser auf das Studium oder den Beruf vorzubereiten. Trotzdem stieg die Zahl der arbeitslosen Indianer und viele Mi'kmaq wurden diskriminiert, so dass sie nur durch Regierungsprogramme geförderte Arbeit finden konnten. Es kann nicht überraschen, dass damit die Kriminalitätsrate und der Alkoholismus unter den Indianern anstiegen.

Ende der 1940er Jahre sollten die Mi'kmaq im Rahmen eines Zentralisierungsprogramms die mehrere Dutzend zählenden kleinen Reservate verlassen, um in größere Siedlungen nach Shubenacadie in Zentral-Neuschottland und Eskasoni auf Cape Breton Island umzusiedeln. Ihnen wurden neue Häuser und bessere Ausbildungs- und Verdienstaussichten angeboten. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass in diesen Regionen kaum genügend Arbeitsplätze vorhanden waren. Im Jahr 1951 wurde ein überarbeitetes Indianer-Gesetz erlassen, mit dem die Stammesräte erweitert wurden und mehr Einfluss auf die eigenen Angelegenheiten nehmen konnten. Dies war Teil einer generellen Politik, welche die Reservate auf mehr Selbstbestimmung vorbereiten sollte.

Heutige Situation

In den 1960er Jahren führten die Bemühungen endlich zum Erfolg, die Mi'kmaq durch Weiterbildungsmaßnahmen zu fördern. Viele Angehörige fanden einen neuen Beruf, der gut bezahlt wurde und in dem sie auch erwünscht waren. Sie arbeiteten beim Bau von Wolkenkratzern, wie schon die Mohawk in den 1930er Jahren. Um 1970 hatte mindestens ein Drittel aller arbeitenden Männer in Restigouche beim Bau von Wolkenkratzern in Boston gearbeitet. Diese gefährliche Arbeit in großer Höhe war deshalb so beliebt bei den Indianern, weil sie mit ihren Wertvorstellungen vereinbar war und gut bezahlt wurde. Auch Mi'kmaq-Frauen erlernten neue Fertigkeiten. Die staatlich geförderte Berufsausbildung ermöglichten vielen, sich als Krankenschwestern, Lehrerinnen, Sekretärinnen oder Sozialarbeiterinnen zu qualifizieren.

Tatsächlich zeichnet sich heute (2008) kein Mi'kmaq-Reservat durch besonderen und sichtbaren Wohlstand aus, doch damit unterscheiden sich die Situation nicht wesentlich von benachbarten nichtindianischen Gemeinden vergleichbarer Größe. Die Indianer-Häuser sehen gleichförmig aus und die kleinen Gärten sind ungepflegt. Viele alte Hütten hat man stehen gelassen, und bei der ständigen Fluktuation der Bevölkerung zwischen den Reservaten und Städten gibt es viele freie Wohnungen. In allen größeren Reservaten gibt es Elektrizität, obwohl einige Indianer an ihrer alten Kerosin-Lampe festhalten. Gute Straßen sind selten, die Provinzial-Regierung will sie nicht instand halten und die Bundesbürokratie reagiert sehr langsam auf Missstände.

So sieht heute ein typisches Mi'kmaq-Reservat aus: eine Hauptstraße, eine Kirche, eine Schule, ein Gemeinde-Zentrum, ein Agenturgebäude oder ein Stammes-Regierungsbüro, eine Veteranen-Halle, Lebensmittelläden, ein Wasserleitungs- und ein Kanalsystem. In den Reservaten gibt es beträchtliche Unterschiede bei den Bewohnern in Bezug auf Sprache, Bildung und Religiosität. Bis zum 20. Jahrhundert war die Mi'kmaq-Sprache ein verbindliches Kennzeichen der ethnischen Identität. Aber es gibt nur sehr wenige Leute, die noch ausschließlich Micmac sprechen und der Anteil der Nichtsprecher wächst ständig. In einigen Reservaten lernen alle Personen unter 20 Jahren Englisch als erste Sprache. In Restigouche ist die Stammessprache zwar noch die wichtigste Sprache für die jungen Leute, aber auch dort werden Fernsehen und englischsprachige Schulen bald die Sprachfähigkeiten der jungen Generation einschränken.

Zu Beginn der 1960er Jahre baute die Bundesregierung Schulen in den Reservaten. So fand man in der Reservatsschule in Restigouche, die von katholischen Schwestern und weltlichen Lehrern geführt wurde, auch Klassen für nichtindianische Kinder aus den benachbarten Gemeinden, von denen viele nur Französisch sprachen. Die meisten Mi'kmaq sind noch immer römisch-katholisch und die höheren Feiertage werden mit angemessenen Zeremonien begangen, besonders der Tag der Schutzpatronin Saint Anne am 26. Juli. Doch Säkularisation und Tourismus haben sogar diesen Micmac-Nationalfeiertag beeinflusst, und manche der jungen Leute stehen der Kirche heute kritisch gegenüber.


Quelle:
Wikipedia

Tribunus Laticlavius Offline




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18.08.2009 23:49
#10 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Passamaquoddy

Die Passamaquoddy sind Algonkin sprechende Indianer, die beiderseits der Grenze zwischen den USA und Kanada im nordöstlichen US-Bundesstaat Maine und der benachbarten kanadischen Provinz Neubraunschweig lebten. Ihr Wohngebiet erstreckte sich im 17. Jahrhundert von der Passamaquoddy Bay über den Einzugsbereich des Saint Croix Rivers bis zum Schoodic Lake.

Name

Antoine de Cadillac, ein französischer Abenteurer, nannte 1692 die Region am Saint Croix River und die dort lebenden Ureinwohner Pesmocady. Die Passamaquoddy nennen sich selbst Pestemohkatíyek (Singular: Pestémohkat), das bedeutet wörtlich übersetzt: Die vom Ort, wo es viele Schellfische gibt. Weitere Namen für die Passamaquoddy sind unter anderen Quoddy, Saint Croix Indians, Machias und Scotuk.

Sprache und Kultur

Sprachlich gehörten die Passamaquoddy zu den Östlichen Algonkin und ihre Sprache ist mit dem Idiom der Maliseet eng verwandt. Sie lebten in patrilinearen Verwandtschaftsgruppen zusammen, die aber in der kolonialen Periode niemals als einheitlicher Stamm organisiert waren. Dennoch betrachteten sie die britischen Offiziellen als einen einzigen Stamm und identifizierten sie nach ihrem Wohngebiet. Das änderte sich auch nicht, als die zuständige Gerichtsbarkeit von der Kolonialregierung in Massachusetts auf den Bundesstaat Maine überging.

Traditionell lebten sie die meiste Zeit des Jahres in Dörfern, die im Jahreszyklus bewohnt und wieder verlassen wurden. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie durch Jagen, Fischen und das Sammeln von Wildpflanzen und nutzten Birkenrinde sowie Holz als Werkstoff. Ihre vereinzelt von Palisaden geschützten Dörfer bestanden aus runden Hütten und einem großen Versammlungshaus. Der Stammesrat setzte sich aus dem Kriegshäuptling, dem Friedenshäuptling und Vertretern aus jeder Familie zusammen und entschied in wichtigen Angelegenheiten, während der Allgemeine Rat aus Angehörigen des gesamten Stammes bestand und ausschließlich über Krieg und Frieden entschied.

Der wichtigste Werkstoff der Passamaquoddy war Birkenrinde, die für fast alle Güter des täglichen Gebrauchs verarbeitet wurde. Man verwendete Birkenrinde für den gesamten Wigwam, für Behälter wie Kisten, Körbe, Eimer, Geschirr und viele weitere Dinge. Der Birkenrinden-Elchlockruf war ein unentbehrlicher Bestandteil der Jagdausrüstung, Birkenrinde diente zeitweilig als Regenbekleidung und auf Birkenrinde geschriebene Nachrichten und Anweisungen zeigten dem Reisenden den Weg.

Aus der schwarzen Esche wurden Spankörbe gefertigt und an Touristen verkauft, zum Beispiel der kunstvolle Korb aus gefärbten Eschenspänen, häufig mit geflochtenem Süßgras dazwischen und einem runden Boden. Die Herstellung eines kunstvollen Korbes war Frauenarbeit, während die Männer den einfacheren Kartoffelkorb flochten. Weitere Artikel aus Holz waren Axtstiele, Milchkannen und andere Haushaltsgegenstände und der Verkauf dieser Holzartikel sicherte vielen Maliseetfamilien, besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts, den Lebensunterhalt. Die Herstellung von Schneeschuhen mit Rahmen aus weißer Esche und von Toboggans war früher eine wichtige Heimarbeit. Noch heute gilt das Anfertigen und Reparieren von Kartoffelfässern und Kartoffelkörben als Verdienstmöglichkeit.

Geschichte

Erste Kontakte mit Europäern (ab 1604)

Die Passamaquoddy gehörten zu den Indianerstämmen, die den ersten Kontakt zu Europäern hatten. Die weiten Buchten der Küste Maines zogen die Aufmerksamkeit der Fischer und Entdecker im 17. Jahrhundert auf sich, die eine Wasserstrasse quer durch den neu entdeckten Kontinent suchten, die sogenannte Nordwest-Passage. Einige dieser frühen Entdecker waren freundlich, wie die Teilnehmer von Samuel de Champlains Expedition im Jahr 1604, doch 1609 bei Henry Hudsons Beschießung und Plünderung eines Dorfes am Penobscot River war das nicht der Fall. Statt die sagenumwobene Stadt Norumbega zu finden, trafen diese Europäer auf eine Konföderation von 22 indianischen Dörfern im westlichen und zentralen Maine, die unter der Herrschaft von Bashabes standen. Im Tarrantiner-Krieg kam es 1615 zu einer Serie von Überfällen der Mi'kmaq, bei denen Bashabes den Tod fand. Nach Kriegsende löste sich die Konföderation auf. Um 1617 wurden die Passamaquoddy von einer verheerenden Epidemie heimgesucht, die 75 Prozent aller Indianer an der Küste Neuenglands das Leben kostete. Die Überlebenden trieben weiter Handel mit englischen und französischen Kaufleuten, bis die Franzosen in den 1630er Jahren in diesem Gebiet die Vorherrschaft erlangten. Die wachsende Abhängigkeit der Indianer von europäischen Handelsgütern führte zu den so genannten Biberkriegen zwischen Irokesen und Östlichen Algonkin in den Jahren von 1640 bis 1701.

Kriege mit Beteiligung der Passamaquoddy
* Tarrantiner-Krieg 1607-1615
* King Philip's War 1675-1678
* King William's War 1688-1699
* Queen Anne's War 1702-1713
* Dummers Krieg 1721-1725
* King George's War 1745-1748
* Franzosen- und Indianerkrieg 1755-1759
* Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1775-1783

Französisch-britischer Gegensatz

Französische Jesuiten konnten im 18. Jahrhundert viele Passamaquoddy zum katholischen Glauben bekehren. Durch Heiraten zwischen Franzosen und Indianern wurden diese Beziehungen verstärkt, die bekannteste fand zwischen Baron Jean-Vincent de Castin und Pidiwamiska statt, einer Tochter des Penobscot-Häuptlings Madockawando. Im Gegensatz zu den konkurrierenden Engländern gelang es den Franzosen durch ihr besseres Einfühlungsvermögen in die Denkweise der Ureinwohner die freundlichen Beziehungen zwischen ihnen zu vertiefen. Sie fanden bei den Indianern des Nordostens viele treue Verbündete, die in den Kolonialkriegen zwischen 1689 und 1760 an ihrer Seite gegen die Engländer kämpften.

Jeder der fünf Kolonialkriege in Neuengland hatte die gleichen Ursachen, nämlich der britische Herrschaftsanspruch über den amerikanischen Nordosten und der Pelzhandel, Streitigkeiten wegen Landbesitz und wahllose gegenseitige Vergeltungsmaßnahmen. Die meisten Zwischenfälle an der Siedlungsgrenze passierten westlich des Passamaquoddy-Wohngebiets. Die Kriegserklärungen der englischen Kolonisten richteten sich allgemein gegen östliche Indianer, nicht gegen namentlich bezeichnete Stämme und damit auch gegen die Passamaquoddy. Der Dummers-Krieg hatte eine bedeutenden Zustrom von Abenaki-Flüchtlingen in die Dörfer der Passamaquoddy zur Folge. Die Passamaquoddy bemühten sich, in den nächsten beiden Kriegen neutral zu bleiben, aber wechselseitiges Misstrauen, Streit über Vertragsbedingungen und Übergriffe britischer Skalpjäger führten dennoch 1745 und auch 1755 zum Kriegseintritt.

Die strategische Lage des Passamaquoddy-Wohngebiets in den Kolonialkriegen und die große Entfernung zu den Siedlungen der Kolonisten ermöglichte es ihnen, ihre Selbstständigkeit und ihr Land bis 1760 zu behalten. Nach dem Franzosen- und Indianerkrieg beanspruchten die Engländer jedoch das gesamte Stammesland durch das Recht des Eroberers für sich, weil die Indianer auf der Seite der geschlagenen Franzosen gekämpft hatten. Die englischen Siedlungen breiteten sich schnell entlang der Maine-Küste nach Norden aus. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg halfen die Passamaquoddy den Amerikanern, in der Hoffnung, die Franzosen würden bei einem Sieg zurückkehren.

USA

Im Jahr 1794 mussten die Passamaquoddy große Gebiete abtreten. Am unteren Saint Croix River errichtete man die Canoose-Reservation für jene Familien, die später in Passamaquoddy-Reservationen in Maine zogen. Andere Stammesangehörige lebten in Saint Stephen und an der Küste in Saint Andrews und Saint George. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von den weißen Behörden eine Konzentration der Stammesangehörigen betrieben, indem man die Passamaquoddy von Sebayik und aus anderen Gebieten zu ihrem größten Grundbesitz, dem Indian Township in der Nähe von Princeton verlegte. Zwischen 1820 und 1840 teilte sich der Stamm in zwei politische Lager: Die Old Party und die New Party. Die Teilung entlang der Moiety-Linien setzte sich mit gelegentlichen Unruhen fort, bis der Staat 1866 intervenierte. Dieser legte fest, daß die Wahlen des Gouverneurs und seines Stellvertreters jedes Jahr stattfinden sollten und zwar mit Kandidaten, die in einem Jahr die eine Partei aufstellte und im nächsten Jahr die andere. Der Vorschlag war demokratisch und als Lösung des Problems gut geeignet. Die Wahlen wurden später nur noch alle zwei Jahre abgehalten, aber das System der wechselseitigen Wahl bestand bis 1931.

Zusätzlich zu den politischen Konflikten wurden die Passamaquoddy in dieser Periode von der Cholera heimgesucht. Die Todesfälle während der Epidemien werden aber als die geringere Ursache für Schwankungen in der Bevölkerungszahl angesehen, denn die größeren Abgänge nach 1818 und 1865 sind wohl das Ergebnis von Emigration.

Aktuelle Situation

In der Legislative des US-Bundesstaates Maine sitzt je ein Abgeordneter der Passamaquoddy und Penobscot, allerdings ohne Stimmrecht, die sich ausschließlich zu Fragen des Stammesverbundes äußern dürfen. Die meisten Passamaquoddy leben heute an zwei Orten in Maine, entweder in Pleasant Point an der Passamaquoddy Bay oder in Indian Township am Saint Croix River. Viele gingen auch in die Penobscot-Reservation in Old Town, angelockt durch Arbeitsstellen in neuen Industriezweigen. Es gibt noch heute eine beträchtliche Wanderung aus den Passamaquoddy-Reservationen nach Old Town, in der man als hauptsächliche indianische Sprache Passamaquoddy hören kann. Viele Maliseet und Passamaquoddy sind auf der Suche nach geeigneter Arbeit noch weiter nach Süden, in die Industriegebiete von Connecticut und Massachusetts, gezogen.

Das Maine Department of Indian Affairs (dt. Amt für Indianische Angelegenheiten in Maine) wurde 1965 gegründet und hat als Ziel die Aufstellung von Programmen zur menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung ... basierend auf den offensichtlichen Bedürfnissen der indianischen Bevölkerung. Bei den Passamaquoddy scheint diese Behörde ein stärkeres Gefühl für die indianische Identität zu fördern.

Die Vereinigung der Aroostook-Indianer (AAI) wurde 1970 durch die Zusammenarbeit der örtlichen Mi'kmaq, Maliseet, Passamaquoddy und des Ricker Colleges in Houlton gegründet. Zu den Zielen, die in einer Charta festgelegt wurden, gehören die Einleitung von Programmen zur Entwicklung der Gemeinde und der Aufbau sozialer Dienste. Während sich das Maine Department of Indian Affairs ausschließlich mit Angelegenheiten der Reservations-Indianer befasst, versucht das AAI, die vom Außenministerium betreuten sozialen Projekte zu koordinieren und weitere einzuleiten.

Angesichts hoher Energiepreise bemüht sich das Energieunternehmen Native Green Energy Windenergieanlagen in Reservaten zu errichten. So sollen hier im Sommer 2008 mindestens zwei Windturbinen errichtet werden, vier bis sechs sollen bis Ende des Jahres folgen.

Einige Passamaquoddy leben heute auch in der kanadischen Provinz Neubraunschweig. Sie haben zwar eigenes Land, doch werden sie in Kanada nicht als Stamm (engl. First Nation) anerkannt. Ihr großer Wunsch ist es, nach Qonasquamsuck zurückzukehren, dem früheren Hauptdorf mit Beerdigungsstätte der Ahnen, das beim heutigen St. Andrews in Neubraunschweig lag.

Quelle:
Wikipedia

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19.08.2009 00:04
#11 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Westliche Abenaki

Penacook

Die Penacook sind eine Gruppe von Algonkin sprechenden Indianerstämmen im nordöstlichen Nordamerika, die sprachlich und kulturell vermutlich zu den Westlichen Abenaki gehören. Ihre Nachfahren sind heute in der Cowasuck Band of the Pennacook-Abenaki People organisiert und leben in den Bundesstaaten Vermont, New Hampshire und Massachusetts, USA.


Ehemaliges Wohngebiet der Penacook

Name

Die Bezeichnung Penacook stammt von dem Abenaki-Wort Penokok, das Auf dem steilen Ufer bedeutet, dem Namen des Dorfes, an dessen Stelle heute Concord am Merrimack River in New Hampshire liegt. Die Bewohner hießen Penokoi, im Plural Penokoiak, und bedeutet Leute vom steilen Ufer. Die Penacook erscheinen in französischen Quellen als Penneng, Oupeneng, Oppenago und in ähnlichen Schreibweisen.

Wohngebiet

Die Pennacook lebten am Merrimack River im südlichen und mittleren New Hampshire und nördlichen Massachusetts, waren die südlichste Gruppe der Abenaki und hatten damit den ersten dauerhaften Kontakt mit den englischen Kolonisten.

Gruppen der Penacook (Wohngebiet)
* Accominta Umgebung von York
* Agawam bei Ipswich
* Amoskeag bei den Wasserfällen von Amoskeag am Merrimack River
* Coosuc am Connecticut River, zwischen Upper und Lower Ammonoosuc River
* Nashua am Oberlauf des Nashua Rivers bei Leominster
* Naumkeag bei Salem
* Newichawanoc am oberen Piscataqua River und Salmon Falls River in Maine und New Hampshire
* Ossipee bei Ossipee in New Hampshire
* Pennacook an beiden Ufern des Merrimack Rivers, ober- und unterhalb von Concord
* Piscataqua am Piscataqua River bei Dover
* Souhegan am Souhegan River bei Amherst, das früher Souhegan hieß
* Squamscot am Exeter River bei Exeter
* Wachuset am oberen Nashua River bei Princeton
* Wamesit am Südufer des Merrimack Rivers, unterhalb der Einmündung des Concord Rivers
* Weshacum an den Weshacum Seen bei Sterling
* Winnecowet im Rockingham County im südlichen New Hampshire
* Winnepesaukee am Ufer des gleichnamigen Sees in New Hampshire

Geschichte

Ihre südlichen Nachbarn waren die Neuengland-Algonkin mit direktem Kontakt zu den frühen englischen Kolonisten und im Norden wohnten die Abenaki und andere nördliche Stämme, die unter französischem Einfluss standen. Die Penacook verbündeten sich generell mit ihren nördlichen Nachbarn, mit denen sie sprachlich und kulturell verwandt waren, und später auch mit den Franzosen.

Ein berühmter Sachem der Penacook war der charismatische Passaconaway (ca. 1580-1666), der sowohl von den Indianern als auch von den Weißen verehrt wurde. Er lebte in der Nähe des heutigen Merrimack in New Hampshire. Sein Sohn und Nachfolger Wannalancet führte die Pennacook am Ende des King Philip's Wars nach Kanada.

Im King Philip's War (1675-1676) blieb größte Teil der Penacook zunächst neutral, doch die Allianz zwischen Engländern und Irokesen trieb sie an die Seite der Franzosen. Vor Beginn des Krieges waren die Westlichen Abenaki nicht nur beunruhigt über die englische Unterstützung der Irokesen, sondern in steigendem Maße auch über den Landraub der britischen Kolonisten. Eine große Anzahl von Puritanern wanderte in den 1660er Jahren ein und es kam zu einer verstärkten Expansion weißer Siedlungen in das Land der Ureinwohner. Die gefragtesten Gebiete waren natürlich die fruchtbaren Ufer der Flüsse. Eingeschlossen zwischen den Mohawk im Westen und den wachsenden Siedlungen der Briten im Osten vereinigten sich die Indianer im Süden Neuenglands unter der Führung von Häuptling Metacomet oder King Philip, und starteten 1675 einen General-Angriff auf die jungen Kolonien. Obwohl viele Stämme mit Metacom sympathisierten, waren die Arosaguntacook, einige Sokoki und Pennacook die einzigen Abenaki, die sich zunächst am Aufstand direkt beteiligten. Die Mehrheit der Abenaki blieb neutral, doch vermutlich haben sie Feuerwaffen und Munition an King Philips Krieger geliefert, während andere ihnen Nahrung gaben und vor den Feinden versteckten.

Die Kolonisten hatten schwere Verluste zu beklagen und in ihrer Verzweiflung rächten sie sich in blindem Zorn an allen Indianern, ob sie nun neutral waren oder nicht. Nur zwei Penacook-Stämme hatten sich King Philip angeschlossen, die Nashua und die Wachuset, während sich die übrigen unter Sachem Wannalancet aus den Kämpfen heraushielten. Die Engländer jedoch waren davon überzeugt, dass die Penacook die Aufständischen unterstützten, und eine Strafexpedition unter Captain Samuel Mosely griff sie 1676 an. 200 Nashua wurden getötet und die Überlebenden verkaufte man als Sklaven; die entkommenen Penacook flüchteten entweder nach Kanada oder kämpften danach unter King Philip. Später im selben Jahr wurden sogar die weiter nördlich lebenden Penobscot und Kennebec in den Krieg hineingezogen. Am Ende siegten die Kolonisten, aber sogar in eigenen Berichten gaben sie ihre Grausamkeit zu. Tausende von Ureinwohnern wurden getötet oder starben den Hungertod. Nach 1676 gab es nur noch etwa 4.000 Indianer im südlichen Neuengland. Bei der Großen Vertreibung wurden die Überlebenden zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen, doch manche mussten nicht weit fortgehen. Einige akzeptierten das vom Gouverneur von New York, Edmund Andros, angebotene Asyl und siedelten bei Schaghticook am Hudson River unter den Mahican. Andere fanden Zuflucht bei den Lenni Lenape in New Jersey und Pennsylvania, doch der größte Teil der Penacook floh gemeinsam mit ihrem Sachem nach Kanada.

In Kanada siedelten sie zunächst in der Nähe von Québec. Später kamen einige Stammesangehörige aus Schaghticook dazu und 1685 bekamen sie eine Landzuweisung bei Cate de Lauzun. Von dort gingen sie um 1700 nach Saint Francis, wo sie weitere geflüchtete Abenaki aus Neuengland antrafen. Die Saint-Francis-Indianer galten bald als die erbittertsten Feinde der englischen Kolonisten und das blieb so bis zum Ende der französischen Herrschaft in Nordamerika.

Aktuelle Situation

Noch heute findet man einige Nachkommen der Penacook im Odanak-Reservat (engl. Odanak Indian Reserve), dem früheren Saint Francis. Andere leben heute, in kleine Gruppen verteilt, überwiegend in den Bundesstaaten New Hampshire und Vermont. Doch weder New Hampshire und Vermont noch die Vereinigten Staaten haben jemals Landansprüche oder den Stammes-Status der dort lebenden Abenaki anerkannt. Die Penacook und Cowasuck, heute organisiert in der Cowasuck Band of the Pennacook-Abenaki People, meldeten zahlreiche Besitzansprüche für Teile ihres alten Wohngebietes an, doch alle wurden bisher abgelehnt.

Quelle:
Wikipedia

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19.08.2009 00:10
#12 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Östliche Abenaki

Penobscot

Die Penobscot sind Algonkin sprechende Indianer, die früher an beiden Seiten der Penobscot Bay und im Tal des Penobscot Rivers, sowie seinen Nebenflüssen im heutigen Bundesstaat Maine (USA) lebten. Sie waren Mitglieder der Abenaki-Konföderation und gehören sprachlich und kulturell zu den Östlichen Abenaki. Ein 53,4 km² großes Reservat wurde auf Indian Island im Penobscot River eingerichtet.


Ehemaliges Wohngebiet der Penobscot

Name

Den Penobscot sind Europäer wohl erstmals in der Nähe des heutigen Orland in Maine begegnet. Die französische Form Pentagoet wurde ab 1604 allgemein auf den Fluss angewendet und im besonderen auf die Gegend des heutigen Castine. Später brauchten Franzosen und Engländer den Begriff Penobscot auch für den Fluss und praktisch für jedes daran liegende Dorf. Der Penobscot River wurde von einigen frühen englischen Forschern Pemaquid genannt, doch der Name änderte sich schon bald in Pemaquid Point, zur Verwirrung von späteren Historikern. Penobscot stammt vom Abenaki-Wort Panawahpskek, das Wo sich die Felsen öffnen bedeutet.


Lebensweise

Die Penobscot bestritten ihren Lebensunterhalt durch Jagen, Fischen und Sammeln, indem sie saisonal den Nahrungsmittelquellen folgten. Den Winter verbrachten kleine Familiengruppen in Jagdlagern innerhalb gesonderter Familien-Jagdgebiete, deren Rechte in der männlichen Linie (patrilinear) vererbt wurden. Den Sommer hindurch bewohnte man größere Lager und Dörfer. Das Amt des Stammeshäuptlings oder Sagamore beinhaltete wenig Macht, der Inhaber fungierte allgemein als Vertreter des Stammes bei Zeremonien oder bei Geschäften mit Außenstehenden, manchmal auch als Schlichter bei Streitigkeiten.


Geschichte

17. Jahrhundert

Erste Kontakte mit Europäern gab es im frühen 17. Jahrhundert; 1688 wurde eine französische Mission in Sillery in Québec errichtet. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es einen fast ununterbrochenen Krieg gegen die Irokesen. Der französische Händler Baron de Castine siedelte bei den Penobscot und heiratete die Tochter des Sachems Madockawando. Nach dessen Tod übernahm Castine die Häuptlingswürde, bis sein Sohn, Castine der Jüngere, alt genug zur Übernahme des Amtes war. Ein permanenter Handelsposten und eine Jesuiten-Mission bei dem heutigen Ort Castine in Maine wurde errichtet. Castine und sein Sohn waren unversöhnliche Feinde der Briten und unter ihrer Führung wuchs die Feindschaft der Penobscot gegenüber den Engländern, besonders deshalb, weil diese die Handelsbeziehungen abgebrochen hatten.


18. Jahrhundert

Die Penobscot unterstützten die Franzosen gegen die Engländer bei allen Kriegen an der Neuengland-Front bis zum Jahr 1749, in dem sie dauerhaft Frieden mit den Engländern schlossen. Als Resultat brauchten sie nicht mit den anderen Gruppen der Abenaki-Konföderation nach Kanada zu flüchten, sondern sie blieben bis heute in ihrem alten Wohngebiet. Im frühen 18. Jahrhundert wohnten die Penobscot in relativ großen Dörfern, die aus Häusern mit Rindendächern und Blockhüttenwänden bestanden.


Franzosen- und Indianerkrieg

Als der Franzosen- und Indianerkrieg (1755-1759) ausbrach, blieben die Penobscot offiziell neutral und drängten die anderen Stämme, es auch zu tun; aber die übrigen Östlichen Abenaki befanden sich zum größten Teil in Québec und hatten wenig zu verlieren. Sie verbündeten sich mit den Indianern der Küstenregion und griffen die Engländer an. Schließlich zwangen die Engländer auch den Penobscot den Krieg auf und enorme Skalpprämien, wie in den vorherigen Kriegen, wurden ausgesetzt: 50 Pfund für einen gefangenen Penobscot-Krieger, 40 Pfund für einen männlichen Skalp, 25 Pfund für eine gefangene Frau oder ein Kind und 20 Pfund für den Skalp einer Frau oder eines Kindes. Der Krieg endete 1759 mit dem Ende der französischen Herrschaft in Nordamerika und dem Verlust der meisten territorialen Rechte außerhalb des Penobscot-Flusssystems an die Engländer. 1764 forderten die Engländer offiziell den Besitz des unteren Penobscotgebiets. Die Penobscot konnten nicht mehr zwischen den zwei konkurrierenden Mächten die Balance halten und der Friedensvertrag von 1762 war im Grunde eine Kapitulation gegenüber den Engländern.


Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg

Im Jahre 1775 brach der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775-1782) aus. Um der englischen Vorherrschaft entgegenzuwirken, verstärkten die Penobscot ihre Bindungen mit den Maliseet-Passamaquoddy, Micmac, Ottawa, Huronen und anderen früheren französischen Verbündeten in der Abenaki-Konföderation. Das Zentrum dieses Bündnisses wurde das Große Feuer in Caughnawaga in Québec, dem heutigen Reservat Kahnawake. Bei Ausbruch des Krieges hielten die Penobscot zu den rebellierenden Kolonisten, einerseits weil es politisch vorteilhaft war und andererseits, weil die Kolonisten auch die Unterstützung der Franzosen hatten. Massachusetts, damals gehörte Maine dazu, schien die territorialen Rechte der Penobscot nördlich von Bangor anzuerkennen, aber später gab es darüber eine Auseinandersetzung. Die Penobscot waren in örtliche Gefechte und in einige weiter entfernte Feldzüge verwickelt, wie Benedict Arnolds Angriff auf Québec. Sie waren am Ende des Krieges in einer hervorragenden Position, aber Massachusetts nutzte ein Missverständnis bei den Sicherheitsbürgschaften von 1775 als Anlass, sich den größten Teil des mittleren Penobscot Rivers anzueignen. Die nördliche Grenze dieses mittleren Abschnitts wurde 1786 festgelegt und 1796 gesetzlich verankert. Innerhalb dieses Gebiets behielten die Penobscot nur die Inseln im Fluss nördlich ihres Hauptdorfes Old Town. Außerdem behielten sie zwei Inseln vor der Küste.


19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurden eine wachsende Zahl von Mischehen geschlossen. Junge Penobscot suchten sich oftmals Maliseet- und Passamaquoddy-Ehepartner. Angehörige anderer Stämme waren auch vertreten und es gab zunehmend Mischehen mit Nichtindianern. Trotzdem blieb Old Town auf Indian Island im Penobscot River eine wichtige und schnell wachsende Heimatstadt. Der Stamm wählt heute alle zwei Jahre einen Gouverneur und einen Abgeordneten ohne Sitz oder Stimme in die Legislative des Staates Maine, der sich lediglich zu Stammesfragen äußern darf. Die staatlichen Verpflichtungen gegenüber den Penobscot werden von einem Agenten verwaltet, dessen Büro sich auf einer Insel in Old Town befindet und von einem staatlichen Bevollmächtigten für indianische Angelegenheiten in Augusta. Verglichen mit den Passamaquoddy ziehen die Penobscot den alleinigen Nutzen aus den vertraglichen Vereinbarungen mit dem Staat. Sie sind nicht unmittelbar dem Bureau of Indian Affairs unterstellt, ein ungewöhnlicher Fall in den Vereinigten Staaten. Trotzdem sind sie berechtigt, von bundesstaatlichen Programmen zu profitieren und sind der bundesstaatlichen Gesetzgebung als indianische Bürger und anderen allgemeinen, die Indianer betreffenden Gesetzen, unterstellt.

Penobscot-Kinder besuchen zwar ihre eigene Grundschule, gehen aber außerhalb der Insel zu weiterführenden Schulen. Eine kleine katholische Mission sorgt für die religiösen und erzieherische Bedürfnisse des Stammes. Eine Minderheit der Penobscot besucht eine Baptistenkirche auf der Insel. Einige handwerkliche Fertigkeiten, besonders die Korbmacherei und Mokassin-Herstellung, werden weiterhin ausgeübt. Im Gegensatz dazu ist der Penobscot-Dialekt praktisch ausgestorben.

Quelle:
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19.08.2009 01:42
#13 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Östliche Abenaki

Pigwacket

Die Pigwacket waren ein Algonkin sprechender Indianerstamm im nordöstlichen Nordamerika, der sprachlich und kulturell zu den Östlichen Abenaki gehörte. Sie waren Mitglieder der Abenaki-Konföderation, verloren aber schon im 18. Jahrhundert ihre Identität, denn sie wurden nach 1750 nicht mehr in historischen Berichten und Dokumenten erwähnt. Ihre Nachfahren findet man heute vermutlich in den Indianer-Reservaten Wolinak und Odanak in der kanadischen Provinz Québec.


Ehemaliges Wohngebiet der Pigwacket

Wohngebiet

Das Wohngebiet der Pigwacket lag am oberen Saco River und seinen Nebenflüssen im südlichen Maine und südöstlichen New Hampshire mit dem Hauptdorf Pequawket.


Name

Pigwacket ist der anderen Hauptform Pequawket vorzuziehen, weil dieser Name der Originalaussprache näherkommt. Die Pigwacket könnten die Einwohner von Shawakotoc auf der von Samuel Purchas veröffentlichten Liste sein. Die Pigwacket sind in englischen Dokumenten bis zum Vertrag von 1690 nicht klar von anderen Stämmen getrennt, französische Quellen geben kurze Zeit später Hinweise auf sie. Pigwacket stammt von dem Wort Apik-ahki der Östlichen Abenaki und bedeutet Land der Höhlen.


Kultur

Historiker vermuten, dass die indianischen Ureinwohner vor mindestens 10.000 Jahren das nördliche Neuengland besiedelt haben. Es gibt aber keine Beweise dafür, ob diese Ureinwohner die Vorfahren der späteren Abenaki sind. Die im Folgenden beschriebenen kulturellen Merkmale gelten so oder so ähnlich für alle Stämme der Östlichen Abenaki. Diese Kultur ähnelte der Lebensweise der benachbarten Algonkin im südlichen Neuengland. Weil sie zum großen Teil von Feldfrüchten, wie Mais, Bohnen und Kürbissen, lebten, lagen ihre Dörfer gewöhnlich an den fruchtbaren Flussufern. Das Anbaugebiet war in der Ausdehnung von der Größe und der Lage der Dörfer abhängig. Der Anteil an Fisch und Meeresfrüchten wechselte mit der Ortslage der Dörfer. Die Nahrung wurde durch Wild, Fisch und Wildpflanzen ergänzt. In unfruchtbaren Gegenden nutzte man oft Fisch als Dünger, um bessere Erträge an Mais zu bekommen.

Wenn es auch lokale Unterschiede im Zyklus durch das wechselnde Angebot an örtlichen Nahrungsquellen gab, kann man einen allgemein gültigen Jahresablauf rekonstruieren. Die erste Aktivität im Frühling bestand im Anzapfen von Ahornbäumen zur Herstellung von Sirup und vermutlich Zucker. Danach folgte der Fang von Fischen aus Frühlingsschwärmen in den Flüssen, sowohl für den sofortigen Verzehr als auch zum Räuchern. Man sammelte Frühlingspflanzen, die Knollen der Erdbirnen (Helianthus tuberous) oder wilde Kartoffeln. Später im Mai wurden die Felder mit Mais, Bohnen und Kürbissen bestellt, während man Tabak in kleinen separaten Gärten pflanzte. Ein längerer Aufenthalt auf einem der größeren Seen, um zu Fischen und der Insektenplage in den Wäldern zu entkommen, wurde durch Rückreisen ins Dorf zum Jäten der bestellten Felder unterbrochen. Im Herbst wurde das reichlich vorkommende Wassergeflügel geschossen oder in Netzen gefangen und Mengen von wilden Tauben erlegt, wenn sie sich zum Flug in den Süden sammelten. Man fing Aale und räucherte sie für den Winter. Hirsche und Elche wurden im Herbst durch Lockrufe in der Brunftzeit und im Winter durch Treiben auf Schneeschuhen und an ihren Weideplätzen gejagt. In der kalten Jahreszeit jagte man Bisamratten, Biber, Otter und andere Pelzträger wegen des Fleisches und später besonders wegen der Pelze.


Handel

Die Materialkultur der Pigwacket änderte sich schnell, als um 1620 zuerst die französischen und später die englischen Waren ins Land kamen. Eiserne Äxte, Nadeln, Gewehre, Messer, Glasperlen und Wollstoffe wurden im Handel gegen Felle getauscht und die selbstgefertigten Gegenstände der Ureinwohner waren bald verschwunden.

Um 1626 handelten englische Kolonisten aus Plymouth regelmäßig mit den Pigwacket. Die Engländer hatten Zugang zu Waren wie Mais und Wampum aus dem südlichen Neuengland und konnten diese Güter gegen Felle handeln. Wampum, den man nach der Einführung von Metallbohrern vermehrt herstellte, wurde sowohl ein wichtiges Zahlungsmittel beim Warenaustausch als auch ein bedeutendes Symbol im politischen und sozialen Bereich.

Die Pigwacket hatten ihren Vorteil beim zuverlässigen Handel mit den Europäern. Es gab nun weniger Dörfer, da sich die überlebenden Einwohner älterer Gemeinden zusammenschlossen. Die Not der gesamten Bevölkerung des Binnenlands im Winter gehörte der Vergangenheit an; das Ziel war jetzt eher, Pelze für den Handel zu erhalten als die Jagd für den Unterhalt und das Überleben bis zum Frühling. Diejenigen Stammesmitglieder, die nicht direkt mit dem Fallenstellen und der Jagd nach Pelzen zu tun hatten, konnten in den Hauptdörfern bleiben und sicherten sich ihren Lebensunterhalt durch Nahrungsmittel, die aus Vorräten oder vom Handel mit den Engländern stammten. Die Lieferung von Mais aus Neuengland durch englische Mittelsmänner und die ganzjährige Anwesenheit eines Teils der Bevölkerung in den Hauptdörfern erlaubte die zunehmende Abhängigkeit von örtlichem Gartenbau, den die Pigwacket zuvor nicht riskieren konnten. Der Lebensunterhalt erforderte nicht länger den Umzug zur Küste und damit konnte man den Ort des Sommeraufenthalt frei wählen.


Geschichte

Auch die Pigwacket wurden, wie die anderen Östlichen Abenaki, durch Epidemien und Kriege stark dezimiert. Am Ende der Kolonialkriege kam es erst zum Frieden, als alle Verträge zwischen 1770 und 1776 abgeschlossen waren. Die wenigen überlebenden Pigwacket wurden vermutlich in kleine Gruppen versprengt. Zwischen 1761 und 1774 drangen vermehrt Siedler in ihr früheres Land ein und es kam 1763 zum Pontiac-Aufstand, an dem sich auch Abenaki beteiligten. Pontiac, Kriegshäuptling der Ottawa, nutzte die allgemeine Unzufriedenheit unter den Indianern, um im Mai 1763 Angriffe auf britische Forts zu organisieren. Als Reaktion darauf verbot die britische Regierung mit der Proklamation von 1763 zwar den Kolonisten, weiter westwärts in das Gebiet der Indianer vorzudringen, doch dieser Erlass wurde von den Siedlern ignoriert und verschlechterte ihr Verhältnis zur Regierung massiv.

Der britische Indianeragent für Nordamerika erklärte, dass sich die Proklamation der britischen Regierung nicht auf das von den Abenaki beanspruchte Gebiet beziehen würde. So hatten die Pigwacket plötzlich keinerlei Recht mehr auf eigenes Land. Nach vielen Jahren des Wechsels von Neuengland nach Kanada und zurück betrachtete sie Québec als Neuengland-Indianer, während sie von Neuengland als zu Kanada gehörig angesehen wurden. Während des Krieges hatten viele Abenaki Zuflucht am St. Regis River gefunden, doch nun wurden sie von den Mohawk zum Verlassen aufgefordert. Doch wohin sollten sie gehen? Einige blieben als unwillkommene Gäste und andere vermischten sich mit Saint-Francis-Indianern.

Quelle:
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19.08.2009 01:49
#14 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Westliche Abenaki

Sokoki

Die Sokoki sind ein Algonkin sprechender Indianerstamm im nordöstlichen Nordamerika und gehören sprachlich und kulturell zu den Westlichen Abenaki. Sie gehörten der Abenaki-Konföderation an. Ihre Nachfahren sind heute in der St. Francis Sokoki Band of Missisquoi organisiert und bemühen sich um die staatliche Anerkennung (engl. Federal recognation) durch die US-Regierung.


Ehemaliges Wohngebiet der Sokoki

Name und Wohngebiet

Die Bezeichnung Sokoki stammt von ihrem Eigennamen Ozogwaki, im Plural Ozokwakiak und bedeutet Leute, die zerstören. Einige Varianten kommen dazu, nämlich in Französisch Assokekik, Sokokioi, Sokoquioi, Sokoqui; in Englisch Sowquachick, Squakey, Suckquakege, Zooquagese; in Holländisch Soquackick.

Der geografisch zentrale Stamm der Westlichen-Abenaki-Region, der auch die Anfänge des Dorfes von Saint Francis, heute Odanak genannt, gestaltete, waren die Sokoki vom oberen Connecticut River. Der Name Sokoki war irrtümlich von Historikern des 19. Jahrhunderts auf die Indianer des Saco Rivers angewendet worden und Schriftsteller kamen zu der Auffassung, die Bewohner Squagheags, dem südlichsten Sokoki-Dorf bei Northfield, sei als eine isolierte und selbständige Gruppe anzusehen. Dokumente des 17. Jahrhunderts weisen die Sokoki aber als die Bewohner des gesamten oberen Connecticut Rivers aus, die den Namen Sokoki auch auf die Cowasuck in Newbury ausweiten konnten.

Die frühesten bekannten Dörfer der Westlichen Abenaki - Penacook, Squagheag, Missisquoi - waren zur Verteidigung mit den gleichen Palisaden geschützt wie auch Saint Francis. Die Dörfer waren typischerweise auf dem Rand einer Klippe angelegt, sowohl in der Nähe des zum Maisanbau geeigneten Schwemmlandes, als auch mit einer ausreichenden Wasserversorgung. Alle Dörfer lagen dicht an einem Fluss oder See, die zum Fischfang und als Reiseweg dienten. Ihre Häuser waren rechtwinklig, mit Rinde bedeckt, hatten gewölbte Dächer mit einem Loch als Rauchabzug für jedes Feuer und boten Platz für mehrere Familien.


Lebensweise

Der Lebensunterhalt sicherte man überwiegend durch einem jährlichen Zyklus von Jagen, Sammeln und Feldanbau. Die erste Aktivität im Frühling bestand im Anzapfen von Ahornbäumen zur Herstellung von Sirup und vermutlich Zucker, sowohl zum sofortigen Verzehr als auch zur Lagerung. Darauf folgte der Fang von großen Mengen an Fischen aus den Frühlingsschwärmen, die sofort verzehrt oder geräuchert wurden. Man sammelte Frühlingspflanzen, die Knollen der Erdbirnen oder wilde Kartoffeln. Man schoß wilde Tauben (engl. Passenger Pigeons, Ectopistes migratorius) aus den Frühlingszügen. Im Mai wurden die Felder mit Mais, Bohnen und Kürbissen bestellt, während man Tabak in kleinen separaten Gärten pflanzte. Die Sommeraktivitäten zum Lebensunterhalt bestanden aus Unkrautjäten der Maisfelder, Fischen und Beerenpflücken, wenn eine Sorte reif wurde. Blaubeeren schätzte man besonders.

Ein längerer Aufenthalt auf einem der größeren Seen zum Fischen und um der Insektenplage in den Wäldern zu entkommen, wurde durch Rückreisen ins Dorf zum Jäten der Felder unterbrochen. Die Sokoki wanderten sogar im Sommer manchmal bis an die Meeresküste. Im späten Sommer sammelte man Heilpflanzen, trocknete und lagerte sie. Außerdem wurden Nüsse gesammelt, die wichtigsten waren Butternüsse (Juglans cinerea) und die heute ausgestorbenen Kastanien. Im Herbst wurde das reichlich vorkommende Wassergeflügel geschossen oder in Netzen gefangen und Mengen von wilden Tauben erlegt, wenn sie sich zum Flug in den Süden sammelten. Man fing Aale und räucherte sie für den Winter. Hirsche jagten die Sokoki eher durch Anpirschen als in Treibjagden. Alle Pelzträger wurden in Fallen gefangen; Biber und Bisamratten fing man in ihren Bauen am Wasser.


Geschichte

Wie die anderen Westlichen Abenaki flohen auch viele Sokoki nach Kanada und siedelten in Saint Francis und Bécancour, wo sie zum katholischen Glauben konvertierten und zum Teil neue Namen von Heiligen der christlichen Kirche annahmen, wie St. Germain und St. Francis. Einige Sokoki sind in St. Francis und Bécancour geblieben, obwohl viele Gruppen diese Orte im Laufe der Jahre verlassen haben. Heute sind Angehörige der Sokoki in ganz Neuengland verstreut, viele gingen auch in die großen Städte, wie Boston, um Arbeit zu finden.

Weder der Bundesstaat Vermont noch die Vereinigten Staaten haben jemals Landansprüche oder den Stammes-Status der dort lebenden Abenaki anerkannt. Die Sokoki, heute organisiert in der St. Francis/Sokoki Band, meldeten zahlreiche Besitzansprüche für Teile ihres alten Wohngebietes an, doch alle wurden bisher abgelehnt. Auch der 1982 gestellte Antrag auf staatliche Anerkennung ist bis heute nicht entschieden.

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19.08.2009 01:53
#15 RE: Ureinwohner Nordamerikas antworten

Westliche Abenaki

Arsigantegok

Die Arsigantegok waren ein Algonkin sprechender Indianerstamm im nordöstlichen Nordamerika, der sprachlich und kulturell zu den Westlichen Abenaki gehörte. Sie waren Mitglieder der Abenaki-Konföderation, verloren aber schon im 18. Jahrhundert ihre Identität. Ihre Nachfahren findet man heute vermutlich in den Indianer-Reservaten Wolinak und Odanak in der kanadischen Provinz Québec.


Ehemaliges Wohngebiet der Arsigantegok

Name

Mit dem Namen Arsigantegok, (abweichend: Arrasaguntacook, Ersegontegog, Assagunticook, Anasaguntacook), bezeichnete man im 18. Jahrhundert den Saint François River und Arsigantewiak hießen die Saint-Francis-Indianer. Arsigantegok scheint seinen Ursprung im Abenaki-Wort Arsikanntekw (dt. Fluss der leeren Hütten), möglicherweise deshalb so bezeichnet, weil durch die Pocken-Epidemie viele der Hütten leerstanden, als die Abenaki aus Sillery, einer Jesuiten-Mission in Québec, hier ankamen. Dieser Name wurde von den Westlichen Abenaki mit Alsigontegok übernommen und verschiedene Etymologien sind dementsprechend entwickelt worden.


Wohngebiet

Das Wohngebiet der Arsigantegok erstreckte sich beiderseits des Saint François Rivers in Québec. Angesichts der Heimsuchung durch mehrere Epidemien und Kriege flüchteten die Abenaki nach Kanada unter französischen Schutz, wo ihnen 1669 zwei Seigneuries bewilligt wurden. Eine Seigneurie war eine Landüberschreibung an Kolonisten in Neufrankreich im 17. und 18. Jahrhundert. Die erste Seigneurie wurde am Saint François River eingerichtet und existiert bis heute unter dem Namen Odanak-Indianerreservat (engl.: Odanak Indian Reserve); die zweite wurde am Bécancour River errichtet und heißt heute Wôlinak Indianer Reservat (engl.: Wôlinak Indian Reserve).


Geschichte

1805 bewilligte die englische Krone neues Land am Saint François River in Durham, Québec, um für den Bevölkerungszuwachs durch zuströmende Neuankömmlinge Platz zu schaffen. Das Durham-Reservat wurde nicht nur von Neuankömmlingen besiedelt, sondern auch von Familien, die schon lange in Saint Francis waren und bestand von 1805 bis 1840. Die Bewohner von Saint Francis wurden offiziellen Dokumenten zufolge weiterhin mindestens bis 1880 als Sokoki und Abenaki von Saint Francis bezeichnet, bevor es um 1990 üblich wurde, die gesamte Gruppe mit Abenaki zu benennen. Dieser Name wurde auch von den Indianern übernommen, die sich ab der 1970er Jahre selbst als Abenaki bezeichnen.

Die Westlichen Abenaki werden von den USA nicht als Stamm anerkannt (engl.: Federal recognized tribe), im Gegensatz zu vielen anderen Stämmen in Neuengland. Der Grund liegt in der Assimilation und der nachfolgenden Zersplitterung der Abenaki in diverse Reservate nach dem Franzosen- und Indianerkrieg, lange bevor die US-Regierung im späten 20. Jahrhundert begann, die Souveränität der Ureinwohner anzuerkennen.

Quelle:
Wikipedia

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