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Dieses Thema hat 3 Antworten
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Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

03.08.2009 23:52
RE: Friedrich der Grosse Antworten

erstmal muss ich als Kartoffelgeniesser was dazu schreiben

Er selbst hat die traditionelle norddeutsche Küche am eigenen Leib erfahren: Friedrich II., später auch der Große genannt, wird angeblich mit Graupen und Getreidebrei, Kohl und Biersuppe aufgezogen. Sein Vater, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. will diese abhärtende Erziehung. Seine Mutter liebt es eher international, und ihr tut es König Friedrich später nach: Wenn sein Koch Suppe à la Suice, Schinken und Mohrrüben à l´ Anglaise und Fulm à l´ Espagnol serviert, kann der Preußenherrscher schon einmal anerkennend dichten: "Was kochen kann in allen Küchen, der alten und der neuen Welt, der muss vor Ihnen sich verkriechen, Sie sind ein großer Küchenheld."
Aus der so genannten Neuen Welt gelangt schon 1555 eine Frucht nach Spanien, die der Landgraf Wilhelm von Hessen "Taratouphli" nennt und um 1580 seinem Kollegen in Sachsen schenkt. Im Begleitschreiben lässt er wissen: "Dießelbige wenn sie gekocht werdenn, seindt sie gar anmuthig zu eßenn." Das finden die meisten Zeitgenossen allerdings nicht. Sie pflanzen das Gewächs in botanischen Gärten an, bewundern die exotische Frucht, halten sie aber für ungenießbar oder gar giftig. Erst die Not lehrt sie essen: Weil bei schlechten Getreideernten stets Hungerwinter drohen, setzt sich die genügsame Erdfrucht aus den Anden von Südeuropa aus in immer mehr Gegenden durch. Sie heißt hier Trüffel oder Tartoffel oder auch Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne oder Bodenbirne.

Als Friedrich II. 1740 König wird, herrscht gerade wieder ein Hungerwinter. Die Dreifelderwirtschaft, die nach Winter- und Sommergetreide stets eine Brache braucht, ist sehr krisenanfällig. Friedrichs ständige Kriegszüge verschärfen das Problem noch. Friedrich will ein dichter besiedeltes Brandenburg. Er lässt den Oderbruch trocken legen, gründet ständig neue Dörfer. Menschen sind Macht - aber auf den sandigen Böden gibt es zu wenig Nahrung für sie. Also lässt der König Kartoffeln verteilen, zunächst als Geschenke, versehen mit einer Pflanzanweisung. Aber die Bauern beißen nicht an. "Die Dinger riechen nicht und schmecken nicht und nicht einmal die Hunde mögen sie fressen", berichtet Joachim Nettelbeck, der in Kolberg eine öffentliche Kartoffelvorführung miterlebt.

Also greift Friedrich zum Zwang: Ein Runderlass vom 24. März 1756 verordnet den Kartoffel-Anbau. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen. Trotzdem läuft das Programm nur allmählich an. Erst eine List lehrte seine Untertanen, die ominöse Feldfrucht zu schätzen:

Der König gab Order, Kartoffelfelder anzulegen und von Soldaten bewachen zu lassen. Und tatsächlich! Nachts schlichen sich die Bauern heimlich auf die Felder, um nachzusehen, was es dort so streng zu bewachen gab. Die Garde schaute großzügig weg, der Zweck war erfüllt. Gleich sackweise wurden die "verbotenen Früchte" geklaut, denn jeder Bauer wollte den wertvollen Erdapfel in seinem Acker haben. Dann mußten die Städter überzeugt werden. Das geschah dadurch, daß der alte Fritz sich häufig in kleinen Städten der Mark-Brandenburg oder Schlesiens in aller Öffentlichkeit Kartoffeln servieren ließ. So kam man auf den Geschmack. Und heute ist die Kartoffelaus der Küche nicht mehr wegzudenken... Welche Ernährungsrevolution in Deutschland seine Kartoffelpolitik anstieß, hat Friedrich bis zu seinem Tod 1786 nicht mehr erlebt.


"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

03.08.2009 23:57
#2 RE: Friedrich der Grosse Antworten

Zitate von Friedrich dem Grossen:

„Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit.“
„Je mehr man altert, desto mehr überzeugt man sich, daß Seine heilige Majestät der Zufall gut drei Viertel der Geschäfte dieses miserablen Universums besorgt.“
„Es heißt, dass wir Könige Gottes Ebenbilder auf Erden sind. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht.“
„Beleidigung mit Beleidigungen zu vergelten ist die Art des Pöbels.“
„Bosheit ist eine Art Delirium und verwirrt den Verstand.“
„Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert.“
„Gute Sitten haben für die Gesellschaft mehr Wert als alle Berechnungen Newtons.“
„In den Gerichtshöfen sollen die Gesetzte sprechen und der Herrscher schweigen.“


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Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

Spartiaten Offline




Beiträge: 4.938

12.08.2009 19:30
#3 RE: Friedrich der Grosse Antworten

Schlacht bei Kunersdorf

12. August 1759

Heute vor 250 Jahren ging Preußen zum ersten Mal unter. Der Staat, der sich vor allem anderen auf seine Armee gründete, wurde, seiner Art gemäß, buchstäblich vernichtet in einer Schlacht, unweit der Oder, von einer russischen Armee.

Am 12. August 1759 marschierten 37.000 preußische Infanteristen und 13.000 Reiter bei Kunersdorf gegen 79.000 Russen und Österreicher auf. Seit drei Jahren tobte der Krieg, der später der Siebenjährige genannt werden sollte, und Preußens Ressourcen und Chancen schwanden dramatisch. Ostpreußen war längst in russischer Hand, im Norden drangen Schweden, im Süden Österreicher und im Osten die Russen vor.

Und im Westen banden französische Truppen erhebliche Kräfte. Unter Aufbietung der letzten Kräfte versuchte Friedrich II., Schlesien und Sachsen mit ihren reichen Mitteln vor dem kaiserlichen Zugriff zu schützen und zugleich eine Vereinigung seiner beiden mächtigsten Feinde, Österreichs und Russlands, zu verhindern. Zwar hatte der König dem kaiserlichen Feldmarschall Daun den Weg nach Norden verlegen können.

Aber ein Korps von 20.000 Mann unter Laudon konnte die preußische Hauptmacht umgehen und zu den Russen stoßen, die sich Frankfurt an der Oder näherten. Zuvor hatten sie bei Kay ein preußisches Detachement über den Haufen gerannt.

Friedrich überließ den Schutz Schlesiens seinem Bruder Heinrich und eilte nach Norden. Als Kriegsherr, Außenminister und Feldherr in einer Person war der König, was das Treffen von schnellen Entscheidungen und ihre Umsetzung anging, seinen Gegnern immer noch überlegen. Auch vermochte die Zusammensetzung seiner Truppen, die sich überwiegend aus Landeskindern rekrutierten, während Österreicher und Franzosen gepresste Söldner ins Feld führten, die zahlenmäßige Unterlegenheit ein wenig auszugleichen. Hinzu kam die überragende Feldherrnkunst Friedrichs, wie er sie bei Leuthen oder Roßbach bewiesen hatte.


Deren Kehrseite aber war ein Hang zum Vabanque, zum Alles-oder-Nichts-Spiel oder, wie er es nannte, "Tanz auf dem Seil". Der hatte ihn, den Autor des "Antimachiavell", 1740 zur Eroberung Schlesiens getrieben und 1757 zum Präventivschlag gegen die überlegene Koalition. Sich Preußens begrenzter Möglichkeiten bewusst, suchte Friedrich immer wieder die Entscheidungsschlacht, um den kräftezehrenden Abnutzungskrieg zu beenden.

In den überschaubaren Maßstäben des 18. Jahrhunderts lebte er damit vor, was die preußisch-deutsche Militärmacht in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts immer wieder antreiben sollte. Und er bot damit ein Beispiel für die katastrophalen Folgen einer solchen Strategie.

Wie schon bei Leuthen versuchte Friedrich bei Kunersdorf – eine Doppelausstellung in Frankfurt/Oder erinnert daran –, seine Feinde mit Hilfe der Schiefen Schlachtordnung auszumanövrieren. Während der linke Flügel seiner Armee in der Defensive verharrte, sollte der verstärkte rechte die gegnerische Linie durchbrechen und damit die ganze Front aufrollen. Doch mangelhafte Aufklärung machte eine Umgruppierung der preußischen Truppen nötig. Das Überraschungsmoment ging verloren, und die Russen erwiesen sich auch nicht als die furchtsamen Bauernsoldaten, die man erwartet hatte.

An den Feldbefestigungen, die ihr Feldherr Saltykow hatte anlegen lassen, rannten sich die preußischen Bataillone fest, während die Kavallerie wegen des ungünstigen Geländes kaum zum Einsatz kam. Statt den Angriff beizeiten abzublasen, trieb Friedrich seine erschöpften Truppen immer wieder gegen die kanonenstarrenden Höhen, bis sich seine Armee nach einem Gegenangriff der Reiterei buchstäblich auflöste.

Am Abend konstatierte Friedrich in schonungsloser Offenheit, nachdem er das Oberkommando dem General Finck übertragen hatte: "Unser Verlust ist sehr groß. Von 48.000 Mann vor der Schlacht verfüge ich gegenwärtig noch über 3000. Alles flieht, und ich bin nicht mehr Herr meiner Leute ... Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und ich muss gestehen, dass ich alles für verloren halte. Den Untergang meines Staates vermag ich nicht zu überleben. Adieu für immer."

Friedrich hatte recht: Fast 20.000 Preußen lagen tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld, fast die gesamte Artillerie war in russischer Hand, der Weg nach Berlin stand den Alliierten offen und damit die Vollendung ihres Kriegszieles, Preußen zu vernichten.

Doch nichts geschah. Saltykow hatte 13.000 Mann verloren und fürchtete, bei einem zügigen Vormarsch seine Versorgungslinien zu überdehnen. Außerdem wäre der eigentliche Profiteur der Auslöschung Preußens Österreich gewesen, den zu stärken dem Russen nicht einfiel. Doch auch der Zauderer Daun konnte sich zu einem beherzten Vormarsch nicht durchringen. Und so boten die Sieger einmal mehr ein Exempel für die Schwerfälligkeit der Kriegsführung in der Epoche des Absolutismus.

Nachdem einige Zehntausend sich doch wieder um seine Fahnen gesammelt hatten, gewann Friedrich seine Contenance zurück. Vor allem zog er aus dem Ausbleiben der endgültigen Katastrophe ein Resümee, das Geschichte machen sollte: "Ich verkünde Ihnen das Mirakel das Hauses Brandenburg", schrieb er am 1. September an seinen Bruder Heinrich: "In der Zeit, da der Feind die Oder überschritten hatte und eine zweite Schlacht hätte wagen und den Krieg beendigen können, ist er nach Müllrose und Lieberose (Orte südöstlich von Berlin; d. Red.) marschiert."

"Das Mirakel des Hauses Brandenburg" hatte Folgen. Zunächst einmal nahm das Wort den Ausgang des Krieges vorweg, der sich noch bis 1763 ziehen sollte. Nach dem Tod der Zarin Elisabeth schied Russland aus der Front der Gegner aus, Frankreich verlor den Krieg gegen Friedrichs Bundesgenossen England, und Österreich war – wie Preußen – ermattet und machte seinen Frieden auf Grundlage des Status quo mit ihm.

So wurde das "Mirakel", das Wunder, eine aussichtslose Situation überwunden zu haben, indem man standhaft blieb, zum zweiten Erbstück preußisch-deutscher Militärmacht. Das eine war das Kalkül, der im Herzen Europas eingezwängte, von seinen Ressourcen her unterlegene Staat werde mit seinen an Ausbildung und Führung überlegenen Truppen beizeiten die Entscheidungsschlacht erzwingen. Das andere war der Glaube, dass ein Wunder schon kommen werde, sollte dieser Plan scheitern.


ein Hoch auf Friedrich II. König von Preußen

Carolus Marxus Offline




Beiträge: 52

06.11.2009 19:38
#4 RE: Friedrich der Grosse Antworten



Man gestatte mir ein paar Gedanken dazu ....

Zitat:
"Doch nichts geschah. Saltykow hatte 13.000 Mann verloren und fürchtete, bei einem zügigen Vormarsch seine Versorgungslinien zu überdehnen. Außerdem wäre der eigentliche Profiteur der Auslöschung Preußens Österreich gewesen, den zu stärken dem Russen nicht einfiel. Doch auch der Zauderer Daun konnte sich zu einem beherzten Vormarsch nicht durchringen. Und so boten die Sieger einmal mehr ein Exempel für die Schwerfälligkeit der Kriegsführung in der Epoche des Absolutismus."

Einer der Punkte, wo Friedrich klar im Vorteil war. Saltykow wie auch Daun waren eben nur Generale, ihren Kaisern Rechenschaft schuldig und gleichzeitig von Offiziers-Konkurrenz umgeben, die oft nur auf einen Fehler des Feldherrn wartete. Das lässt zögern, bremst die Entschlussfreudigkeit, macht vorsichtig.
Friedrich war Herrscher und Feldherr in Personalunion und damit völlig ungehemmter - oder enthemmter. Und konnte folglich spontaner, schneller, flexibler reagieren.
Ein reichliches Jahrhundert später kann man dies bei Napoleon ebenso beobachten.


Zitat:
"Sich Preußens begrenzter Möglichkeiten bewusst, suchte Friedrich immer wieder die Entscheidungsschlacht, um den kräftezehrenden Abnutzungskrieg zu beenden.
In den überschaubaren Maßstäben des 18. Jahrhunderts lebte er damit vor, was die preußisch-deutsche Militärmacht in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts immer wieder antreiben sollte. Und er bot damit ein Beispiel für die katastrophalen Folgen einer solchen Strategie."


Wage ich zu bezweifeln!
Friedrich - gerade erst König geworden - zog in den 1. Schlesischen Krieg ja nicht allein, sondern mit diversen anderen Mächten gemeinsam (Bayern, Sachsen, Neapel usw.)
Der Kaiser in Wien war verstorben und ehe man eine Frau da so einfach herrschen ließ, wollte man sich erst ein paar Stückchen vom Habstburger Großreich gönnen.
Das war zum Zeitpunkt eben echt "in"!
Vermutlich war dem Jungkönig Friedrich nicht völlig bewußt, worauf er sich eigentlich einließ.
Ein Krieg, den er zwar gewann, der aber die zwei Folgekriege wohl unweigerlich nach sich zog.
Als dann im Siebenjährigen plötzlich Preußen der zu verteilende Kuchen eines Ringsumbündnisses war, blieb wohl nur die von ihm versuchte Blitzkriegsstrategie übrig.

1914 aber wurde Deutschland von einem Kaiser regiert, der Dank seines wohl einstelligen IQs weder politisch noch militärisch auf der Höhe der Zeit war. Man lebte im wilhelminischen Zeitalter irgendwie dauerhaft anno 1871.
Und wollte in maßloser Selbstüberschätzung für Deutschland die ihm "zustehende Rolle" in der Welt einfordern.



Was mir persönlich bei Friedrich Zwo am Wichtigsten erscheint - die Gewährung der völligen Religionsfreiheit und natürlich die Kartoffel! Erst mit deren flächendeckenden Einführung gab es in Deutschland keine Hungersnöte mehr.

Proletarier aller Länder vereinigt euch!

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