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 2.Weltkrieg
Gaius Julius Caesar Offline



Beiträge: 290

30.07.2009 21:55
RE: die letzte Fahrt der Bismarck antworten

Daten des Schlachtschiffes 'Bismarck':

* gebaut von 1936 - 1940 bei Blohm & Voss, Hamburg
* L * B * T 251 * 36 * 10,2 Meter
* 41.700 tdw Standard, 50.900 tdw im Einsatz
* Maschinenleistung 150.170 WPS
* 2 Ruder, 3 Schrauben
* Geschwindigkeit 30,1 kn
* Bewaffnung 8 * 38 cm, 12 * 15cm
* Bewaffnung Flak 16 * 10,5 cm, 12 * 2 cm
* Panzerung Wasserlinie 320 mm, Deck 120 mm
* Katapult für vier Wasserflugzeuge
* Besatzung 2065 Mann, 2206 Mann mit dem Stab von Admiral Lütjens auf der ersten und letzten Einsatzfahrt

Nach der Indienststellung im August 1940 erfolgte eine Erprobung des Schiffes in der Ostsee. Parallel dazu wurde die Besatzung ausgebildet.
Am 19. Mai 1941 lief das Schlachtschiff 'Bismarck' zusammen mit dem Schweren Kreuzer 'Prinz Eugen' zur ersten Einsatzfahrt (Deckname 'Rheinübung') aus Gotenhafen aus. Der Auftrag lautete, Handelskrieg im Nordatlantik zu führen. Dabei sollten auch die eskortierten Konvois der Briten angegriffen werden. Dazu mussten die deutschen Schiffe die englische Blockade der Nordsee und des Nordmeeres an einer Stelle durchbrechen.
Das Auslaufen der 'Bismarck' geschah unter strengsten Geheimhaltungskriterien, dennoch wurde das Schiff von einem schwedischen Flugzeugträger erkannt und eine Meldung an London weitergegeben. Der unbemerkte Durchbruch in den Atlantik war misslungen. Die'Bismarck' und 'Prinz Eugen' liefen in den gesicherten Fjord von Bergen ein, damit die 'Prinz Eugen' hier ihren Brennstoff ergänzen konnte. Dann ging es weiter nördlich Richtung Dänemarkstrasse.
Derweil brachten die Briten ihre Heimatflotte, die in Scapa Flow lag, gegen den deutschen Verband in Stellung. Die schweren Kreuzer 'Norfolk' und 'Suffolk' patroullierten vor der Dänemarkstrasse, die Kreuzer 'Birmingham' und 'Manchester' zwischen Island und Faröern. Die Schlachtschiffe 'Hood' und 'Prince of Wales' verliessen Scapa Flow Richtung Island.
Am Abend des 23. Mai 1941 wurde der deutsche Verband in der Dänemarkstrasse von der 'Suffolk' und der 'Norfolk' entdeckt. Es kam zu einem kurzen Schusswechsel ohne Treffer.

Die englischen Kreuzer setzten sich hinter den deutschen Verband und verfolgten ihn. Die Deutschen versuchten durch verschiedene Kurswechsel die Engländer abzuschütteln. Doch dies misslang, da die Engländer über sehr gute weitreichende Radargeräte verfügten und jede Richtungsänderung mitmachten. Und die beiden Schlachtschiffe 'Hood' und 'Prince of Wales' näherten sich mit voller Fahrt.
Am Morgen des 24. Mai kam es zum Gefecht zwischen der 'Bismarck' und 'Prinz Eugen' gegen die 'Hood' und 'Prince of Wales'.

Dabei erwies sich die vierte Salve der 'Bismarck' auf der 'Hood' als tödlicher Volltreffer. Die Granaten durchschlugen die Deckspanzerung der 'Hood' und detonierten wahrscheinlich in einer Munitionskammer. Das Schlachtschiff 'flog in die Luft', es brach in zwei Teile auseinander und sank in Sekundenschnelle.

Die 'Prince of Wales', die sieben Treffer erhalten hatte, drehte ab. Die Deutschen liessen sie entkommen.

Von den 1419 Mann Besatzung der 'Hood' überlebten nur drei. Sie lagen in einem Rettungsfloss und wurden von dem nachrückenden Zerstörer 'Electra' geborgen.
Auch die 'Bismarck' hatte drei folgenschwere Treffer erhalten. Eine Granate schlug oberhalb der Wasserlinie am Bug ein. Dennoch strömte wegen der Bugwelle Wasser in das Schiff. Eine weitere Granate durchschlug den Rumpf unterhalb der Gürtelpanzerung und verursachte einen Wassereinbruch im vorderen Turbinenkraftwerk. Der Zugang zu den vorderen Treibstofftanks war unterbrochen. Die 'Bismarck' zog im Kielwasser eine Ölspur hinter sich her, die leicht von der Luftaufklärung gesehen werden konnte.
Die Brennstoffsituation wurde für die 'Bismarck' kritisch. Deswegen ging sie mit der Fahrt auf 24 kn herunter. Admiral Lütjens entliess die 'Prinz Eugen' und nahm mit der 'Bismarck' Kurs auf die deutschen Stützpunkte in Frankreich.
Auf britischer Seite setzte jetzt eine regelrechte Treibjagd auf die 'Bismarck' ein. Die 'Suffolk', 'Norfolk' und 'Prince of Wales' folgten in ihrem Kielwasser. Von Westen kamen die Schlachtschiffe 'King George V', 'Repulse', 'Rodney' und der Flugzeugträger 'Victorious' heran. Und aus dem Süden nahm die 'Force H' Kurs auf die Biscaya, die aus dem Flugzeugträger 'Ark Royal', dem Schlachtkreuzer 'Renown', dem Kreuzer 'Sheffield' und sechs Zerstörern bestand.
Am 24. Mai kurz vor Mitternacht griffen acht Swordfish Doppeldecker vom Träger 'Victoriuos' mit ihren Torpedos die 'Bismarck' an. Einer von ihnen traf die 'Bismarck' und drückte die Panzerung ein, es entstand kein großer Schaden.
Am 25. Mai gegen drei Uhr in der Frühe schlug die 'Bismarck' einen Haken und kreuzte ihr eigenes Kielwasser. Die Briten verloren sie auf ihrem Radar und somit die Fühlung zum Gegener. Sie hatten keine Ahnung in welcher Richtung sich die 'Bismarck' davon gemacht hatte. Doch 30 Stunden später wurde die 'Bismarck' per Zufall von einem Catalina Flugboot wieder entdeckt, ihre Position an alle britischen Einheiten gefunkt. Die Hetzjagd ging weiter, denn die 'Bismarck' war noch ca. 700 sm von Brest entfernt.
Der Träger 'Ark Royal' befand sich beim Zeitpunkt der Wiederentdeckung nur 60 sm von der 'Bismarck' entfernt. Swordfish Flugzeuge mit Torpedos starteten in zwei Staffeln von der 'Ark Royal'. Einige Maschinen der ersten Staffel griffen voreilig die britische 'Sheffield' an, es entstand aber kein Schaden. Die anderen Maschinen flogen extrem niedrig auf die wild feuernde 'Bismarck' zu.
Trotz verschiedener Ausweichmanöver schlugen zwei Torpedos mittschiffs und achtern ein.

Auf der 'Bismarck' blieb das Ruder auf 12 Grad Backbord liegen, es war blockiert. Der Kommandant versuchte das Schiff mit den drei Schrauben zu steuern, es gelang kaum, es war manövrierunfähig. Die Fahrt ging dabei auf sieben Knoten zurück, das Schiff fuhr Schlangenlinien nach Nordwesten. Jetzt konnte die 'Bismarck' ihren Verfolgern nicht mehr entkommen. Zusätzlich frischte der Wind auf Sturmstärke auf.
Vier britische und ein polnischer Zerstörer (die 'Piorun') standen der 'Bismarck' am nächsten und fuhren auf sie zu. Sie schossen ihre Torpedos ab und verdrückten sich schnell um dem Artilleriehagel der 'Bismarck' zu entgehen. Kein Torpedo traf.
Am 27. Mai 1941 um 08:48 begann das letzte Gefecht der 'Bismarck'.

Die beiden britischen Schlachtschiffe 'King George V' und 'Rodney' und die schweren Kreuzer 'Norfolk' und 'Dorsetshire' waren herangekommen und feuerten auf die manövrierunfähige 'Bismarck'. Die 'Bismarck' wurde schwer getroffen, es entstanden viele Brände, einige Geschütztürme fielen aus. Um 09:31 schoß die 'Bismarck' ihre letzte Salve, dann verstummten ihre Geschütze. Die Engländer feuerten noch 51 Minuten bis 10:22 mit ihren schweren Kalibern aus kürzester Entfernung in das brennende Wrack. Sie hatten Order die 'Bismarck' zu versenken. Dann folgten noch zwei Torpedos von der 'Dorsetshire'. Die 'Bismarck' war ein brennendes Wrack, hatte aber nur geringen Schaden unterhalb der Wasserlinie und wollte nicht sinken. Dennoch ging sie um 10:39 durch Selbstversenkung unter. Die Deutschen hatten die Seeventile geöffnet und eine Sprengladung gezündet.

Alle, die sich auf der 'Bismarck' noch bewegen konnten, sprangen über Bord und schwammen im öligen Wasser. Die britischen Schlachtschiffe setzten sich ab wegen Treibstoffmangel. Die 'Dorsetshire' und der Kreuzer 'Maori' drehten bei und warfen Tauwerk über Bord, an denen die Schiffbrüchigen hochzuklettern versuchten. Doch mitten in den Bergungsversuchen wurde auf den britischen Schiffen U-Boot Alarm gegeben (kein deutsches U-Boot war auch nur in der Nähe, aber viele fuhren auf Anweisung von Dönitz mit äusserster Kraft dort hin, um der Bismarck beizustehen). Sie fuhren davon während Hunderte noch im Wasser schwammen und verzweifelt und ungläubig den verschwindenden Schiffen hinterherstarrten.
Insgesamt wurden 110 Männer von den britischen Schiffen gerettet. Drei wurden einen Tag später von dem deutschen U-47 aufgefischt und zwei von dem Wetterschiff 'Sachsenwald'. 2106 Marinesoldaten der 'Bismarck' fanden den Tod.
Zur Verfolgung und Vernichtung der 'Bismarck' hatten die Engländer fünf Schlachtschiffe, drei Schwere Kreuzer, zwei Flugzeugträger, 13 Kreuzer, 33 Zerstörer und acht U-Boote eingesetzt.

Der amerikanische Meeresgeologe Robert D. Ballard unternahm 1988 eine Suchfahrt, bei der er mit dem Kamera-Schleppschlitten 'Argo' die 'Bismarck' finden wollte. Sie hatten keinen Erfolg und begannen 1989 eine zweite Fahrt mit dem Forschungsschiff 'Star Hercules'. Am 8. Juni 1989 sahen sie das Wrack der 'Bismarck' auf ihren Bildschirmen. Das Schiff liegt in 4.790 m Tiefe am Rand eines unterseeischen Vulkans aufrecht auf seinem Kiel. Dort, wo die schweren Geschütztürme standen sind große, runde Löcher, siehe Marke links.
Das Hakenkreuz auf dem Bug des Schiffes war während der achttägigen Einsatzfahrt übermalt. Die Zeit und das Meerwasser hatten es wieder zum Vorschein gebracht.
Nach Auswertung von Fotos und Filmaufnahmen kommt Robert Ballard zum folgenden Schluss: Als die 'Bismarck' kenterte, brach das beschädigte Heck ab, die großen Türme fielen durch ihre Schwerkraft mit einer Menge anderer Trümmer auf den Grund. Nun, voll geflutet, sank die 'Bismarck', dabei drehte sie sich wieder auf ihren ebenen Kiel. Das Schiff schlug am Hang eines Unterwasserberges auf und rutschte mit einer Sediment-Lawine abwärts. Der Rumpf weist keine Anzeichen von Implosionen auf, wie z.B. beim Heck der 'Titanic'. Das bedeutet, dass Außen - und Innenwasserdruck einander entsprachen, dass das Schiff also durch Selbstversenkung untergegangen ist.
Im Mai 2002 unternahm der Filmregisseur James Cameron, der u.a. den bekanntesten Titanic Film gedreht hatte, eine Expedition zur 'Bismarck' um einen 'Dokumentarfilm' zu drehen. Er heuerte ein russisches Forschungsschiff an und tauchte mit den beiden Tauchbooten 'Mir 1' und 'Mir 2'. Dabei hatten sie eine Robotsonde (ROV - remote operand vehicle), die sie in mehrere Öffnungen der 'Bismarck' hineinsteuerten. Es gelangen ihm spektakuläre Aufnahmen, u.a. auch vom zerstörten Ruder und von verschiedenen Innenräumen. Nachdem sie nur vier Treffer in der Aussenhautpanzerung der 'Bismarck' gezählt hatten, aber unten am Rumpf lange Risse entdeckten, bestätigten Cameron und sein Team, dass alle Anzeichen auf eine Selbstversenkung deuteten.
Die Engländer hatten bekanntgegeben, dass insgesamt 2.876 Granaten auf die 'Bismarck' abgefeuert wurden, davon 719 allein aus der schweren Artillerie mit ihren 40 und 37 cm Kanonen der 'Rodney' und 'King George V'. Die Schiffe fuhren aber so dicht an die 'Bismarck' heran, angeblich drei Seemeilen, dass die Geschütze auch in waagerechter Position garnicht tiefer zielen konnten, ihre Granaten landeten in den Aufbauten der 'Bismarck'.
Zweifellos wäre die 'Bismarck' auch ohne die Selbstversenkungsmassnahmen der Deutschen früher oder später untergegangen.
Das Filmteam brachte eine Gedenktafel zur 'Bismarck' hinunter, zur Erinnerung an gefallene deutsche und britische Marinesoldaten.
Der Dokumentarfilm von Cameron ist leider sehr theatralisch und pathetisch geraten.

aus www.seemotive.de


"Libenter homines id, quod volunt, credunt."
Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.

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