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 römische Geschichte
Centurio Classicus Offline




Beiträge: 6.850

01.08.2009 14:13
RE: Formel 1 in der Antike antworten

Formel 1 in der Antike

Vor allem in der Spätantike kam es häufig zu regelrechten Straßenschlachten in Rom.
4 Farben dominierten das Geschehen:
Die Grünen (prasina, in der Farbe des Frühlings), die Roten (russata, in der Farbe des Sommers), die Blauen (veneta, in der Farbe des Herbstes) und die Weißen (alba, in der Farbe des Winters).

Was war passiert?
Es war Renntag im Circus Maximus!


Der Circus Maximus, der größte Circus Roms, befand sich im ca. 650 m langen und 100 m breiten Tal zwischen Palatin und Aventin.
Er hatte eine Fläche von 45 000 m2 und war damit zwölf Mal so groß wie das Colosseum.
Er bot 150 000- 250 000 Zuschauern Platz.


Hier fanden die römischen Wagenrennen statt.
Die wichtigste Rennserie waren die Ludi Romani, die zwei Wochen dauerten und jährlich vom 4. bis zum 18. September stattfanden. Eine bestimmte Anzahl von Runden (in der Regel sieben) musste von den meist vierspännigen, gelegentlich aber bis zu siebenspännigen Wagen zurückgelegt werden. Am Beginn des römischen Wagenrennens stand die pompa circensis, eine große Prozession, bei der die Gespanne, begleitet von Musikanten und Tänzern, in den Circus einzogen. Die pompa erinnerte an den kultischen Zusammenhang, in dem die Rennen standen.
Die Wagen starteten aus Einzelboxen (carceres). Zuerst mussten die Gespanne auf die Startboxen verteilt werden. Dazu wurde für jedes Gespann eine Kugel in eine drehbare Urne gegeben, und in der Reihenfolge, in der die Kugeln aus der Urne kamen, suchten sich die Fahrer ihre Boxen aus. Diese Entscheidung war oft sehr bedeutsam, weil die Fahrer der einzelnen Parteien oft zusammenarbeiteten, indem sie versuchten, die gegnerischen Gespanne abzudrängen und dem Spitzengespann ihrer Farbe zum Sieg zu verhelfen. (Gegeneinander an traten die vier rivalisierenden factiones (Rennställe) der Weißen, Roten, Grünen und Blauen (Albata, Russata, Prasina, Veneta), die über gut organisierte und nicht selten fanatische Fans verfügten. Wer wollte, konnte auf seine Favoriten wetten. )
Ob ihre Entscheidung günstig oder ungünstig gewesen war, erfuhren die Wagenlenker also immer erst, wenn alle Startboxen verteilt waren. Zwischen den Wendepfeilern befand sich eine Mauer (spina), auf der neben Altären, Statuen u. Ä. auch Gestelle mit beweglichen Holzeiern (ova) bzw. marmornen Delfinen standen. An ihnen konnten die Zuschauer erkennen, wie weit das Rennen fortgeschritten war, weil nach jeder gefahrenen Runde ein Ei bzw. ein Delfin abgesenkt wurde. Ein zweiter Satz von Eiern stand am Rand der Arena- wahrscheinlich zur Information der Wagenlenker.
Der Veranstalter gab das Startzeichen, indem er die mappa, ein Stück Tuch, hinabwarf. Daraufhin wurden die Tore der Startboxen geöffnet und das Rennen begann. Vor Erreichen der "Weißlinie" zwischen spina und rechtem Podium mussten die Gespanne geradlinig fahren. Danach konnte jeder seine Route frei wählen. Jeder Wagenlenker versuchte dabei natürlich, soweit wie möglich nach innen zu kommen, damit die zurückzulegende Strecke insgesamt kürzer war. Auf den geraden Strecken erreichten die Gespanne bis zu 75 km/h, vor den metae wurde das Tempo auf ungefähr 25- 30 km/h reduziert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der römischen Rennpferde lag wahrscheinlich bei etwa 35 km/h, demnach dauerte ein Rennen circa 8- 9 Minuten.


Schreckliche Unfälle vor allem an den Wendemarken und spektakuläre Überholmanöver sorgten für Nervenkitzel. 24, gelegentlich noch mehr Rennen pro Tag sorgten für Kurzweil, und wer als Fahrer Erfolg hatte, konnte reich und berühmt werden: Ein gewisser Diokles gewann an einem einzigen Tag zweimal 40.000 Sesterzen, und einzelne Fahrer sollen es auf bis zu 5.000 Rennen in ihrer Karriere gebracht haben.

Die Kaiser, die, wie zum Beispiel Augustus, öffentlich Interesse an den Spielen zeigten, waren beim Volk um einiges beliebter als solche, die das nicht taten (z.B. Tiberius). Die Spiele waren in der Kaiserzeit die einzige Möglichkeit zur Meinungsäußerung des Volkes. Kein Kaiser wagte, sie einzuschränken.

Der Circus Maximus. war etwa 240 Tage im Jahr in Betrieb. So groß war die Zahl der Feiertage oder der anderen Vorwände der Römer, um die beliebten Wagenrennen auszutragen. Teilweise fanden pro Tag bis zu 100 Rennen statt.

Die letzten Wagenrennen des antiken Rom veranstaltete im Jahr 549 nach Christus der Ostgotenkönig Totila.

aus diversen Quellen im Netz zusammengetragen, gekürzt, umgeschrieben, neu sortiert

"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.
(Ingeborg Bachmann)

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